Wenn man als Elefantenfreund anderen Leuten erklären will, dass Elefanten unsere Hilfe brauchen, da sie gefährdet und sogar von Ausrottung bedroht sind, hört man immer wieder die Antwort „Oh, das wusste ich nicht, ich dachte, es gäbe inzwischen sogar zu viele Elefanten!“

Offensichtlich hatten diese Leute Fernsehdokumentationen über die Situation im südlichen Afrika gesehen, in denen berichtet wird, dass Elefanten so zahlreich geworden seien, dass sie mit ihrem Riesenappetit ganze Landstriche verwüsteten.

Ich wusste nie eine Antwort auf diese verständliche Skepsis gegenüber der Tatsache, daß Elefanten in ihrer Existenz tatsächlich bedroht sind und habe deshalb bei einigen Elefantenexperten nachgefragt, warum es angeblich “zu viele” Elefanten im südlichen Afrika gibt und sie anderswo aber in ihrer Existenz bedroht sind. Für die Antworten von ElephantVoices, dem Amboseli Trust for Elephants und Elephants Without Borders bin ich sehr dankbar und möchte sie gerne, da das mir zugesandte Informationsmaterial sehr umfangreich ist, in einfachen Worten wie folgt zusammenfassen:

(Anmerkung: Falls die Zusammenfassung trotz aller Bemühungen falsche Interpretationen enthalten sollte, so bin ganz alleine ich dafür verantwortlich. Die o.g. Organisationen trifft keinerlei Schuld daran.)

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Allgemeines Missverständnis der Situation:

1) Es ist ein Missverständnis, dass es „zu viele“ Elefanten gibt.

Denn es ist nur in 3 Ländern Afrikas (Namibia, Botswana, Südafrika) eine Zunahme bei Elefanten über das letzte Jahrhundert hinweg zu verzeichnen.

Bei allen anderen Ländern mit Elefantenpopulationen ging es mit den Zahlen stetig bergab, so wie mit den Elefantenzahlen von Gesamt-Afrika.

In Namibia ist die Situation ebenfalls relativ: In Nordwest-Namibia sind die Populationen stabil und selbstregulierend. Die im Norden wachsen (wg. Grenzüberschreitungen aus Botswana).

2) Die angeblich durch Elefanten zerstörte Vegetation (Wald) ist nur deshalb gewachsen, weil es wegen der vielen Jagd bis zum 20. Jh. im südlichen Afrika sehr wenig Elefanten gab. Die Vegetation wuchs in der Abwesenheit der Elefanten in einer Weise, wie es sie vorher dort gar nicht gegeben hatte.

Des weiteren ist Wald nicht überall eine erstrebenswerte Landschaftsform. Vegetationssysteme und ihre Verträglichkeit mit verschiedenen Tierarten (verschiedene Fressverhalten usw.) müssen differenziert betrachtet werden. Außerdem, bzw. als ein Faktor davon, zerstören Elefanten die Landschaft ja nicht nur, sie bauen auch eine neue auf und fördern neue Flora und Fauna (Samenverbreitung mit dem Dung, Entdeckung von versteckten Wasservorräten im Boden, die dann auch andere Tiere nutzen können usw.).

Die „Schädlichkeit“ ist also gar nicht so schädlich wie immer behauptet wird, denn Elefanten haben auch Nutzen.

3) Die südlichen Länder mit „zu vielen“ Elefanten möchten diesen Fakt kommerziell ausnutzen (d.h. sie wollen mehr legalen Elfenbeinhandel), deshalb wird verbal mehr daraus gemacht als Wirklichkeit ist: „Überpopulation“ ist meist nur ein Argument für die kommerzielle Nutzung des Elfenbeins.

Länder-Spezielles Der südlichen Länder mit Elefanten-Zuwachs:

Botswana:

- Noch eine überraschende Tatsache: Die Elefantenzahl in Botswana ist in letzter Zeit nicht mehr gestiegen, sondern seit 1996 stabil geblieben!

- Die Elefantenpopulation ist in Botswana vorher u.a. deshalb gewachsen, da Elefanten aus Angola und Mozambique (wegen Krieg) nach Botswana geflohen sind.

- Botswana hat eine Regierung, die Naturschutz fördert. (Man denkt u.a. an den Tourismus!)

- In Botswana gibt es wenig Wilderei, weil die Wege für den Elfenbeinhandel unzugänglicher sind (weniger Straßen in der Wildnis), und es gibt weniger kriminelle Netzwerke für den Schmuggel (womöglich u.a. wegen der Diamanten – das Land ist damit reicher an andern Dingen.)

(Anmerkung: Botwana folgt, wie Kenia, dem Ideal einer minimalen Einmischung des Menschen in die Natur und umzäunt deshalb die Naturschutzgebiete nicht.)

Südafrika, Simbabwe, Namibia:

- In Südafrika, Simbabwe und Namibia gibt es weniger Wilderei, da sie ehemals von einer weißen Minderheit geführte Polizeistaaten waren und deren Sicherheitsstrukturen zum Teil noch vorhanden sind. D.h. die Nationalparks und Wildreservate sind besser bewacht.

- Die wirtschaftliche Lage dieser Länder war/ist stärker als im übrigen Afrika – deshalb sind auch genügend Geldmittel vorhanden, um wirksame Wildschutzmaßnahmen bezahlen zu können.

- Vermehrung von Elefanten in Südafrika: Elefanten sind von Mozambique in den Krüger Nationalpark (Südafrika) eingewandert. (Wegen unsicherer Situation in Mozambique.)

- In Simbabwe, wo sich die Elefanten in der Vergangenheit ebenfalls vermehrt haben, gibt es jetzt wieder mehr Wilderei, d.h. die Elefantenzahlen gehen auch dort zurück!

- Zerstückelung der Landschaft / Teilung von natürlichen Gebieten.

Die Tierschutzgebiete in diesen Ländern sind alle umzäunt, d.h. Elefanten können dann natürlich nicht migrieren und sich über ein größeres Gebiet verteilen. Sie sind damit angewiesen auf das, was ihnen das umzäunte Areal bietet.

Speziell Südafrika und Simbabwe haben die Tendenz, ihre Wildparks zu managen. Durch permanente menschliche Einmischung in Ökosysteme werden natürliche Abläufe verhindert oder limitiert. (Dies ist auch nur notwendig bei umzäunten Gebieten.) (Es gab z.B. Culling in diesen beiden Ländern in den 60er Jahren als eine dieser Maßnahmen.)

- Es gibt vor allem auch künstliche Wasserzugaben in den Schutzgebieten. Die Wildparks werden gemanagt „wie Rinderfarmen“. Natürliche Auslese und natürliche Lebensumstände werden verhindert.

Umzäunung und Wasserzugabe erhöhen erwiesenermaßen Elefantenzahlen nicht nur, sondern potenzieren (!) sie sogar.

(All dies gilt nicht für Botswana, s.o.)

Anmerkung: Allmählich setzt sich auch im südlichen Afrika die Meinung durch, dass die optimale Lösung für das „Elefantenproblem“ bei grenzüberschreitenden Schutzgebieten und Korridoren für Elefantenwanderwege liegt. Dies wird auch zunehmend praktiziert. (Beispiele: KAZA und Greater Limpopo Transfrontier Park). Solche Lösungen bedeuten sehr viel politische Bemühung und Arbeit mit allen involvierten Instanzen und, nicht zuletzt, mit den Anwohnern der betroffenen Gebiete.

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Warum in den anderen afrikanischen Ländern die Zahl der Elefanten abnimmt:

 

- Die Elefanten-Populationen des übrigen Afrika (mit nicht-umzäunten Wildtiergebieten) haben sich entweder selbst reguliert (z.B. Dürrezeiten) oder wurden durch Wilderei dezimiert.

- Die Länder sind entweder selbst oder sind umringt von Kriegsgebieten, wo es jede Menge Waffen gibt, welche für die Elfenbeinjagd verwendet werden, um davon finanzielle Mittel für laufende Kriege und Auseinandersetzungen zu beschaffen.

Außerdem gibt es in diesen Gegenden (oder drum herum) viele Leute, die in Not sind und alles tun würden, um an Geld/Nahrung zu gelangen, also auch das Abschießen von Wildtieren. Wilderei ist sehr verbreitet. Elfenbein ist gerade in den letzten Jahren in Asien noch begehrter geworden und das Geschäft damit deshalb ungeheuer lukrativ und verführerisch für Arme und Geldgierige.

- Die Regierungen nicht besonders bemüht um den Tierschutz. Es gibt viele korrupte Beamte, die selbst in irgendeiner Weise in den Elfenbeinhandel involviert sind oder davon profitieren.

- Es ist weniger Geld für den Schutz der Naturgebiete vorhanden.

- Die Nationalparks und Tierschutzgebiete sind nicht (oder nur teilweise) umzäunt. Deshalb gibt es auch mehr Mensch/Tier-Konflikt, bei denen die Elefanten immer wieder den Kürzeren ziehen. (Die Belastung der Vegetation ist jedoch lokal nicht so groß wie in umzäunten Gebieten.)

- Hier hat die Bevölkerungsexplosion starke Auswirkungen:

Zu viele Menschen, die Land beanspruchen, das früher Elefantenland war. (Das gilt eigentlich für überall in Afrika, kommt aber in nicht-umzäunten Gebieten mehr zum Tragen.)

- Land mit Wasser wird den Tieren weggenommen bzw. von Nutzvieh in Anspruch genommen.

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- Birgit Hampl –


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