Mit großer Freude, staunend und immer wieder verblüfft beobachten wir die wild lebende, neugeborene Emma, wie sie um die Beine ihrer wachsamen Kindermädchen und ihrer Mutter Emily herumwuselt. Emily kam als kleines Kalb zu uns ins Waisenhaus und hatte, wie so viele ihrer neugeborenen Artgenossen, eine sehr schwierige Zeit in ihrem Elefantenleben durchzustehen: die ersten drei Jahre Milchabhängigkeit und insbesondere die vier Monate, in denen die Babys ihre ersten vier Zähne bekommen. Für die Waisen sind diese Monate immer lebensbedrohlich. Sie bekommen Fieber und Durchfälle, die sehr schwer in den Griff zu bekommen sind und einem Babyelefanten innerhalb von wenigen Tagen das Leben kosten können.
Ganz anders als die neugeborenen Waisen ist Emma ein gutgenährtes, gesundes und verspieltes Baby, wie eigentlich jedes Elefantenkind sein sollte. Bis heute verstehen wir immer noch nicht, was die geheimnisvolle Zutat in der Muttermilch ist, die das bewirkt, und selbst nach 50 Jahre langem Ausprobieren und Erfahrungen können wir sie noch immer nicht so erfolgreich nachmachen.

 

 

Nichtsdestoweniger ist es die größte Belohnung, die man sich vorstellen kann, den gesunden und glücklichen Nachwuchs einer von uns geretteten Elefantenmutter zu sehen, der ein normales Leben in der Wildnis führt, geschützt von seiner eigenen Familie von Elefanten, die allesamt selbst einmal Waisen gewesen sind.

 

Von Dr. Dame Daphne Sheldrick

 

(übersetzt aus dem englischen Original)

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