Am 22. Oktober kontaktierte uns Richard Roberts vom Mara Elephant Project und erzählte uns vom Schicksal eines jungen milchabhängigen Kalbs. Es ist ungefähr 10 Monate alt und seine Mutter wurde an diesem Tag tot auf einer Ebene in der Massai Mara aufgefunden. Nähere Untersuchungen der Mutter zeigten, dass sie gewildert wurde und an einer vergifteten Speerwunde an ihrer Wange gestorben war.
Sie war noch einen Tag vorher glücklich grasend mit ihrem kleinen Baby von einem Touristen fotografiert worden, beide gesund und zufrieden.

Das Kalb unter seiner MutterMutter und Kind

 

Doch schon am nächsten Tag spielte sich die Tragödie ab: Der gleiche Tourist fand ein ganz anderes Szenario vor, das Baby sehr verwirrt an der Seite seiner toten Mutter, bei ihm der Rest der Herde und alle versuchten zu verstehen, was los war. Die Herde nahm dann das Baby in Schlepptau, nachdem es sich herzzerreißend von seiner leblosen Mutter verabschieden musste. Doch als milchabhängiges Kalb hätte es wenig Hoffnung auf Überleben gehabt, denn eine andere Mutter der Herde würde ihre Milch nicht mit ihm teilen, da sie nicht genug für zwei hungrige Kälber produziert. Die Tragödie wurde sofort an das Mara Elephant Project und den KWS gemeldet. Jeder verstand, dass das kleine milchabhängige Kalb ohne ihre Mutter nicht überleben konnte und dass sie gerettet werden musste, bevor ihre Herde weit fort gegangen war, möglicherweise bis nach Tansania hinein, wo sie für uns auf immer verloren gewesen wäre. Ohne genügend Milch würde das Baby schwächer und schwächer werden, würde irgendwann nicht mehr mit der Herde mithalten können und zurückgelassen werden müssen.

Die Herde trauert um die tote Mutter des KalbsDas junge Kalb weint um seine Mutter
Die junge WaiseDas Kalb mit einem anderen Herdenmitglied
Das junge Baby mit dem Baby der LeitkuhDas junge Kalb mit der Herde
Gemeinsam mit dem Rettungsteam aus Elefantenkeepern des DSWT, das inzwischen am Olare Orok Flugfeld angekommen war, musste Richard Roberts vom MEP nun die schwierige Aufgabe koordinieren, das Baby von der Herde zu trennen, ehe es weggebracht wurde und für immer verloren war. Es musste vorsichtig vorgegangen werden, damit die DSWT-Keeper schnell vom Fahrzeug springen, das Baby einfangen und festbinden konnten. Gute Planung war nötig, da die Leitkuh das junge Waisenbaby sehr gut beschützte. Wir hatten aber inzwischen auch beobachtet, dass sie das Baby wegschob, wenn es versuchte, bei ihr Milch zu trinken, denn sie hatte ihr eigenes Baby, das nur wenig älter war als die Waise.
Die ganze Aktion wurde schließlich sehr effizient durchgeführt. Die DSWT-Keeper sind sehr geübt darin, Kälber zu fangen und zu fixieren und jeder vom MEP war bereit, Hilfe zu leisten. Das kleine Kalb wurde eingewickelt und festgebunden und so auf ihren Flug nach Nairobi vorbereitet, während der Rest des Teams vom MEP zusammen mit der von DSWT finanzierten mobilen Tierarzteinheit der Mara unter KWS-Veterinäroffizier Dr. Lima eine Autopsie an der Mutter durchführte, um ihre Todesursache zu bestätigen. Ihre Stoßzähne waren inzwischen von den entsprechenden Verantwortlichen entfernt worden.

Die Keeper warten auf den AbflugIn der Mara
Die mobile Tierarzt-EinheitDas Kalb wird gefangen
Das Kalb wird festgebundenDas Kalb auf dem Weg zum Flugfeld
Vorbereitungen für den AbflugDas Kalb wird eingeladen
Eingewickelt, festgebunden und bereit zum AbflugDas Rettungsflugzeug und das Rettungsteam
Wir nannten das kleine Mädchen Roi und sie wurde während des Fluges durchgehend von den Keepern beobachtet und versorgt. Sie bekam ein Beruhigungsmittel, um den Stress des sehr traumatischen und schmerzhaften Tages ein wenig zu lindern. Sie kam schließlich erst nach Einbruch der Dunkelheit im Waisenhaus im Nairobi Nationalpark an. Sie ist ein robustes Baby und war glücklicherweise nicht lange ohne die Milch ihrer Mutter gewesen. Sie war auch sehr schnell bereit, Milch aus der Flasche zu trinken und das machte vieles einfacher. Ein paar Tage lang musste sie in ihrem Gehege bleiben, doch sie blieb aggressiv und war sichtlich unruhig, wenn die anderen Waisen aus ihrer Umgebung verschwanden und in den Park gingen. Wir entschieden, sie auch herauszulassen, obwohl sie sich noch nicht soweit beruhigt hatte, dass wir uns dabei wohlfühlten. Das war aber die richtige Entscheidung und änderte ihr Verhalten: Sie entspannte sich sofort und war vollkommen zufrieden inmitten der älteren Waisen, die ihr die Aufmerksamkeit und Elefantenliebe und -zuneigung zukommen ließen, die sie so nötig hatte und so sehr vermisste. Sie hing aber auch sehr an ihrer Milchflasche und daher zog es sie trotzdem alle drei Stunden zur Fütterung zu den Keepern zurück.

Auf dem Weg nach NairobiAnkunft am Wilson-Flugplatz
Das Kalb wird ausgeladenIm Pickup
Ankunft im WaisenhausDas junge Kalb im Gehege
Das junge ängstliche KalbDas Kalb heißt Roi
Roi ist draußen und wird von den Anderen begrüßtRoi im Busch
Roi grast
Roi beim SchlammbadDraußen im Busch mit den Anderen
Roi säuft Wasser beim SchlammbadDie süße Roi

Übernehmen SIE jetzt eine Patenschaft für Roi

Roi_web
Während die Tage vergingen, hat sich die kleine Roi komplett eingelebt und hängt nun sehr an ihren Keepern, kennt den Tagesablauf und beginnt wieder zu spielen. Sie scheint wieder durch und durch glücklich zu sein.
(übersetzt aus dem englischen Original)
 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archiv