In den Weiten der Maasai Mara war ein etwa vier Jahre alter Elefant verwaist, von dem alle hofften, dass er es schaffen würde, ohne seine Mutter zu überleben und sich wieder seiner Familie anzuschließen, mit der er weiter in der Wildnis leben könnte. Es kam aber anders, denn seit dem Tod seiner Mutter blieb er auf sich allein gestellt. Die Betreiber der Lodges und deren Besucher beobachteten den kleinen einsamen Elefanten über mehrere Monate, in der Hoffnung, dass er eines Tages wieder von einer Herde aufgesammelt werden würde. Doch das passierte nie.

 

 

Ihn zu retten, versprach eine komplizierte Angelegenheit zu werden, denn er war schon sehr groß, deutlich größer als die Elefanten, die wir normalerweise mit dem Flugzeug transportieren können. So verging einige Zeit, in der er sich immer in der Nähe von Menschen und der von ihnen bewohnten Gebiete aufhielt, um sicherer zu sein – er war sich der Gefahr, in der er schwebte, sehr bewusst, ohne den Schutz seiner Herde, in einer Gegend voller Raubtiere. Wenn man sich klar macht, dass sich für Elefanten das ganze Leben um die Familie dreht, wo man sich gegenseitig immer wieder beschützt und berüsselt, kann man sich vorstellen, wie schrecklich das einsame und verlassene Leben für einen so jungen Elefanten draußen in der Maasai Mara sein muss. Es dauerte nicht lange, bis er ins Visier der Löwen geriet, und er überlebte drei verschiedene Angriffe. Zweimal rettete ihn eine Herde Büffel, bei denen er Zuflucht gesucht hatte, und die beim Angriff der Löwen begannen, wild herumzurennen, sodass die Raubkatzen es sich noch einmal überlegten. Nach der letzten Begegnung mit ihnen hatte er seinen Schwanz verloren und üble Bisswunden am Hinterteil und am Rücken davongetragen. Allen, die seinen Überlebenskampf mitansehen mussten, war klar, dass es an der Zeit war, Berge zu versetzen, um ihn zu retten; schließlich war er nicht auf natürliche Weise verwaist, denn seine Mutter war von Menschen getötet worden.

Am Wilson-Flughafen in NairobiAlle an Bord, bereit für den Flug zur Maasai Mara
Warten auf den Waisen nach der Landung in der Maasai MaraJulius wartet auf den Waisenelefanten
Angela Sheldrick vom DSWT wurde kontaktiert, und es wurde beratschlagt, wie er gerettet werden und in die Herde im Waisenhaus in Nairobi integriert werden könnte. Es wurden Fotos ausgetauscht, und es war schnell klar, dass er zu groß für die Cessna Caravan war, die dem DSWT zur Verfügung steht. Andererseits wäre auch die lange Reise im LKW nach Nairobi zu stressig für ihn geworden, da er viele Wunden hatte und sein Gesundheitszustand kritisch war. Angela kontaktierte den Besitzer einer de Havilland Canada DHC-5 Buffalo, ein großes Flugzeug, das auf extrem kurzen Landepisten starten und landen kann, besser als so manche kleine Maschine. Glücklicherweise waren alle Beteiligten bei Dac Aviation, wie auch Herr Noor, der Besitzer des Flugzeugs, begeistert und taten alles, um nach Kräften zu helfen. Jede Menge Organisation war nötig, aber am Freitag, den 25. November, gegen Mittag war es schließlich soweit – die ganze Crew und das Rettungsteam des DSWT war an Bord, und der Flug in die Maasai Mara konnte starten.

Der Konvoi mit dem Waisenkind kommt anDer Anhänger mit der wertvollen Ladung wird von einem Traktor gezogen
Der Waise auf dem AnhängerObwohl er schon vier Jahre alt ist, sieht er auf dem großen Anhänger eher klein aus
Der Anhänger wird an die DHC-5 Buffalo herangefahrenDer Waise wird ins Flugzeug geladen
Das Kalb wird für den Flug vorbereitetDas Kalb ist eingeladen
Das Waisenkalb wird für den Flug festgebundenDer Waise bekommt eine Infusion
Die mobile Tierarzteinheit der Mara, die vom DSWT finanziert und von KWS-Tierarzt Dr. Limo geleitet wird, beobachtete das Kalb auf dem Boden, und als ein günstiger Moment gekommen war, fingen sie es ein. Es wurde mit einem Betäubungspfeil schlafengelegt, festgebunden und auf einen Traktor-Anhänger geladen, der von einer nahegelegenen Lodge zur Verfügung gestellt wurde. Dafür waren jede Menge Leute nötig, die aus dem nahegelegenen Mahali Mzuri kamen. Es war ein echter Kraftakt, den Elefanten zu verladen, und er wurde anschließend gleich noch einmal nötig, als der Waise in das Flugzeug gehievt werden musste, das mittlerweile auf der Buschpiste mitten in der Mara gelandet war und dort wartete. Es braute sich bereits ein ordentlicher Sturm zusammen und der Wind peitschte über die Ebene, als das Verladen vor sich ging. Als alles fertig war, wurde das Kalb für den Flug gesichert und die Keeper des DSWT passten gut auf ihn auf, um ihn während des Heimflugs beruhigen zu können.

Spuren von LöwenkrallenDer Schwanz des Kalbs ist abgebissen
Der Waise an einer Infusion, bereit zum Ausladen in NairobiDas Kalb wird am Wilson-Flughafen ausgeladen
Ausladen am Flughafen in NairobiDas Kalb nach seiner Ankunft im Waisenhaus
Der Waise in seinem Gehege
Der Flug zurück nach Nairobi ging durch heftige Gewitterstürme, die sich am Rand des Rift Valley zusammenbrauten, aber nach nur 35 Minuten war das Flugzeug erfolgreich wieder am Wilson-Flughafen in Nairobi gelandet. Hier war die Herausforderung noch größer, genügend helfende Hände zu finden, um einen Elefanten von gut einer Tonne Gewicht auf das wartende Fahrzeug zu verladen. Aus dem Waisenhaus waren noch mehrere Keeper zur Verstärkung gekommen, und glücklicherweise fanden sich schließlich noch etliche Leute, die mithalfen. Als das Kalb dann endlich im Waisenhaus ankam, war der Kraftakt ein letztes Mal nötig, um es in sein Gehege zu bringen. Bevor der junge Bulle losgebunden wurde, bekam er noch Medikamente und seine Wunden wurden behandelt. Dann wurden endlich die Bänder gelöst, und er stand auf, noch verwirrt von seiner anstrengenden Reise und etwas benommen von den Beruhigungsmitteln. Er begann sofort zu fressen, und als die anderen Waisen am Abend nach Hause kamen, beruhigte er sich weiter und unterhielt sich mit all jenen um sich herum.

Der junge Waisenbulle im GehegeDer Waise heißt Kelelari
Am Tag nach seiner RettungKelelari
Kelelari schnüffelt und stellt die Ohren aufKelelari sieht recht entspannt aus
Kelelaris Wunden
Über die folgenden Wochen waren wir vorsichtig, was dieses große Kalb betraf. Wir gaben ihm viel Zeit, sich von seinen Verwundungen zu erholen und sich in seinem Gehege einzuleben, bevor wir ihn heraus und zu den anderen Waisen ließen. Uns war klar, dass er bei seiner Größe möglicherweise schwierig zu kontrollieren sein würde. Die Befürchtungen stellten sich aber als unberechtigt heraus. Als er sich schließlich den anderen Waisen draußen im Wald anschloss – zunächst war er zögerlich, überhaupt aus seinem Gehege zu kommen – ging er gleich mit zum Schlammbad um 15 Uhr, wo er sich pudelwohl fühlte, und kam am Abend zurück in sein Gehege, ohne irgendwelche Probleme zu machen. Es war fast so, als würde er alles schon gut kennen, und seitdem hat er sich blendend entwickelt. Er ist jetzt vollständig geheilt und ein umsichtiger und liebevoller Junge geworden, der überhaupt kein Interesse daran hat, andere zu schubsen oder zu ärgern. Obwohl er zurzeit der größte Elefant in der Waisenherde ist, macht er keinerlei Probleme. Inzwischen liebt er seine neue Elefantenfamilie über alles, und kommt prima mit den Keepern und Besuchern aus. Er hat verstanden, dass er, nach allem, was in seinem Leben passiert ist, eine zweite Chance bekommen hat und ist vollauf zufrieden in seinem neuen Zuhause. Es macht uns sehr glücklich, dass wir diesem kleinen Elefanten helfen konnten, erst recht jetzt, da wir ihn besser kennen und wissen, was für eine freundliche, aufmerksame und tapfere Persönlichkeit er ist und er uns immer wieder mit seiner Zuneigung und Dankbarkeit belohnt. Es ist eine große Genugtuung, diesem wunderbaren kleinen Bullen, der in seinem jungen Leben schon so viel durchmachen musste, ein neues Leben bieten zu können und die Chance, unter Freunden aufzuwachsen, die alle ein ähnliches Schicksal erleiden mussten. Wir sind glücklich, dazu beitragen zu können, dass sie zumindest die Möglichkeit bekommen werden, irgendwann wieder ein gutes und langes Leben in freier Wildbahn zu führen. Und nicht zuletzt sind wir all jenen überaus dankbar, die dazu beigetragen haben, sein Leben zu retten – die zur Verfügung standen und mit anpackten, als es darum ging, seine Rettung in die Tat umzusetzen. Dieser junge Bulle wäre heute mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr am Leben, wenn nicht alle dazu beigetragen hätten, Berge zu versetzen. Passend zu seinem Schicksal haben wir ihn Kelelari genannt, was in der Sprache der Maasai soviel bedeutet wie Einzelgänger.

 

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Kelelari kommt aus seinem Gehege, um sich den anderen Waisen anzuschließenKelelari wird von Ndotto begrüßt
Ukame, Kelelari, Pare und MaramojaKelelari bekommt am Schlammbad Milch
Kelelari im SchlammbadKelelari spritzt beim Baden mit Wasser herum
Kelelari staubbadet
(übersetzt aus dem englischen Original)

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