Die Elefantenkuh, die wir Ajali genannt haben, wurde das erste Mal am 2. November beobachtet, nachdem sie auf der Schnellstraße nach Mombasa von einem Auto angefahren worden war. Vermutlich ist das in der Nacht passiert, als ihre Herde die Straße überquerte, um zur anderen Seite des Parks zu gelangen. Das Unglück geschah in der Nähe der Tsavo-Brücke, wo es einen Durchgang für Elefanten in der neuen Bahnstrecke gibt. Bei dieser Überquerung, die wohl sehr dramatisch ablief, muss sie angefahren worden sein und dabei leider ihre Herde verloren haben.

Ajali bei der ersten SichtungAjalis Verletzungen

Flüssigkeit tropft aus ihrem Rüssel und MundAjali hat ihre Herde verloren
Wir hörten von ihrem Schicksal, als einer der Mechaniker des DSWT auf der Straße nach Voi fuhr und den Elefanten in Not bemerkte. Er informierte sofort Dr. Poghon, den Chef der mobilen Tierarzteinheit des DSWT und KWS in Tsavo, der auch schon davon gehört hatte und bereits auf dem Weg war. Als das Team am Ort des Geschehens ankam, schätzten sie das Alter der Elefantenkuh auf sechs bis sieben Jahre. Sie konnte sich kaum bewegen, und aus ihrem Rüssel und Mund tropfte Flüssigkeit. Es wurde entschieden, sie zu betäuben und genauer zu untersuchen. Dann sollte sie auf den LKW des DSWT geladen und zur besseren Beobachtung zu den Voi-Stallungen gebracht werden, wo sie auch etwas Futter bekommen konnte. Der Plan war aber gar nicht so leicht in die Tat umzusetzen, denn es ist nicht einfach, einen sechs Jahre alten Elefanten auf eine Ladefläche zu hieven. Bald wurde klar, dass sie sich ein paar Rippen gebrochen hatte, und es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch üble innere Verletzungen davongetragen hatte. Das Team kam auf die Idee, ein paar Arbeiter für den Eisenbahnbau aus dem chinesischen Depot herbeizuholen, und mit vereinten Kräften wurde das liegende Kalb auf den LKW geladen und die 60km zu den Stallungen in Voi gebracht. Dr. Poghon und einige DSWT-Keeper behielten sie während der Fahrt genau im Auge. Erst als sie sicher in einem Gehege an den Stallungen abgelegt worden war, gab Dr. Poghon ihr das Gegenmittel zu dem Narkotikum.

Ajali wird vor Ort untersuchtAjali wird aufgeweckt
Zunächst sah es nicht sehr gut aus für sie, denn sie hatte etliche Wunden, und wir wussten nicht, welche inneren Verletzungen sie noch hatte. Sie konnte aufstehen, doch obwohl sie von vielem frischen Grün vom Voi-Fluss, Luzernenheu und Zusatzfutter umgeben war, wollte sie nicht fressen. Später aber, als die abhängigen Waisen mit ihren Keepern nach Hause zurückkehrten, wurde es schon besser; die Waisen verteilten sich um ihr Gehege herum und kollerten und redeten ihr beruhigend zu. Danach ging es ihr sichtlich besser, und sie begann zu fressen. Bis zum Morgen hatte sie alles vertilgt, was in ihrem Gehege bereitgelegt worden war.

Ajali scheut noch immer vor den Keepern zurückAjali erholt sich in ihrem Gehege
Ajali geht es wieder besserAjali grast und erholt sich
Das war ein gutes Zeichen und gab uns allen neue Hoffnung. Auch am nächsten Tag fraß sie gut und bekam immer wieder abwechslungsreiches und frisches Futter in ihr Gehege gebracht. Auch Wasser, weiche Erde und Schlamm konnte sie genießen. Am folgenden Tag stand sie aber ganz still da, ließ den Kopf hängen und es tropfte wieder Flüssigkeit aus ihrem Mund. Dazu hatte sie wieder völlig den Appetit verloren. Sie bekam weitere entzündungshemmende Mittel gespritzt, und als die Schmerzen nachließen, blühte sie wieder auf. Das war glücklicherweise der letzte Tag, an dem es ihr schlecht ging. Seitdem frisst sie gut, hat sich beruhigt, und der Heilungsprozess schreitet voran. Wir sind zuversichtlich, dass sie mit all der Fürsorge, die sie erhält, endgültig über den Berg kommt. Und da sich bei Elefanten ja immer wieder wundersame Dinge ereignen, findet sie womöglich sogar eines Tages ihre Familie wieder, wenn sie kräftig und gesund genug ist, dass sie aus dem Gehege kommen und sich den Waisen draußen im Tsavo Nationalpark anschließen kann.

Ajali geht es wieder gut
(übersetzt aus dem englischen Original)

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