Direkt nach dem ersten Umzug gingen wir sofort wieder an die Arbeit, um die nächsten drei Waisen zur Auswilderungsstation in Ithumba zu bringen, damit sie sich dort ihren Freunden Oltaiyoni, Kamok und Roi anschließen können. Der inzwischen große Junge Kauro, der als winziges Baby zur gleichen Zeit wie Kamok ankam, Tusuja und das kleine Rabaukenmädchen Naseku wurden um 3 Uhr am Morgen des 31. Dezember, dem letzten Tag des Jahres 2016, darauf vorbereitet, in den LKW geladen zu werden. Das Team in Nairobi arbeitete effizient, und ohne viel Hin und Her (außer einem kurzen Zögern von Tusuja) waren die Waisen in den frühen Morgenstunden an Bord.

 

 

Dieses Mal war der Konvoi aus dem Waisenhaus noch früher unterwegs. Bei so wenig Verkehr war die Reise auf der Schnellstraße nach Mombasa hinunter kurz und verlief ohne Störungen. Wie beim Umzug zuvor wurden die Waisen in die drei Abteilungen unseres extra angepassten Elefanten-Umzugs-LKW geladen, der ausreichende Belüftung und einen Gang für die Keeper hat, damit sie während der ganzen Fahrt bei den Elefanten sein und sie beruhigen können. Es gibt ausreichend zusätzliche Milch und ausgesuchtes Grünfütter, das die Waisen unterwegs genießen können. Die drei waren vom Beruhigungsmittel schläfrig und ließen sich von der gleichmäßigen Bewegung noch weiter einlullen. Sie futterten in aller Ruhe vor sich hin, und es war klar, dass sie ihrer menschlichen Familie vertrauten und sich ihrem Schicksal hingaben, obwohl sie nicht wussten, was sie erwartete.

Die Waisen werden flink eingeladenNaseku, Tusuja und Kauro sicher im LKW verstaut
Auf dem Weg nach TsavoDie unbefestigte Straße nach Ithumba
Wie immer hielt der LKW an einem bestimmten Platz unterwegs an, wo es das von den Waisen so geliebte Grewia gibt. So konnten sie sich noch einmal mit frischem Grün für den Rest der Fahrt eindecken. In Rekordzeit hatte der LKW mit seinen Begleitern das Dorf Ikutha nahe des nördlichen Eingangstors zum Tsavo-East Nationalpark bei Kanziku hinter sich gelassen, und es war erst 9:30 Uhr, als er an der Laderampe der Stallungen von Ithumba parkte. Der Tag war kühl und der Himmel bedeckt, was das ganze Vorhaben etwas erleichterte. Wie beim Umzug wenige Tage zuvor waren auch dieses Mal Daphne, Angela, Robert und ihre Familie anwesend, um die Babys in Ithumba willkommen zu heißen. Als sich die Abteile des LKW öffneten, kamen die Waisen einer nach dem anderen vorsichtig heraus und fanden sich in einer ganz neuen Welt wieder. Die drei Waisenhaus-Keeper, die sie begleitet hatten und denen sie vertrauten, waren für sie da, und die Babys hingen wie Kletten an ihnen, als sie mit den Milchflaschen zur Tränke und zum Matschloch geführt wurden. Kauro war am meisten verwirrt, schläfrig und benommen, doch die kleine Naseku war ganz entspannt und fröhlich, obwohl sie die kleinste der Gruppe war. Sie konzentrierte sich ganz darauf, mehr als ihren üblichen Anteil an Milch zu bekommen! Nach einer Weile wurden Kamok, Oltaiyoni und Roi von hinter dem Berg, wo sie gegrast hatten, zu den Neulingen gebracht. Es gab herzliche Begrüßungen, und alle waren froh, sich wiedergefunden zu haben – ein schönes Willkommen für Kauro und seine Kollegen.

Die Tore des LKW werden geöffnetNaseku, Tusuja und Kauro kommen in Tsavo an
Die Milchflaschen für alle Waisen stehen bereitNaseku wird in Ithumba mit Milch herausgelockt
Roi und Kamok saufen mit TusujaNaseku, Kauro und Tusuja bekommen Milch
Naseku wird von den anderen Waisen begrüßt
Die restlichen Waisen kamen dann in Dreiergruppen nach und nach zu den Neulingen, was diese ein wenig überforderte – nur Naseku schien noch immer unbekümmert zu sein. Sie erkannten aber etliche alte Freunde unter den Ithumba-Waisen, sodass es viele Begrüßungen und ausführliches Kollern gab. Diese wertvollen Beziehungen und Freundschaften werden es sein, mit deren Hilfe die neuen Babys schließlich zurück in die Wildnis geführt werden. Das ist es, was unser Waisenprojekt so einzigartig macht, dessen Geschichte Daphnes ganzes Leben umspannt, seit der Zeit als sie und David Sheldrick in den 50er Jahren die ersten verwaisten Elefanten aufzogen. Und so war es für sie etwas ganz besonderes, am letzten Tag des Jahres 2016 diesen neuen Umzug mitzuerleben, von Waisen, denen ihre Familie genommen worden war und die von ihrer menschlichen Adoptivfamilie durch die gefährlichen ersten Lebensjahre gebracht worden waren. Jetzt gehen sie den nächsten Schritt in Richtung eines wilden Lebens im Tsavo East Nationalpark, wie bereits so viele vor ihnen – in einem Park voller unberührter Natur, der seinerzeit von dem inzwischen längst verstorbenen David Sheldrick gegründet wurde. Dieses ausgedehnte Gebiet in Afrika ist Kenias größer Nationalpark und das Zuhause von etwa 13.500 wilden Elefanten. Das Hauptaugenmerk des DSWT liegt auf diesem Gebiet, und uns ist klar, dass es zwecklos wäre, Waisenelefanten aufzuziehen, ohne das große Ganze im Blick zu behalten. Die zehn Anti-Wilderei-Einheiten, die vom DSWT finanziert werden und mit dem KWS zusammenarbeiten, sind essentiell für die Zukunft unserer Waisen und ihrer wilden Freunde, ebenso wie die Flugpatrouillen, die vom Himmel herab die Gegend überwachen, Ausschau nach illegalen Aktivitäten halten und so die Bodenteams unterstützen.

Kauro, Naseku und RoiSokotei begrüßt Tusuja und Kauro
Oltaiyoni und Tusuja werden von Boromoko begrüßtNaseku und Tusuja mit Bomani
Naseku und Kauro werden von den anderen Waisen begrüßtKauro trifft Lemoyian
Ihren ersten Tag in Ithumba verbrachten Naseku, Kauro und Tusuja in der Nähe der Stallungen, sodass sie sich erst einmal an ihre neue Umgebung gewöhnen konnten. Am Abend teilten sie sich das erste Mal das große, mit einem Elektrozaun umgebene Gehege – alle sechs Waisenhaus-Neulinge zusammen.

Kauro, Naseku und KamokNaseku und Oltaiyoni mit den anderen Waisen
Kamok, Roi und Oltaiyoni zusammen mit den KeepernKauro bekommt am Abend an den Stallungen seine Milch
Das Jahr 2017 begann mit einem wunderschönen neuen Tag, und einige unserer Ex-Waisen warteten draußen, um die neuen Babys zu begrüßen und sie den Großteil des Tages zu begleiten. Unter ihnen waren Mutara, Chaimu, Kilaguni, Kilabasi und Suguta. Sie grasten während des angenehmen und kühlen Morgens mit den Neulingen und spielten in der Mittagshitze zusammen im Schlammloch. Zwei wilde Bullen waren bei den Ex-Waisen, einer von ihnen von majestätischer Größe, und er beeindruckte die neuen Babys sehr – man konnte sehen, wie sie immer wieder Blicke auf ihn erhaschten.

Waisen und Ex-Waisen am Schlammloch bei den StallungenDie Ex-Waisen eskortieren die Waisen am Abend zurück nach Hause
Dies ist der Beginn eines neuen Kapitels im Leben dieser Waisen, und wir sind sicher, dass sie sich in ihrem neuen Zuhause gut entwickeln werden. Sie haben ihre geliebten und vertrauten zweibeinigen Begleiter bei sich, und die Elefantenfamilie wird weiter wachsen, wenn wilde Freunde sich unter sie mischen.

Kauro, Tusuja und Naseku grasen
(übersetzt aus dem englischen Original)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archiv