Dieses kleine Kalb hatte einen sehr traumatischen Start ins Leben, als es gerade erst ein paar Monate alt war. Es hatte mit zwei Schusswunden zu kämpfen, eine an seinem linken Fuß, und die andere hatte sein rechtes Bein direkt oberhalb des Kniegelenks zerschmettert. Der kleine Bulle wurde das erste Mal am 31. März 2016 von einem DSWT-Piloten gesehen, der gerade auf einem Patrouillenflug zur Bekämpfung der Wilderei über dem Tsavo East Nationalpark unterwegs war.

 


Er wurde in der Nähe des Galana-Flusses gesichtet und war noch bei seiner Herde, doch es war offensichtlich, dass sein Bein schwer verletzt und sehr wahrscheinlich gebrochen war. An der Schwellung konnte man erkennen, dass die Verletzung schon eine oder zwei Wochen alt war und sich infiziert hatte. Er war mit seiner Herde in einer sehr schwer zugänglichen Gegend unterwegs, konnte aber kaum noch mit ihr mithalten – es war sicher, dass er ohne Eingreifen von außen nicht überleben würde.

Mit dem Flug-Tierarzt auf dem Weg zur RettungAm Rettungsflugzeug
Mit Unterstützung des Kenya Wildlife Service mobilisierte der DSWT den Flugtierarzt mit seinem Hubschrauber, um schnell zu dem Baby zu gelangen und es zu behandeln. KWS Veterinäroffizier Fred Olianga war dabei und untersuchte die Wunden. Es wurde entschieden, das Kalb zu retten, denn es war klar, dass es intensive Behandlung brauchte, um überleben zu können. Mit diesen Wunden würde es in der Wildnis früher oder später zurückgelassen werden. Tatsächlich hing das Kalb schon ein ganzes Stück hinter der Herde her, als das Tierarztteam vor Ort ankam.

Das Kalb wird eingefangenLuggards geschwollenes Kniegelenk
Nach der Rettung kam das Baby erst einmal zur Nashorn-Station des KWS in Lugards, bis die Keeper des DSWT ankamen und auf dem in der Nähe liegenden Flugfeld landeten. Als sie gelandet waren, wurde des Kalb sofort für den Flug vorbereitet, auf der Ladefläche eines Landcruisers zum Flugfeld gebracht und schließlich in der Cessna Caravan nach Nairobi geflogen.

Im FlugzeugBereit zum Abflug
Im Waisenhaus angekommen wurde ein Röntgengerät vorbereitet und Bilder angefertigt, noch bevor er losgebunden und wieder auf die Beine gehoben wurde. So konnten wir die Schwere seiner Verletzung besser einschätzen und entscheiden, welche Behandlung am besten geeignet wäre.

Luggard auf der PlaneAm Röntgengerät
Es war deutlich zu sehen, dass sein Oberschenkelknochen direkt oberhalb des Knies zertrümmert war, und auch Knochensplitter waren zu erkennen. Auch durch seinen linken Fuß war eine Kugel gegangen. Ob und wie er sich von solchen schweren Verletzungen jemals erholen würde, blieb unklar. Das Bein konnte nicht wieder gerichtet werden, da der Knochen sehr schief lag und die Muskeln bereits verwachsen waren. Niemand wusste, was die Zukunft für diesen tapferen kleinen Jungen bringen würde.

Eiter wurde aus der Wunde entfernt und diese dann mit Tonerde bedecktIm Gehege
Wir nannten den kleinen Bullen Luggard, nach der Gegend, in der er gerettet wurde. Jeder, der ihn kennenlernte, staunte über seine Entschlossenheit und seine positive Einstellung, angesichts dieser enormen Verletzungen und der damit verbundenen Schmerzen. Warum ein so junges Leben von Wilderern ins Visier genommen wird, ist für uns vollkommen unverständlich. Trotz seines Schicksals und all des Leids, das er ertragen musste, blieb er lebensfroh und war dadurch eine außerordentliche Inspiration für alle. Wir vermuteten, dass er ungefähr fünf Monate alt war.

Jotto mit LuggardLuggard draußen im Wald
Sein Mut und sein Kampfeswille spornte das Team des DSWT noch weiter an, alles mögliche zu tun, um Luggard zu retten, auch wenn jeder wusste, dass es eine lange und harte Zeit werden würde. Er bekam zuerst einmal umfangreiche Medikation, um gegen die Infektion anzukämpfen, und die Wunden wurden regelmäßig gereinigt. Doch als Tage und Wochen vergingen, wurde er immer unruhiger, da er die ganze Zeit in einem Gehege verbringen musste. Immer wenn die anderen Waisen am Morgen hinaus in den Wald gingen, vermisste er sie sehr! Daher entschied Angela, dass er sich ihnen anschließen durfte, in dem Bewusstsein, dass es einer möglichen Heilung am besten zuträglich wäre, wenn er sich glücklich und zufrieden fühlen würde.

Luggard mit Waisengiraffe KikoEin glücklicher Elefant draußen im Wald
Luggard mit GodomaLuggard freundet sich mit Murit und Ngilai an
So wurde der kleine und ausgeglichene Luggard schnell ein Teil unserer Baby-Herde, die sich tagsüber dichter an den Stallungen aufhielt, und ein guter Freund von Tamiyoi und Jotto. Er genoss seine Freiheit von Anfang an in vollen Zügen und ließ sich von seinem gebrochenen Bein nicht von den Aktivitäten abhalten, die ihm Spaß machen. Er liebt es, nach einem Regenschauer in dem weichen, feuchten Gras zu spielen, in Schlammlöchern herumzuspritzen oder sich in der kühlen Erde zu wälzen. In den folgenden Monaten konnten wir zusehen, wie unser kleiner Junge nicht nur heilte, sondern sich auch sein Gesamtzustand deutlich verbesserte – dank seines unbezwingbaren Willens, der die ganze Zeit über stark blieb. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Knochensplitter zusammen mit viel Eiter aus den Wunden ausgestoßen, durch die die Kugel in sein Bein ein- und wieder ausgetreten war.

Luggard spielt im SchlammlochLuggard fühlt sich im Busch schon wie zu Hause
Seine Fußverletzung heilte vollständig, und schon bald war er nicht mehr damit zufrieden, bei der Babygruppe zu sein, sondern wollte sich der Hauptherde der Waisen anschließen und täglich mit ihnen weiter hinausgehen. Luggard kann sein Bein nun deutlich besser belasten und lässt sich überhaupt nicht von seiner Behinderung beeinträchtigen, sondern nimmt enthusiastisch an allen Aktivitäten teil. So, wie er sich im Schlammloch herumwirft, scheint er gar keine Schmerzen mehr zu haben, und daher wir sind guten Mutes, dass seine Verletzungen vollständig verheilen werden. Um das Knie herum wird sich ein neues Knochengerüst bilden, durch das ein Hinterbein etwas kürzer als das andere bleiben wird. Vor allem aber macht es uns ganz besonders glücklich, einem solchen Wesen, noch dazu einem so dankbaren wie Luggard, sein Leben zurückgeben zu können. Er hat aus jedem Tag, der ihm geschenkt wurde, das Beste gemacht und liebt seine menschliche Familie über alles. Er genießt die viele Aufmerksamkeit, die er bekommt, und gibt sie auch vielfach wieder zurück.

 

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Luggard mit seinem kleinen Freund JottoLuggard draußen im Wald
Luggard an der Spitze der BabygruppeLuggard ist glücklich draußen im Busch
(übersetzt aus dem englischen Original)

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