Am 1. Februar 2018 gegen 10 Uhr rief ein besorgter Benjamin, Chef-Keeper der DSWT-Auswilderungsstation in Ithumba, bei Angela Sheldrick an; er berichtete, dass Enkikwe auf ein paar Löwen getroffen war, die ihm übel mitgespielt hatten! Enkikwe ist einer der Gruppe von Waisen, die in letzter Zeit – angeführt von Laragai – häufiger ihre eigenen Wege gegangen waren, wie es für die Waisen ihres Alters nicht unüblich ist. Die jetzt fünf Jahre alte Laragai hat sich angewöhnt, nachts ihr Gehegetor zu öffnen, in dem außer ihr noch Kithaka, Barsilinga, Lemoyian und Garzi schlafen. Als im Dezember sechs neue Waisen aus Nairobi kamen, schlossen sich Boromoko, Sirimon, Sokotei, Enkikwe, Siangiki und Olsekki der abtrünnigen Gruppe um Laragai an. Manchmal bleiben sie über Nacht draußen, gehen weiter in den Busch hinaus, entfernen sich ein ganzes Stück von den anderen Waisen und den Keepern und gehen auch gelegentlich mit den Ex-Waisen auf Wanderschaft. Diese elf Freunde kennen sich noch gut aus ihrer Zeit im Waisenhaus in Nairobi, und vor allem Enkikwe und Siangiki sind beste Freunde und geradezu unzertrennlich.

An dem Tag, an dem Enkikwe von Löwen angegriffen wurde, hatte Laragais Herde auch wieder eine andere Richtung eingeschlagen als die Waisen mit den Keepern und war in Richtung des zurzeit ausgetrockneten Kalovoto gegangen. Etwa um 8 Uhr am Morgen hörten die Keeper Trompeten und Geschrei aus der Richtung des trockenen Flussbetts, aber sie dachten sich nichts weiter dabei. In der Gegend um Ithumba gibt es jede Menge Elefanten, und es ist häufig irgendwo Getröte und Lärm zu hören. Einige Zeit später trafen sie dann auf die Ex-Waisen Makena, Tumaren und Rapsu, die einen von Löwenbissen verletzten Enkikwe zu den Stallungen eskortierten! Der Rest von Laragais Gruppe kam hinterher. Bei genauerem Hinsehen bemerkten die Keeper, dass Enkikwe etliche Verletzungen davongetragen hatte: ein Löwe hatte sich wohl an seinem Hals festgebissen, während ein anderer von hinten angegriffen haben musste. Es ist ein kleines Wunder, dass er überlebt hatte – vermutlich nur, weil die älteren Ex-Waisen Makena, Tumaren und Rapsu dazwischen gekommen waren. Ihr Geschrei und Trompeten musste die Löwen eingeschüchtert haben, was schließlich Enkikwes Leben gerettet hatte.

Der Tierarzt, Dr. Poghon, wurde sofort nach Ithumba geflogen und behandelte Enkikwe umgehend. Die nächsten Tage werden zeigen, wie gut er sich erholt, aber man kann von Glück reden, dass er noch am Leben ist! Die Löwen von Tsavo sind berüchtigt und haben schon wilde Elefanten getötet, die älter als Enkikwe waren. Besonders eine Wunde an seinem Hinterbein bereitet uns Sorgen; hier waren die Verletzungen um das Knie herum so groß, dass man beim Reinigen der Wunde sogar den Knochen sehen konnte. Nach einer Woche sind die Wunden am Hals und am Rücken schon recht gut verheilt, aber die Verletzung am Hinterbein muss noch eine Weile gepflegt und behandelt werden. Sie ist sehr tief, und bei solch einem Löwenbiss besteht immer die Möglichkeit, dass sie sich infiziert. Das Bein ist noch angeschwollen, aber bis jetzt eitert nichts, was immerhin ein gutes Zeichen ist.

Enkikwe wird für die Behandlung vorbereitetDie Wunden werden gereinigt
Enkikwe wird nach der Behandlung wieder aufgewecktEnkikwe nach der Behandlung
Es ist beeindruckend, wie besorgt Makena um Enkikwe an diesem Tag war. Zuerst rettete sie ihm das Leben und brachte ihn dann gleich zu den Stallungen. Den ganzen Tag über kam sie wieder vorbei, um nach ihm zu sehen. Außerdem blieb sie beim Rest seiner Herde und vermittelte den heranwachsenden Elefanten so Schutz und Geborgenheit, nachdem sie so einen Schrecken erleben mussten. Das zeigt wieder einmal, welch großartigen Tiere Elefanten sind, die sogar in unseren zusammengewürfelten Herden so aufopferungsvoll füreinander da sind.

Enkikwe ein paar Tage nach dem Löwenangriff
(übersetzt aus dem englischen Original)

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