Am Donnerstag, den 27. September tauchte abends im Mondschein Ex-Waise Lualeni an der Tränke der Auswilderungsstation des David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT) in Ithumba auf. Sie hatte ihre Freunde dabei und Benjamin, Chef-Keeper in Ithumba, schaute ihnen zu. Die Überraschung war groß, als er in der Dunkelheit einen winzigen Baby-Elefanten ausmachte, der zwischen Lualenis Beinen herumwuselte – Lualeni hatte gerade ein kleines Elefantenmädchen zur Welt gebracht! Die aufmerksamen Kindermädchen Chyulu und Lenana wie auch Galana mit ihrem Baby Gawa waren mit von der Partie und präsentierten das kleine Bündel stolz ihren ehemaligen Keepern!

Taru mit der kleinen Lualeni seinerzeit im Waisenhaus in Nairobi
Angela Sheldrick mit der hochschwangeren Lualeni zwei Wochen vor der Geburt

Es ist kaum zu beschreiben, wie begeistert all diejenigen sind, die dabei waren, als Lualeni aufwuchs. Sie kam ins Waisenhaus, nachdem sie ihre Mutter und Familie verloren hatte, und war ein extrem trauriges kleines Kalb gewesen. Sie war schwer traumatisiert und zeigte kaum noch Willen zum Leben. Ihre Trauer war so groß, dass sie sechs Monate lang nichts mit den anderen Elefantenwaisen zu tun haben wollte. Sie stand nur traurig herum und wollte nicht mit den anderen spielen. Die Keeper taten ihr Bestes, um sie wieder aufzumuntern, und ganz allmählich erholte sie sich wieder, mit tatkräftiger Hilfe ihrer Artgenossen im Waisenhaus. Bis heute hat keines der Elefantenbabys im Waisenhaus in Nairobi so lange und verzweifelt mit seiner Trauer gekämpft. Zu dieser Zeit drehte die BBC gerade die „Tagebücher der Elefanten“, und Lualenis herzzerreißender Weg zurück ins Leben ist dort gut zu sehen.

Nach einigen Jahren zog Lualeni dann in die Auswilderungsstation in Ithumba um, wo sie viele neue Freundschaften zu ihren älteren und wilden Artgenossen schloss. Nachdem sie von den Keepern und der Milchflasche unabhängig geworden war, begann ihr neues Leben in der Wildnis, und ab da machte sie sich einen Namen als regelmäßige Kidnapperin der jüngeren Waisen! Wenn sie bei ihren Besuchen bei den Waisen mitbekam, dass jemand bereit war, wieder auszuwildern, nahm sie die Babys mit, wenn die Keeper nicht aufpassten wie die Schießhunde! Die Keeper merkten bald, dass sie selten zufällig vorbei kam und gar nicht so unschuldig war, wie sie aussah!

Die überwältigenden Emotionen derjenigen, die dabei waren, als Lualeni gerettet, aufgepäppelt und schließlich wieder ausgewildert wurde, sind nur schwer mit Worten zu beschreiben, als sie das wunderbare kleine Baby sahen, das erst wenige Stunden zuvor geboren wurde. Es ist inzwischen das 30. Baby der ehemaligen Waisen-Kühe, die nun in der Wildnis Tsavos in Freiheit leben. Wenn es einen Elefanten gibt, dem es gegönnt sei, ein solches lebendiges Bündel bei sich zu haben, dann Lualeni, die ganz sicher eine tolle Mutter sein wird. Daphne Sheldrick, die erst vor wenigen Monaten gestorben ist, und der es letztlich zu verdanken ist, dass sich solche kleinen Wunder immer wieder abspielen, wäre sehr glücklich. Lualeni wird nun ihr Leben mit einem kleinen Mädchen teilen können, das sie immer begleiten wird, und wird die unerschöpfliche Liebe, die Elefanten zu geben vermögen, erleben. Das kleine Mädchen wurde Lulu genannt.

(übersetzt aus dem englischen Original)

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