Am 28. Dezember 2016 haben zwei unserer frechen Waisenhausmädchen zusammen mit der ältesten Kuh Oltaiyoni die Reise zur Auswilderungsstation in Ithumba im nördlichen Tsavo-East Nationalpark absolviert. Es hatte dort endlich geregnet, und die Gegend ist jetzt sehr grün, sodass es genau die richtige Zeit dafür war, dass einige der älteren Waisen im Waisenhaus Platz machen. Sie werden natürlich noch längere Zeit abhängig von Milch und Keepern bleiben – vielleicht noch fünf Jahre lang – bevor sie sich sicher genug fühlen, sich mit ihren Ex-Waisen-Freunden in die Wildnis auf zu machen. Trotzdem ist der häufige Kontakt zu den Ex-Waisen und ihren wilden Artgenossen, die unter den für Elefanten hervorragenden Bedingungen in Tsavo leben, für sie sehr wichtig. Das gilt vor allem für Roi und Kamok, die so langsam aus dem Waisenhaus herauswachsen und inzwischen ausnutzen, dass sie dort die Platzhirsche sind; sie benehmen sich häufig nicht mehr, und alles deutet darauf hin, dass sie etwas Erziehung von älteren Elefanten gebrauchen könnten. Der Umzug wurde für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr angesetzt, damit sie in der Jahreszeit in Ithumba ankommen, in der es viel üppiges Grün gibt.

 

 

Am Morgen des 28. Dezember um 3 Uhr bekamen die für die Reise vorgesehenen Waisen ein Beruhigungsmittel, damit die Reise nicht allzu stressig für sie werden würde. Als das Medikament zu wirken begann, lockten die Keeper sie vorsichtig mit Milchflaschen aus ihren Gehegen und führten sie in den Umzugs-LKW. Das Fahrzeug hat drei Abteile in der richtigen Größe für Baby-Elefanten sowie einen Gang für die Keeper, in dem sie sich während der Reise aufhalten und die Waisen füttern können. So ist der LKW darauf ausgelegt, die Reise so effizient und bequem für alle Beteiligten zu machen, und unterwegs kann es zusätzliches Grünfutter und mehr Milch geben. Als erste wurde Kamok eingeladen, gefolgt von Roi, die beide zufrieden ihren Milchflaschen folgten. Oltaiyoni kam als letzte dran und war sehr viel skeptischer. Sie musste liebevoll von hinten geschoben werden, damit sie in den LKW hinein ging.

Kamok und Roi werden eingeladenDie Elefanten sind sicher im LKW verstaut
Oltaiyoni ist auch eingestiegenKurz vor der Abfahrt nach Tsavo
Der Konvoi konnte sich dann ohne weitere Verzögerungen auf den Weg machen, und glücklicherweise sind um diese Zeit Nairobis Straßen noch beinahe leer, sodass sie gut vorwärts kamen. Wie üblich hielten sie unterwegs einmal an, damit die Keeper frisches Grün für die Waisen besorgen konnten. Als sie in Kibwezi den Abzweig von der Hauptstraße erreicht hatten, wechselten sie auf die holprige unbefestigte Straße, sodass es deutlich langsamer vorwärts ging. Sie brauchten sich aber noch nicht zu beeilen, denn es war erst 7 Uhr am Morgen und somit immer noch kühl.

Unterwegs wird frisches Grün gepfücktAuf der Schnellstraße nach Mombasa, kurz vor dem Abzweig nach Ithumba
Auf der Buschpiste nach IthumbaDer Umzugs-LKW auf der unbefestigten Straße nach Tsavo East
Angela, Robert, Taru und Roan warteten zusammen mit Daphne in Ithumba auf die Ankunft der Elefanten. Sie wollten miterleben, wie sie den Umzug von der Babygruppe zu den älteren Waisen verkraften würden. Gegen 10:30 Uhr holperte der LKW an die Laderampe bei den Stallungen in Ithumba heran, und um diese Zeit stiegen die Temperaturen bereits steil an, was andeutete, dass der Rest des Tages heiß werden würde! Wir machten uns schon Sorgen darum, wie gut die Babys mit den höheren Temperaturen zurechtkommen würden. Gleich als sie aus dem LKW kamen, war offensichtlich, dass sie auf der Reise schon etwas an Gewicht verloren hatten, denn ihre Bäuche wirkten nicht mehr so rundlich wie sonst. Sie kamen vorsichtig heraus und tranken sofort ihre Milch. Oltaiyoni und Kamok schienen dabei unruhiger zu sein, während Roi einfach alles hinnahm, was auf sie zukam. Bald schlossen sich ihnen ihre ehemaligen Freunde aus dem Waisenhaus an: Olsekki, Enkikwe, Siangiki, Boromoko, Sokotei und Sirimon, zusammen mit Kithaka, Barsilinga und Lemoyian. Danach folgten in Dreiergruppen die restlichen Ithumba-Waisen. Oltaiyoni war etwas überwältigt und hob, sichtlich beunruhigt, ihren Rüssel in die Höhe. Kamok hielt sich dicht an die Keeper aus Nairobi, die sie auf der Reise begleitet hatten. Während die Neuankömmlinge sich in ihrem neuen Zuhause umschauten, wedelten sie ununterbrochen mit den Ohren, was zeigte, dass sie die höheren Temperaturen in Ithumba spürten. Sie spritzten sich auch Wasser zwischen die Beine und auf die Köpfe, um sich abzukühlen, doch es dauerte nicht lange, bis sie begannen, von den Büschen und dem Gras zu fressen, das zu dieser Jahreszeit in der Gegend reichlich zu finden ist. Die Vegetation Tsavos war eine neue Erfahrung für sie, die sie ganz offensichtlich genossen. Der Rest des Tages verlief nach dem üblichen Ablauf in Ithumba; Kamok folgte dabei den Keepern auf Schritt und Tritt, Oltaiyoni sah sich immer wieder unsicher um, und Roi verhielt sich, als wäre sie schon ihr ganzes Leben in Ithumba gewesen! Dabei waren sie stets von ihren Freunden umgeben, die schon früher umgezogen waren und die ihnen zweifellos alles erklärten und sie beruhigten, denn bald hatten sie sich eingelebt.

Kamok, Oltaiyoni und Roi bekommen ihre erste Milchflasche in IthumbaOltaiyoni mit Keepern aus Ithumba und Nairobi
Roi und Kamok bekommen ihre MilchOlsekki, Oltaiyoni und Sokotei
Olsekki trifft Oltaiyoni und KamokOlsekki begrüßt Roi
Kamok mit Boromoko und Laragai
Es war vielleicht nicht so überraschend, dass Roi den Umzug so gut verkraftet hat, denn sie wird sich noch deutlich an das Leben mit ihrer Elefantenfamilie erinnern können. Kamok dagegen war an dem Tag, an dem sie geboren wurde, gerettet worden und hat daher noch nie zuvor so großen Elefanten gesehen; daher war die ganze Situation für sie viel furchteinflößender. Oltaiyoni ist daran gewöhnt, Mini-Leitkuh der Waisenhaus-Herde zu sein und muss sich nun plötzlich damit abfinden, dass sie von viel größeren Elefanten umgeben ist!

Kamok und Boromoko mit den Keepern aus Nairobi und IthumbaOrwa begrüßt Roi
Oltaiyoni mit Barsilinga draußen im BuschOltaiyoni trifft Orwa im Wasserloch
Oltaiyoni und Roi draußen im BuschSokotei, Kamok und Olsekki grasen
Am folgenden Tag kamen die Ex-Waisen, die nun ein wildes Leben in Tsavo führen, zum Mittagsschlammbad vorbei, um die Neulinge zu begrüßen. Die 21 milchabhängigen Waisen kamen zuerst zur Fütterung an und gingen danach zum Wasserloch, um sich abzukühlen, Matsch über sich zu spritzen und im Wasser unterzutauchen. Dann war es ein magischer Moment, als die Ex-Waisen einer nach dem anderen aus dem Unterholz auftauchten; angeführt von Nasalot kamen Wendi und ihr Baby Wiva sowie viele weitere Ex-Waisen, darunter Galana mit Baby Gawa an. Insgesamt waren es schließlich über 40 Elefanten, die miteinander spielten und badeten. Alle begrüßten die Babys und tätschelten sie mit ihren Rüsseln. Sie unterhielten sich zweifellos ausführlich, und die Neulinge aus Nairobi blieben während des ganzen Vorgangs erstaunlich entspannt.

Kamok, Oltaiyoni und Roi in ihrem neuen ZuhauseRoi und Oltaiyoni in ihrem neuen Gehege
Tsavo, das bedeutet viele, viele Kilometer unberührtes, wildes Afrika, ohne menschlichen Einfluss und komplett in der Hand der ursprünglichen Vegetation. Es gibt üppiges, grünes Futter und für alle wilden Bewohner, und hier ist die größte Elefantenpopulation Kenias zu Hause. Hier sind unsere Waisen am bestmöglichen Ort, an dem sie ihre angeborenen Instinkte ausleben und ein völlig wildes und freies Leben führen können. Die älteren Ex-Waisen haben diesen Schritt schon vollzogen, sind vollständig in die wilde Elefantengesellschaft Tsavos integriert und hier glücklich. Sie haben inzwischen vier wildgeborene Babys, und noch mehr sind in diesem Jahr auf dem Weg! Wir sind froh und stolz, dass wir unseren Neulingen diese nächste Stufe ihres Lebens ermöglichen können, nachdem wir sie im Waisenhaus durch die schwierigen Babyjahre gebracht haben und sie nun bereit sind, dorthin zurückzukehren, wo sie hingehören.

Ithumba, ihr neues Zuhause
(übersetzt aus dem englischen Original)

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