Monatsbericht für die Nursery-Gruppe: Mai 2012

Barsilinga litt in diesem Monat an den üblichen Begleiterscheinung der ersten Zahnung (Durchfall) und musste mit einem Antibiotikum behandelt werden. Eine anschließende Blutuntersuchung ergab eine erniedrigte Zahl weißer Blutkörperchen, was auf eine Virusinfektion hindeutete. Diese wurde homöopathisch behandelt. Während der ganzen Zeit mussten ihm einige Infusionen verabreicht werden, um seinen Energiespeicher aufzufüllen, weil er keinen Appetit mehr hatte; und obwohl er stark an Gewicht verloren hatte, ging es am Monatsende wieder bergauf mit ihm.

Barsilinga IMG_6669

Der zufällige Besuch eines auf Elefanten spezialisierten Tierarztes aus Südafrika kam wie gerufen, denn so konnte er gleich Blutproben von Klein Kithaka nehmen, der nicht so recht wuchs wie er sollte. Zum Vergleich nahm er noch Proben zweier gesunder Waisen, von Orwa und Ishaq-B. Die Analyse von Kithakas Blut deutete auf eine so genannte Malabsorption hin, d.h. er konnte die Nährstoffe aus dem Darm nicht vollständig aufnehmen. Die Werte deuteten auf eine Störung der Bauchspeicheldrüsenfunktion hin und könnte eine weitere Begleiterscheinung der Zahnung sein. Glücklicherweise ist es möglich, dem Futter die fehlenden Bauchspeichelenzyme zuzufügen, denn die werden kommerziell hergestellt. Und sobald wir das Medikament in seine Milch mischten, verbesserte sich sein Appetit und sein Gesamtzustand. Wir danken Dr. Clay Wilson sehr für seine Hilfe, die ohne Zweifel sowohl Klein Kithakas als auch Barsilingas Leben rettete. Letzterer erhält jetzt die gleiche Diät, bis seine Zähne vollzählig sind. Und wir freuen uns, dass wir auch nach 50 Jahren Elefantenaufzucht immer noch etwas Neues dazu lernen können!

Kithaka IMG_6654 (2)

Es gab in diesem Monat immer wieder vereinzelte Regenschauer und viele kalte und feuchte Morgenstunden, so dass die drei kleinsten Elefanten (Barsilinga, Balguda und Kithaka) im Stall bleiben mussten. Die drei älteren Kühe, vor allem Tano und Mutara, bestanden darauf, zwischen dem Grasen immer wieder zum Stall zurück zu kehren und nach den Kleinen zu schauen. Ishanga, die nicht für ein ausgeprägtes Mutterverhalten bekannt ist, überraschte die Keeper eines Tages, als auch sie sich davon schlich, um nach den Babies zu schauen und Kithaka mit zum Fressen zu bringen.

Kilabasi hat eine tiefe Zuneigung für Balguda entwickelt: er darf an ihren Mini-Zitzen und ihren Ohren saugen und weicht den ganzen Tag kaum von ihrer Seite. Shukuru würde die Aufsicht gerne teilen, aber Kilabasi weiß das erfolgreich abzuwehren. Einmal kam es zu einem handfesten Streit, der dann von Mutara beendet werden musste. Mutara entschied daraufhin offensichtlich, dass Balguda zu Kilabasi gehört, tröstete Shukuru aber mit einer Rüssel-Umarmung, als ob sie sagen wollte „Tut mir leid, aber…“. Die enge Bande zwischen Kilabasi und Balguda beeindruckt die Keeper, denn Kilabasi war immer sehr zurückhaltend sowohl gegenüber Menschen als auch den anderen Elefantenwaisen. Mutara teilt sich die Pflichten einer Leitkuh mit Makireti, eine liebevolle junge Elefantenkuh mit ausgeprägtem Mutterinstinkt. Aber auch Tano, Turkwel und Shukuru helfen dabei, die Herde zusammen zu halten.

Mutara IMG_6888

In einer Elefantengruppe, wie auch unter den Menschen, gibt es immer ein bis zwei „Problemfälle“. Im Falle der Nursery-Elefanten sind es zwei relative Neuzugänge: Kanjoro, der wie viele andere, deutlich zu wenig Muttermilch bekommen hat und daher während der Fütterungszeiten immer gierig drängelt. Das macht ihn bei den anderen, besonders Ishanga (dem anderen Problemfall) nicht sonderlich beliebt. Ishanga stänkert, wann immer sie kann und beißt Kanjoro in seinen Schwanzstummel und schubst Turkwel und Kainuk, während die ihre Milch saufen. Die beiden Letzeren sind unzertrennlich, und da sie aus der gleichen Elefantenpopulation aus Turkana-Süd stammen, kann es durchaus sein, dass sie sich noch von „früher“ kennen. Die beiden teilen sich auch ihr Nachtquartier und können nicht ohne einander, im Gegenteil zu Orwa und Sonje, die zusammengelegt wurden, als uns die Schlafquartiere auszugehen drohten. Sonje schubste den friedfertigen Orwa ständig herum, so dass er in seinen ursprünglichen Stall zurück verlegt werden musste, der sich neben dem Schlaflager von Sities befand. Die zog am nächsten Abend in den Stall neben Murera um. Die große Beule an Sonjes Hinterbein, die sie schon bei ihrer Ankunft hatte, ist inzwischen nicht weich geworden wie der Abszess von Murera. Ihre Beweglichkeit scheint allerdings nicht sonderlich beeinträchtigt, und die Beule scheint auch nicht zu schmerzen. Wir hoffen, dass wir bald ein digitales Röntgengerät organisieren können, das stark genug ist, um auch die großen Gliedmaßen von Elefanten zu durchleuchten (die marktgängigen sind für große Säugetiere nicht geeignet). Dann wissen wir hoffentlich bald mehr. Es ist durchaus möglich, dass eine Kugel in ihrem Bein steckt, die sich abgekapselt hat. Vielleicht sogar die des Somali-Wilderers, der ihre Elefantenmutter auf dem Gewissen hat.

Ishanga drinking and Ishaq B checking for milk IMG_6768 (1)

Mitglieder der Waisengruppe, die sich nicht benehmen können, laufen Gefahr von Mutara und den anderen Kühen abgestraft zu werden. Die schicken den oder die Übeltäter/in dann gerne mal in eine „Auszeit“, weg von der Herde – ein beliebtes Erziehungsmittel unter Elefanten.

Mureras teilweise gelähmtes Bein hat unseren Tierärzten lange Rätsel aufgegeben. Niemand konnte herausfinden, was die Ursache für die Schwellung war. Aber inzwischen geht es dem Bein besser, die Schwellung klingt ab und sie kann wieder auftreten. Am Monatsanfang entwickelte sich eine kleine Beule an ihrem Anus in einen handfesten Abszess, der vom Tierarzt gespalten werden musste. Geronnenes Blut und stinkender Eiter entleerte sich und die Wunde ordentlich gereinigt, so dass sie inzwischen vollständig abheilt ist. Sie kann jetzt mit zum Grasen gehen und unbeeinträchtigt mit den anderen Waisen spielen. Für gewöhnlich wird sie von Orwa begleitet, ihrem Babysitter der ersten Stunde. Auch die anderen Elefanten in der Gruppe haben immer ein Auge auf sie und kamen täglich an ihren Stall, bevor sie ihre tägliche Wanderung in den Busch starteten.

Kanjoro and Orwa IMG_6799 (1)

Elefanten – nicht anders als wir Menschen – haben einen ganz individuellen Sinn für Humor. Die ausgebuffte Sities hat sichtliches Vergnügen daran, die Besucherschaft mit Schlamm zu besudeln. Sie rennt auf und ab am Absperrseil und „stempelt“ jeden, den sie erwischt mit ihrem Rüssel. Ab und zu rennt sie zurück zur Suhle, um ihren Rüssel wieder in den Schlamm zu tauchen. Kainuk hat ebenfalls ein paar Tricks für die Besucher parat: sie schmeißt sich einfach da, wo die meisten Zuschauer stehen, in die Suhle, saugt den Rüssel mit Wasser voll und verpasst den Gästen eine ordentliche Dusche. Damit sorgt sie natürlich für jede Menge Aufregung und Gelächter! Shukuru ist der Fußballstar und genießt es, wenn sie von allen beim Kicken bewundert, beklatscht und bejubelt wird!

Am 28. Mai, als die Waisen zum Schlammbad gebracht wurden, bemerkte einer der Keeper eine riesige Python am Trampelpfad und war offensichtlich so geschockt, dass es ihm die Sprache verschlug und er sich nicht vom Fleck rühren konnte! Alles was er tun könnte, war mit zitterndem Finger auf die Würgeschlange zu zeigen – und die Gruppe machte auf der Stelle kehrt!

Monatsbericht für die Voi-Gruppe: Mai 2012

Die lang ersehnten „richtigen“ Regenfälle sind in ganz Tsavo bisher ausgeblieben, so dass die Waisen und auch alle Wildtiere, eine lange und harte Trockenzeit vor sich haben, wenn es nicht doch noch zu außerplanmäßigen Niederschlägen kommt. Trotzdem haben die Waisen das Beste aus dem sporadischen Niesel gemacht, der zumindest ab und an für ein bisschen Grün sorgte.

Wir freuen uns überschwänglich, dass Ndaras Pfeilwunden gut verheilen. Sie kann inzwischen aus ihrem Krankenlager aufstehen und im Stallgelände grasen. Abends kommt sie dann immer selbständig wieder in den Stall zurück. Sie genießt die Gesellschaft der Jüngeren, die sie jeden Morgen und Abend besuchen.

Emily, Edie, ihre beiden Babies und die anderen Ex-Waisen aus ihrer Herde, statteten den Voi-Waisen am 3. Mai einen Besuch ab, und alle waren versessen darauf, mit den Babies Eve und Ella zu spielen. Ihre Kindermächen aber (dieses Mal Icholta und Sweet Sally) hielten überhaupt nichts davon! Kurze Zeit später tauchte Big Boy Lolokwe auf, aber sein plötzliches Erscheinen versetzte die Waisen in Angst und Schrecken, so dass sie augenblicklich flüchteten. Lolokwe versuchte, ihnen die Angst zu nehmen und lief ihnen nach, aber sorgte lediglich dafür, dass die Waisen noch schneller vor ihm wegrannten. Irgendwann gab er auf und begrüßte stattdessen lieber die Ex-Waisen.

Dabasa lft & Shima once again smell Icholta genitals

Icholta, von der die Keeper glauben, dass sie hochtragend ist, kam am 7. Mai zu den Waisen, die gerade am Fuße von Mazinga Hill grasten. Dabassa und Shimba waren außerordentlich interessiert an ihren Genitalien – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Geburt ihres Kälbchens kurz bevor steht. Kurz darauf begab sie sich zur Stalltränke, stillte ihren Durst und holte sich eine Portion Kopra (Kokoskuchen) ab, bevor sie zu den Ex-Waisen zurückkehrte.

Am 14. Mai – die Waisen waren kurz vor der Suhle angekommen – stürmte eine vier- bis fünfjährige Elefantenkuh aus einer wilden Herde ungehemmt auf die Waisen zu, die sie alle aufgeregt begrüßten. Die Keeper glauben, dass es sich hier um Elefantenwaise Shira handelte, die sie schon einige Jahre nicht gesehen hatten, aber sie sind sich nicht 100%-ig sicher. Die Elefantendame verstand sich ausgezeichnet mit den Waisen, aber von den Keepern hielt sie sicheren Abstand. Shira war nur kurze Zeit in Nairobi gewesen, bevor man sie nach Voi gebracht hatte. Sie hatte sich sehr schnell einer wilden Herde angeschlossen und war nie sehr vertraut mit ihrer menschlichen Ersatzfamilie. Lesanju und Sinya, die Leitkühe der Voi-Herde, waren allerdings skeptisch. Vermutlich befürchteten sie, dass sie nun ihre Position an die ältere Elefantenkuh abgeben mussten. Shira begleitete die Waisen wie früher zurück zum und sogar in den Stall – allerdings immer darauf bedacht, den Keepern nicht zu nahe zu kommen. Einige Tage später, rannte sie sogar einen der Keeper um! Und wiederum einige Tage später entschloss sie sich, doch wieder zu ihrer wilden Herde zurück zu kehren. Die war gerade in der Nähe und nahm sie freudig wieder auf. Sie kamen noch einmal am Schlammbad vorbei, suhlten sich kurz und liefen anschließend in Richtung Voi-Fluss davon. Die Keeper waren erleichtert, denn der plötzliche Besuch der inzwischen ziemlich wilden Shira hat sie doch sichtlich verunsichert! Mpenzi und ihre beiden in der Wildnis geborenen Kälbchen Asante und Mzuri wurden im Mai beim Grasen an der Wasserleitung nahe der Voi Safari-Lodge gesichtet und schienen alle in Topform.

Shira running to join voi orphans (1)

Die Dynamik in der Waisengruppe ist immer wieder auf’s Neue interessant. Die jungen Bullen sind ständing in Kräftemessen verwickelt, und besonders Tassia erfindet immer wieder neue Angriffstaktiken gegen seinen Erzrivalen Taveta. Eines Tages schlich er sich aus dem Hinterhalt an Taveta heran, der gerade mit dem Aufstieg von Mazinga Hill beschäftigt war. Tassia brachte ihn zu Fall und Taveta stolperte den Hang hinunter, so dass die Keeper ihm nachliefen, um zu sehen, ob er sich verletzt atte und Hilfe brauchte. Tassia – in weiser Voraussicht – trat währenddessen schon einmal den Rückzug an, um einem möglichen Racheakt zu entgehen! Der kam aber nicht sofort, und die beiden schienen recht friedlich miteinander während des Schlammbades. Aber Taveta wollte nur Zeit schinden, und wie wir wissen, vergisst ein Elefant nie! Sinya versuchte vergebens, Lesanju ihre Führungsrolle abspenstig zu machen, während Layoni gelernt hat, seine Flasche selber zu halten. Er stibitzt sie den Keepern aus der Hand und rennt auf und davon, um sie weit weg von den anderen auszutrinken, damit sie ihm ja keiner wieder wegnehmen konnte! Dabassa, Rombo und Layoni haben sich gut in die Voi-Gruppe integriert. Dabassa und Rombo sind immer noch die besten Freunde, während sich Mzima mit Shima angefreundet hat. Diese Freundschaft hält aber immer nur bis zum Täglichen Ringkampf.

Layoni riding onto Taveta (1)

Die Suhle ist immer wieder Schauplatz von Rangeleien; man sitzt aufeinander, taucht sich (oder den anderen) unter, und dann und wann sieht man einen Rüssel wie eine Art Periskop an der Wasseroberfläche auftauchen. Oftmals heftige Kabbeleien verunsichern die jüngeren Herdenmitglieder, wie zum Beispiel Emsaya, die lieber ein bisschen entfernt vom Trubel badet. Wassessa war der Meinung, dass Kenia Emsaya (ihrem Lieblingsbaby) zu viel Aufmerksamkeit schenkt und schritt eines Tages ein. Emsaya hat in der Zwischenzeit Tassias Platz als Wasessas Schützling eingenommen. Kivuko hat ordentlich an Gewicht zugelegt und ist ein äußerst friedlicher und freundlicher Zeitgenosse.

Kivuko on milk

Layoni und Dabassa zeigten großes Interesse an den Eiern einiger bodenbrütenden Vögel, wurden aber von den Keepern verscheucht, damit sie mit den Eiern nicht Fußball spielten und sie schließlich zerbrachen. Am meisten Zeit verbrachten die Waisen in diesem Monat allerdings mit der Futtersuche. Viele Male stiegen sie auf den Gipfel von Mazinga Hill hinauf, wo auch in trockenen Zeiten noch saftiges Grünfutter zu wachsen scheint. Die Elefanten, ganz besonders die Bullen, lassen sich an diesen Tagen immer besonders viel Zeit mit dem Abstieg und verzichten manchmal sogar auf ihre mittägliche Milchmahlzeit. Eines Abends kamen sie erst weit nach Einbruch der Dunkelheit in den Stall zurück und das auch nur, weil die Keeper ausdauernd nach ihnen riefen. Offensichtlich werden unsere Jungs selbständiger.

Die Waisen grasen des Öfteren inmitten einer Gruppe Impalas, die sie inzwischen gut kennen. Manchmal spielen sie auch Fangen mit den Antilopen, zumindest bis der Bock der Herde einen lautstarken Ruf ausstößt! Alles in Allem war es ein fröhlicher Monat für die Voi-Gruppe und unsere Waisen sind alle munter und wohlauf. Jetzt, da die Trockenzeit den Gürtel wieder enger schnallt, füttern wir den Elefanten wieder Luzerne und Milchwürfel zu, damit sie nicht an Gewicht verlieren.

Monatsbericht für die Ithumba-Gruppe: Mai 2012

Wie in Voi, so hat es auch in Ithumba kaum geregnet – bis auf einen heftigen Sturm mit ca. 50 mm Niederschlag, der einen Hauch Grün brachte, gab es kaum Wasser. Die nächste Regenzeit (zumindest in der Theorie) ist nicht vor November zu erwarten, so dass den Wildtieren wieder eine lange Trockenperiode bevorsteht.

Mulika und ihr Baby Mwende waren in diesem Monat unsere Sorgenkinder. Mulika kam am 20. Mai in Stallnähe und wartete unter einem Baum, als ob sie die Aufmerksamkeit der Keeper auf sich lenken wollte. Bei näherem Hinschauen fiel den Keepern auf, dass ihr rechtes Ohr von einem scharfen Gegenstand verletzt worden war. Ein weiterer Hinweis darauf war das Blut, das auf ihrer rechten Schulter klebte. Die Keeper streuten ein wenig antibiotisches Pulver auf das Loch im Ohr und lockten sie in ihren früheren Stall zurück, wo sie beobachtet werden konnte. Schließlich musste man von einem Giftpfeil ausgehen! Als sie am nächsten Morgen keinerlei Anzeichen einer Vergiftung zeigte, konnte man davon ausgehen, dass selbst wenn die Wunde von einem Giftpfeil stammte, nichts davon in ihre Blutbahn gelangt war. Mulika machte sich dann mit den Waisen zusammen auf den Weg, die wenig später noch auf Lualeni stieß.

mulika & her baby in stockade (7)

Sechs Tage später war Mulika mit ihrem Baby, den Ex-Waisen und ein paar wilden Artgenossen am Schlammbad. Die Keeper bemerkten, dass die kleine Mwende irgendwie „müde“ wirkte und stark an Gewicht verloren hatte. Sie vermuteten, dass Mulika nicht genug Milch mehr hatte und riefen beim Trust in Nairobi an, von wo aus eine Extra-Charge Zusatzfutter in den Flieger gelanden wurde, der eine US-Delegation nach Ithumba bringen sollte. (In der Zwischenzeit heckte Ex-Waise Chyulu einen Plan aus, der wieder einmal die Schlauheit der Elefanten demonstrierte: Sie blieb bei den Waisen, als ihre Gruppe abends aufbrach, stürmte in den Vorratsstall, klaute ein paar der leckeren Grewia-Zweige und rannte auf und davon, noch bevor die Keeper sie erwischen konnten!)

Am nächsten Tag, dem 27. Mai, brachte Mulika ihr Baby zurück zum Stallgelände – dieses Mal begleitet von den Kindermädchen Galana und Lualeni. Mulika bekam eine Extra-Portion Luzerne und Milchwürfel, in der Hoffnung, ihre Milchproduktion damit wieder anzukurbeln. Es war durchaus möglich, dass der Zwischenfall mit dem Ohr zu viel Aufregung für sie gewesen war. Es war rührselig zu beobachten, dass der Rest der Ex-Waisen später am Nachmittag auftauchte und sehr besorgt um Mulika und ihr Baby zu sein schien. Sie nahmen beide später wieder mit, doch am Abend waren Mulika und Mwende zurück im Stall und gingen erst wieder, als sie eine handvoll Supplemente bekommenhatten.

Schon am nächsten Morgen waren die Ex-Waisen zurück an der Stalltränke – nur dieses Mal ohne Mulika und ihr Kälbchen. Wendi lehrte Kilaguni eine Lektion Ringkampftechnik und später, als die Ex-Waisen sich auf dem Weg in den Busch machten, trafen sie Mulika und ihr Baby, die auf dem Weg zum Stallgelände waren. Wendi und Galana setzten sich von Yattas Herde ab und kamen mit den beiden zurück zum Stall, wo Mulika sich an dem Grünfutter satt fraß. Die Keeper berichteten, dass Mwende schon viel besser aussah und die Zufütterung schien ihren gewünschten Effekt zu zeigen. (2009 haben wir das Gleiche für Emily und Edie getan, damit ihre Babies die schlimme Trockenzeit überstehen konnten.)

kilaguni

Mulika war auch am nächsten Morgen wieder da, und zwar so früh, dass sie selber das Tor zum Stallgelände öffnen musste. Als sie satt war, gesellte sie sich zu den Waisen, die noch an ihrer Luzerne fraßen. (Die Waisen haben sich schon angewöhnt, sich morgens in einer Reihe vor dem Luzerne-Lager anzustellen, wo die Schubkarre mit dem leckeren Grünzeug stand. Wenn die Karre mit ihrer Tagesration hinausgefahren wurde, liefen alle nebenher, damit ja keiner zu kurz kam, wenn das Futter abgeladen wurde.) Mulika ging anschließend mit den Waisen in den Busch, war aber gegen 13 Uhr zurück für eine weitere Zwischenmahlzeit – und am Abend für eine Dritte. Das dritte Mal wurde sie von Ex-Waise Makena begleitet, die offenbar alles nicht aus altruistischen Gründen mitgekommen war und auf eine Nascherei spekulierte. Dem nicht genug, sie versuchte sogar, eine Nacht (bei den Luzerne-Resten) in Mulikas Stall zu bleiben, indem sie am nächsten Tag auf Mulika und Mwende wartete, bis die auf demWeg zum Stall waren. Pech für Makena, denn just an diesem Tag war Mulika früher dran als sonst, dieses Mal in Begleitung vom wilden Rekruten Mgeni, der an der Tränke wartete, bis Mulika und ihr Baby mit Fressen fertig waren. Als Makena später auftauchte, war das Gatter schon geschlossen, so dass sie draußen mit Mgeni warten musste. Aber sie hatte Glück im „Unglück“, denn zum Schluss bekam sie noch ein paar Luzerne-Reste zum Naschen. Mulika und Mwende hatten es an diesem Tag nicht eilig, fortzukommen, warteten unter einem Baum und begrüßten die Waisen, als diese zurück von der Suhle kamen. Erst viel später begaben sie sich wieder zu Yattas Gruppe der Ex-Waisen.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Kilaguni und Kandecha – ihrerseits allerbeste Freunde – nicht zusammen „trainieren“. Eines Tages wurde ihr Training jäh von zwei flüchtenden Dikdiks unterbrochen! Sabachi mischt ebenfalls manchmal bei den Ringkämpfen mit. Die Waisen hatten diesen Monat viel Kontakt zu ihren ausgewilderten Artgenossen, den Ex-Waisen, die entweder einzeln, in Splittergruppen oder mit Yattas ganzer Herde in der Nähe waren. Manchmal trafen sie sich an der Suhle, wie auch am 1. Mai, als Chyulu sich in die Reihe der hungrigen Mäuler einreihte, die auf ihre Milchflasche warteten. Sie stand mit geöffnetem Mund da und versuchte die Keeper davon zu überzeugen, ihr auch eine Flasche zu geben! Aber das hatte Ithumbah schon vor ihr versucht – ebenfalls ohne Erfolg! Die Ex-Waisen waren am 5. Mai eine halbe Stunde mit den Jüngsten im Busch und schon am 6. Mai wieder im Stallgelände. An diesem Tag schubste Yetu, Yattas Baby, Melia, die empört zurückschubste – glücklicherweise unbemekrt von Yatta und den Kindermädchen, die sich gerade im Dreck wälzten. Lualeni kam am 16. alleine und war besonders interessiert an Ololoo, der ihre Zuneigung nur zu gern erwidert. Mgeni und Kijana, zwei wilde Bullen, sind inzwischen fester Bestandteil von Yattas Herde, ebenso wie andere wilde Elefanten von Zeit zu Zeit mit der Gruppe unterwegs sind.

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Murka war außer sich, als am 10. Mai ein paar Wildhunde zum Saufen an die Stalltränke kamen. Gemeinsam mit Kandecha ging sie auf Angriff, bis Kandecha die Nerven verlor! Murka hegt eine tiefe Abeneigung gegenüber alles und jedem, was aussieht wie eine Hyäne. Wahrscheinlich erinnert sie sich an die Hyänen, die sie belagerten als sie gerade ihre Mutter verloren und einen Speer in ihrer Stirn stecken hatte.

Für die Ithumba-Waisen und ihre Keeper war es ein kurzlebiger Monat und zum Glück waren am Ende alle gesund und glücklich; selbst Mulikas Baby sah wieder viel gesunder aus und ihre Milchproduktion scheint wieder zu funktionieren. Alle unsere Ex-Waisen werden in den nächsten Monaten Luzerne bekommen, sollte die Trockenzeit zu stark an ihren Reserven zehren.


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