Als es im Laufe der Trockenzeit immer dürrer wurde und die regenwassergefüllten Wasserlöcher austrockneten, kamen wieder mehr wilde Elefanten wie auch unsere Ex-Waisen täglich zu den Wassertränken sowohl am Schlammloch als auch bei den Ithumba Stallungen. Die Elfenbeinwilderei ist in den letzten Wochen eskaliert, nicht nur in Tsavo, sondern in ganz Kenia. Die Wilderer-Banden schienen darauf aus zu sein, soviel Elfenbein wie möglich zu rauben, bevor die neuen, härteren Strafen für Wilderei in Kraft treten. Diese Strafen waren in letzter Zeit Gegenstand vieler Pressemitteilungen.

Wilde Bullen besuchen die WaisenDie wilden Bullen bei den Stallungen

Nahezu täglich erhielten wir Meldungen über Elefanten mit Pfeilwunden, die in ganz Tsavo gesehen wurden, ebenso wie Elefanten, die durch Schlingen verletzt wurden. Der Tierarzt vom KWS und DSWT in Tsavo hatte alle Hände voll zu tun und musste mitunter drei Elefanten an einem Tag behandeln. Die gute Nachricht ist, dass nahezu alle behandelten Elefanten wieder vollkommen gesund sind. Das müssen wir den magischen Heilkräften der grünen Tonerde, dem versteinerten Seetang aus dem französischen Zentralmassiv, zuschreiben.

Am 27. Juli 2013 tauchten ganz untypisch keine wilden Elefanten an den Ithumba Stallungen auf, bis Mulika und ein paar andere Ex-Waisen, begleitet von drei wilden Elefanten, heraneilten und alle sehr nervös waren. Bei genauerem Hinsehen bemerkten die Keeper eine Wunde an Mulikas Bauch, die, wie sie mutmaßten, von einem spitzen Gegenstand gewesen sein könnte. Zu dem Zeitpunkt sah die Wunde nicht gefährlich aus. Sie und ihre Freunde soffen schnell einen Schluck Wasser und machten sich wieder auf den Weg. Das Ereignis wurde sowohl an das DSWT-Hauptquartier in Nairobi als auch an den KWS gemeldet, die wir darauf drängten, mehr Wildhüter in die Gegend zu schicken, um sich um die erhöhte Anzahl Wilderer zu kümmern. Auch der Trust schickte eine weitere Anti-Wilderer-Einheit, um die Einheit vor Ort zu unterstützen.

Bullen in IthumbaSonnenaufgang in Ithumba
Am nächsten Morgen kamen Napasha, Kora, Naserian, Lualeni und Chyulu mit 25 wilden Elefanten zum Saufen zu den Stallungen, später gefolgt von Yatta und einigen anderen Ex-Waisen. Es fehlten dann nur noch Challa, Mulika und Mwende, Galana, Meibai und Kenze. Untypischerweise gesellte sich aber weder die Ex-Waisen und noch die wilden Elefanten beim Schlammbad zu den keeperabhängigen Waisen. Am Abend kamen die Ex-Waisen erneut zum Saufen zu den Stallungen und ein vergifteter Pfeil ragte aus Challas Gesicht. Die Keeper zogen den Pfeil hinaus, doch die Spitze blieb dabei stecken, sodass Challa ein weiterer Fall für Dr. Poghon wurde, dem DSWT/KWS-Tierarzt des mobilen Tierarztteams in Tsavo. Die Keeper stellten auch fest, dass sich Mulikas Bauchwunde entzündet hatte. Darum wurden sowohl sie als auch Challa (und Mulikas Kalb Mwende natürlich) zur Sicherheit in eines der Gehege gebracht, wo sie auf den Tierarzt warten konnten, der erst aus Voi herankommen musste.

Wilde Bullen beobachten Mulikas Behandlung Mulika mit ihrer Wunde und ihr Kalb Mwende
Als der Tierarzt ankam, wurden beide Elefanten betäubt. Es war nicht problematisch, die Pfeilspitze aus Challas Gesicht zu entfernen, doch es stellte sich heraus, dass Mulikas Wunde, die die Keeper nur für oberflächlich hielten, ernster war. Bei ihr war ein Pfeil tief eingedrungen, wurde aber glücklicherweise von einer Rippe aufgehalten. Andernfalls wäre er tödlich gewesen. Nach längerer Suche in ihrem Bauch wurde der Pfeil gefunden und entfernt und beide Elefanten bekamen eine langanhaltende Antibiotika-Spritze, bevor sie wieder geweckt wurden.

Daphne beobachtet die Waisen in IthumbaDie Ex-Waisen
Mitte August meldeten die Keeper, dass Mulika eine starke Schwellung an ihrem Bauch entwickelt hatte, die der Tierarzt behandeln musste. Außerdem kam die 13-jährige Ex-Waise Galana mit einer frischen Pfeilwunde an ihrer Seite zur Wassertränke bei den Stallungen. Noch einmal musste Dr. Poghon nach Ithumba kommen, doch nachdem er drei Tage an den Stallungen auf ein erneutes Auftauchen der Ex-Waisen gewartet hatte, musste er sich auf den Weg machen, um andere Elefanten zu behandeln. Zuvor konnte er sich noch um Pembe Moja kümmern.

Am 15. August konnte Dr. Poghon zurückkehren und die Ex-Waisen in der Nähe des Schlammlochs der Waisen behandeln. Die Ex-Waisen kamen an diesem Tag zum Saufen und waren, wie üblich, begleitet von netten wilden Bullen. Diese Bullen haben von den Waisen gelernt und können sich in Anwesenheit der Keeper und der Besucher bei den Stallungen und beim Schlammloch gut entspannen. Unter ihnen war an diesem Tag der große Bulle Mshale, dessen Leben wir schon zweimal retten konnten (oder mussten), indem wir vergiftete Pfeile aus seinem Körper entfernten. Dieses Mal hatte er wieder eine verdächtig aussehende Wunde in Schulternähe, die wieder von einem Pfeil stammen könnte.

Dr. Poghon breitet die Behandlung vorGalanas Wunde
Nachdem alle Elefanten herumgelaufen waren und gewartet hatten, bis sie an der Reihe für die Wassertränke waren, gingen sie von der Wassertränke weg. Galana wurde dabei isoliert, da sie noch immer einen deutlich sichtbaren Pfeil in ihrem Körper stecken hatte. Galanas Operation ging schnell und der Pfeil wurde entfernt. Glücklicherweise war der Pfeil in einem Winkel eingetreten, der ihn nicht besonders tief sitzen ließ. Die Wunde wurde gereinigt, mit grüner Tonerde gefüllt und Galana wieder aufgeweckt. All dies wurde neugierig von den besorgten Waisen beobachtet. Danach wurde Mulika isoliert. Die Keeper hielten die anderen Ex-Waisen auf Abstand, während Mulika betäubt wurde. Als das Mittel zu wirken begann, eilte Dr. Poghon zu ihr und schubste sie, damit sie auf die richtige Seite fiel, die er brauchte, um die Wunden zu behandeln.

Die Keeper kümmern sich um MulikaMulika wird behandelt
Einem der wilden Bullen, die das beobachteten, gefiel das überhaupt nicht und er drohte mit einem Angriff. Taru (Angelas Sohn) musste den Landrover in seine Richtung fahren und zwischen ihm und Mulika bleiben, solande Dr. Poghon Mulika behandelte. Die anderen Ex-Waisen waren tief besorgt und kamen immer wieder zu ihr, und versuchten, ihrer gefallenen Kameradin zu helfen. Yatta führte Mulikas Kalb gemeinsam mit ihrem eigenen von dem Chaos weg. Sunyei schrie verzweifelt auf, als Mulika zusammenbrach und doch hatten sie alle genug Vertrauen in ihre menschliche Familie, dass sie den Kommandos der Keeper gehorchten und die Behandlung friedlich, aber sichtlich besorgt beobachteten. Dabei sammelten sie sich nur wenige Schritte entfernt, als Dr. Poghon die Arbeit aufnahm.

Dr. Poghon entfernt den PfeilDer vergiftete Pfeil
Mulikas entzündete Seite wurde geöffnet und literweise Eiter lief hinaus auf den Boden, als der Tierarzt das abgestorbene Gewebe entfernte. Der Einfluss des Gifts war für alle leicht zu erkennen. Menschen eilten hin und her um frisches Wasser heranzuholen, mit dem die Wunde gereinigt wurde. Danach wurde die Wunde mit einer riesigen Menge grüner Tonerde gefüllt und dabei eine kleine Öffnung gelassen, damit weiterer Eiter austreten kann. Mulika wurde dann geweckt und sobald sie auf den Beinen war, war sie umgeben und getröstet von den liebevollen Berührungen von vielen, vielen Rüsseln, wurde zwischen ihren Kollegen eingequetsch, die sie dann zurück zu ihrem Kalb wegführten, das die ganze Zeit unter Yattas Aufsicht gewesen war.

Mulika wird abgekühltDie anderen Waisen beobachten die Behandlung
Danach widmeten wir unsere Aufmerksamkeit dem großen Elfenbeinträger Mshale, der gerade von der Wassertränke wegschlenderte. Ein Traktor war inzwischen vor Ort und sollte genutzt werden, falls Mshale auf die falsche Seite fallen würde. Sobald der Betäubungspfeil Mshale traf, rannte er in Höchstgeschwindigkeit davon. Eine Suche durch das dichte Gebüsch musste begonnen werden, um herausfinden, wo er zu Boden gegangen war, was glücklicherweise nicht allzu weit entfernt war. Dort lag er wie ein roter Berg, und ließ die Menschen wie Zwerge aussehen, die sich um seinen riesigen Körper einfanden, als der Tierarzt die Wunde untersuchte. Glücklicherweise war er auf die richtige Seite gefallen und die Wunde war oben. Auch hatte er das Glück, dass keine Pfeilspitze mehr in der Wunde war, sodass er wiedererweckt wurde, nachdem die sichtbar infizierte Wunde mit grüner Tonerde behandelt worden war.

Seitdem kamen die Ex-Waisen täglich vorbei und ihr Zustand wurde beobachtet. Die Wunden aller, auch von Mulika, heilten wundersam schnell und es gab keine erneut auftretenden Entzündungen. Während dieser Welle von Wilderei in der Ithumba-Gegend im nördlichen Tsavo East wurden die Anti-Wilderei-Teams des KWS/DSWT durch viele zusätzliche Wildhüter und Luftaufklärung verstärkt. Wir sind froh, dass wir berichten können, dass dies nicht umsonst war, und seitdem viele Wilderer verhaftet und angeklagt wurden.

Dr. PoghonWilde Elefanten an der Wassertränke

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