Im September 2017 hatte die schlimme Dürre den südlichen Teil von Tsavo fest im Griff, und viele Elefanten überlebten diese Zeit nicht. Der Grund war hauptsächlich das fehlende Futter und nicht einmal so sehr das wenige verfügbare Wasser. Nachdem mehrere Jahre hintereinander nur wenig Regen gefallen war, wurde die Situation katastrophal für die Elefanten, die in diesem Teil des Nationalparks blieben, anstatt in günstigere Gebiete zu wandern, solange die Wasserlöcher es noch zuließen. Insgesamt verhungerten im Jahr 2017 etwa 400 Elefanten, und damit ist diese Dürre die schlimmste, die seit den 1970er Jahren die Elefantenpopulation Tsavos heimgesucht hat. Die Opfer waren hauptsächlich ältere Tiere und Kühe, die wegen ihrer kleinen Kälber in der Gegend bleiben mussten. Während der Trockenzeit bemühten sich die Teams des DSWT immer wieder nach Kräften, die vom Verhungern bedrohten verwaisten Kälber zu retten; sowohl in der Luft als auch am Boden waren täglich Patrouillen im Einsatz, in der Hoffnung, Opfern rechtzeitig helfen zu können.

 


Am 25. September unternahm DSWT-Mitarbeiter Trevor Jennings gerade eine Routine-Kontrolle der vom DSWT finanzierten Brunnenanlagen in den Dika-Ebenen, als er auf ein verlassenes junges Elefantenkalb traf. Das kleine Mädchen war etwa zwei Jahre alt und bereits sehr geschwächt. Noch dazu lauerte in den umliegenden Büschen schon ein Rudel Löwen. Trevor informierte sofort die Leitung des Nationalparks beim Kenya Wildlife Service und mobilisierte weitere Mitarbeiter. Während er auf Hilfe wartete, beobachtete er die Situation genau; glücklicherweise waren die Löwen wegen der Hitze gerade sehr inaktiv und blieben im Schatten, obwohl sie das Kalb bereits bemerkt hatten. Da sich keine Elefanten in der Nähe aufhielten und zu der Zeit immer wieder Kadaver entdeckt wurden, bestand kein Zweifel, dass es sich hier um ein verwaistes Baby handeln musste, dessen Mutter höchstwahrscheinlich der unerbittlichen Dürre zum Opfer gefallen war. Die Zeit wurde langsam knapp, und es bestand das Risiko, dass die Löwen zuschlagen würden, bevor eine Rettungsaktion gestartet werden könnte, und daher kontaktierte Trevor das Feld-Hauptquartier des DSWT in Kaluku, damit der Helikopter direkt zu der fraglichen Stelle fliegen konnte.

Das gerettete KalbVorbereitungen zum Einladen des Kalbs in den Hubschrauber
Das Rettungsfahrzeug wird an den Helikopter herangefahrenDas Kalb wird eingeladen
Das Kalb ist fast verstautDas Kalb im Helikopter
Vom Hauptquartier ist es ein etwa 40-minütiger Flug dorthin, und sollte das Kalb am gleichen Tag noch nach Nairobi geflogen werden müssen, so war keine Zeit mehr zu verlieren. So brach das Team sofort auf, und auch einige Keeper aus Voi machten sich mit einem Fahrzeug auf den Weg. Es würde eine anstrengende Rettung werden, da KWS-Tierarzt Dr. Poghon zu dieser Zeit gerade nicht da war, und das Kalb daher ohne Betäubung eingefangen werden musste – und das auch noch mit einem Rudel Löwen im Gebüsch daneben! Vor Ort angekommen, fuhren die Helfer das Fahrzeug so nahe wie möglich an das Waisenmädchen heran. Daraufhin machte sie jedoch kehrt und rannte davon, sodass alle ihr eilig hinterher rennen mussten!

Gut verpackt für den Flug nach NairobiAbflug nach Nairobi
Sagala nach der Ankunft im Helikopter
Da sie schon ziemlich ausgehungert war, hielt sie nicht lange durch, und nach einem ordentlichen Dauerlauf hatten die Helfer sie eingeholt und konnten sie einfangen und festbinden. Den Löwen war das ganze Schauspiel nicht geheuer, und sie machten sich in die entgegengesetzte Richtung davon, um sich in den Büschen zu verstecken. Der Landcruiser fuhr bis zu der Stelle, an der das Baby nun lag, und mit vereinten Kräften wurde es auf die Ladefläche gehievt. Danach wurde sie in etwas offeneres Gebiet gefahren, wo der Hubschrauber besser landen konnte. Das Timing stimmte, denn kaum war das Fahrzeug geparkt, hörte man auch schon den Hubschrauber in der Ferne.

Sagala wird in Nairobi aus dem Helikopter geladenSagala auf dem Fahrzeug zum Waisenhaus
Sagala wird im Waisenhaus vom Pickup heruntergehobenSagala wird in ein Gehege gebracht
Nun wurde es Zeit, das Waisenbaby vom Landcruiser in den Helikopter zu verladen. Aufgrund ihrer Größe war das nicht leicht, aber allen Anwesenden war klar, dass bei einem solchen Dürreopfer jede Verzögerung lebensgefährlich sein kann, und sie schnellstmöglich nach Nairobi gebracht werden musste, um zu überleben. Helikopter-Pilot Andy Payne ist inzwischen erfahren, wenn es darum geht, Waisenelefanten zu transportieren. Dank des schnellen Eingreifens mit dem Hubschrauber konnten dieses Jahr schon etliche Dürreopfer gerettet werden. Andy koordinierte das Verladen des Kalbs, und als das kleine Mädchen im Hubschrauber lag, wurde es noch gut festgebunden. Dann konnte der Flug nach Nairobi zum Waisenhaus starten. Er dauerte anderthalb Stunden, und bei der Ankunft standen schon die Keeper des Waisenhauses bereit, um die wertvolle Fracht in ein vorbereitetes Gehege zu bringen. Sie staunten nicht schlecht, dass ein Kalb von dieser Größe tatsächlich in den Hubschrauber gepasst hatte!

Sagala ist wieder auf den BeinenSagala genießt das Grün in ihrem Gehege
Sagala geht mit den anderen hinausSagala wird von Rapa begrüßt
Sagala mit GodomaSagala futtert
Das Mädchen wurde Sagala genannt, nach einem Berg, den man von ihrem Rettungsort, den Dika-Ebenen, gut sehen kann. Nach der ganzen Aufregung bei ihrer Rettung war sie sehr aufgewühlt und stampfte erst einmal auf der Decke herum, mit der ihr Kopf abgedeckt gewesen war. Die anderen Waisen waren schon in ihre Gehege zurückgekehrt und sahen alles mit an. Sie haben so etwas natürlich schon häufiger gesehen, doch ihr Gekoller und ihr Rufen war deutlich zu hören, sodass Sagala sich langsam beruhigte. In den folgenden Tagen wurde Sagala erst einmal schwächer, obwohl sie ihre Milch gut trank – dies passiert häufig bei ausgehungerten Waisen – und sie brach sogar ein paar Mal zusammen. Glücklicherweise kam sie nach einiger Zeit wieder zu Kräften, und schließlich konnte sie sich auch den anderen Waisen draußen im Nairobi-Nationalpark anschließen.

Sagala genießt GrünSagala draußen bei den anderen Waisen
Sagala im Busch
Sagala hat großes Glück gehabt, dass sie gefunden wurde, bevor sie den Löwen zum Opfer fiel oder, noch schlimmer, verhungern musste. Dank Trevors Patrouille an diesem Nachmittag und dem schnellen Eingreifen aller Helfer ist ihr Leben gerettet worden. Im Waisenhaus des DSWT in Nairobi ist sie nun in guten Händen. Sie ist ein zurückhaltendes Mädchen, und die frechen Gesellen wie Esampu und ihre Freunde haben sie noch nicht mit ihren Streichen angesteckt. Alle hoffen, dass sie brav bleiben wird, wenn sie aufwächst, und ihren freundlichen Charakter behält.

 

Übernehmen Sie jetzt eine Patenschaft für Sagala

 

 

Sagala bei Sonnenschein draußen im BuschSagala beim Grasen
Sagala bekommt ihre MilchSagala kommt mit Sapalan angerannt
(übersetzt aus dem englischen Original)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archiv