Dupotto, Karisa und Kelelari verschwanden im Mai aus Ithumba, nachdem irgendetwas sie erschreckt hatte – nur wenige Tage nachdem sie vom Waisenhaus in Nairobi zur Auswilderungsstation umgezogen waren. Da sie nur so kurz da gewesen waren, kannten sie sich in der Gegend noch gar nicht aus, und die Keeper waren zuversichtlich, dass sie bald wiedergefunden werden würden. Doch trotz mehrtägiger Suche mit Flugzeug und Helikopter blieben sie verschwunden. Da die Regenzeit gerade begonnen hatte, war es in Ithumba sehr grün und dicht bewachsen, und viele wilde Elefantenherden hielten sich in der Gegend auf. Das beruhigte alle etwas, denn dies bedeutete, dass sie immerhin genug Futter und Wasser in der Wildnis haben würden. Trotzdem ging die Suche natürlich weiter, zu Fuß wie aus der Luft – aber erfolglos.

Kelelari, Kauro und Dupotto in IthumbaKelelari, Dupotto und Karisa nach ihrer Ankunft in Ithumba

Kamok, Karisa und Kelelari auf dem Weg zur MilchfütterungKelelari spielt mit Sirimon
Kelelari und Karisa
Schließlich wurden sie, zur Erleichterung aller, am 4. August vom Anti-Wilderei-Team in Yatta, das auf einer Patrouille am Fluss Athi unterwegs war, gesichtet. Sie waren zusammen mit wilden Elefanten unterwegs, in einer Gegend, die Gazi heißt und weit ab von jeglicher Zivilisation liegt, sodass es extrem schwierig geworden wäre, sie wieder einzusammeln. Zunächst besserten sich die Bedingungen nicht, und die Teams warteten, bis sich eine günstige Gelegenheit ergeben würde. Am 6. August wurden Kelelari und Dupotto am frühen Morgen aus der Luft oben auf dem Yatta-Plateau gesehen, nur wenige 100 Meter von einem alten, unbenutzten Fahrweg entfernt. Ein paar große wilde Bullen begleiteten sie. Sofort wurde alles für eine Rettungsaktion vorbereitet, was sich als echte logistische Herausforderung erwies. Währenddessen waren die Piloten damit beschäftigt, in zwei Flugzeugen über der Gegend zu kreisen, um die Elefanten nicht aus den Augen zu verlieren.

Schließlich war alles bereit. Mit Hilfe des Helikopters wurde Dupotto von Kelelari getrennt und vom Tierarzt Dr. Ephantus aus der Luft betäubt. Es dauerte nicht lange, bis sie umfiel und fest schlummerte, und die Keeper konnten sich den Weg durch den dichten Busch bahnen, geleitet vom Hubschrauber. Auch ein Fahrzeug mühte sich den Weg dorthin, wo Dupotto lag. Sobald sie dann in die richtige Lage gebracht worden war, konnte sie auf die Matraze gerollt und auf den Pickup geladen werden. Das erwies sich allerdings als großes Problem, denn selbst alle Anwesenden zusammen schafften es nicht, ihr Gewicht auf die Ladefläche zu hieven. Der Tierarzt überlegte schon, sie wieder zu wecken und die ganze Aktion abzubrechen. Allerdings sah Dupotto nach den Monaten in der Wildnis schon ziemlich mitgenommen aus, und die Sorge um sie ließ die Helfer noch einmal all ihre Kräfte zusammennehmen – und tatsächlich schafften sie es, sie auf das Fahrzeug zu laden! Robert Carr-Hartley brachte sie dann auf einer zweistündigen Fahrt nach Ithumba zurück, und Dr. Ephantus kümmerte sich unterwegs auf der Ladefläche um Dupotto und stellte sicher, dass sie in leicht betäubtem Zustand blieb.

Das Auto mit DupottoDupotto wird abgeladen
Dupotto ist gut wieder in Ithumba angekommenDupotto in einem Stall in der Auswilderungsstation
Dupotto ist wieder bei ihrer Freundin Kamok in Ithumba
Es war unmöglich, gleichzeitig auch noch Kelelari mitzunehmen, denn er war sofort in die andere Richtung davongerannt und bei seinen wilden Freunden verschwunden. Noch dazu ist er deutlich größer und schwerer als Dupotto und hätte erst recht nicht auf die Ladefläche geladen werden können, selbst wenn das Fahrzeug es bis dorthin geschafft hätte, wo er nun war, abseits aller Wege. Er ist aber schon ein großer Elefant und kennt das Leben in der Wildnis aus den Jahren vor seiner Rettung, als er in der Maasai Mara dreimal von Löwen angefallen worden war. Da er in guter Gesellschaft der wilden Elefanten ist, wurde er erst einmal bei ihnen gelassen und wird vom Flugzeug aus weiter beobachtet. Dupotto dagegen hatte das Abenteuer sichtlich zugesetzt. Als sie aus der Luft beobachtet worden war, sah sie sehr unsicher und verletzlich aus und wich nicht von Kelelaris Seite. Da sie als kleines Baby ins Waisenhaus gekommen war, muss die ungewohnte Umgebung und die Erfahrung für sie sehr furchteinflößend gewesen sein.

Als das Yatta Anti-Wilderei-Team die verlorenen Waisen gesichtet hatte, berichteten sie von allen dreien, aber die Flugpatrouillen konnten Karisa nirgends finden. Und dann, zwei Wochen später, geschah wieder so ein Wunder, wie es die Elefanten immer wieder fertigbringen! Karisa tauchte plötzlich, eskortiert von den Ex-Waisen, beim Mittagsschlammbad in Ithumba auf! Die Ex-Waisen gaben ihn bei den Keepern ab, und er fing sofort an, an ihren Fingern zu nuckeln und leerte drei Flaschen Milch – als wäre er nie weg gewesen! Die Keeper staunten nicht schlecht, zumal er das letzte Mal vom Anti-Wilderei-Team 30km entfernt in einer Gegend fernab von Straßen und Wegen gesehen wurde, bevor er Kelelari und Dupotto verlor. Er sah erstaunlich gut aus, war wohlgenährt und hatte offenbar die beiden Monate, die das Trio in der Wildnis verbracht hatte, gut überstanden.

Karisa taucht mit den Ex-Waisen zusammen beim Schlammbad aufKarisa ist wieder da
Karisa bekommt gleich MilchKarisa will noch mehr Milch!
Bei seiner Ankunft überraschten ihn seine besten Freunde Galla, Wanjala und Ukame, die in der Woche, in der er verschwunden war, nach Ithumba umgezogen waren. Er war sehr erfreut und hat sich gleich wieder eingewöhnt, genauso wie Dupotto, die ihrer besten Freundin Kamok nicht mehr von der Seite weicht. Nach Karisas Rückkehr waren alle sehr erleichtert, denn er ist der kleinste der drei Ausreißer, und jetzt, wo im Norden Tsavos wieder alles austrocknet, stehen die Bedingungen nicht mehr so gut wie vor ein paar Monaten. Wie es aussieht, haben sie sich auch mit einigen der wilden Bullen, die regelmäßig zu Besuch kommen, angefreundet. Ein bestimmter Bulle kam nach Karisas Rückkehr zwei Tage lang mit erhobenem Rüssel zu den Stallungen, und die beiden kollerten und plauderten miteinander. Wenn seine wilden Freunde da sind, hält er sich gerne bei ihnen auf, aber sie verstehen, dass er während der Trockenzeit bei der Waisenherde bleiben muss, wo er seine geliebte Milch bekommen kann.

Die Waisen beschnüffeln KarisaKarisa und Laragai bei wilden Bullen
Kamok, Dupotto und Roi
Kelelari, der die ganze Ausreißer-Aktion angefangen hatte und nun von seinen Waisenfreunden getrennt ist, scheint sich im Moment bei seinen wilden Artgenossen wohlzufühlen. Es würde sich allerdings niemand wundern, wenn er auch plötzlich wieder von allein auftauchen würde. Jetzt, wo Karisa und Dupotto wieder zusammen in Ithumba sind, ist klar, dass sie den Weg kennen, und falls er sich entscheiden sollte wiederzukommen, wird er mit offenen Armen empfangen werden.

Kelelari
(übersetzt aus dem englischen Original)

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