ATE News: Dezember 2021 und Januar 2022

Angelina und ihre Tochter

Im Dezember kam es endlich zu einem Ende der langen und harten Trockenzeit, und die langersehnten Regenfälle verwandelten das Land in ein grünes Paradies. Für die Elefanten begann nun eine wundervolle Zeit, während der sie sich von den überstandenen Entbehrungen erholen konnten.

Die AA-Familie musste allerdings mit einem sehr schmerzhaften Verlust fertig werden: Das männliche Zwillingskalb Angelinas war gestorben. Doch die Familie hielt auch in dieser schweren Zeit zusammen, schaffte es, ihre Trauer zu überwinden, sich über neues Leben zu freuen und wieder nach vorne zu blicken.

 

Der große Bulle Bjorn
Der große Bulle Bjorn

 

Der Beginn der Regenzeit hatte zur Folge, dass die meisten Elefanten den Park verließen, um die außerhalb liegenden Gebiete zu durchstreifen. Im Januar kehrten aber viele bereits wieder zurück; zuerst hauptsächlich Familiengruppen und gegen Ende des Monats auch Bullen in größerer Zahl. Der berühmte Craig wurde gesehen, allerdings nicht in Gesellschaft von Familien. Doch andere Bullen wie Bjorn und Liagat konnten zusammen mit Kühen beobachtet werden. Der eindrucksvolle Bjorn kam eines Tages sogar direkt zum ATE-Camp. Er hat zwar keine besonders langen Stoßzähne, ist aber definitiv einer der größten Bullen Amboselis. Und Liagat wurde beobachtet, wie er sich mit Ramulosa von der RA-Familie gepaart hat.

Der Jahresanfang war eine unglaublich schöne Zeit in Amboseli – mit regelmäßigen Blicken auf den schneebedeckten Kilimandscharo und großen Elefantenansammlungen im Park.

Die FBs gehörten zu jenen Familien, die den Park im Dezember verlassen hatten und im Januar zurückkamen. Es ging ihnen gut, und alle Kälber waren in bester Verfassung. Speziell auch Floppys Kalb, welches Ende November ziemlich abgemagert aussah, hatte sich deutlich erholt. Eine große Erleichterung für das ATE-Team! Matriarchin Fanny hat ziemlich gute Arbeit geleistet. Sie ist jetzt 53 Jahre alt und damit in einem guten Alter für eine Leitkuh. Früher war es ihr nicht immer gelungen, die Familie so zusammenzuhalten wie ihre Vorgängerin Felicity. Solange diese noch lebte, kam und ging Fanny mit ihrem Teil der FBs, wie es ihr gefiel. Bei ATE dachte man manchmal, dass FelicitysTöchter (Fadila, Fizz und Fezara) sich vielleicht abspalten und einen eigenen Familienzweig gründen würden. Doch das ist bisher nicht geschehen. Es wäre wünschenswert, wenn die FBs zusammenblieben, denn größere Familien haben meistens bessere Überlebenschancen. Sie können flexibel auf unterschiedliche Bedingungen reagieren, sich in mageren Zeiten in kleinere Gruppen aufteilen und in besseren wieder zusammenschließen.

 

Liagat und Ramulosa
Liagat und Ramulosa

 

Die EBs verließen den Park im Dezember und wurden nur einmal im Januar inmitten einer großen Elefantenherde gesehen. An diesem Tag waren mehr als 300 Elefanten zusammen, und das ATE-Team war geradezu überfordert, alle Zähl- und Sichtungsdaten zu erfassen! Die EBs sahen sehr glücklich aus inmitten so vieler anderer Familien und Bullen. Es ist etwas ganz Besonderes, Elefanten auf diese Weise zusammenkommen zu sehen, und Amboseli ist einer der letzten Orte, an denen das noch möglich ist.

Auch die GBs wurden inmitten einiger großer Elefanten-Herden gesichtet, die sich auf der Ostseite des Parks versammelt hatten. Dabei waren sie vor allem mit befreundeten Familien wie den BCs, LDs, KBs und HBs zusammen. Auch ihre jüngsten Familienmitlieder wirkten gesund und kräftig. Speziell das im November geborene Kalb von Gigabytes war sehr lebhaft, und das Kalb von Garamba sah richtig rund aus und wuchs schnell.

Die PCs kamen regelmäßig direkt zum ATE-Camp. Das neue weibliche Kalb von Perwinkle wirkte sehr neugierig und selbstbewusst. Sie liebte es, mit ihrer älteren Schwester Pavela und ihrer Cousine Pilapila zu spielen. Sie hat auch einen älteren Bruder namens Pilau, aber sein Interesse, mit ihr zu spielen, war eher begrenzt.

 

Manchmal kommen Elefanten in Amboseli sehr nahe an Besucher heran.
Manchmal kommen Elefanten in Amboseli sehr nahe an Besucher heran.

 

Von einigen Familien konnten nur Teilgruppen beobachtet werden. So wurde von den OAs die Gruppe von Olympia nicht gesichtet, doch die Gruppe von Onyx dafür regelmäßig. Onyx hielt sich an die Routine ihrer Mutter Orabel und erwies sich als großartige Matriarchin. Orabel war lange Zeit die Matriarchin der Familie, aber selbst zu ihrer Zeit entschied sich Olympia oft dafür, ihren Familienzweig auf ihre eigene Weise zu führen. Höchstwahrscheinlich wird sie wie viele andere Familien nach der kleinen Regenzeit im Juni oder Juli in den Park zurückkehren.

Onyx‘ Familienteil sah sehr gut aus. Oralees weibliches Kalb, das im November geboren wurde, gedieh prächtig, war sehr selbstbewusst und liebte es, Zeit mit ihren hochmotivierten Kindermädchen Okota und Obamba zu verbringen! An heißen Tagen zogen sich die Elefanten gegen Mittag oft zeitig in die Sümpfe zurück, um sich abzukühlen. Oralees Tochter spielte aber auch gerne in den Pfützen entlang des Weges, sorgfältig bewacht von ihrer Familie.

 

Zwei spielende Bullen
Zwei spielende Bullen

 

Die AAs erwiesen sich wie immer als besonders standorttreu und blieben die ganze Zeit im Zentrum des Parks. Leider mussten sie mit einem traurigen Verlust fertig werden: Das männliche Zwillingskalb Angelinas ist im Dezember gestorben.

Elefanten haben nur sehr selten Zwillinge und wenn doch, dann überlebt meistens nur einer von ihnen, denn für Elefantenkühe ist es im Allgemeinen schon schwer genug, ein Kalb mit ausreichend Milch zu versorgen. Bei Angelinas Zwillingen hatte es zunächst sehr gut ausgesehen, denn sie waren in einer Zeit mit besonders reichem Nahrungsangebot geboren worden, die sich fast ununterbrochen die ersten anderthalb Jahre ihres Lebens fortsetzte. Doch ab Mitte Mai 2021 begann die lange und harte Trockenzeit und Angelina hatte offensichtlich nicht mehr ausreichend Milch für zwei Kälber. Beide Zwillinge begannen sichtbar an Kondition zu verlieren – besonders aber Angelinas Sohn. Normalerweise wachsen Bullenkälber deutlich schneller als Kuhkälber, benötigen dafür aber auch mehr Energie. Der Nahrungsmangel wirkte sich daher besonders für den männlichen Zwilling sehr schlimm aus.

Für das Team des Amboseli Trust for Elephants war es schwer, dies beobachten zu müssen. Sie wussten zwar um die besonderen Probleme von Zwillingskälbern, hofften aber trotzdem, dass es beide Kälber Angelinas schaffen würden – zumal sich der Sohn als sehr willensstark gezeigt hatte.

Cynthia Moss und ihre Team-Mitglieder beobachten die Elefanten Amboselis seit nun fast fünfzig Jahren, und gerade die AAs sehen sie fast täglich. Sie verbringen ungezählte Stunden damit, sie zu beobachten und ihre Persönlichkeiten kennenzulernen.  Da ist es selbstverständlich, dass sie starke emotionale Bindungen zu den Elefanten aufbauen und bei Problemen helfen möchten.

 

Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen
Angelina, ihre Zwillinge und zwei Kindermädchen, als die Zeiten noch gut waren

 

Doch müssen sie sich an die Regel halten, nur dann einzugreifen, wenn ein Problem von Menschen verursacht oder ein Elefant von seiner Familie verlassen wurde. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits ist es nicht so, dass Elefanten in menschlicher Obhut automatisch bessere Überlebenschancen haben als solche, die bei ihren Familien bleiben. Die Situation ist für beide sehr kritisch. Und andererseits würde eine Gefangennahme sowohl für das betreffende Kalb wie auch die anderen Mitglieder seiner Familie erheblichen Stress bedeuten. Und Stress kann bei Elefanten zu allen möglichen gesundheitlichen Problemen führen. Hätte man Angelinas Sohn seiner Familie weggenommen, so hätte damit gerechnet werden müssen, dass dies nicht nur für ihn, sondern für seine gesamte Familie, vor allem Mutter und Zwillingsschwester, sehr negative Auswirkungen haben konnte und womöglich beide Kälber nicht überleben würden.

Daher entschied sich das ATE-Team schweren Herzens, nicht einzugreifen, sondern die Entwicklung abzuwarten. Die Zwillinge sollten die Chance erhalten, zusammen mit ihrer Familie zu überleben. Und im schlimmsten Fall würde Angelina dann hoffentlich nur ein Kalb verlieren. Nur wenn die Familie selbst einen der Zwillinge aufgegeben hätte, wäre eingegriffen worden. Doch dies war nie der Fall. Angelina und ihre Familie kämpften stets um beide Kälber. Die Solidarität unter ihnen war wirklich beeindruckend, und auch dies bestärkte Cynthia und ihre Kolleginnen in ihrem Entschluss.

Leider haben es die AAs trotzdem nicht geschafft und Angelinas Sohn verloren. Nun müssen sie um seinen Tod trauern – wie sie schon oft um ihre Toten getrauert haben, vor allem auch um Kälber. Im Vergleich zu anderen Familien haben die AAs leider eine relativ hohe Kälbersterblichkeit. Das liegt vor allem daran, dass sie sehr viel Zeit mit der Nahrungssuche in den Sümpfen verbringen. Die jungen Kälber müssen den ganzen Tag durch zähen Schlamm waten, was sie sehr anstrengt und äußerst kräftezehrend ist. Gleichzeitig können sie dabei nur relativ selten gesäugt werden. Diese beiden Faktoren sind wohl hauptsächlich für die geringe Überlebensrate der AA-Kälber verantwortlich.

Ganz anders ist die Situation bei Pazia aus der PA-Familie, die im Moment ebenfalls Zwillinge (zwei männliche Kälber) hat. Sie folgt einer völlig anderen Strategie als Angelina. Pazia verbringt viel mehr Stunden an Land, und wenn die PA’s doch die Sümpfe aufsuchen, haben sie einen gut organisierten „Kindergarten“ mit Nannys, die sich um die jungen Kälber kümmern, während die Mütter im Sumpf unterwegs sind.  Die Kälber werden von den Kindermädchen beschützt, die mit ihnen am Rand des Sumpfes bleiben und warten, bis die Mütter von der Nahrungssuche zurückkehren. Diese koordinierte Zusammenarbeit verbessert die Überlebenschancen der PA-Kälber deutlich.

 

Elefanten in den Sümpfen Amboselis
Elefanten in den Sümpfen Amboselis

 

Nach ihrem Verlust verbrachten die AAs die meiste Zeit auf einer Insel in der Mitte des Sumpfes, wo sie nur schwer zu beobachten waren. Angelina befand sich in der Nähe von Astrid, der Matriarchin der AAs. Doch dann gab es eine große Überraschung, als die Familie eines Tages direkt zum ATE-Camp kam. Das gesamte Team war begeistert über diesen Besuch, der das große Vertrauen der AAs ihnen gegenüber zeigte. Die Freude verdoppelte sich aber noch, als man feststellte, dass Ann ein neugeborenes weibliches Kalb an ihrer Seite hatte! Es war ein echtes Geschenk, dass Ann dem Team erlaubte, ihr Neugeborenes aus nächster Nähe zu sehen und ihre Freude mit ihnen teilte. Dieses neue Baby hat mit Sicherheit auch der gesamten Familie sehr gut getan, und es sah gesund und kräftig aus.

Während die AAs Zeit in der Nähe des Camps verbrachten, konnte das Team auch Angelina sehen und stellte fest, dass ihr weibliches Zwillingskalb bereits an Kondition gewonnen hatte. Da es die Milch nicht mehr teilen musste, konnte es sich in nur kurzer Zeit schon sichtbar erholen. Sie hat nun wirklich gute Chancen, es zu schaffen.

 

Angelina und ihre Tochter
Angelina und ihre Tochter

 

Bei diesem Besuch bemerkte man auch, dass sich Aurora B, die jetzt zwölf Jahre alt ist, im Östrus befand. Aurora B ist eine Tochter von Amber, welche bereits 2016 gestorben war und Aurora B im Alter von sechs Jahren als Waise hinterlassen hatte. Aurora B blieb damals bei der Familie und folgte vor allem ihrer Tante Angelina, die für sie zur Ersatzmutter wurde. Ein sechsjähriges Kalb benötigt zwar keine Milch mehr, braucht aber immer noch die Führung und die Fürsorge seiner Mutter. Es war daher großartig, dass Angelina diese Aufgabe übernommen hatte. Sie wird sicher auch eine wundervolle Großmutter sein.

Die Elefanten in Amboseli haben wirklich harte Zeiten hinter sich. Und auf die AA-Familie trifft dies in besonderem Maße zu. Doch allmählich scheinen sie sich davon zu erholen, durch neue Kälber neue Freude zu finden und wieder nach vorne zu blicken. Die erfahrenen Kühe haben diese Gegensätze schon oft erlebt. Sie wissen, wie hart und grausam die Natur sein kann – aber auch, dass selbst auf die schlimmsten Katastrophen wieder bessere Zeiten folgen.

Das Team des Amboseli Trust for Elephants wird auf jeden Fall weiter an ihrer Seite sein und sich dafür einsetzen, dass Amboseli auch in Zukunft eine sichere Heimat für Elefanten bleiben wird.

 

Wer diese wichtige Organisation und ihre beeindruckende Arbeit für die Elefanten in Amboseli unterstützen möchte, kann uns eine Überweisung unter dem Stichwort „ATE“ auf unser Konto mit der

IBAN: DE30 2003 0000 0621 9182 83 und der BIC: HYVEDEMM300 zukommen lassen.

 

Oder ganz einfach per Paypal:

 

 

 

Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern im Namen des gesamten ATE-Teams und der Elefanten ganz herzlich dafür!

ATE News: Februar und März 2021

Während der letzten beiden Monate gab es ungewöhnlich viele Niederschläge in Amboseli. Normalerweise regnet es zu dieser Jahreszeit nicht sondern es herrscht Trockenzeit, doch die fiel dieses Jahr aus. Im Februar wurden 140 mm und im März 36 mm Niederschlag gemessen. Speziell die Regenfälle im Februar bewirkten, dass die Straßen und Ebenen vollständig überflutet wurden. Viele Elefanten und andere Tiere verließen daraufhin den Park und zogen außerhalb auf höherliegendes Terrain. Zwei Wochen lang waren fast keine Tiere zu sehen. Als es später wieder trockener wurde kehrten einige Elefantenfamilien zurück, doch nicht so viele wie es im Dezember und Januar gewesen waren. Von der großen GB-Familie beispielsweise wurde nur Goldas Gruppe gesehen.

 

Elefanten in ihren Weidegründen
Elefanten in ihren Weidegründen

„ATE News: Februar und März 2021“ weiterlesen

ATE News: Dezember 2020 und Januar 2021

Mitglieder der AA-Familie beim Schlammbad

News vom Amboseli Trust for Elephants – die Monate Dezember 2020 und Januar 2021:

 

Dezember und Januar gehören zu den schönsten Monaten in Amboseli. Nach der Regenzeit ist das Land noch überall von frischem Grün bedeckt und viele Elefanten, die vorher monatelang außerhalb des Parks unterwegs gewesen waren, kehren wieder in den Park zurück. Denn während nun die meisten der außerhalb liegenden Wasserstellen austrocknen werden die Sümpfe im Zentrum Amboselis das ganze Jahr mit Schmelzwasser vom Kilimanjaro versorgt.

 

Die Corona-Pandemie machte 2020 für die Menschen zu einem sehr harten Jahr, doch für die Elefanten Amboselis galt dies erfreulicherweise nicht! Im Gegenteil! Letztes Jahr erlebte Amboseli einen rekordverdächtigen Boom bei Elefantenbabys, wodurch die Population um über 200 Tiere wuchs. Hinzu kam, dass es 2020 keinen einzigen Fall von Wilderei gab!

 

Three Holes Kalb von der IAIC-Familie
Three Holes Kalb von der IAIC-Familie

„ATE News: Dezember 2020 und Januar 2021“ weiterlesen