News vom Amboseli Trust for Elephants – die Monate Februar und März 2019:

 

Dieses Jahr war es in Amboseli während der Monate Februar und März ziemlich trocken und sehr heiß. Was allerdings durchaus dem normalen Wechsel von Regen- und Trockenzeiten entspricht, da Februar und März in die „kleine“ Trockenzeit fallen. Erst Anfang April ist mit dem Beginn der nächsten Regenzeit zu rechnen.

Trinkwasser gibt es in Amboseli allerdings immer ausreichend, da die Sümpfe im Zentrum des Parks das gesamte Jahr über mit Schmelzwasser vom Kilimanjaro gespeist werden.

Problematisch kann es jedoch bei den Weideflächen werden, welche verdorren, wenn die Regenfälle zu lange ausbleiben.

Die meisten Pflanzen, Tiere und auch die in dieser Region lebenden Menschen kommen mit diesen Verhältnissen ganz gut zu recht. Während der niederschlagsreichen Zeiten erholen sie sich und bilden, wenn möglich, Reserven, von denen sie in den trockenen Monaten zehren.

 

Eine Elefantenfamilie wandert am Rand eines Sumpfes in Amboseli entlang.

 

Während der letzen 12 Monate herrschten jedoch ziemlich ungewöhnliche Bedingungen. Bereits Anfang März 2018 setzte eine außergewöhnlich frühe und niederschlagsreichen Regenzeit ein, die sich im Dezember wiederholte. Letztes Jahr waren im Februar und März insgesamt 286 ml Niederschlag gefallen, während es dieses Jahr im selben Zeitraum nur 22 ml gab. Der März war auch besonders heiß und stickig. Doch profitierte Amboseli nun von den regenreichen Monaten des letzten Jahres, da noch immer Wasserstellen und Weideflächen existierten, die in anderen Jahren zu dieser Zeit bereits verschwunden sind. Selbst eine spät einsetzende und eher magere Regenzeit wäre dieses Jahr also noch kein echtes Problem.

 

Die Elefanten finden in der Nähe der Sümpfe noch ausreichend Nahrung.

 

Elefanten sind sehr gut an den Wechsel von üppigen und kargen Zeiten angepasst. Sie wissen, wie sie durch die harten Zeiten kommen und die guten bestmöglich nutzen. Dieses Wissen beruht zum Großteil auf Erfahrungen, die vor allem die älteren Kühe und Bullen in besonderem Umfang besitzen und an die nächsten Generationen weitergeben. Sie bilden daher einen enorm wichtigen Bestandteil der Elefantengesellschaft.

 

Trotz der voranschreitenden Trockenzeit befanden sich noch immer mehrere Elefantenkühe im Östrus. Am 29. März konnte dies beispielsweise bei Garbatulla von der GB-Familie festgestellt werden. Sie wurde von drei Bullen begleitet: dem 32 Jahre alten Kilgoris aus der KB-Familie, dem 29 Jahre alten Pitamber aus der PA-Familie sowie dem ebenfalls 29 jährigen Donner aus der DB-Familie. Kilgoris war in Musth und bewachte Garbatulla, während die jüngeren Bullen herumlungerten und beobachteten, was los war.

 

Zwei junge Bullen veranstalten ein freundschaftliches Schiebeduell.

 

Ebenfalls im Östrus befanden sich bereits im Januar Artemis und Ende März Airstream aus der AA-Familie. Und sie paarten sich mit keinem Geringeren als Tim, DEM legendären großen Bullen Amboselis, der vermutlich zu den berühmtesten Elefanten der Welt zählt! Er ist einer der letzten Big Tusker Afrikas und bietet eine außergewöhnlich eindrucksvolle Erscheinung – sowohl für Menschen wie Elefanten! Seine riesigen Stoßzähne, die bis zum Boden reichen, sein mächtiger Körper und sein schwerer, breiter Kopf verleihen ihm eine phantastisches Aussehen! Mit seinen 50 Jahren befindet er sich dabei im besten Alter für einen Elefantenbullen. Außerdem besitzt er einen sehr ruhigen und umgänglichen Charakter. All dies macht ihn für die Kühe äußerst attraktiv! Artemis und Airstream können sich wirklich glücklich schätzen!

 

Tim, der legendäre Big Tusker aus Amboseli.

 

Sollte eine Kuh das Interesse mehrere Bullen finden, so entscheidet letztlich sie selbst mit wem sie sich paart. Denn hierfür muss sie stehen bleiben. Sagt ihr ein Bulle nicht zu, so läuft sie einfach weg. Für junge, unerfahrene Kühe können unerwünschte und aufdringliche Bewerber manchmal etwas stressig werden. Doch meistens lernen sie schnell wie sie diese loswerden. Manchmal kommen ihnen aber auch ihre Matriarchin oder andere erwachsene Kühe zu Hilfe.

 

Bullen wie Tim sind allerdings bei den Kühen als Paarungspartner besonders beliebt – seine Größe und sein Alter beweisen mehr als hinreichend, dass er über hervorragende Gene verfügt! Und für weibliche Elefanten ist es schon wegen der langen Zeit, die sie in die Aufzucht ihrer Kälber investieren, mehr als sinnvoll zu versuchen einen Bullen mit den bestmöglichen Genen als Vater für ihren Nachwuchs zu wählen.

 

Tim pflückt einige Zweige (und Äste) von einer Akazie.

 

Im Januar und Februar befand Tim sich definitiv in Musth – jenem Zustand während dessen Elefantenbullen ein gesteigertes Interesse an Paarungen aufweisen, während sie gleichzeitig ziemlich aggressiv auf Konkurrenten reagieren. Bullen, die nicht in Musth sind, gehen ihnen daher aus dem Weg. Sollten sich zwei Musth-Bullen begegnen, wird der mit dem niedrigeren Rang sich zurückziehen. Nur zwischen gleichrangigen Musth-Bullen kann es zu echten Kämpfen kommen.

Die Musth-Periode ist für die Bullen sehr kräftezehrend. Sie sind ständig unterwegs um nach paarungsbereiten Kühen zu suchen, diese zu bewachen und gelegentlich um sie zu kämpfen. Dabei fressen sie kaum. Nur Bullen, die sich in bester körperlicher Verfassung befinden, kommen einmal im Jahr für bis zu drei Monate in diese Phase. Da Tim während der letzten Jahre gesundheitlich angeschlagen war darf man seine Musth als positives Signal für eine vollständige Erholung betrachten. Mitte März schien Tim’s diesjährige Must-Phase wieder vorbei zu sein. Jedenfalls wurde er beobachtet, wie er offenbar mit großem Appetit, seinen Hunger mit Akazienzweigen und -rinde stillte. Demnach befand er sich also bereits wieder in der Erholungsphase. Doch interessierte er sich natürlich trotzdem noch für Kühe im Östrus, wenn diese seinen Weg kreuzen. Glück für Airstream!

 

Interessanterweise werden die großen Musth-Bullen oft von jüngeren Bullen – wenn auch in einigem Abstand – begleitet. Für diese sind sie eine Art von Vorbildern und die jungen hoffen von den älteren zu lernen. Die Musth-Bullen Kilgoris und Elton befanden sich beispielsweise in der Begleitung solcher junger Bullen. Und Tim wurde von Pascal aus der PC-Familie, der sich ebenfalls in Musth befand, sowie Austin aus der AA-Familie begleitet. Trotz seines Musth-Status würde der 39 Jahre alte Pascal den Big Tusker Tim nie herausfordern. Und für den erst 22 jährigen Austin käme dies erst recht nicht in Frage – ganz abgesehen davon, dass Elefantenbullen in Freiheit es ablehnen sich mit verwandten Kühen zu paaren. Für Pascal und Austin war Tim der bestmögliche Lehrer, den sie überhaupt finden konnten.

 

Elton in Musth, nachdem er gerade eine Kuh auf ihre Paarungsbereitschaft geprüft hat.

 

Leider besitzt Tim eine Eigenheit, die für ihn gefährlich werden kann – und auch zu den erwähnten gesundheitlichen Problemen führte: Er liebt Feldfrüchte – vor allem Tomaten und Salat! Daher hat er eine eigene „Gang“ von Bullen gebildet, deren Anführer er ist und zu denen beispielsweise auch sein – zwei Jahre jüngerer – Onkel Tolstoy gehört, ebenfalls ein Big Tusker! Mit diesem Gefolge dringt er in die Farmgebiete ein und bedient sich an den Feldfrüchten. Tim und seine Freunde können ein Feld in einer Nacht komplett zerstören – und geraten dabei in Gefahr von den Farmern angegriffen zu werden. Doch der Amboseli Trust for Elephants (ATE), die Big Life Foundation (BF) und der Sheldrick Wildlife Trust (SWT) arbeiten hart daran sie zu beschützen. Während das Team von ATE, vor allem deren Bullen-Expertin Norah Njiraini, versucht die Wanderungen der Bullen zu verfolgen, um notfalls Ranger anzufordern, welche die Elefanten aus dem Gebiet der Felder vertreiben bevor es zu Schwierigkeiten kommt, leistet BF Entschädigungszahlungen für doch entstandene Ernteschäden und arbeitet daran, die Farmgebiete durch elefantensichere Elektrozäune zu schützen. Der SWT versucht zusammen mit BF die lokale Bevölkerung davon zu überzeugen Wanderkorridore und Rastplätze mit Wasserstellen und Weideflächen für die Elefanten offen zu lassen, innerhalb derer keine Felder angelegt werden. Dafür verpachten die Gemeinden die notwendigen Flächen an den SWT. So wird mit wirklich großem Engagement versucht das Leben von Tim und seinem Gefolge, aber auch allen anderen Elefanten Amboselis, zu sichern! Dies alles sind natürlich keine leichten Aufgaben und speziell im März kam es zu wichtigen Verhandlungen dieser NGO’s mit Vertretern der lokalen Bevölkerung und Politikern, die nicht immer einfach waren. Doch diese Organisationen setzen sich bereits seit vielen Jahren hochengagiert für die Amboseli-Elefanten ein und haben dabei genug Erfahrungen gesammelt um immer wieder Lösungen für Probleme zu finden. Tatsächlich gehört das Amboseli-Ökosystem zu den letzten weitgehend sicheren Lebensräumen für Elefanten, die es überhaupt noch gibt.

 

Elton, der Musth-Bulle, in Begleitung von Kuhreihern.

 

Währenddessen spielte in der EB-Familie ein ganz anderes Thema eine wichtige Rolle – wie bereits während der letzten zehn Jahre. Seit die legendäre Matriarchin Echo während der Dürre des Jahres 2009 gestorben war ist diese Familie damit beschäftigt zu klären, wer ihre Nachfolgerin werden soll. Dies ist nicht ungewöhnlich. In vielen Familien gibt es oft gleich mehrere Kühe die gerne die Rolle der Matriarchin übernehmen würden. Auch wenn diese verantwortungsvolle Aufgabe von anderen eher gemieden wird.

Bei den EB’s sind es Enid, Elliot, Ebony, Ella und Emma, welche sich am meisten für diese Position interessieren und auch die entsprechenden Führungsqualitäten besitzen. Wenig Interesse und/oder Führungsqualitäten legen hingegen Edwina, Eleanor, Eudora und Elspeth an den Tag.

Nachdem die EB’s sich jahrelang immer wieder in verschiedene Gruppen aufgespalten hatten scheint es jetzt Enid, Echos ältester Tochter, gelungen zu sein, den Großteil der Familie hinter sich zu versammeln. Nur Ella führt weiter ihre eigene, kleine Gruppe an. Es ist allerdings noch immer nicht klar, ob dies wirklich dauerhaft der Fall sein wird und ob man die EB’s daher in die EB- und EB2-Familien aufteilen muss – oder doch nicht. Es kann noch Jahre dauern, bis hierüber wirklich Klarheit herrscht. Enids und Edwinas Gruppen waren in den letzten Monaten regelmäßig in und um das ATE-Camp anzutreffen, während Ella es immer noch vorzog, mit ihrem Teil der Familie außerhalb des Parks in einem Gebiet zu bleiben, in dem sie sich nun schon ungefähr ein Jahr aufhält.

 

Rea (links) mit ihrer großen Schwester Rona und deren ein Jahr altem Sohn

 

Ein ganz besonderes kleines Highlight gab es für unseren Verein allerdings bereits im Februar: Vicki Fishlock von ATE entdeckte wieder einmal unser Paten-Mädchen Rea aus der RA-Familie! Es geht ihr sehr gut und sie hat sogar schon kleine Stoßzähne! Meistens gibt sie sich allerdings etwas scheu – was Menschen gegenüber ja durchaus berechtigt ist – und versteckt sich hinter ihrer Mutter Risa oder anderen Familienmitgliedern. Andererseits verhält sie sich, typisch für weibliche Kälber, sehr fürsorglich gegenüber den kleineren Babys ihrer Familie. So lernt sie spielerisch alle Fähigkeiten, die sie eines Tages benötigen wird um ihren eigenen Nachwuchs großzuziehen. Wir hoffen natürlich, dass sie sich weiter so positiv entwickelt!

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