Am 21. Mai erhielt Angela einen Anruf vom Amboseli Elephant Trust, der von einem Reiseführer über ein einsames Elefantenbaby informiert worden war. Das Baby schien Probleme zu haben und lief in Kreisen. Es war schon später Abend, sodass wir nicht mehr nach Amboseli fliegen und das Kalb abholen konnten, da es schnell dunkel wurde. Die Wildhüter der Big Life Foundation sprangen ein und konnten das Kalb einfangen und über Nacht in Sicherheit bringen – ansonsten wären ihm die Raubtiere sehr gefährlich geworden, insbesondere weil es offenbar nicht gut sehen konnte.

Die RettungsteamsKitenden wartet auf das Flugzeug nach Nairobi

Das Flugzeug des DSWT landete um 9 Uhr am nächsten Morgen in Amboseli, und Big Life und der Amboseli Elephant Trust warteten mit dem kleinen Baby am Flugfeld. Bei seiner Ankunft im Waisenhaus konnte er nicht mehr stehen und fiel in ein tiefes Koma. Wir haben ihn Kitenden genannt, nach der Gegend, in der er gefunden worden war.

Am Flugfeld wird versucht, das Kalb zu fütternDie Augen werden untersucht
Die Sorgen beim DSWT nahmen zu, obwohl das Kalb in relativ gutem körperlichen Zustand war. Als er aus dem Koma kam, halfen wir ihm auf die Beine, aber da er seine neue Umgebung nicht sehen konnte, war die ganze Situation für ihn noch stressiger als ohnehin schon. Es stellte sich aber bald heraus, dass seine Blindheit nicht an seinen Augen lag, sondern neurologischen Ursprungs zu sein schien. Er konnte auch nicht ohne Probleme auf einer Seite liegen und hatte Koordinationsprobleme. Es gab keine offensichtlichen Anzeichen von Verletzungen am Körper oder Kopf, daher ist es ein großes Rätsel für uns, was mit ihm passiert sein mag.

Kitenden ist bereit für den FlugAuf dem Weg zum Waisenhaus
Alle beim DSWT gaben ihr Bestes, um Kitenden zu helfen, und er bekam intensive medizinische Versorgung. Er war lange in einem tiefen Koma, und als er erwachte, keimte in allen die Hoffnung, dass sich sein Zustand bessern würde. Wir halfen ihm auf die Beine und hielten ihn mit Hilfe einer Schlaufe, um seine Atmung zu unterstützen, die immer problematisch ist, wenn solche großen Tiere längere Zeit liegen. Leider verschlechterte sich aber sein Zustand immer weiter, seine Atmung wurde schwächer, und trotz all unserer Bemühungen starb er schließlich am 30. Mai.

Auf der Matratze
Eine Autopsie wurde durchgeführt und brachte einen großen Abszess zum Vorschein, der den größten Teil der linken Hälfte seines Gehirns umgab und fast einen halben Liter Eiter enthielt. Es gab wirklich nichts, das ihn hätte retten können. Das war ein sehr ungewöhnlicher Fall, und wir haben in den 40 Jahren unserer Arbeit mit Elefanten noch nichts vergleichbares gesehen. Selbst die Tierärzte, die die Autopsie durchführten, waren sprachlos. Es ist nicht klar, was diese schlimme Infektion ausgelöst haben könnte, doch ähnliches wurde auch schon bei Nutztieren beobachtet, die immer häufiger in die Nationalparks eindringen und dabei mit Elefantenpopulationen in Kontakt kommen.

Kitenden am FlugfeldDer Amboseli-Nationalpark
(übersetzt aus dem englischen Original)

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