News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate Februar und März 2018:

 

Im Februar und März 2018 kam es in Amboseli zu einigen außerordentlichen Entwicklungen – positiven wie negativen.

 

Anfang Februar begann eine neue Trockenzeit, deren Ende erst im April zu erwarten war. Für die Elefanten wurde es daher wieder schwieriger ausreichend Nahrung zu finden. Die Sümpfe bieten ihnen zwar das gesamte Jahr ausreichend Wasser und auch bis zu einem gewissen Grad Nahrung, doch ist die Sumpfvegetation relativ nährstoffarm und mengenmäßig nicht für die gesamte Population ausreichend. Daher wanderten viele Familien in Gebiete außerhalb der Parkgrenzen.

 

Das ATE-Team und seine Partner versuchen durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit den benachbarten Massai die Toleranz der Menschen gegenüber den Wildtieren zu fördern. Vor allem wichtige Wanderkorridore, Rastplätze und Weidegründe müssen erhalten bleiben.

Im Allgemeinen funktioniert dies ziemlich gut. Aber leider gibt es gelegentlich auch Rückschläge. Vor allem wenn Wildtiere in Gebiete wandern, in denen die Menschen nicht vom Tourismus profitieren. Dort betrachtet man sie nur als eine Bedrohung für die Felder, die Ernten und das Vieh. Und das führt häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

 

Im Februar erhielt das ATE-Team, die Nachricht, dass es leider wieder einen derartigen Zwischenfall gegeben hatte, bei dem zehn Elefanten getötet wurden. Allerdings war unbekannt um welche Familie es sich handelte. Das ATE-Team konnte nur hoffen, während der nächsten Regenzeit alle Familien wiederzusehen und dann festzustellen, von welcher Mitglieder fehlen.

Es ist klar, dass man zur Vermeidung von Mensch-Wildtier-Konflikten die vielerorts bereits gut funktionierenden Maßnahmen auf alle Gebiete ausdehnen muss, in denen Elefanten, Löwen und andere große Wildtiere in der Nähe von Menschen leben.

 

Nach diesem schlechten Start in die Trockenzeit gab es allerdings bald darauf eine mehr als positive Überraschung! Die Regenzeit begann völlig unerwartet bereits im März! Und das mit Niederschlagsmengen, wie man sie hier nur selten findet! Letztlich regnete es in sechs Wochen mehr als sonst in einem ganzen Jahr!

 

Eine Gruppe Elefanten vor dem Kilimanjaro während der großen Regenzeit in Amboseli

Sogar der „Amboseli-See“ wurde wieder zum Leben erweckt! Während der letzten Eiszeit bedeckte er den größten Teil des heutigen Amboseli-Nationalparks. Doch vor ca. 10.000 Jahren trocknete er fast vollständig aus – nur in Gestalt der Sümpfe blieb ein kleiner Rest erhalten. Der weitaus größte Teil des ehemaligen Seebeckens besteht heute aus weiten Ebenen, welche die meiste Zeit des Jahres einer Sandschüssel gleichen. Nur während der Regenzeiten verwandeln sie sich in üppige, grüne Savannen. Und nur in Jahren mit besonders ergiebigen Regenfällen kehrt der alte See zumindest temporär zurück.

 

Dieses Jahr kam es wieder zu diesem seltenen Ereignis! Die gewaltigen Niederschlagsmengen konnten vom Boden nicht mehr aufgesogen werden und sorgten bereits für eine Überflutung der Ebenen. Hinzu kam, dass Amboseli in einer Senke liegt, die auf drei Seiten von höher gelegenem Land umgeben ist. Auch von dort floss das Wasser in die Ebene hinunter. Dies bewirkte einen zusätzlichen Anstieg des Wasserpegels und schließlich gab es im gesamten Park kaum noch eine trockene Stelle zu finden!

 

Die meisten Tiere waren dadurch gezwungen auf die benachbarten, höher liegenden Gebiete auszuweichen. Das stellte allerdings kein Problem dar, da es hier nun ebenfalls Wasser und frisches Gras im Überfluss gab. Tatsächlich fanden sie hier sogar ein abwechslungsreicheres Angebot an Futterpflanzen, was ihnen sehr willkommen war. Außerdem sind die hier lebenden Menschen tolerant und akzeptieren die Wildtiere in ihrer Nachbarschaft. Somit kamen die Elefanten gut mit der Situation zurecht.

Und für die kommende Trockenzeit gab es nun die bestmöglichen Prognosen überhaupt! Wenn die Regenfälle enden wird der See langsam wieder austrocken. Zurück bleibt dann eine fruchtbare Ebene, die sich in eine grüne Savanne verwandelt – genau zu der Zeit, wenn die Weideflächen der höher liegenden Gebiete außerhalb des Parks langsam verdorren. Die Nahrungsversorgung ist somit sichergestellt! Wenn man bedenkt, welch schreckliche Dürre hier nur wenige Monate zuvor noch herrschte, dann kann man das Geschenk der diesjährigen Regenfälle gar nicht hoch genug schätzen!

 

Die Prognosen für die Elefanten und anderen Tiere Amboselis sehen daher zum jetzigen Zeitpunkt für das Jahr 2018 ziemlich gut aus!

 

Dies wird sich natürlich vor allem auch auf die jüngsten Mitglieder der Elefanten-Population positiv auswirken! Die Überlebenschancen für die neugeborenen Babys haben deutlich zugenommen! Das ist umso erfreulicher als es auch während der letzten Zeit noch in vielen Familien neuen Nachwuchs gab. So brachte beispielsweise Babette von der BB2-Familie am 21.03.2018 ein männliches Kalb zur Welt, welches das ATE-Team ausgiebig beobachten konnte.

 

Eine Elefantenkuh und ihr wohlgenährtes Baby

Überall in Amboseli kann man nun Elefantenfamilien mit ihrem wohlgenährten – und verspielten – Nachwuchs begegnen. Die AA’s, die BB2’s, die EB’s und die GB’s gehören zu jenen, die am häufigsten gesichtet wurden.

 

Besonders erfreulich sind die guten Bedingungen speziell auch für Astrid aus der AA-Familie und ihr im Dezember geborenes männliches Kalb. Astrid hatte bisher leider wenig Glück mit ihren Nachkommen. Langfristig überlebte bis jetzt nur ihre Tochter Annan. Doch jetzt hat sie gute Chancen, dass es auch ihr kleiner Sohn schaffen wird!

 

Wie erwähnt hatten die meisten Elefanten-Familien während der Überflutungen im März den Park verlassen. Einige Familien zeigten allerdings ein gegensätzliches Verhalten. Zu diesen gehörten die AA’s. Sie erwiesen sich als sehr standorttreu und blieben sogar jetzt die meiste Zeit innerhalb der Parkgrenzen. Und auch die EA’s sowie die GB’s waren trotz der Überflutung oft im Schutzgebiet zu sehen.

 

Freundlicher Kontakt zwischen zwei Elefanten

Die GB’s sind eine besonders soziale, freundliche und fürsorgliche Familie – bereits mehrfach haben sie verwaiste Kälber verstorbener Familienangehöriger aufgezogen.

Einer ihrer jungen Bullen, der 13 Jahre alte Garango, machte sich gerade langsam selbständig. Dabei besuchte er oft auch die EA’s. Dies ist ein typisches Verhalten für junge Bullen und die EA’s nahmen ihn stets freundlich auf. Die Kühe beider Herden sind generell sehr tolerant – auch gegenüber fremden Jungbullen – und außerdem eng befreundet. Hinzu kam, dass speziell Garango in den letzten Jahren eine persönliche Freundschaft zu der zwölfjährigen Eugenie, einer Tochter Eudoras, aufbauen konnte. Kein Wunder also, dass er für die EA’s ein willkommener Besucher war.

Übrigens dürfte Eugenie gerade das ersten Mal schwanger sein – ein guter Zeitpunkt bei dem derzeit so reichen Nahrungsangebot und den allgemein guten Aussichten für die nächste Zukunft der Amboseli-Elefanten.

 

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