Am 23. November hatten wir die herzzerreißende Aufgabe, einen Babyelefanten aus dem Kirisia-Wald in Nordkenia zu retten, dessen Mutter schwer verletzt war – eine Gewehrkugel hatte ihr Bein zertrümmert. Es war ein furchtbares Beispiel für den Mensch-Wildtier-Konflikt, und die Elefantenkuh konnte sich wegen ihrer Verletzung gar nicht mehr bewegen. Sie konnte sich während der ganzen Zeit, in der sie beobachtet wurde, nicht bewegen und wurde von ihrem tapferen zweijährigen Kalb beschützt, das die ganze Zeit an ihrer Seite blieb.

 

 

Unser Rettungsteam wurde zum nächstgelegenen Flugfeld geschickt, begleitet vom Tierarzt des Kenya Wildlife Service, Dr. Fred Olianga. Nachdem sie gelandet waren, wurden sie von Scouts des Samburu Trust mit einem ihrer Fahrzeuge rasch zu dem Ort des Geschehens gebracht. Dort wurde entschieden, dem Kalb Beruhigungsmittel zu verabreichen und die Mutter zu narkotisieren.

Das Rettungsteam kommt vor Ort an
Das Kalb mit seiner MutterDie verletzte Mutter
In solch einer Situation besteht immer das Risiko, dass die Mutter, wenn das Narkotikum anfängt zu wirken, auf ihr Kalb fällt, doch dem Team gelang es, das zu verhindern, als sie langsam das Gleichgewicht verlor. Sie konnten dann das Kalb einfangen und festbinden, während sich Dr. Olianga um die Mutter kümmerte. Sie hatte einen grausigen und komplizierten Bruch an ihrem Bein, und Teile des zertrümmerten Oberschenkelknochens waren durch die Haut zu sehen. Auch am Kopf waren Schusswunden, und es wurde schnell klar, dass die vernünftigste Lösung war, sie von ihrem Leid zu erlösen und das Kalb zu retten. Solche Entscheidungen sind immer sehr schwer für alle Beteiligten, doch dieser Fall war besonders schmerzhaft und tragisch. Es hieß jedoch, sich auf die Rettung des Kalbs zu konzentrieren, das so mutig die ganze Zeit an der Seite seiner Mutter geblieben war, obwohl das Geschehen schon viele interessierte Menschen aus der Gemeinde angelockt hatte. Das Kalb wurde mitgenommen, für die Reise vorbereitet und in den Landcruiser des Samburu Trust geladen. Dann wurde es zum Flugfeld gefahren, wo das Rettungsflugzeug wartete, während seine wunderbare Mutter von ihren Schmerzen erlöst wurde.

Die Mutter wird betäubtDer Tierarzt untersucht die verwundete Elefantenkuh
Teile des Oberschenkelknochens sind sichtbar
Das KalbAm Flugfeld
Das Kalb wird ins Flugzeug geladen
Wir haben diesen tapferen kleinen Jungen Karisa genannt, nach der Gegend, aus der er stammt (mit etwas abgewandelter Schreibweise). Anfangs war er verständlicherweise sehr unruhig und aggressiv, doch dank der anderen Waisen, die nachts in den umliegenden Gehegen waren, beruhigte er sich schnell. Er fraß gut und nahm sogar seine Milch aus einer hingehaltenen Flasche an. Bald nuckelte er auch an den Fingern der Keeper, und als die Tage vergingen, wurde er immer ruhiger und zufriedener in seiner neuen Umgebung. Nachdem er so früh im Leben so viel Trauriges hatte erleben müssen, gaben alle ihr bestes, um ihm dabei zu helfen, die Trauer um den Verlust seiner Mutter zu verarbeiten. Es dauerte nicht lange und er war bereit, sich den anderen Waisen draußen anzuschließen. Vom ersten Tag an genoss er ihre Gesellschaft und wurde auch gleich herzlich willkommen geheißen. Seitdem hat sich Karisa bemerkenswert gut eingelebt und scheint wieder glücklich zu sein. Er hat viele Elefantenfreunde um sich herum, die alle – wie er – ihre Mutter verloren haben. Dank der Hingabe der Keeper und der Gesellschaft ihrer Artgenossen heilen die psychologischen Wunden von Waisen mit der Zeit, und sie finden das Glück wieder.

Bei der Ankunft im WaisenhausDas Kalb wird ausgeladen
Das Kalb wird in ein Gehege gelegt
KarisaDas Kalb heißt Karisa
Karisa in seinem Gehege
Da Karisa schon fast zwei Jahre alt war, als er gerettet wurde, erinnert er sich natürlich gut an sein wildes Leben und wird seine majestätische und wunderschöne Mutter sicherlich nie vergessen. Wir haben aber über die Jahre gelernt, dass die Waisen eine unglaubliche Fähigkeit haben, das Blatt zu wenden und zu vergeben. Das ist der für uns emotionalste Teil der Arbeit, wenn ein Kalb, das gesehen hat, wie Menschen seine Mutter grausam in Bein und Kopf geschossen haben und er danach von seiner Mutter weggerissen wurde, Vergebung zeigen kann. Trotz allem, was er erlebt hat, hat er schnell gelernt, die Männer in grün zu lieben, die seine Keeper und seine neue menschliche Familie sind. Dank ihrer Fürsorge wird er eine zweite Chance im Leben bekommen und – noch viel wichtiger – wieder in der Wildnis leben, wenn er groß geworden ist. Karisas Notlage war zuerst von Julia Francombe gemeldet worden, und auch dem KWS-Tierarzt Fred Olianga, der so schnell und unkompliziert zur Verfügung stand und das Rettungsteam unterstützte, sind wir besonders dankbar. Ebenfalls natürlich den Scouts des Samburu Trust und den KWS-Wildhütern, die alle zusammen dazu beigetragen haben, dass dieses Kalb nun die besten Chancen hat, als erwachsener Elefant ein glückliches und wildes Leben zu führen – in einem Schutzgebiet, wo er in Zukunft nicht mehr ganz so anfällig für Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren sein wird.

 

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Karisa nuckelt an seinem Rüssel
Tusuja, Karisa und RapaMbegu, Karisa, Tagwa und Rapa
Jotto, Karisa, Lasayen und Oltaiyoni (liegend)Mbegu mit Karisa
Karisa mit den anderen Waisen draußen im Busch
(übersetzt aus dem englischen Original)

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