Am 1. Juli erhielt Angela einen Anruf von Richard Bonham von der Big Life Foundation bezüglich eines verwaisten Elefantenkalbs, das von den Bewohnern der Rombo Group Ranch gemeldet worden war. Das Gebiet grenzt an den Tsavo West Nationalpark und liegt nahe der Grenze zu Tansania. Es dauerte eine Weile, bis die Scouts von Big Life die Stelle erreichen konnten, an der das Kalb zuletzt gesehen worden war, um die Berichte zu bestätigen. Wegen der dichten Vegetation und der fehlenden Wege dort konnten sie das Kalb an diesem Tag nicht noch einmal sehen. Die Rettung wurde daher auf den nächsten Tag verschoben, an dem der kleine Bulle glücklicherweise wieder auftauchte, sodass Big Life in der Lage war, ihn zu retten.

 


Er war noch deutlich jünger als ein Jahr und war tatsächlich schon drei Tage vor seiner Rettung von Gemeindebewohnern gesehen worden, sodass er sehr abgemagert war. Da er schon geschwächt war, konnte er leicht übermannt und eingefangen werden. Er wurde auf die Ladefläche eines Landcruisers gelegt und zum Flugfeld des Amboseli Nationalparks gebracht – eine Fahrt, die ungefähr eineinhalb Stunden dauerte. Das DSWT-Rettungsteam aus Nairobi war inzwischen auch vor Ort, und sobald das Kalb dort angekommen war, konnten die Keeper den durstigen jungen Bullen mit dringend benötigter Flüssigkeit versorgen. Er bekam Milch und wurde dann auf den Flug nach Nairobi vorbereitet; dazu wurde er auf die bequeme Matratze gelegt, die wiederum auf einer großen Plane zum Tragen lag. Da er sehr dehydriert war, bekam er während des 45-minütigen Flugs eine Infusion, und es dauerte nicht lange, bis er sicher im Waisenhaus in Nairobi angekommen war. Dort schätzten wir sein Alter auf ungefähr acht bis neun Monate.

Pare wird auf das Fahrzeug geladenPare wird auf den Flug nach Nairobi vorbereitet
Er wurde in ein Gehege gebracht, das mit sorgfältig ausgewähltem Grünfutter üppig ausgestattet war und begann auch prompt, davon zu fressen.

Pare in seinem Gehege im WaisenhausPare gewöhnt sich an seine neue Umgebung
Pare in seinem neuen Gehege
Wir haben ihn Pare genannt, nach den Pare-Bergen, in deren Schatten der Jipe-See am südlichen Ende von Tsavo West liegt. Als Pare im Waisenhaus ankam, verhielt er sich, als wäre er sein ganzes Leben schon dort gewesen. Er schien sehr erfreut und erleichtert darüber, dass er nun wieder Futter, Gesellschaft sowie Liebe und Zuneigung bekam. Erstaunlicherweise war er von Anfang an sehr angetan: Er nuckelte an den Fingern der Keeper und legte seinen Rüssel um ihren Hals. Pare brauchte gar keine Zeit, um seine Wildheit loszuwerden, was manchmal ein schlechtes Zeichen ist – und tatsächlich brach er am nächsten Tag zusammen, was häufig bei stark unterernährten Waisen passiert. Dank der schnellen Reaktion der Keeper und mit Hilfe von Infusionen gelang es uns, ihn wieder auf die Beine und – besonders wichtig – zum Fressen zu bekommen. Bald schon konnte er sich unserer Baby-Herde draußen im Nairobi-Nationalpark anschließen, doch im Laufe der folgenden Wochen wurde sein Zustand schlechter, und es war bald klar, dass er unter Parasiten litt. Auch das war nicht sehr überraschend, denn er stammt aus einem Gebiet, in dem es auch viele Maasai-Nutztiere gibt. Wir bekommen immer mehr den Einfluss der Nutztiere auf die Elefantenpopulationen zu spüren, da sie sich immer häufiger Lebensräume und Wasserstellen teilen müssen. Die Parasiten der Nutztiere können dabei für Elefanten lebensbedrohlich werden. Pares Gesundheitszustand blieb lange kritisch, während wir alles daran setzten, eine Lösung zu finden. Während dieser Zeit war er nachts in einem Stall untergebracht, da er zu schwach war, nach dem Schlafen wieder aufzustehen und er dort einen Keeper hatte, der rund um die Uhr bei ihm blieb.

Pares erster Tag mit den anderen Waisen im BuschPare draußen im Wald
Pare bekommt viel Liebe von den anderen WaisenStreicheleinheiten von den älteren Kühen
Pare draußen im Wald
Gerade als wir das Schlimmste befürchteten, begann Pare glücklicherweise, sich zu erholen, wurde kräftiger und selbstsicherer. Er fürchtet sich allerdings davor, sich zum Schlafen hinzulegen und schläft lieber im Stehen, gegen die hölzernen Stallwände gelehnt. Wir vermuten, dass es daran liegt, dass er sehr lange zu schwach war aufzustehen und dazu die Hilfe seiner Keeper benötigte; und obwohl sie ihm natürlich immer helfend zur Seite standen, schien das ein sehr angsteinflößendes Gefühl für ihn gewesen zu sein. Obwohl er nun nach einem Schlamm- oder Staubbad problemlos selbst wieder aufstehen kann, blieb diese Angewohnheit beim Schlafen erhalten. Wir sind aber zuversichtlich, dass er diese Phobie mit der Zeit wird überwinden können, denn wir sehen, wie er von Tag zu Tag gesünder wird.

Pare mit LuggardPare mit Leitkuh Oltaiyoni
Pare mit Straußendame PeaPare hat seinen Spaß im Busch
Der süße Pare mit seinen neuen Freunden draußen im Busch
Pare ist ein äußerst freundlicher kleiner Bulle, mit sehr viel Zuneigung und Liebe. Seine Rettung kam aber keinen Moment zu früh.

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Pare draußen im Wald
(übersetzt aus dem englischen Original)

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