News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate August und September 2017:

 

Im August und September setzte sich die Trockenzeit, welche wie üblich im Juni begonnen hatte, weiter fort. Der Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeiten gehört zum normalen Jahresablauf in Amboseli. Dieses Jahr allerdings waren die Bedingungen äußerst schwierig. Die sogenannte „große“ Regenzeit im April und Mai hatte nur relativ wenig Regen gebracht, was sich auf das Pflanzenwachstum sehr negativ auswirkte. Während der Regenzeit gab es noch genug Nahrung für die Elefanten und anderen Pflanzenfresser. Doch sobald im Juni die Trockenheit begann machten sich die geringen Niederschläge schnell bemerkbar: Es dauerte nicht lange und das Land war komplett ausgetrocknet! Die Trockenzeit wurde zu einer echten Dürre! Dies war umso schlimmer, als Amboseli nur ein Jahr zuvor von einer ähnlichen Katastrophe betroffen war – und dieses Jahr sollten die Ausmaße noch dramatischer werden.

 

Wasser ist in Amboseli allerdings grundsätzlich immer vorhanden. Es gibt hier mehrere Sümpfe, die durch unterirdische Wasserläufe mit Schmelzwasser vom Kilimanjaro gespeist werden. Daher finden die Tiere hier selbst während der schlimmsten Dürren immer genug zu Trinken.

Das Problem ist die Nahrung. Wenn die Regenzeit spärlich ausfällt trocknet das Land schnell aus und es gibt kein nennenswertes Pflanzenwachstum mehr. Die einzige Ausnahme bilden wieder die Sümpfe, in denen spezielle Gräser und andere Pflanzen wachsen. Allerdings stellt diese Sumpfvegetation keine besonders gute Alternative dar. Einerseits ist sie nicht besonders nahrhaft und andererseits für viele Tiere nur schwer erreichbar. Elefanten und Flusspferde bewegen sich relativ problemlos in den Sümpfen, doch andere Arten wie Zebras, Antilopen oder Giraffen können das nicht. Ihre relativ kleinen Hufe sinken tief ein wenn sie sich durch den sumpfigen Untergrund kämpfen und sie verbrauchen dabei mehr Energie, als sie durch das Fressen der Sumpfvegetation zu sich nehmen. Diese ist für die meisten Tiere ohnehin nur schwer verdaulich – vor allem für spezialisierte Blattfresser oder solche, die Savannengräser bevorzugen.

Die Elefanten kommen mit der Nahrung, welche die Sümpfe bieten, besser zurecht. Aber besonders nahrhaft ist diese Vegetation selbst für sie nicht. Je länger eine Trockenzeit dauert desto deutlicher macht sich die mangelhafte Ernährung auch bei ihnen bemerkbar. Die Tiere verlieren viel Gewicht; Rippen, Hüft- und Wangenknochen werden deutlich sichtbar.

 

Hinzu kommt, dass mit dem Fortdauern der Trockenzeit immer mehr Elefanten gezwungen sind in die Sümpfe zu ziehen. Dadurch entsteht sogar unter den grundsätzlich so friedfertigen Dickhäutern eine gewisse Konkurrenz. Ranghöhere Familien nehmen die besten Weidegründe in Anspruch und zwingen Familien mit niedrigerem Rang sich mit Randzonen zufrieden zu geben. Diese sind deshalb besonders von der Erfahrung und Umsicht ihrer Leitkühe abhängig.

Als dieses Jahr die Gruppen der EB-Familie, die länger außerhalb des Parks unterwegs gewesen waren, zu ihren alten Weidegründen in den Sümpfen zurückkehrten, waren diese von einer anderen Familie besetzt, welche ihr eigenes Territorium erweitert hatte. Einige EB-Kühe mit niedrigerem Rang wurden sogar vertrieben – obwohl Elefanten sonst durchaus in der Lage sind Reviere zu teilen. Die Matriarchinnen der EB’s duldeten allerdings dieses Verhalten nicht und stellten schnell klar, dass sie wieder Anspruch auf ihre traditionellen Weidegründe erhoben.

 

Elefanten wandern durch die ausgetrockneten Ebenen in Amboseli.

 

Die Bullen kommen mit diesen Trockenperioden übrigens etwas besser zurecht. Sie müssen auf keine Kälber Rücksicht nehmen und können notfalls sogar auch einen Tag ohne Wasser aushalten. Dadurch sind sie in der Lage schneller, größere Distanzen zurückzulegen und sogar relativ weit entfernte Gebiete, in denen es noch Nahrung gibt, zu erreichen. Kühe mit noch milchabhängigen Kälbern können nicht so schnell und weit wandern und benötigen jeden Tag ausreichend Wasser um genug Milch für ihren Nachwuchs zu produzieren. Dadurch sind sie besonders stark an die Sümpfe und deren nähere Umgebung gebunden.

 

Leider kommt es während der Dürreperioden häufig zu einer Zunahme von Mensch-Wildtier-Konflikten. Je spärlicher das natürliche Nahrungsangebot wird desto eher sind Elefanten und andere Tiere bereit in von Menschen angelegten Feldern nach Futter zu suchen. Die Bauern, die ihre Lebensgrundlage in Gefahr sehen, versuchen die Tiere zu vertreiben und dabei kann es zu schweren Konflikten mit Verletzten und Toten auf beiden Seiten kommen.

 

Der Amboseli Trust for Elephants sowie auch die Big Life Foundation unternehmen im Amboseli-Ökosystem (also auch außerhalb des Nationalparks) große Anstrengungen um dieses Problem mit Hilfe vielfältiger Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Die Entwicklung alternativer Einkommensquellen durch Tourismusprojekte, das Schaffen von Jobs als Ranger, Scouts oder Angestellte der Touristen-Lodges, das Anlagen zusätzlicher Wasserstellen (für Vieh und/oder Wildtiere), das Errichten von Zäunen um Wanderkorridore für Wildtiere offen zu halten und gleichzeitig Felder zu schützen, Notfall-Teams, welche Elefanten aus Feldern vertreiben sowie Entschädigungszahlungen für eventuell doch entstandene Schäden gehören zu den wichtigsten Maßnahmen. Unverzichtbar ist allerdings stets die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Dadurch war es im Amboseli-Gebiet sogar möglich das sonst für Afrika typische ständige Anwachsen der menschlichen Bevölkerung durch Aufklärungskampagnen deutlich zu verringern. Und es bestehen gute Chancen hier die Bevölkerungszahl in einer Generation zumindest zu stabilisieren. All dies wirkt sich in Amboseli durchaus positiv auf die Bekämpfung der Mensch-Wildtier-Konflikte aus, welche auf ein erfreulich niedriges Niveau reduziert werden konnten.

 

Allerdings bedeutet dies leider nicht, dass es überhaupt keine Konflikte mehr gäbe. Während der Dürre in diesem Jahr kam es zu mehreren Zwischenfällen mit Toten auf beiden Seiten.

Im letzten ATE-Bericht erwähnten wir Emily Kate, eine junge Kuh aus der EB-Familie, die wegen einer Speerwunde tierärztliche Behandlung erhielt. Da sich die Wunde als nicht tief erwies waren die Prognosen gut – aber leider ist sie trotzdem kurze Zeit später spurlos verschwunden. Man muss daher davon ausgehen, dass sie es trotz allem nicht geschafft hat. Möglicherweise litt sie an einer Krankheit und ist deshalb trotz der tierärztlichen Unterstützung ihrer Verletzung erlegen. Aber wie auch immer: Ihr Tod ist auf jeden Fall absolut tragisch. Der einzige Trost besteht darin, dass ihr Sohn Ewok im Schutz der EB-Familie blieb und einen guten physischen Eindruck machte.

 

August und September waren also – wie befürchtet – keine guten Monate in Amboseli. Zum Ende dieses Zeitraums hatte die Dürre ein furchtbares Ausmaß angenommen. Es blieb nur zu hoffen, dass sich die Situation im Oktober endlich wieder zum Besseren wenden würde. Spätestens Ende Oktober war mit dem Beginn der nächsten Regenzeit zu rechnen. Bis dahin würden die Erfahrungen der Matriarchinnen hoffentlich ausreichen um das Überleben ihrer Familien zu sichern.

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