Am Abend des 26. Juni meldete Mark Goss vom Masai-Mara-Elefantenprojekt ein verwaistes Elefantenkalb an Angela Sheldrick im DSWT-Hauptquartier und informierte sie, dass möglicherweise eine Rettungsaktion nötig werden würde. Das einsame Kalb war von einem Forschungsassistenten in der Nähe des Beobachtungshügels im Olare-Orok-Schutzgebiet gesichtet worden, das Teil des wunderschönen Masai-Mara-Ökosystems ist. Dieses wahre Weltwunder ist ein riesiges Gebiet mit atemberaubenden Aussichtspunkten und endlosen Ebenen, auf denen eine üppige Tierwelt zu finden ist, darunter auch viele Raubtiere.

 


Das Baby war dort sehr gefährdet, da keine weiteren Elefanten in der Nähe waren, und so wurde beschlossen, es zu retten, obwohl es schon ziemlich spät war. Sie fürchteten um sein Leben, falls es über Nacht allein draußen bleiben würde. Es war noch zu klein und ohne den Schutz seiner Herde ein zu leichtes Opfer für Hyänen oder ein Löwenrudel. Ein Team, das von Richard Pye unterstützt wurde, fing den kleinen Bullen um 16:40 Uhr ein und brachte ihn auf einem Traktor-Anhänger zum Iseketa-Hauptquartier, wo er über Nacht bleiben sollte, bis ihn am Morgen ein DSWT-Rettungsteam abholen konnte. Der Anhänger wurde an eine Wand unter einem Dach gestellt, da es zu regnen angefangen hatte. Das Kalb wurde auf seine Füße gestellt, damit es in der Nacht nicht liegen musste. Während der Nacht schaffte es das Kalb zu Jedermanns Erstaunen über die hohen Wände des Anhängers zu klettern, und so hatte es sich am Morgen wieder in die Freiheit aufgemacht und war nirgends mehr zu sehen.
Das Rettungsflugzeug sollte eigentlich um 7:30 Uhr starten, doch es wartete, während in der Masai Mara eine Suche begann. Ein Team von Aufklärern wanderte die Graslandschaften ab, um das arme einsame Kalb zu finden. Es dauerte bis 11:30 Uhr, bis sie ihn endlich wiedergefunden hatten. Die Olare-Orok-Wildhüter beobachteten das Kalb aus der Entfernung, während das DSWT-Rettungsteam zum nächstgelegenen Flugfeld flog.

Ankunft am FlugfeldDas Fahrzeug wird für die Rettung bereit gemacht
Der Waise wird gesuchtDas einsame Waisenbaby
Die Mara ist im Südwesten Kenias, einen ungefähr 45-minütigen Flug von Nairobi entfernt. Richard Pye holte das Rettungsteam ab und fuhr sie dorthin, wo die Hüter das Kalb beobachteten und beschützten. Ohne zu zögern liefen die erfahrenen Keeper durch das Gras und konnten das Kalb schnell einfangen und festbinden. Sie wurden von den fähigen Masai-Wildhütern unterstützt, die ihnen folgten, falls Hilfe nötig werden würde. Nach den Ereignissen des Vortags, an dem sie das Kalb allein gefangen hatten, waren die Hüter sehr daran interessiert, zu lernen, wie man ein Elefantenkalb am besten einfängt. Es dauerte nicht lange, bis das Kalb sicher auf dem Anhänger verstaut war. Zwei Keeper leisteten ihm Gesellschaft, und der Konvoi fuhr langsam zum Flugfeld zurück. Dichte Regenwolken bedeckten den Himmel, und inzwischen war es fast 17 Uhr.

Auf zur Rettung!Der Waise wird eingefangen
Das Kalb wird festgebundenDas eingefangene Kalb
Das Kalb auf der Transportmatratze
Zurück am Flugfeld arbeitete das Team zügig, um das liegende Kalb in die wartende Cessna Caravan zu laden und ihn auf den Flug vorzubereiten. Er wurde festgebunden und an eine Infusion gelegt. Wir schätzten das Alter des kleinen Bullen auf ungefähr 15 Monate, und offensichtlich war er schon eine Weile ohne seine Familie gewesen, da er sehr eingefallene Wangen und einen aufgeblähten Bauch hatte. Es gab schon deutliche Anzeichen von Würmern in seinem Stuhl.

Das Kalb wird auf den Anhänger gelegtDas Kalb auf dem Anhänger
Das Anhänger wird an das Flugzeug herangefahrenDas Kalb kann eingeladen werden
Das Kalb wird in das Flugzeug geladenDas Kalb wird in das Flugzeug geladen
Das Kalb wird für den Flug angeschnalltNach der Ankunft am Wilson-Flughafen
Das Kalb im Pickup
Das Team kam erst nach Einbruch der Dunkelheit im Waisenhaus an, und der kleine Bulle wurde schnell ausgeladen. Er bekam schon einmal etwas Milch, bevor wir ihm beim Aufstehen halfen. Er war erstaunlich ruhig, und wir hatten das Gefühl, dass er verstand, was los war. Er schien zu wissen, dass ihm geholfen wurde, und er war froh, endlich das tröstende Kollern anderer Elefanten zu hören. Die anderen Waisen in ihren Gehegen versicherten ihm, dass alles gut werden würde. Sein Gehege lag neben dem von Roi, und sie gab sich alle Mühe, das Baby zu beruhigen. Sie streckte ihren Rüssel zu ihm aus und tätschelte ihn, wann immer er sich ihr näherte. Am Morgen nahm er dann die Milchflasche von einem Keeper an und nuckelte sogar bereits an dessen Fingern.

Das Kalb heißt TusujaTusuja ist noch durcheinander
Am Tag nach der AnkunftDraußen im Busch
Mit der Waisengruppe im BuschTusuja unter den Waisen in Nairobi
Tusuja wird von den Nairobi-Waisen begrüßtTusuja und Murit
Wenn man bedenkt, wie lange dieses Baby allein gewesen war und welchen Stress er während seiner eigentlich zwei Rettungen hatte, ist es umso erstaunlich, dass er so ruhig war. Sein Houdini-Kunststück, bei dem er über die hohen Anhängerwände geklettert und aus recht ordentlicher Höhe hinuntergesprungen war, um dann in der nächtlichen Dunkelheit zu verschwinden, ließ alle nur ungläubig staunen, was Elefanten alles können. Doch sein Verhalten, nachdem er gerettet und sicher in Nairobi war, sein Verständnis für die Situation und seine sehr freundliche Natur haben uns veranlasst, ihm einen Masai-Namen zu geben: Tusuja, bedeutet „folgen“.

Elkerama, Roi und TusujaTusuja und Kauro
Tusuja grastTusuja bekommt frisches Grün
Tusuja wedelt mit dem Rüssel
Die folgenden Monate waren hart für Tusuja, da sich sein Zustand verschlechterte. Wir waren sicher, dass er unter mehreren Parasiten litt und intensive medizinische Behandlung über viele Monate brauchte, bevor wir zuversichtlich sein konnten, dass er das Schlimmste überstanden hat. Wir erleben oft so komplizierte medizinische Fälle, wenn Elefanten ihren Lebensraum mit Nutztieren teilen. Ihr natürliches Immunsystem wird von diesen schwierigen Umständen beeinflusst, und so war es auch bei Tusuja. Er ist aber ein wunderbarer Elefant, sehr höflich und nett, und das macht ihn zu einem Liebling vieler unserer Waisen in Nairobi.

 

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Tusuja_web

 

 

Tusuja nuckelt an den Fingern der KeeperTusuja
Tusuja läuft draußen herumTusuja und Rapa
Auf zum Schlammbad!Tusuja genießt das Grasen
Tusuja im Gebüsch
(übersetzt aus dem englischen Original)

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