Emoli hat schon ein wechselhaftes Leben hinter sich: Im August 2017 wurde er während der schrecklichen Dürre, die den südlichen Teil des Tsavo East Nationalparks heimsuchte und über 390 bekannten Elefanten das Leben kostete, gefunden; er war zusammengebrochen, regte sich kaum noch und sprang sprichwörtlich dem Tod von der Schippe, als er gerettet wurde. Er hatte das große Glück, gerade noch rechtzeitig gefunden zu werden, und die Helfer gaben ihn nicht auf, obwohl er eine ganze Weile nicht bei Bewusstsein war. Man hätte meinen können, dass für ihn alles zu spät gewesen war und es sich nicht mehr lohnte, den Helikopter anzufordern, um ihn ins Waisenhaus nach Nairobi zu fliegen. Glücklicherweise ließen sich seine Retter davon nicht beeindrucken, und Emoli erwachte schließlich wieder, nachdem er jede Menge Flüssigkeit über Infusionen bekommen hatte.





In den Tagen nach seiner Rettung musste er weiter um sein Leben kämpfen, aber nach und nach wurde dieser kleine ausgehungerte Bulle wieder kräftiger, legte an Gewicht zu und mauserte sich zu einem echten Wonneproppen! Nachdem das schlimmste vorbei war, ging es ihm wieder gut und er freundete sich mit den vielen anderen Elefantenwaisen an, denen es ähnlich ergangen war wie ihm.





Es war etwas ganz besonderes, als Emoli im Juni wieder nach Tsavo umzog, in die Auswilderungsstation in Voi, die nicht weit von der Stelle entfernt liegt, an der er zwei Jahre zuvor verwaist war. Seine Mutter ist möglicherweise noch am Leben – wenn sie damals nicht selbst der Dürre zum Opfer gefallen ist – und so ist es nicht ausgeschlossen, dass die beiden irgendwann einmal wieder aufeinandertreffen. Bis dahin wird Emoli aber wohl das Nesthäkchen der Waisenherde in Voi sein, und seit seinem Umzug genießt er die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die ihm seine Artgenossen schenken, in vollen Zügen!

Er hat es auch geschafft, die Waisen in Voi näher zusammen zu bringen: Vor seiner Ankunft machten Mbegus kleine Gruppe und die älteren Kühe eher ihr eigenes Ding, wie vielleicht auch von Mbegu beabsichtigt, die ihre kleinen Schützlinge nicht einfach an die anderen Leitkuh-Anwärterinnen abgeben will; seit der Ankunft von Emoli steht er aber im Zentrum des Interesses aller Waisen, und das scheint ihm auch sehr gut zu gefallen! Aber er hat sich nicht nur prächtig in die Waisenherde integriert, zusammen mit seinen Freundinnen Sagala und Tagwa, die mit ihm zusammen umgezogen sind, sondern nutzt auch die Gelegenheit, all die wilden Herden kennenzulernen, von denen die Waisen so gut wie jeden Tag welche treffen.

Tsavo trocknet nun wieder aus, aber in der Gegend um Voi gibt es noch hier und da etwas Grün, und das ist auch den wilden Herden nicht entgangen. Sie kommen dort in großer Zahl zusammen und haben gelernt, dass es sich lohnt, auf das frische Wasser zu warten, mit dem das Wasserloch der Waisen jeden Tag aufgefüllt wird. Genauso wie in Ithumba, der anderen Auswilderungsstation im Nationalpark, wissen sie genau, wann sie auftauchen müssen, stattliche Bullen genauso wie junge Teenager, die im Matsch herumtollen und mit ihren Altersgenossen raufen, wie auch die Familien mit kleinen Kälbern, angeführt von erfahrenen Kühen. So erleben die Waisen die ganze Breite der Elefanten-Gesellschaft der Wildnis bei ihren mittäglichen Schlammbädern. Und Emoli sieht man meist mittendrin, wo er sich am wohlsten fühlt! Das erinnert uns daran, dass es sich lohnt, niemals die Hoffnung aufzugeben, auch wenn alle Anzeichen dagegen sprechen! Manchmal passieren eben doch kleine Wunder, und Emoli ist ein solches: vor dem sicheren Tod gerettet und nun wieder zurück dort, wo er einmal geboren wurde.

(übersetzt aus dem englischen Original)

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