Monatsbericht für die Nursery-Gruppe:

Weil es immer wieder regnete und der Himmel tagelang finster und bewölkt war, mussten die jüngeren Waisen in diesem Monat öfter länger in ihren Ställen bleiben während die Älteren immer bei Tagesanbruch herausgelassen wurden. Das sorgte natürlich für Aufregung: die älteren Kühe wie Mutara, Shukuru und Tano standen vor den Stalltüren ihrer Schützlinge und warteten, dass diese herausgelassen werden. Naipoki, die im letzten Monat noch sehr eifersüchtig auf Neuankömmlinge wie Orwa war, ist inzwischen fürsorglicher.

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Orwa befand sich bei seiner Ankunft in der Nursery in einem jämmerlichen Zustand: er war unterernährt als auch entkräftet und ausgezehrt von der Trauer um seine Elefantenfamilie. Er konnte anfangs nicht einmal ohne Hilfe aufstehen. Mittlerweile geht es ihm besser und er ist kontaktfreudiger, wenngleich er es immer noch vorzieht, allein zu sein. Wir kennen dieses Trauerverhalten, das manchmal bis zu Monaten anhält. Am Monatsende begrüßte er wider Erwarten aber sogar die Besucher beim Schlammbad! Er lief langsam am Absperrseil entlang, so dass ihn die Gäste (mit weit ausgestreckten Armen) vorsichtig streicheln konnten.

Klein Sasab, die von den Fluten des Uaso-Nyiro-Flusses mitgerissen wurde, war schon immer ein potentieller Kandidat für eine Lungenentzündung, weil er bei seinem Unfall Wasser in die Lungen bekommen hatte. Nur wenige unserer verwaisten Elefanten, die unter ähnlichen Umständen in die Nursery gekommen sind, haben eine Lungenentzündung überlebt. Selbst die prophylaktische Gabe von Antibiotika bei seiner Ankunft konnte nichts mehr ausrichten. Außerdem kam hinzu, dass Sasab kurz nach seiner Ankunft zu zahnen begann, was immer mit Appetitlosigkeit und infolgedessen mit Gewichtsabnahme, Fieber und Durchfall einhergeht. Wir verloren ihn in der Nacht zum 7. Dezember und die Flüssigkeit, die aus seinem Rüssel lief, deutete auf eine weit fortgeschrittene Lungenentzündung hin.

Kithaka erging es zum Glück besser. Er wuchs stetig und obwohl auch er am Ende des Monats seine ersten Zähne bekam und wieder ein bisschen abnahm, hatte er vorher ordentlich zugelegt. Über den Tag verteilt und oft auf eigenen Wunsch nahm er täglich mehr als 15 Liter Milch zu sich! Inzwischen hat er sich an den 3-stündigen Trink-Rhythmus gewöhnt und bekam am Monatsende seinen ersten Backenzahn – ganz ohne die üblichen Magen-Darm-Probleme! Kithaka wird von allen älteren Kühen umsorgt, besonders von Tano, die im Nachbarstall untergebracht ist.

Drei unserer neuen Bullen, die bei ihrer Ankunft schon zwei Jahre alt waren und bereits kleine Stoßzähne hatten, kamen nach der Wurmkur und regelmäßigen Mahlzeiten schnell wieder zu Kräften. Sie alle wurden gierig nach Milch und hatten damit begonnen, ihre Körpergröße beim Fressen auszunutzen, indem sie die Keeper und kleinere Elefanten schubsten. Sobald sich solche Kandidaten erholt haben, ist es wichtig, sie so schnell wie möglich in die Auswilderungsstationen zu verbringen, damit sie von den älteren Elefanten dort unter die Fittiche genommen werden. Dabassa (der größte Stänkerer), sein Freund Rombo und Layoni waren dieses Mal an der Reihe und wurden in den vergangenen Wochen an den Lkw-Anhänger gewöhnt, in dem sie dort ihre Milch bekamen. Nach drei Wochen gingen alle ohne Zögern über die Rampe in und aus dem Anhänger, so dass der Umzug nach Voi am 28. Dezember einer der bisher reibungslosesten überhaupt war. Gegen 5 Uhr morgens war der Lkw schon unterwegs nach Voi. Begleitet wurden die Elefanten von einigen Keepern, und es musste unterwegs nur einmal angehalten werden – um Zweige vom Grewia-Busch zu pflücken, die die Elefanten so gerne fressen und die in Kibwezi in Unmengen an der Straße wachsen.

baby mwende

Vom Tod des kleinen Sasab überschattet, war der Dezember ein ansonsten fröhlicher Monat für unsere Nursery-Elefanten. Der 1. Weihnachtsfeiertag ist für gewöhnlich der einzige Tag im Jahr, an dem das Trustgelände für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Und so waren die Waisen recht verwundert, als an diesem Tag niemand zu Besuch ans Schlammbad kam!

Monatsbericht für die Ithumba-Gruppe:

Ausgiebige Regenfälle im November hatten den normalerweise trocken-grauen Ithumba-Wald (hauptsächlich Commiphoren aus der Familie der Balsambaumgewächsen, Anm. d. Ü.) in einen üppigen saftig-grünen Dschungel verwandelt, übersät mit Blumen und Schmetterlingen und Fressen und Wasser überall. Es war buchstäblich ein Festmonat für unsere Elefanten-Waisen. Der arme Kora hatte nicht so viel Glück: er kam am 11. Dezember mit zwei neuen Speerwunden vom Kalavoto-Fluss zu uns ins Stallgelände. Begleitet wurde er von seiner treuen und besten Freundin Lualeni und dem 8-jährigen Rapsu. Koras Ellenbogengelenk war verwundet, er lahmte stark und wurde zur Behandlung in den Stall gebracht. Auch Kitirua musste medizinisch versorgt werden, nachdem sie einen Zweig oder Dorn ins Auge bekommen hatte.

kora

Am 5. Dezember nahm Kora die kleine Ithumbah mit auf eine Nacht in den Busch mit den Ex-Waisen und brachte sie am nächsten Morgen (natürlich) unversehrt zum Stall zurück. Ithumbah hat offensichtlich großen Gefallen an der Wildnis, ganz besonders aber an Mulikas Kälbchen Mwende, gefunden und sich kurzerhand selbst in die Gruppe der Ex-Waisen ‚befördert‘. Von Mwende einmal abgesehen, ist sie damit das jüngste Herdenmitglied. Aber wann immer sie mit den Großen zum Stall oder Schlammbad kommt, erhält sie eine Flasche Milch.

Die Waisen, die noch Milch zugefüttert bekommen, hatten im Dezember viel Kontakt mit den Ex-Waisen. Sie alle trafen sich am 7. Dezember am Schlammbad. Zwei Tage später hatten sie Besuch von Wendis Gruppe inklusive Galana, Lualeni, Sunyei, Chyulu, Lenana, Sidai und den Bullen Meibai, Challa und Rapsu. Am 13. Dezember begrüßten Wendi & Co. zusammen mit dem wilden Mgeni morgens die Waisen, als die aus ihren Ställen kamen. Die Großen hatten die ganze Nacht auf dem Stallgelände verbracht. Als alle in den Busch aufbrachen, blieb Lualeni zurück bei Kora, der wegen seiner Verletzung noch zu schwach zum längeren Laufen war.

Am 14. Dezember bekam Kora um 7 Uhr morgens Besuch von Lualeni, Sunyei und den Bullen Challa, Napasha, Tomboi, Rapsu und Madiba. Sie blieben bei ihm, bis es Zeit war, zum Fressen in den Busch aufzubrechen. Der Tierarzt des Kenya Wildlife Service, der an diesem Tag ohnehin in der Nähe war, sah noch einmal nach Koras Verletzung, die auf die Behandlung mit Tonerde inzwischen gut angesprochen hatte, und nach Kitiruas Auge, das mit antibakteriellen Augentropfen behandelt wurde. Lualeni kam am 15. Dezember erneut auf Besuch, und auch tags darauf war sie wieder da, führte die Waisen anschließend zum Fressen in den Busch und setzte sich gegen 10 Uhr mit Ololoo ab. Er verbrachte die Nacht mit den Großen und wurde am nächsten Morgen gegen 7:30 Uhr zurück gebracht von Wendi, Lualeni, Ithumbah, Mulika und ihrem Baby Mwende sowie einem wilden Bullen genannt Kijana und einem anderen wilden Geführten.

lualeni

Am 18.Dezember warteten alle 29 Ex-Waisen (jetzt mit Ithumbah und Ololoo) auf die Junioren als sie aus ihren Ställen gelassen wurden. Nasalot, Wendi, Naserian und Sidai führten sie gleich zur Stalltränke, wo Kilaguni und Sabachi eine kleine Auseinandersetzung zu haben schienen, die später in einen ernsthaften Streit ausuferte. Die beiden mussten schließlich von Naserian voneinander getrennt werden. Wendi übernahm das Ruder und führte die gesamte Herde zum Grasen in den Busch, von wo aus sie sich nach einiger Zeit absetzten.

Lualeni besuchte Kora auch am 19. Dezember, dieses Mal in Begleitung von Naserian, Sunyei, Lenana, Chyulu sowie den Bullen Tomboi und Rapsu. Gegen Mittag kamen noch Yatta, Mulika mit Baby und dessen Kindermädchen Kinna, Ithumbah, Naserian, Wendi und Buchuma mit seinen wilden Kompagnons Mgeni und Kijana und einem dritten Unbekannten.

Zum 21. Dezember war Kora wieder hergestellt, zumindest so, dass er die Waisen zum Fressen in den Busch begleiten konnte. Die treue Lualeni führte den Trupp an, verbrachte den ganzen Tag mit ihnen und brachte abends alle wieder wohlbehütet zum Stallgelände. Als sie am nächsten Tag zurück kehrte, widmete sie sich ganz besonders Ololoo und versuchte sogar, ihm die Flasche wegzuschnappen, als er seine Milch trank, so dass die Keeper dazwischen gehen mussten! Der 23. Dezember war völlig verregnet, aber die Waisen waren (wahrscheinlich genau deshalb) mopsfidel. Der Tag wurde noch gekrönt von einem Besuch von Yatta und ihrer Herde. Die Waisen hatten viel Spaß beim Spielen mit Mwende – was man von ihrem Kindermädchen Kinna ganz und gar nicht behaupten konnte!

ololoo

Am 1. Weihnachtsfeiertag begegneten die Waisen im Busch erst zwei Wildhunden und später noch Wendi, Sunyei, Sidai, Galana und Lenana, die dieses Mal in Begleitung der Bullen Kenze und Challa unterwegs zum Imenti Wasserloch waren. Das Wasserloch war inzwischen ein kleiner See geworden, in dem die Elefanten sogar schwimmen und komplett untertauchen konnten. Chaimu hat alle aufgeschreckt als er mit aufgestellten Ohren aus den Büschen gerannt kam als würde dahinter eine Gefahr lauern. Offenbar nichts weiter als ein Streich – aber die Waisen rannten natürlich sofort zu ihren Keepern!

Am 27. Dezember tranken alle Ex-Waisen inklusive Mulika und Mwende an der Stalltränke, obwohl es derzeit überall Wasser zum Saufen gab. Vielleicht wollten sie auch einfach nur einmal nach ihrer Menschen-Familie schauen. Und somit endete auch für die Ithumba-Waisen wieder ein abwechslungsreicher Monat. Die Jungbullen Kilaguni, Sabachi und Kimbo sind nach wie vor mit Ringkämpfen beschäftigt, Ololoo und Ithumbah haben sich selbst in die Gruppe der Großen ‘befördert’ und Mulikas Baby wächst und gedeiht. Es wird von allen angehimmelt, besonders aber natürlich von den älteren Kühen und seinem Kindermädchen Kinna. Yatta war am Ende des Monats kugelrund und somit erwarten wir zu Beginn des Jahres 2012 weiteren Nachwuchs in der Herde unserer Ex-Waisen.

Monatsbericht für die Voi-Gruppe:

Nach der sehr langen und heißen Trockenzeit, in der es nur wenig Grünfutter gab, brachten sporadische Regenfälle im Dezember große Erleichterung im südlichen Teil des Nationalparks Tsavo-Ost. Für die Voi-Waisen war es auf jeden Fall ein glücklicher Monat. Nachwuchs-Leitkuh Lesanju und Kenia kümmerten sich besonders um die schwächelnde Dida; sie passten rund um die Uhr auf sie auf, besonders dass sie nicht von den jungen Bullen angerempelt wird. Wasessas leidenschaftliches Beschützer-Verhalten um Tassia hält an und sie ist immer zur Stelle, sobald er um Hilfe brüllt. Siria, Taveta und Mzima sind immer noch Trainingspartner und Siria, der größte Bulle in der Runde, gewinnt für gewöhnlich. Dida ist in diesem Monat häufiger ins Wasser gegangen. Wir hoffen, dass sie sich besser fühlt, aber offenbar leidet sie an einer chronischen Erkrankung. Wir vermuten einen angeborenen Herzfehler, denn ähnliche Symptome haben wir schon bei anderen Waisen beobachten können, die sich dann erst durch eine Obduktion bestätigen ließen.

Lempaute

Unsere Voi-Waisen hatten in diesem Monat viel Kontakt zu den Ex-Waisen. Beide Gruppen wurden meist von Emily und Edie (in Begleitung eines wilden Freundes) angeführt. Am 5. Dezember beim Schlammbad verwickelte Ndara Siria in ein Kräftemessen und versuchte anschließend, die kleine Eve (Emilys Kalb) wegzulocken. Dieses Vorhaben wurde sofort von Sweet Sally, Eves Kindermädchen, abgeschmettert. Siria ging mit den Ex-Waisen, als sich die Gruppen trennten, und verbrachte die Nacht bei ihnen. Am nächsten Morgen war sie wieder im Stallgelände bei den gleichaltrigen Waisen. Der Nachwuchs verbrachte den Vormittag des 9. Dezember mit den Ex-Waisen. Emsaya spielte mit Kivuko, was die Keeper sehr überraschte, da Kivuko bis dahin immer noch schwach und traurig schien und sich kaum an Spielen beteiligte. Das war also ein gutes Zeichen! Kivuko wurde nach seiner Rettung (genau wie Emsaya) direkt nach Voi gebracht. Bei seiner Ankunft war er in einem jämmerlichen Zustand; er war zwar schon zwei Jahre alt, aber stark unterernährt und traumatisiert. Es tut gut, zu sehen, dass er zum Leben zurückzufinden scheint.

Kivuko following others uphill

Am 16. Dezember kam die Herde Ex-Waisen unter Emily und Edie mit ihrem wilden Freund noch einmal ins Stallgelände, und noch einmal am nächsten Tag, als Icholta versuchte, Emsaya und Kivuko zu kidnappen! Die beiden brüllten wie am Spieß und die Keeper brachten sie beide zurück in die Gruppe der Voi-Waisen. Der Gedanke an das harte Leben in der Wildnis (und ohne Milch!) schien sie im Moment noch ziemlich zu beunruhigen! Die Ex-Waisen kamen am 20. Dezember noch einmal zu den Ställen, allerdings waren die Waisen schon unterwegs. Sie alle befanden sich in guter Verfassung; Eve und Ella waren beide groß genug für ihr Alter.

emilyedie

Mit der Ankunft von Dabassa, Rombo und Layoni am 28. Dezember stieg die Zahl der Voi-Waisen auf 17 Elefanten! Die drei Neuankömmlinge wurden wie immer herzlich begrüßt, besonders von Lesanju, Sinya, Kenia, Lempaute und Wasessa. Die drei Jungs werden hervorragende Trainingspartner für die Jungbullen abgeben, besonders für Siria, der sich nach neuen Herausforderern sehnt.

New arrivals are escorted to the bush (6)


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