ATE News: August und September 2021

Ella, die Matriarchin der EB2

Im August und September war es in Amboseli sehr trocken. Wenn man auch noch nicht von einer echten Dürre sprechen musste, wie in anderen Teilen Kenias, so begannen doch die Nahrungsressourcen zu schwinden und das Leben wurde für die Wildtiere zunehmend härter.

Mehr und mehr konzentrierten sie sich auf die Sümpfe im Parkzentrum und deren Umgebung, wo nicht nur ausreichend Wasser sondern auch noch etwas Nahrung zu finden war.

 

Für die Matriarchinnen wurde es immer schwieriger ihre Familien in noch ausreichend ergiebige Weidegründe zu führen. Die unterschiedlichen Strategien der Leitkühe ermöglichten es den Elefanten aber immerhin noch möglichst verschiedene der verbliebene Ressourcen zu nutzen.

 

Minnie aus der MB-Familie

 

Ein positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung war allerdings, dass Familien, die sonst im Park eher selten anzutreffen sind, zurückkehrten und nun nach langer Zeit endlich wieder vom Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) beobachtet werden konnten.

 

Die AAs hielten sich wie üblich tagsüber bei den Sümpfen auf und verbrachten die Nächte in einem Wald in der Nähe des ATE-Camps, dessen Akazien für sie eine wichtige Nahrungsquelle waren. Cynthia Moss und ihre Team machten sich ein wenig Sorgen um Angelinas Zwillinge. Beide waren für ihr Alter zu klein und besonders der Junge sah dünn und unterernährt aus. Er war deutlich kleiner als seine Schwester, was für ein männliches Kalb nicht normal ist. Bullenkälber wachsen sonst viel schneller als Kuhkälber, benötigen allerdings auch wesentlich mehr Kalorien. Aus diesem Grund haben männliche Kälber bei Dürren eine deutlich höhere Sterblichkeitsrate als weibliche. Angelinas Sohn wirkte träge und seine Haut, bei Elefanten ein wichtiger Indikator für ihre Gesundheit, sah ziemlich krank aus. Alle hofften so sehr, dass er es schaffen würde. Aber es war offensichtlich, dass er schwer zu kämpfen hatte.

 

Es wurde daher nachgedacht ob es sinnvoll sei ihn aus seiner Familie zu nehmen und in das Elefantenwaisen-Projekt des SWT zu bringen. Doch letztlich nahm man davon Abstand. Die Überlebensrate von Elefantenwaisen ist grundsätzlich deutlich niedriger als von jenen, die bei ihren Müttern aufwachsen. Selbst wenn sie nicht mehr milchabhängig sind. Dabei macht es keinen Unterschied ob die Waisen in einem von Menschen betreuten Waisenprojekt oder noch bei ihrer Familie leben. Die Überführung des männlichen Zwillings in ein Waisenprojekt würde daher seine Überlebenschancen nicht automatisch erhöhen. Stattdessen aber wäre es sowohl für ihn selbst wie seine Familie, besonders seine Mutter und Zwillingsschwester, ein äußerst traumatisches Erlebnis und außerdem für alle daran beteiligten Personen mit großer Gefahr verbunden.

 

Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen
Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen, vor ca. 6 Monaten, als es noch genug Nahrung gab

 

Daher entschied man sich vorerst nicht einzugreifen, Angelina und ihre Zwillinge aber genau im Auge zu behalten. Dies ist relativ gut möglich, da die AAs die standorttreueste Familie in Amboseli sind und von den ATE-Mitarbeiterinnen beinahe täglich gesichtet werden. Sollte eines der Zwillingskälber allein und ohne Kontakt zu seiner Familie entdeckt werden, dann wäre die Zeit des Eingreifens gekommen – aber nicht früher. ATE wird die Situation also weiter sorgfältig beobachten und auch über die Entwicklung der Zwillinge berichten.

 

Der anderen AA-Kälber sahen erfreulicherweise gut und gesund aus. Und die Familie blieb immer bei Angelina, die wegen ihrer geschwächten Zwillinge nicht so schnell wandern konnte. Diese Empathie und Loyalität zueinander gehören zu den beeindruckendsten Eigenschaften der Elefanten. Es erstaunt nicht wirklich, dass sich die AA-Familie so verhält, denn genau dies entspricht dem typischen Wesen der Grauen Riesen.  Bleibt zu hoffen, dass diese moralische Unterstützung und die gemeinsamen Anstrengungen allen Familienmitgliedern helfen werden, das Ende der Trockenzeit zu überstehen.

 

Die EB-Familie erlitt im August leider einen sehr tragischen Verlust.  Ella, die Matriarchin der EB2-Familie, wurde gespeert und starb. Als Cynthia Moss und  Harvey Croze 1973 die EBs zum ersten Mal trafen, war Ella eine junge Kuh (geboren 1965), die offenbar eine enge Beziehung zur Matriarchin  Echo hatte. Damals war unklar, ob es sich bei Ella um Echos Tochter oder Schwester handelte, aber Jahre später ergab eine DNA-Untersuchung, dass sie tatsächlich Echos Schwester war. Ella hielt immer loyal zu Echo – in guten wie in harten Zeiten. Und sie war für das ATE-Team jahrzehntelang ein wichtiger Teil seiner Arbeit und seines Projekts.

 

Ella, die Matriarchin der EB2
Ella, die Matriarchin der EB2-Familie

 

2009 starb Echo im Alter von 64 Jahren während der damaligen verheerenden Dürre. Ihr Tod hatte tiefgreifende und dramatische Auswirkungen auf die EBs. Damals begann Ella sich vom Rest der Familie zu trennen. Zuerst nur für vier Monate, als sie kurz nach Echos Tod mit ihren Kälbern eigene Wege ging. Doch in den Folgejahren verbrachte sie mit ihrer Gruppe immer mehr Zeit abseits von Enids Familienteil, bis ATE die beiden Gruppen schließlich als zwei Familien einstufen musste, da sie kaum noch Zeit miteinander verbrachten. Ellas Gruppe wurde dann als EB2-Familie bezeichnet.

 

Ella war eine mutige Matriarchin und sie verbrachte gerne viel Zeit im nördlichen Teil des Ökosystems. Dieses Gebiet hat ein fantastisches Nahrungsangebot, aber einige Teile davon sind inzwischen stark besiedelt und werden zunehmend in Ackerland umgewandelt. Und obwohl der Großteil der Bevölkerung die Elefanten toleriert so gibt es hier leider auch einige Leute, die Elefanten nicht mögen, sondern sie nur als problematische Tiere betrachten, die Privateigentum beschädigen, besonders Felder.

 

Ella wurde durch einen Speer im Kopf verletzt. Daraufhin war sie zurück zum Selenkay-Schutzgebiet gelaufen, aber als die Ranger sie dort fanden war es bereits zu spät und sie starb an ihrer Verletzung. Die Nachricht von ihrem Tod war ein Schock für das gesamte ATE-Team.

 

Leider konnte bisher der verantwortliche Täter nicht ermittelt werden. Aber wir hoffen, dass im Laufe der Zeit doch noch entsprechende Informationen ans Tageslicht kommen.

 

Ella
Ellas Tod ist ein schmerzhafter Verlust

 

Das Zusammenleben zwischen Elefanten und Menschen ist im nördlichen Teil des Amboseli-Ökosystems alles andere als perfekt. Neben elefantenfreundlichen Menschen gibt es leider immer noch Leute mit einer elefantenfeindlichen Einstellung. Dies ist eine ständige Herausforderung für alle, die sich für das Überleben der Elefanten einsetzen. Die Hoffnung geht nicht verloren, da viele Menschen hart daran arbeiten, die Wahrnehmung zu ändern und Lösungen für ein konfliktfreies Zusammenleben zu schaffen. Doch für Ella kommt alles zu spät. Es hat Allen bei ATE das Herz gebrochen zu erfahren, dass sie auf diese Weise getötet wurde. Außerdem blieb ein erst 15 Monate altes milchabhängiges männliches Kalb zurück.

 

Es war allerdings bewegend festzustellen, dass Ellas Sohn weiter bei seiner Familie war und sich seine älteren Schwestern Elletra und Evaline aufmerksam um ihn kümmerten. Beide haben selbst Kälber und es könnte sein, dass sie ihrem kleinen Bruder erlauben bei ihnen zu trinken. In der EB-Familie ist dies nicht unüblich. Er schien ihm daher – den Umständen entsprechend – gut zu gehen. Trotzdem wurde auch in diesem Fall wurde sorgfältig überlegt ob man Ellas Sohn in das Waisenhaus des Sheldrick Wildlife Trust bringen sollte. Doch da momentan keine dringende Notwendigkeit vorzuliegen schien und sowohl Ella’s Sohn wie die anderen Familienmitglieder bereits mit dem Trauma von Ella’s Tod fertig werden mussten, hielt man es für besser auch hier vorerst nicht einzugreifen. Auch in diesem Fall wird die Familie überwacht werden um zu verfolgen wie sich Ella’s Sohn entwickelt. Das jüngste Kalb, von dem bei ATE bekannt ist, dass es als Waise überlebt hat, war 18 Monate alt. Ella’s Sohn ist drei Monate jünger. Er könnte es schaffen – zumal wenn er von seinen Schwestern Milch bekommt. Dies wäre natürlich für alle die beste Lösung. Sollte er aber den Anschluss an seine Familie verlieren wird man ihn in das Waisenprojekt bringen, um ihm dort eine zweite Chance zu geben. Daher wird nun die weitere Entwicklung abgewartet. Doch bis jetzt sieht es recht gut aus.

 

Ella führt ihre Familie
Ella führt ihre Familie

 

Wir hoffen, dass Ella’s Töchter das Wissen und die Weisheit haben ihre Familie zu führen und das Vermächtnis ihrer Mutter fortzusetzen. Das ATE-Team wird sie weiterhin mit Hilfe der Mitarbeiter des Porini Camps überwachen, welche sie oft sehen und unschätzbar wertvolle Hilfe als Informanten leisten.

 

Enids Abteilung der EBs ging es erfreulicherweise sehr gut. Sie verbrachten viel Zeit im Camp von ATE, wo sie sich sichtlich zu Hause fühlten. Für das Team war es wunderbar, Enids Gruppe zurück zu haben. Bei ihren Besuchen wirkten sie völlig entspannt und voller Vertrauen. Es war wunderschön sie so aus nächster Nähe beobachten zu können.

Sie überquerten auch regelmäßig den mit Flamingos gefüllten, seichten See und boten dabei hervorragende Fotomotive, die viele Besucher von Amboseli begeisterten.

 

Entito erwies sich als ein unglaublich mitfühlender Elefant; sie säugte ihr Kalb gleichzeitig zusammen mit dem ihrer Mutter Eliot. Dieses Verhalten ist bei Elefanten nicht sehr verbreitet. Es kommt zwar häufig vor, dass Großmütter ihre Enkel stillen, doch große Schwestern geben ihren viel jüngeren Geschwistern nur sehr selten Milch. Die EBs sind hier eine positive Ausnahme – eine Beleg für die enge Verbundenheit zwischen den Kühen dieser Familie. Elefanten überraschen selbst das erfahrene ATE-Team immer wieder mit ihrem Mitgefühl sowie ihren Fähigkeiten zur Kooperation und Zusammenarbeit.

 

Edwina
Edwina von der EB-Familie

 

Die FBs waren meistens in ihren üblichen Weidegebieten anzutreffen. Im September brachte Floppy ein weibliches Kalb zur Welt. Seine Geburt erfolgte in einer schwierigen Zeit. Bei den harten Bedingungen wurde es für Elefantenmütter zunehmend schwerer ausreichend Milch für ihre Kälber zu produzieren. In solchen Situationen sind erfahrene Leitkühe überlebenswichtig, die wissen wo es noch wieviel Nahrung gibt und wie weit sie auf der Suche nach Nahrung noch wandern können. Je weiterere Strecken sie zurücklegen, desto besser sind die Chancen ergiebige Weideflächen zu finden aber desto mehr ermüden die Kälber und desto höher ist das Risiko sie zu überanstrengen. Außerdem verbrauchen die Mütter mehr Energie, die dann für die Milchproduktion fehlt. Matriarchinnen müssen also abwägen ob die auf den Wanderungen verbrauchte Energie durch die zu erreichenden Nahrungsressourcen noch rechtzeitig ausgeglichen werden kann. Hier spielen ihre Erfahrungen und ihr enormes Erinnerungsvermögen eine entscheidende Rolle. Der Verlust einer Matriarchin kann daher verheerende Auswirkungen auf eine Familie haben, wenn keines der anderen Mitglieder über ihr Wissen verfügt.

Floppy ist mit 21 Jahren noch eine relativ junge Mutter, die erst 2017 ein erstes weibliches Kalb geboren hatte. Man kann nur hoffen, dass sie es schafft ihr neues Kalb trotz der schwierigen Zeiten durchzubringen. Wenn es wie erwartet erst im November regnet, dann müssen die Elefanten noch einen Monat bis sechs Wochen durchhalten. In dieser Zeit wird für die FBs alles von den Entscheidungen ihrer Matriarchin Fanny abhängen.

 

Elif mit ihrem Kalb
Elif und ihr Kalb

 

Auch die GBs wurden in den letzten zwei Monaten sehr regelmäßig gesehen; wie viele der Amboseli-Familien waren sie häufige Besucher der Sümpfe und kamen auch regelmäßig in das Forschungscamp, umringten die Zelte und zeigen viel verspieltes Verhalten. Es ging ihnen ganz offensichtlich noch recht gut.

 

Georgia befand sich im August sogar im Östrus. Sie ist bereits eine erfahrene Mutter und war bei der Partnerwahl sehr anspruchsvoll. Mehrere Bullen versuchten ihr zu folgen, aber sie war von keinem überzeugt. Sie lief weg und benutzte dabei ihre Familie als Barriere, um die Bullen zu hindern, ihr zu folgen. Später befand sie sich dann in Gesellschaft von Wickstrom aus der WA-Familie. Er ist ein stattlicher großer Bulle und war zu dieser Zeit in Musth.  Emmett aus der EB Familie und Lengai aus der LC Familie waren auch dabei. Doch Wickstrom bewachte Georgia aufmerksam. Es wurde zwar nicht beobachtet wie Wickstrom sich mit Georgia paarte, aber das Bewachen ist normalerweise ein Zeichen dafür, dass bereits eine Paarung stattgefunden hat oder bald stattfinden wird. Wickstrom wurde 1983 als Sohn von Willa geboren und ist einer der größeren Bullen in der Amboseli-Population. Emmett ist der 1999 geborene Sohn von Ella und Lengai wurde 1993 geboren. Diese Beiden sind viel jünger und stellen daher keine Konkurrenz für einen älteren Bullen wie Wickstrom dar. Jüngere Bullen würden einen älteren nie herausfordern, besonders wenn dieser in Musth ist. Musth-Bullen strömen einen starken Geruch aus, der anderen Elefanten von ihrem erhöhten Hormonpegel erzählt, andere Bullen warnt und das Interesse der Östrus-Kühe weckt.

 

Im September kam dann Glaze aus Gails GB2-Grupe in den Östrus. Mit 11 Jahren war Glaze das erste Mal paarungsbereit. Glazes Mutter Galana starb vor 2 Jahren und Glaze kam in die Obhut ihrer älteren Geschwister und Tanten. Die erste Östrusperiode ist für eine junge Kühe eine verwirrende Zeit. Die plötzliche Aufmerksamkeit von Bullen kann stressig werden und unerfahrene Weibchen können unerwünschte Bewerber oft nur schwer abschütteln – vor allem wenn ihnen keine Mutter zur Seite steht. Doch erstaunlicherweise hat Gail, die eine Tante von Glaze ist,  sich sehr für sie eingesetzt. Als Glaze nervös wegen der Bullen wurde, die ihr folgten, rief Gail schnell die Familie zusammen, die daraufhin in Abwehrstellung ging und Glaze in ihrer Mitte aufnahm. Die Bullen wichen zurück und Glaze beruhigte sich. Im Laufe der Zeit wird Glaze lernen mit solchen Situationen souverän umzugehen und einen geeigneten Bullen auszuwählen, der für eine Paarung in Frage kommt und gleichzeitig unerwünschte Bewerber auf Abstand hält.

 

Garamba beim Schlammbad
Garamba beim Schlammbad

 

Sehr erfreulich war, dass Placidas Gruppe nach fast drei Monaten Abwesenheit zurückkehrte. Das Gebiet, in welchem sie sich gerne aufhält, ist aufgrund des Geländes für Fahrzeuge nur schwer passierbar. Doch die Tatsache, dass ihre Familie wächst und gesund aussieht, zeigt, dass sie gute Entscheidungen trifft. In den letzten zwei Monaten haben sowohl Placida als auch Petulas Teile der Familie Zeit in der Nähe des ATE-Camps verbracht. Sie mögen den Phönixpalmenwald und die kleineren Sümpfe, die ihn umgeben. Obwohl das ATE-Team Petulas und Placidas Gruppe nicht miteinander interagieren sehen, waren sie bei zahlreichen Gelegenheiten in unmittelbarer Nähe und konnten problemlos miteinander kommunizieren.

 

Auch die OAs kamen regelmäßig in den Park und verbrachten viel Zeit in der Nähe der CB-Familie, zu der sie eine besonders starke Bindung entwickelt haben. Die CB-Familie wurde seit etwa zwei Jahren nicht mehr im Park angetroffen und daher war es großartig, Cerise mit ihrer Familie, darunter einigen Neuzugängen, wiederzusehen.

 

Die OAs sahen für diese Jahreszeit gut aus. Sie haben eine sehr gute Strategie, mit Trockenzeiten fertig zu werden, und das zeigte sich in ihrer wachsenden Zahl und ihren gesund aussehenden Kälbern. Ororas 2020 geborenes Bullenkalb forderte sehr oft Milch von seiner Mutter. Trotz der schwierigen Nahrungsstituation war Orora aber offenbar immer in der Lage ihren Sohn mit Milch zu versorgen. Sie verhielt sich ihm gegenüber auch sehr geduldig. An einem speziellen Tag stand sie mitten auf der Straße, um ihr Kalb zu säugen, was für die Besucher des Parks einige sehr aufregende Fotomotive bot.

 

Eine erfreuliche Entwicklung bildete das deutliche Wiederaufleben des Tourismus, der sowohl dem Kenya Wildlife Service, wie der lokalen Bevölkerung und auch vielen Organisationen dringend benötigte Einnahmen bescherte. Viele Menschen konnten an ihre Arbeitsplätze in Touristenlodges und anderen Einrichtungen zurückkehren. Wir hoffen sehr, dass dies auch zu einer Reduzierung der Buschfleisch-Wilderei beitragen wird.

 

Die Monate August und September waren für die Elefanten Amboselis in mehrfacher Hinsicht eine schwere Zeit: Vor allem durch die zunehmende Trockenheit und den Tod Ellas. Umso bewegender waren die zahlreichen Beispiele für Loyalität, Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung, welche unter diesen Elefanten beobachtet werden konnten. Jetzt kommt es auf die nächsten Monate an – und die hoffentlich bald beginnende Regenzeit.

ATE News: Juni und Juli 2021

Cerise, die Matriarchin der CB-Familie, ist zurück

Das Leben der Elefanten in Amboseli ist geprägt vom Wechsel der Jahreszeiten. Trocken- und Regenzeiten wechseln einander ab und sorgen für oft gegensätzliche Lebensbedingungen. Doch auch die Jahreszeiten selbst präsentieren sich oft sehr unterschiedlich. Trockenzeiten entwickeln sich manchmal zu echten Dürren und Regenzeiten führen mitunter zu heftigen Überschwemmungen.

 

Während der letzten Jahre erhielt Amboseli besonders reiche Niederschläge, die das Land in ein Paradies für Wildtiere verwandelt hatten – manchmal waren ganze Trockenzeiten einfach ausgefallen. Das war auch noch zu Beginn diesen Jahres so gewesen. Doch Mitte Mai hörten die Regenfälle auf und die sogenannte „große Trockenzeit“ begann – früher als üblich. Zudem kam starker Wind auf, der das Land extrem schnell austrocknete. Da die nächsten Regenfälle erst im Oktober zu erwarten waren musste man sich auf einige sehr schwere Monate einstellen. Bei den Elefanten betraf dies vor allem die ältesten Familienmitglieder und die Kälber. Kühe mit noch milchabhängigen Kälbern würden es dann schwer haben sowohl genug Milch für ihren Nachwuchs produzieren als auch ihre eigenen Bedürfnisse sicherstellen. Diese Entwicklung ist Teil des natürlichen Kreislaufs im Amboseli-Ökosystem – allerdings ein sehr harter!

 

Viele Elefantenfamilien kehren während der Trockenzeit in den Park zurück
Viele Elefantenfamilien kehren während der Trockenzeit in den Park zurück

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ATE News: Dezember 2020 und Januar 2021

Mitglieder der AA-Familie beim Schlammbad

News vom Amboseli Trust for Elephants – die Monate Dezember 2020 und Januar 2021:

 

Dezember und Januar gehören zu den schönsten Monaten in Amboseli. Nach der Regenzeit ist das Land noch überall von frischem Grün bedeckt und viele Elefanten, die vorher monatelang außerhalb des Parks unterwegs gewesen waren, kehren wieder in den Park zurück. Denn während nun die meisten der außerhalb liegenden Wasserstellen austrocknen werden die Sümpfe im Zentrum Amboselis das ganze Jahr mit Schmelzwasser vom Kilimanjaro versorgt.

 

Die Corona-Pandemie machte 2020 für die Menschen zu einem sehr harten Jahr, doch für die Elefanten Amboselis galt dies erfreulicherweise nicht! Im Gegenteil! Letztes Jahr erlebte Amboseli einen rekordverdächtigen Boom bei Elefantenbabys, wodurch die Population um über 200 Tiere wuchs. Hinzu kam, dass es 2020 keinen einzigen Fall von Wilderei gab!

 

Three Holes Kalb von der IAIC-Familie
Three Holes Kalb von der IAIC-Familie

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ATE News: Oktober und November 2020

Elefanten vor dem Kilimanjaro

News vom Amboseli-Trust-for-Elephants – die Monate Oktober und November 2020:

 

Gleich zu Beginn eine gute Nachricht: Die Zwillinge von Angelina aus der AA-Familie, welche im September leider etwas dünn aussahen und lethargisch wirkten, haben sich wieder sehr gut erholt! Im November wurden sie zusammen mit ihrer Mutter in der Nähe des Camps vom Amboseli Trust for Elephants (ATE) entdeckt und bei dieser Gelegenheit waren sie richtig gutgenährt und voller Energie!

 

Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen
Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen

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ATE News: Dezember 2019 und Januar 2020

Eine hübsche Elefantenkuh aus Amboseli.

News vom Amboseli Trust for Elephants: Die Monate Dezember 2019 und Januar 2020:

 

Amboseli erlebte einen fantastischen Jahreswechsel 2019/2020: Im Dezember und Januar fiel Regen, Regen und noch mehr Regen! 324 mm wurden im Dezember gemessen und 71,5 mm im Januar. Die besten Voraussetzungen für ein großartiges Jahr mit vollen Wasserstellen und üppigen, grünen Weideflächen!

 

In Kenia bedeutet Regen gute Zeiten für Menschen und Tiere. Die meisten Kenianer, die außerhalb der Städte leben, sind Kleinbauern, deren Existenz von ausreichenden Niederschlägen abhängt. Regen sichert gute Ernten und fördert das Gedeihen des Viehs. Ebenso profitieren auch die Elefanten und anderen Wildtiere von den ergiebigen Regenfällen. Sie finden überall Wasser und Nahrung im Überfluss.

 

Elefantenfamilie im Sumpf
Eine Elefantenfamilie in einem der Sümpfe Amboselis.

 

In diesen Zeiten nimmt die Konkurrenz zwischen Menschen und Elefanten um wichtige Ressourcen stark ab und es gibt kaum Konflikte – ein enormer Unterschied zu den trockenen Monaten!

 

Eine besondere Herausforderung bildeten während der Regenzeit allerdings die Straßen im Park. Viele von ihnen waren überflutet, einschließlich der Zufahrtsstraße zum Camp des Amboseli Trust for Elephants (ATE). Der Weg wurde deshalb mit Stangen markiert, um nicht davon abzukommen.

Zum Glück bleiben in Amboseli aber viele Straßen auch im überfluteten Zustand fest und stabil. Es besteht daher kaum Gefahr stecken zu bleiben – vorausgesetzt, man verliert den Weg nicht. Es ist nur darauf zu achten langsam durch das Wasser zu fahren, um den Motor nicht überfluten!

Vor allem der östliche Teil des Parks war abseits der befestigten Wege völlig unpassierbar geworden. Die ATE-Mitarbeiter*innen mussten daher ihre Feldzeiten sehr sorgfältig planen – und häufig ihre Ferngläser zu Hilfe nehmen.

 

Ein Kalb untersucht eine interessante Stelle am Boden.
Ein Kalb untersucht eine interessante Stelle am Boden.

 

Passend zu den guten Umweltbedingungen gab es in Amboseli einen echten Babyboom bei den Elefanten. Jeden Tag wurden vom ATE-Team neue Kälber entdeckt. Es machte große Freude, die kleinen Elefantenkälber mit hauchdünnen rosa Ohren, noch viel zu weit wirkender Haut und winzigen Rüsseln neben ihren Müttern zu sehen. Elefanten werden sehr emotional, wenn es ein neues Familienmitglied gibt und so fanden viele aufgeregte Begrüßungen statt.

Die AAs gehörten zu den Familien, die Anteil an diesem Babyboom hatten: Im Dezember brachte Ava ein gesundes und energiegeladenes männliches Kalb zur Welt.

Das Geschlecht der Neugeborenen zu bestimmen war allerdings manchmal schwierig, da der derzeitige hohe Graswuchs oft genug den notwendigen, genauen Blick erschwerte. Doch die ATE-Teams geben nie auf!

 

Elefantenkuh mit Kalb im Sumpf
Eine Elefantenkuh mit ihrem Kalb bei der Nahrungssuche im Sumpf.

 

Viele Elefantenkühe waren jetzt auch paarungsbereit, darunter Abra von den AAs. Der Bulle Valde aus der VA-Familie zeigte großes Interesse an ihr und bewachte sie vor anderen Bullen. Valde war in Musth und hatte sich möglicherweise bereits mit Abra gepaart, bevor das ATE-Team dort ankam. Mit seinen 31 Jahren stand er zwar erst am Beginn des Lebensabschnitts in dem Elefantenbullen reelle Chancen auf Paarungen haben doch die VA-Familie ist die größte im Amboseli-Ökosystem, und Bullen aus dieser Familie besitzen sehr selbstbewusste Persönlichkeiten. Überraschenderweise wurde Valde dann aber von einem anderen Bullen namens Cynadon vertrieben. Cynadon war ebenfalls in Musth und mit 29 Jahren nur wenig jünger als Valde, doch für sein Alter sehr groß. Cynadon paarte sich erfolgreich mit Abra und Valde zog ohne viel Aufhebens davon.

 

Die Musth-Phase tritt bei Elefantenbullen normalerweise einmal im Jahr auf und kann mehrere Monate dauern. Die Bullen zeigen dann starkes Interesse an paarungsbereiten Kühen und verhalten sich anderen Bullen gegenüber sehr dominant. Jeder „Nicht-Musth-Bulle“ geht ihnen aus dem Weg. Untereinander aber spielt der Rang nach wie vor eine wichtige Rolle. Wenn sich Musth-Bullen unterschiedlichen Ranges begegnen wird der rangniedrigere das Feld räumen und eventuell sogar die Anzeichen der Musth verlieren. Treffen hingegen eher gleichrangige Musth-Bullen aufeinander, so kann dies zu den wenigen echten Kämpfen führen, die zwischen Elefanten stattfinden können. Cynadon musste Valde also offenbar sehr eindeutig von seiner körperlichen Überlegenheit überzeugt haben.

 

Ein großer Elefantenbulle aus Ambosli.
Ein großer Bulle zieht durch die Ebenen Amboselis.

 

Der Jahreswechsel bot dem ATE-Team auch Einblicke in einen ganz anderen Bereich aus dem Leben der Elefanten – der Entwicklung familiärer Strukturen. Die EB-Familie bietet ein gutes Beispiel. Viele Jahrzehnte wurde sie von der berühmten und erfahrenden Matriarchin Echo angeführt, die ihre Familie sehr erfolgreich durch gute und schlechte Zeiten gebracht hatte. 2009 wurde Echo leider ein Opfer der damals herrschenden verheerenden Dürre. Seitdem waren die EBs damit beschäftigt zu klären wer Echos Nachfolge antreten sollte. Zunächst gab es mehrere Anwärterinnen für diese Position und die Familie teilte sich in mehrere Gruppen auf. Echos Tochter Enid zeigte damals eher wenig Interesse an diesen Aktivitäten. Sie trauerte unglaublich lange und stark um ihre verstorbene Mutter und verbrachte, nur in Gesellschaft ihrer Kälber, lange Zeit in der Nähe von Echos sterblichen Überresten. Doch nachdem sie offenbar die schlimmste Phase ihrer Trauer überwunden hatte begann sie den Kontakt zu den anderen Familienmitgliedern wieder aufzunehmen. Und im Laufe der Jahre schienen die meisten EBs sich für Enid als neue Matriarchin zu entscheiden. Enids Führungsstil entsprach ziemlich eindeutig dem ihrer berühmten Mutter und sie nutzte auch weitgehend dieselben Weidegründe, welche vor allem im Zentrum Amboselis liegen. Hin und wieder machte sie aber auch Ausflüge bis zum Kilimanjaro im benachbarten Tansania, womit sie ebenfalls einer Tradition Echos folgte.

 

Eine hübsche Elefantenkuh aus Amboseli.
Eine hübsche Elefantenkuh in der Savanne Amboselis.

 

Nur Ella, vermutlich eine Schwester oder Nichte Echos, mit ihren Kälbern sonderte sich mehr und mehr ab, um ihre eigenen Wege zu gehen.  Sie hielt sich vorwiegend nördlich des Amboseli-Nationalparks auf und kehrten nur zu gelegentlichen Besuchen zurück. Derartige Entwicklungen wurden unter den Elefanten Amboselis schon öfter beobachtet. Vor allem größere Familien können nach dem Tod einer Matriarchin in kleinere Einheiten zerfallen. Dies muss allerdings nicht unbedingt dauerhaft sein. Manchmal schließen sich diese Untergruppen nach einiger Zeit wieder zu einer Einheit zusammen. Außerdem können sich Elefantenfamilien auch unter normalen Umständen in verschiedene Gruppen aufteilen, um beispielsweise während Trockenzeiten leichter Nahrung für alle zu finden. So war man auch im Fall der EBs vorsichtig und wartete erst einmal die weitere Entwicklung ab. Nachdem die gegenseitigen Besuche aber immer seltener wurden und Ella sich fast nur noch im Norden aufhielt entschied das ATE-Team nun die beiden Gruppen als eigenständige Familien zu betrachten.  Ob es wirklich so bleibt oder Ella eines Tages doch wieder dauerhaft zurückkehrt wird die Zukunft zeigen.

 

Im Moment gibt es jedenfalls nun Enids Gruppe, die weiterhin als EB-Familie bezeichnet wird und mit 41 Mitgliedern die viertgrößte Familie Amboselis bildet. Und dann gibt es Ellas Familie, die als EB2-Familie noch 11 Mitglieder zählt.

 

Ellas Gruppe wurde regelmäßig von Reiseveranstaltern und Partner-Organisationen gesehen und man weiß daher, dass es ihr gut geht. Das ATE-Team geht davon aus, dass es auch bei den EB2s zu mehreren Geburten gekommen ist. Eine Überprüfung ist jedoch erst möglich, wenn der Regen nachlässt, da die Straßen in Ellas derzeitigen Aufenthaltsgebiet momentan ziemlich unpassierbar sind. ATE hofft, dass es zwischen Juli und August trocken genug wird um wieder dorthin fahren zu können und dann die EB2-Familie persönlich zu sehen.

 

Ein junger Bulle - begleitet von Kuhreihern.
Ein junger Bulle – begleitet von Kuhreihern.

 

Während einige Familien wie die AAs und EBs auch während dieser regenreichen Monate oft beobachtet werden konnten waren war dies bei anderen nur selten möglich, da sie sich in schwer zugänglichen Gebieten aufhielten. Hierzu gehörten neben den EB2s auch die GBs, ebenfalls eine der größten Familien Amboselis mit derzeit 49 Mitgliedern. Und auch sie scheinen sich in zwei dauerhafte Einzelfamilien aufgeteilt zu haben. Gail führt nun ihre eigene Gruppe, die als GB2 bezeichnet wird, während man für Goldas Gruppe die Bezeichnung „GB“ beibehielt.

 

Golda und ihre GBs waren leider nur aus großer Entfernung zu sehen. Es schien aber allen gut zu gehen. Gail hingegen kam zu einem Besuch direkt ins Camp von ATE, welches in einem Palmenwald, dem Ol-Tukai-Orok-Forest, liegt. Es gibt mehrere Elefantenfamilien, welche hier gerne gelegentlich vorbeischauen. Ein Grund dafür ist sicher das gute Nahrungsangebot, doch offenbar wollen einige Elefanten auch dem ATE-Team „Hallo“ sagen. Sie nähern sich den Zelten und warten bis jemand vom Team auf sie aufmerksam wird und einige Worte mit ihnen spricht. Dann setzen sie ihren Weg fort.

 

Das ATE-Team hat in den langen Jahren seines Bestehens ein außerordentlich vertrauensvolles Verhältnis zu vielen Elefanten in Amboseli aufgebaut. Dadurch wurden viele einzigartige Beobachtungen  möglich, die unser Wissen über die Grauen Riesen, ihr beeindruckendes Sozialverhalten und ihre Fähigkeiten revolutioniert haben. Darüberhinaus wurde es ATE dadurch aber auch möglich Schutzmaßnahmen gegenüber Bedrohungen unterschiedlichster Art zu entwickeln. Diese Aufgabe wird gerade in Zukunft immer größere Bedeutung gewinnen.