ATE – Amboseli Trust for Elephants

ATE – Amboseli Trust for Elephants

News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate April und Mai 2018:

 

Die sogenannte „Große Regenzeit“ wurde dieses Jahr ihrem Namen wirklich gerecht! Sie begann ungewöhnlich früh bereits im Februar und brachte außergewöhnlich starke und ergiebige Regenfälle mit sich. Die während der Monate März bis Mai gefallenen Niederschläge entsprachen etwa 150 % der Menge eines gesamten durchschnittlichen Jahres!

 

Zwar wurde dadurch fast der gesamte Park überschwemmt aber das erschwerte „nur“ die Fortbewegung der Menschen. Die Straßen und Pisten standen zum großen Teil unter Wasser – auch wenn in Amboseli viele davon ohnehin auf Dämmen verlaufen. Das ATE-Team musste daher die Zufahrt zum Camp durch Pfähle markieren um nicht versehentlich vom Weg ab zu geraten. Allerdings waren teilweise auch die richtigen Wege so hoch überflutet, dass das Wasser durch die Autotüren ins Innere der Land-Rover gelangte…

 

Elefantenkuh in bester Verfassung!

 

Die meisten Tiere kamen mit den Folgen der ergiebigen Regefälle wesentlich besser zurecht. Sie wichen einfach auf höher gelegenes Land in der Nachbarschaft aus. Dort gab es kaum Überschwemmungen und trotzdem üppige Weideflächen.

Wenn mit Beginn der nächsten Trockenzeit die Überflutungen im Park zurückgehen werden sich die Überschwemmungsflächen in grüne Savannen mit saftigen Gras verwandeln, wodurch die Nahrungsversorgung für weitere Monate gesichert ist!

 

Die Elefanten befanden sich daher in bester körperlicher Verfassung und das wirkte sich auch deutlich auf ihr Verhalten aus. Vor allem die Kälber aber auch Kühe und sogar Bullen waren verspielt und ausgelassen. Männliche Elefanten sind ohnehin häufig dabei zu beobachten wie sie ihre Rangfolge durch Schiebeduelle klären. Diese verlaufen grundsätzlich freundlich und fair. Es kommt kaum zu ernsthaften Verletzungen. Nur zwischen Bullen von etwas gleichem Rang, die sich beide gerade in der Phase der „Musth“ befinden, kann es zu ernsthaften Kämpfen kommen.

 

Kämpfende Elefantenbullen

 

Einige Elefantenfamilien arrangierten sich besonders gut mit den Überschwemmungen und hielten sich auch im April und Mai die meiste Zeit innerhalb des Parks auf. Hierzu gehörten beispielsweise die AA’s, die EB’s und die GB’s, also einige der bekanntesten Familien Amboselis.

 

Die AA’s hatten das Glück, dass ihre wichtigsten Weidegründe ohnehin zum Großteil von den Überflutungen verschont geblieben waren. So konnten Sie problemlos in ihrem Kerngebiet bleiben, und dort einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Dem Weiden in den Sümpfen!

 

Nachdem die letzte Leitkuh der AA’s ein Opfer der Dürre geworden war nahm nun Astrid ihren Platz ein. Sie scheint ihrer Aufgabe gewachsen zu sein – und möglicherweise auch einen etwas anderen Führungsstil zu praktizieren. In der Vergangenheit duldete die AA-Familie fremde Jungbullen nicht besonders gerne in ihrer Mitte. Sie vertrieben diese meistens ziemlich schnell. Nun hielt sich Garango, ein jugendlicher Bulle aus der GB-Familie, einen ganzen Tag zwischen den AA’s auf! Vielleicht bedeutet dies, dass Astrid den Jungbullen gegenüber mehr Toleranz zeigt als ihre Vorgängerinnen – vielleicht war es aber auch nur eine Ausnahme. Das ATE-Team wird die Entwicklung jedenfalls im Auge behalten! Es ist immer faszinierend zu beobachten welche Verhaltensweisen Elefanten entwickeln, beibehalten oder auch verändern! All dies belegt die stark ausgeprägten individuellen Charakterzüge der Grauen Riesen.

 

Elefantenpaarung während der Regenzeit

 

Eine weitere Veränderung konnte man in der räumlichen Verteilung der Familienmitglieder feststellen. Vor und während der Dürre hatten sich die AA’s meistens in kleinere Untergruppen aufgeteilt. Nun waren häufig alle in einer Gruppe zusammen anzutreffen.

 

Sehr erfreulich ist die Entwicklung von Astrids kürzlich geborenem Sohn. Ihm geht es sehr gut! Es ist großartig zu sehen wie ausgelassen er herumtobt! Eines Tages spielte er fröhlich er mit Artemis Sohn, der letzten Dezember geboren wurde. Die AA’s hielten sich gerade am Observation-Hill auf und das abschüssige Gelände sorge für aufregende Entwicklungen bei den Schiebe-Duellen der beiden Jungs! Da sie fast dasselbe Alter haben sind sie ideale Spielgefährten. Und das werden sie bleiben, bis sie eines Tages zu unabhängigen jungen Bullen herangewachsen sind – vielleicht sogar darüber hinaus! Denn Elefanten – auch Bullen – bilden oft lebenslange Freundschaften.

 

Die AA’s machten insgesamt einen sehr glücklichen Eindruck! Nur Astrid’s Tochter Annan war eine Ausnahme – aus mehr als verständlichem Grund: Sie hatte im April ihr kleines Kalb verloren! Es war bereits ihr viertes gewesen – und keines davon hatte überlebt! Annan blieb nahe bei ihrer Mutter und unterstützte sie in dem sie auf ihren kleinen Bruder aufpasste. Gerade in diesen Situationen wird der soziale Charakter der Grauen Riesen besonders deutlich. Sie trauern um ihre Toten – beginnen aber bald wieder sich um die Lebenden zu kümmern.

 

Elefantenkuh und Kalb vor dem Kilimanjaro

 

Auch von den EB’s wurden viele Familienmitglieder öfters innerhalb der Parkgrenzen gesichtet. Ella und ihre Töchter hielten sich allerdings, wie schon in den Vormonaten, außerhalb des Parks im Selengai-Conservancy auf. In diesem Gebiet ist das Futterangebot besonders reichhaltig – vermutlich ein Hauptgrund für ihre Aufenthaltswahl.

Die meisten anderen Angehörigen der EB-Familie verbrachten jedoch viel Zeit innerhalb Amboselis. Am 9. Mai brachte hier Elana, eine Urenkelin der berühmten Echo, ein weibliches Kalb zur Welt. Nachdem sie ihr erstes Kalb verloren hatte (was häufig bei Elefanten vorkommt) hofften alle sie würde bald eine zweite Chance erhalten. Nun war es so weit und die Bedingungen dieses Jahres hätten hierfür nicht besser sein können! Nur extrem selten gibt es ein so reiches Nahrungsangebot. Elana sollte es unter diesen Umständen leicht fallen ausreichend Milch für ihr Baby zu produzieren.

 

Die Mitglieder der GB-Familie befanden sich ebenfalls in bester Verfassung. Was für ein Unterschied zur Situation gegen Ende der nur wenige Monate zurückliegenden Dürre! Jetzt trafen sich Gruppen der GB’s gerne mit anderen Familien und genossen die Annehmlichkeiten dieser guten Zeiten!

Außerdem gab es auch bei ihnen Familienzuwachs: Garamba brachte am 13. Mai ein weibliches Kalb zur Welt! Auch sie hatte bisher leider nur wenig Glück mit ihrem Nachwuchs gehabt. Sie bekam zwar bereits fünf Kälber, doch diese waren fast alle in noch sehr jungem Alter gestorben. Letztlich hatte bisher nur eines ihrer Babys überlebt: Gakuo, welches 2011 zur Welt kam. Nun hoffen natürlich alle, dass es auch ihre neue kleine Tochter schaffen wird. Dank der außergewöhnlich guten Bedingungen dieses Jahres hat sie hierfür auch die besten Chancen!

Tatsächlich gab es in vielen Familien Nachwuchs. Ein ganz besonderes Ereignis fand allerdings in der PA-Familie statt: Die junge Kuh Paru brachte Zwillinge zu Welt! Ein männliches und ein weibliches Kalb! Zwillingsgeburten kommen bei Elefanten nur extrem selten vor. In Amboseli fand die letzte vor 38 Jahren statt. Damals wurde Estella aus der EA-Familie die Mutter von Eclipse und Equinox, ebenfalls einem Mädchen und einem Jungen. Beide Kälber haben überlebt! Das ist gar nicht selbstverständlich, da viele Elefantenkühe kaum in der Lage sind genug Milch für zwei Babys zu produzieren. So hätte es Paru also gar nicht besser treffen können als ihre Zwillinge in einem Jahr mit so außergewöhnlich ergiebiger Regenzeit zur Welt zu bringen! Das ATE-Team wird die Entwicklung ihrer Kälber natürlich genau im Auge behalten!

 

Eine Elefantenherde wird von einem Bullen besucht.

 

Letztlich bestimmen verschiedene Faktoren, wie viele Babys eine Elefantenkuh ihm Laufe ihres Lebens zur Welt bringt – und wie viele davon überleben.

Einer davon ist die Länge des Zeitraums, währenddessen sie grundsätzlich in der Lage ist Babys zu bekommen: Also in welchem Alter sie zum erste Mal zur Paarung bereit ist und in welchem dies zum letzten Mal geschieht. Dies hängt ebenso von genetischen Veranlagungen wie von mehr oder weniger günstigen Umweltbedingungen ab.

Von großer Bedeutung ist auch die Unterstützung, die eine Kuh von ihrer Familie erhält. Gibt es viele junge Kühe so steht immer eine große Zahl von Babysittern zur Verfügung, die eine Mutter entlasten. Und weniger Stress erleichtert ihr die Produktion von ausreichend Milch.

Besonders wichtig ist die Anzahl erfahrener älterer Kühe in einer Familie. Diese helfen gerade jungen und unerfahrenen Kühen die richtigen Entscheidungen zu treffen um ihren Kälbern zu möglichst optimalen Überlebenschancen zu verhelfen.

Und schließlich ist auch das Geschlecht der Kälber ein wichtiger Faktor: Bullenkälber benötigen deutlich mehr Kalorien als Kuhkälber, da sie schneller wachsen. Gerade in Jahren mit schlechter Nahrungsversorgung sinken daher ihre Überlebenschancen deutlich. Falls eine Kuh viele männliche Kälber bekommt und gleichzeitig häufig Dürreperioden herrschen, kann sich das sehr negativ auf ihren Fortpflanzungserfolg auswirken.

 

Dieses Jahr sorgte die Große Regenzeit jedenfalls dafür, dass die Überlebenschancen aller neugeborenen Kälber außergewöhnlich gut sind. So kann das ATE-Team ziemlich optimistisch in die Zukunft blicken.

 

Wiedersehen mit Rea!

 

Wie viele unserer Unterstützer vielleicht wissen hat Cynthia Moss vom Amboseli Trust for Elephants ein Elefantenkalb aus Amboseli nach unserem Verein benannt: Rea, eine Tochter Risas aus der RA-Familie.

 

Rea wurde im Januar 2012 geboren und war von Anfang an ein sehr hübsches Baby mit riesigen Segelohren! Sie hatte gleich einen guten Start ins Leben, da es in ihrem Geburtsjahr sehr viel Regen gab. Ihre Mutter fand daher mehr als ausreichend Nahrung und konnte problemlos genug Milch für ihre kleine Tochter produzieren. Außerdem war Risa mit 42 Jahren bereits eine sehr erfahrene Mutter, die schon mehrere Kälber großgezogen hatte.

2016 bekam sie sogar ein weiteres Baby – dieses Mal ein männliches. Rea kümmert sich, typisch für weibliche Elefantekälber, liebevoll um ihren kleinen Bruder.

 

Es ist allerdings gar nicht so einfach ihre Entwicklung im Auge zu behalten, da sich die RA-Familie nicht nur innerhalb des Amboseli-Nationalparks aufhält sondern gelegentlich auch außerhalb liegende Gebiete aufsucht. So verschwinden sie schon mal für einige Zeit vom „Radar“ des ATE-Teams.

 

Umso erfreulicher war es als Dr. Vicki Fishlock am 16. Juli, als sie gerade auf dem Weg zu einem Meeting war, die RA-Familie innerhalb des Parks entdeckte und dabei auch Rea ausfindig machen konnte. Es gelang ihr ein Foto zu machen, welches Rea neben ihrer Mutter Risa und ihrem kleinen Bruder zeigt. Wie man sieht ist sie ordentlich gewachsen und in bester körperlicher Verfassung! Außerdem nimmt sie ihre Rolle als Kindermädchen offenbar sehr ernst!

 

Rea mit ihrem Bruder und ihrer Mutter Risa.

 

Wir freuen uns natürlich sehr über Reas wundervolle Entwicklung und hoffen, dass sie in Amboseli auch weiterhin ein glückliches Leben in Freiheit – sicher vor Wilderei und Mensch-Wildtierkonflikten – führen kann.

 

Beste Bedingungen für Elefantenbabys in Amboseli

 

Im April und Mai sorgten die in diesem Jahr außergewöhnlich ergiebigen Niederschläge in Amboseli für ein üppiges Pflanzenwachstum, welches sich wiederum äußerst positiv auf die Elefanten und anderen Pflanzenfresser auswirkte!

 

Vor allem auch die jüngsten Mitglieder der Elefanten-Gesellschaft profitierten von diesen günstigen Bedingungen. Diejenigen, welche schon selbst pflanzliche Nahrung zu sich nahmen, lebten gewissermaßen mitten im Buffet! Und alle, die noch vollständig oder teilweise von der Milch ihrer Mütter abhängig waren, konnten sich darauf verlassen, dass die Versorgung klappte! Denn natürlich beeinflusste das reiche Nahrungsangebot auch die Kondition der Elefantenkühe auf bestmögliche Weise, so dass es ihnen leicht fiel jederzeit genug Milch für ihren Nachwuchs zu produzieren.

 

Zwei wohlgenährte Elefantenbabys in Amboseli

 

Die Elefantenbabys erhielten dadurch nicht nur besonders gute Überlebenschancen sondern befanden sich in geradezu optimaler körperlicher und mentaler Verfassung. Alle sahen rund und wohlgenährt aus, zeigten sich extrem verspielt und sehr, sehr übermütig! Für ihre Mütter und Kindermädchen war es manchmal ziemlich anstrengend die Kleinen im Auge zu behalten und sicherzustellen, dass sie nicht im hohen Gras verschwanden!

 

Verspielte und glückliche Elefantenkälber mit ihren aufmerksamen Kindermädchen

 

Aber diese Mühen nahmen die Elefantenkühe gerne auf sich. Denn sie bedeuteten, dass sich die Babys bestmöglich entwickelten – und noch jede Menge Spaß dabei hatten!

 

News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate Februar und März 2018:

 

Im Februar und März 2018 kam es in Amboseli zu einigen außerordentlichen Entwicklungen – positiven wie negativen.

 

Anfang Februar begann eine neue Trockenzeit, deren Ende erst im April zu erwarten war. Für die Elefanten wurde es daher wieder schwieriger ausreichend Nahrung zu finden. Die Sümpfe bieten ihnen zwar das gesamte Jahr ausreichend Wasser und auch bis zu einem gewissen Grad Nahrung, doch ist die Sumpfvegetation relativ nährstoffarm und mengenmäßig nicht für die gesamte Population ausreichend. Daher wanderten viele Familien in Gebiete außerhalb der Parkgrenzen.

 

Das ATE-Team und seine Partner versuchen durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit den benachbarten Massai die Toleranz der Menschen gegenüber den Wildtieren zu fördern. Vor allem wichtige Wanderkorridore, Rastplätze und Weidegründe müssen erhalten bleiben.

Im Allgemeinen funktioniert dies ziemlich gut. Aber leider gibt es gelegentlich auch Rückschläge. Vor allem wenn Wildtiere in Gebiete wandern, in denen die Menschen nicht vom Tourismus profitieren. Dort betrachtet man sie nur als eine Bedrohung für die Felder, die Ernten und das Vieh. Und das führt häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

 

Im Februar erhielt das ATE-Team, die Nachricht, dass es leider wieder einen derartigen Zwischenfall gegeben hatte, bei dem zehn Elefanten getötet wurden. Allerdings war unbekannt um welche Familie es sich handelte. Das ATE-Team konnte nur hoffen, während der nächsten Regenzeit alle Familien wiederzusehen und dann festzustellen, von welcher Mitglieder fehlen.

Es ist klar, dass man zur Vermeidung von Mensch-Wildtier-Konflikten die vielerorts bereits gut funktionierenden Maßnahmen auf alle Gebiete ausdehnen muss, in denen Elefanten, Löwen und andere große Wildtiere in der Nähe von Menschen leben.

 

Nach diesem schlechten Start in die Trockenzeit gab es allerdings bald darauf eine mehr als positive Überraschung! Die Regenzeit begann völlig unerwartet bereits im März! Und das mit Niederschlagsmengen, wie man sie hier nur selten findet! Letztlich regnete es in sechs Wochen mehr als sonst in einem ganzen Jahr!

 

Eine Gruppe Elefanten vor dem Kilimanjaro während der großen Regenzeit in Amboseli

Sogar der „Amboseli-See“ wurde wieder zum Leben erweckt! Während der letzten Eiszeit bedeckte er den größten Teil des heutigen Amboseli-Nationalparks. Doch vor ca. 10.000 Jahren trocknete er fast vollständig aus – nur in Gestalt der Sümpfe blieb ein kleiner Rest erhalten. Der weitaus größte Teil des ehemaligen Seebeckens besteht heute aus weiten Ebenen, welche die meiste Zeit des Jahres einer Sandschüssel gleichen. Nur während der Regenzeiten verwandeln sie sich in üppige, grüne Savannen. Und nur in Jahren mit besonders ergiebigen Regenfällen kehrt der alte See zumindest temporär zurück.

 

Dieses Jahr kam es wieder zu diesem seltenen Ereignis! Die gewaltigen Niederschlagsmengen konnten vom Boden nicht mehr aufgesogen werden und sorgten bereits für eine Überflutung der Ebenen. Hinzu kam, dass Amboseli in einer Senke liegt, die auf drei Seiten von höher gelegenem Land umgeben ist. Auch von dort floss das Wasser in die Ebene hinunter. Dies bewirkte einen zusätzlichen Anstieg des Wasserpegels und schließlich gab es im gesamten Park kaum noch eine trockene Stelle zu finden!

 

Die meisten Tiere waren dadurch gezwungen auf die benachbarten, höher liegenden Gebiete auszuweichen. Das stellte allerdings kein Problem dar, da es hier nun ebenfalls Wasser und frisches Gras im Überfluss gab. Tatsächlich fanden sie hier sogar ein abwechslungsreicheres Angebot an Futterpflanzen, was ihnen sehr willkommen war. Außerdem sind die hier lebenden Menschen tolerant und akzeptieren die Wildtiere in ihrer Nachbarschaft. Somit kamen die Elefanten gut mit der Situation zurecht.

Und für die kommende Trockenzeit gab es nun die bestmöglichen Prognosen überhaupt! Wenn die Regenfälle enden wird der See langsam wieder austrocken. Zurück bleibt dann eine fruchtbare Ebene, die sich in eine grüne Savanne verwandelt – genau zu der Zeit, wenn die Weideflächen der höher liegenden Gebiete außerhalb des Parks langsam verdorren. Die Nahrungsversorgung ist somit sichergestellt! Wenn man bedenkt, welch schreckliche Dürre hier nur wenige Monate zuvor noch herrschte, dann kann man das Geschenk der diesjährigen Regenfälle gar nicht hoch genug schätzen!

 

Die Prognosen für die Elefanten und anderen Tiere Amboselis sehen daher zum jetzigen Zeitpunkt für das Jahr 2018 ziemlich gut aus!

 

Dies wird sich natürlich vor allem auch auf die jüngsten Mitglieder der Elefanten-Population positiv auswirken! Die Überlebenschancen für die neugeborenen Babys haben deutlich zugenommen! Das ist umso erfreulicher als es auch während der letzten Zeit noch in vielen Familien neuen Nachwuchs gab. So brachte beispielsweise Babette von der BB2-Familie am 21.03.2018 ein männliches Kalb zur Welt, welches das ATE-Team ausgiebig beobachten konnte.

 

Eine Elefantenkuh und ihr wohlgenährtes Baby

Überall in Amboseli kann man nun Elefantenfamilien mit ihrem wohlgenährten – und verspielten – Nachwuchs begegnen. Die AA’s, die BB2’s, die EB’s und die GB’s gehören zu jenen, die am häufigsten gesichtet wurden.

 

Besonders erfreulich sind die guten Bedingungen speziell auch für Astrid aus der AA-Familie und ihr im Dezember geborenes männliches Kalb. Astrid hatte bisher leider wenig Glück mit ihren Nachkommen. Langfristig überlebte bis jetzt nur ihre Tochter Annan. Doch jetzt hat sie gute Chancen, dass es auch ihr kleiner Sohn schaffen wird!

 

Wie erwähnt hatten die meisten Elefanten-Familien während der Überflutungen im März den Park verlassen. Einige Familien zeigten allerdings ein gegensätzliches Verhalten. Zu diesen gehörten die AA’s. Sie erwiesen sich als sehr standorttreu und blieben sogar jetzt die meiste Zeit innerhalb der Parkgrenzen. Und auch die EA’s sowie die GB’s waren trotz der Überflutung oft im Schutzgebiet zu sehen.

 

Freundlicher Kontakt zwischen zwei Elefanten

Die GB’s sind eine besonders soziale, freundliche und fürsorgliche Familie – bereits mehrfach haben sie verwaiste Kälber verstorbener Familienangehöriger aufgezogen.

Einer ihrer jungen Bullen, der 13 Jahre alte Garango, machte sich gerade langsam selbständig. Dabei besuchte er oft auch die EA’s. Dies ist ein typisches Verhalten für junge Bullen und die EA’s nahmen ihn stets freundlich auf. Die Kühe beider Herden sind generell sehr tolerant – auch gegenüber fremden Jungbullen – und außerdem eng befreundet. Hinzu kam, dass speziell Garango in den letzten Jahren eine persönliche Freundschaft zu der zwölfjährigen Eugenie, einer Tochter Eudoras, aufbauen konnte. Kein Wunder also, dass er für die EA’s ein willkommener Besucher war.

Übrigens dürfte Eugenie gerade das ersten Mal schwanger sein – ein guter Zeitpunkt bei dem derzeit so reichen Nahrungsangebot und den allgemein guten Aussichten für die nächste Zukunft der Amboseli-Elefanten.

 

News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate Dezember 2017 und Januar 2018:

 

Im November war die schreckliche, acht Monate anhaltende Dürre des Jahres 2017 endlich zu Ende gegangen und durch die langersehnte Regenzeit abgelöst worden! Diese setzte sich im Dezember mit ergiebigen Niederschlägen fort, welche in kürzester Zeit eine beeindruckende Regeneration der Pflanzenwelt zur Folge hatten. Für unzählige Tiere bedeutete dies die Rettung aus einer Zeit der schlimmsten Entbehrungen.

 

Die Amboseli-Elefanten haben eine schlimme Dürre überstanden.

Noch ist das ATE-Team damit beschäftigt festzustellen, welche und wie viele Opfer die Dürre gefordert hatte. Aber wenigstens ist bereits sicher, dass die furchtbaren Ausmaße des Jahres 2009 nicht erreicht wurden. Damals starben in Amboseli ungefähr 400 Elefanten als Folge der extremen Trockenheit. Dieses Jahr waren es vermutlich zwischen 50 und 60 Tiere – vorwiegend ältere Individuen und Kälber. Aber auch eine noch relativ junge Leitkuh, die 49 Jahre alte Amelia von den AA’s, erlag den äußerst schweren Bedingungen. Weiterlesen

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