News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate April und Mai 2019:

 

Nach den letzten trockenen Monaten gab es in Amboseli im April und Mai erfreulicherweise wieder etwas Regen. Mit 13,5 ml im April und  58 ml im Mai fiel diese Regenzeit zwar nicht besonders üppig aus (und war überhaupt kein Vergleich zu den enorm reichhaltigen Niederschlägen des Vorjahres), doch sollte es trotzdem ausreichen um die nächste Trockenzeit zu überstehen.

Die Sümpfe bieten ohnehin das gesamte Jahr über Trinkwasser und auch etwas Nahrung. Und die Regenfälle sorgten nun dafür, dass auch die Savannen wieder grün wurden. Dabei braucht es gar nicht so viel Regen, um den Park in eine grüne Zuflucht für Wildtiere zu verwandeln, denn die heimischen Pflanzen sind natürlich an die eher trockenen Bedingungen Amboselis bestens angepasst.

 

Elefantenfamilien in einem Sumpf

Mehrere Elefantenfamilien zusammen in einem Sumpf in Amboseli

 

Das verstärkte Pflanzenwachstum wirkt sich für alle positiv aus: Die Wildtiere ebenso wie die Menschen der benachbarten Gemeinden und ihr Vieh. Es gibt für alle ausreichend Wasser und Nahrung, was eine deutliche Reduzierung von Mensch-Wildtier-Konflikten zur Folge hat. Sowohl die Massai und ihr Vieh als auch die Wildtiere machen das Beste aus dieser Zeit, indem sie versuchen so viel Kondition wie möglich zu erlangen.

 

Auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Amboseli Trust for Elephants (ATE) hatten eine gute – wenngleich arbeitsreiche – Zeit. Denn die Elefanten versammelten sich in großen Herden, die sich gut eigneten um zu überprüfen ob in den einzelnen Familien noch alle Mitglieder existierten, ob eventuell neue hinzugekommen oder andere verschwunden waren.

 

Elefanten vor dem Observation-Hill

Elefanten vor dem Observation-Hill mit dem Kilimanjaro im Hintergrund

 

Die Mitglieder der AA-Familie wurden in den letzten Monaten vom ATE-Team genau beobachtet. Annan, die Tochter der Matriarchin Astrid, scheint sich erholt und den Verlust ihres jüngsten Kalbes einigermaßen bewältigt zu haben. Sie wird nun vermutlich bald in den Östrus geraten. Jedenfalls kokettierte sie ziemlich deutlich mit einem jungen Bullen und ermutigte ihn, ihre Genitalien und ihren Urin zu testen. Dies geschieht hauptsächlich über den Geruchssinn und schließt auch eine Überprüfung des aus den Schläfendrüsen abgesonderten Sekrets ein.

Interessanterweise finden solche Untersuchungen sowohl von Bullen an Kühen, Kühen an Bullen, Bullen an Bullen sowie Kühen an Kühen statt. Das Interesse ist also in jede Richtung groß! Elefantenkühe interessieren sich dabei vor allem an Bullen in Musth. Während diese wiederum vor allem Kühen im Oestrus gesteigertes Interesse entgegenbringen, was im Sinne der Fortpflanzung natürlich sehr sinnvoll ist.

 

Elefanten und Kuhreiher in Amboseli

Elefanten und Kuhreiher in Amboseli

 

Oft kann beobachtet werden, wie Elefanten mit ihrem Rüssel die Schläfen eines anderen berühren. Wenn Kühe dies bei ihren Kälbern machen, dann handelt es sich um liebevolle Zuwendungen. Untersuchen erwachsene Kühe gegenseitigen ihre Schläfendrüsen, stellen sie vor allem den emotionalen oder physischen Zustand ihrer Freunde fest. Wenn hingegen erwachsene Bullen bei Begrüßungen gegenseitig ihre Schläfen berühren, so interessieren sich vermutlich hauptsächlich für den physiologischen und sexuellen Zustand des Anderen.

 

Musth-Bullen werden häufig beobachtet, wie sie dem Geruch eines anderen Bullen oder auch einer Kuh beharrlich folgen und dabei immer wieder aktiv mit ihrem Rüssel die Spur prüfen, indem sie den Boden beschnüffeln und / oder die Luft einsaugen. So ein Bulle kann Rivalen oder Oestrus-Weibchen manchmal kilometerweit verfolgen.

 

Der Geruchssinn ist einer der wichtigsten Sinne von Elefanten und so ist es nicht verwunderlich, dass er auch im sozialen Bereich, in der gegenseitigen Einschätzung und Überprüfung eine wichtige Rolle spielt. Dies kann man vor allem auch bei den großen Elefantenversammlungen, die während der Regenzeit bei gutem Nahrungsangebot stattfinden, häufig beobachten.

 

Elefantenkuh in Amboseli

Elefantenkuh in Amboseli

 

Die GB-Familie gehört zu jenen, die sich gerne den großen Herden anschließen. Im April und Mai konnte sie oft beobachtet werden. Und speziell im April befanden sich Golda, Georgia, Garamba, Gigabyte, Genesis und Ghost zusammen mit ihren Kälbern in einer großen Gruppe, die aus vielen Familien bestand.

Im Mai war es dann nach längerer Zeit wieder einmal möglich alle GBs zusammen zu sehen, was es schwierig machte, eine Zählung durchzuführen, da diese Familie inzwischen aus 45 Mitgliedern besteht!

 

Leider gibt es aber auch eine traurige Nachricht: Das ATE-Team musste Galana im Mai als wahrscheinlich tot registrieren, denn sie wurde schon länger nicht mehr gesehen und ihre Kälber Gigumba und Glaze hielten sich allein bei den anderen Familienmitgliedern auf. Galana wurde 1992 geboren, war also mit 27 Jahren noch eine junge Elefantenkuh mit einem fünf- und einem neun-jährigen Kalb. Glücklicherweise sind beide Kälber älter als zwei Jahre, was bedeutet, dass ihre Überlebenschancen, solange sie bei ihrer Familie bleiben, sehr hoch sind, da sie nicht mehr auf Milch angewiesen sind. Den Mitarbeitern von ATE fällt es oft sehr schwer zu entscheiden ob sie ein bestimmtes Individuum für tot erklären müssen. Es gibt durchaus Gründe weshalb auch Kühe eine Weile aus ihren Familien verschwinden können. Beispielsweise wenn sie im Östrus sind oder sich unwohl fühlen. Allerdings war Galana während der letzten Begegnungen mit den GB’s nie dabei gewesen, was letztlich zu dem Schluss führte, dass sie verstorben sein muss.

Tatsächlich ist es allerdings schon vorgekommen, dass Elefanten, die man für tot hielt, plötzlich doch wieder auftauchten. Es wäre mehr als erfreulich, wenn dies auch bei Galana der Fall wäre!

Im Allgemeinen trifft jedoch folgende Regel zu: Fehlt eine Kuh zusammen mit ihren Kälbern, so sind sie wahrscheinlich alle am Leben und haben sich nur entschlossen für eine Weile eigene Wege zu gehen. Fehlt hingegen eine Kuh während sich ihre Kälber bei der Familie befinden, dann stimmt etwas nicht. Bislang wurde ATE allerdings noch von keinem ihrer Scouts oder einem Ranger des KWS von einem toten, weiblichen Elefanten in Amboseli berichtet. Doch ist es nicht ungewöhnlich, dass die Überreste verstorbener Elefanten erst viel später, wenn überhaupt, gefunden werden. Man wird also wohl noch eine Weile warten müssen bis es eine endgültige Sicherheit gibt.

 

Junger Elefantenbulle in Amboseli

Junger Elefantenbulle in Amboseli

 

Ganz anders verhielt es sich hingegen bei den EB’s. Hier gab es im April eine besonders erfreuliche Neuigkeit: Ella war nach langer Abwesenheit endlich wieder in den Park zurückgekehrt. Das ATE-Team konnte Ella und ihre ältere Tochter Elettra mit all ihren Kälbern beobachten. Allerdings befanden sich nur Emma’s 2009 geborenen Tochter Elja bei ihnen. Emma selbst fehlte mit ihren restlichen Kälbern. Dies ist aber wohl kein Grund zur Besorgnis. Es könnte sehr gut sein, dass sie sich zwar außer Sichtweite, doch nah genug aufhielten, um sich über  Kontaktrufe im Infraschallbereich mit Ella’s Gruppe verständigen zu können. Enid, Eliot und Edwina mit ihrem Teil der Familie wurden wie üblich häufig in ihren bevorzugten Gebieten gesehen. Die Mitarbeiter von ATE vermuten, dass sie sich mit Ella’s Gruppe vereint hatten, auch wenn sie das leider nicht selbst beobachten konnten.

Ella und ihre Gruppe sahen sehr gut aus. Es ist offensichtlich, dass ihre Strategie, den größten Teil des Jahres außerhalb des Parks, auf dem Gebiet einer nördlich liegenden Conservancy, zu verbringen, eine gute Wahl für ihre Sicherheit und Gesundheit ist.

 

Elefanten im Sonnenuntergang

Elefanten vor einem Sonnenuntergang in Amboseli

 

Amboseli ist auf allen Seiten von lokalen Conservancys umgeben, deren Bevölkerung – trotz gegenteiliger Bemühungen einiger lokaler Politiker (!) – nach wie vor bereit ist Elefanten und andere Wildtiere auf ihrem Gebiet zu tolerieren. Dies ist immens wichtig für die Tiere Amboseli’s, denn der Park selbst ist viel zu klein um ihnen allen das gesamte Jahr über ausreichend Nahrung zu bieten. Die Bereitschaft der lokalen Bevölkerung mit dem Amboseli Trust for Elephants, anderen Organisationen und dem Kenya Wildlife Serivce zu kooperieren kann daher gar nicht hoch genug geschätzt werden.

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