Nach vielen Wochen Vorbereitung war für Ngasha, Faraja und Jasiri der Tag gekommen, an dem sie den nächsten Schritt auf ihrer Reise zurück in die Wildnis antraten. Wir haben entschieden, dass unsere beiden Albino-Jungs, die im Amboseli-Nationalpark Opfer von Wilderei geworden waren, in der Auswilderungsstation in Umani Springs im wunderschönen Kibwezi-Wald am besten aufgehoben sein würden. Der Kibwezi-Wald ist ein Teil des Chyulu Hills Nationalparks, ein Ökosystem, das sich zwischen den Nationalparks Tsavo und Amboseli befindet.

 

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Am 16 Januar waren alle um 3:30 Uhr auf den Beinen, mischten Milchflaschen und stellten sicher, dass der Umzugs-LKW vorbereitet war und bereit für seine wertvolle Fracht. Um 4 Uhr wurden unsere Albino-Halbbrüder und ihr bester Freund Ngasha geweckt und mit einer Milchflasche aus ihren Gehegen gelockt. Sie sind inzwischen daran gewöhnt, ihre Milch im LKW zu trinken, sodass sie alle drei gleichzeitig ihre Abteilungen darin betraten. Alles lief so problemlos und in Rekordzeit, dass alle erstaunt waren. Robert und Angela waren ebenfalls früh aufgestanden, um beim Beladen dabei zu sein und mit zwei Keepern an Bord, Fahrer James und Beifahrer Harrison machte sich der LKW im Schutz der Dunkelheit auf den Weg, um noch vor dem Berufsverkehr durchzukommen.

Die Stallungen bei NachtDer LKW auf dem Weg
Ein Landrover folgte ihnen, um sicherzugehen, dass alles ohne Probleme abläuft. Obwohl alle im Waisenhaus traurig waren, dass diese jungen, sehr höflichen, „hellhäutigen“ Jungs abreisten, verstanden wir doch, dass dies ihre Bestimmung ist. Obwohl sie nun in Umani Springs sind, wo sie sich Murera, Sonje, Lima Lima, Quanza und Zongoloni anschließen, werden sie noch lange Zeit in unserer Verantwortung bleiben, ehe sie sicher genug sind, sich mit ihren neuen wilden Freunden auf den Weg zu machen. Wie bei Menschenkindern ist dies ein langer Prozess, der zwischen zehn und zwölf Jahren dauert. Im Kibwezi-Wald werden sie wilde Elefanten-Freunde treffen und über diese Freundschaften wie auch die Freundschaft zu ihren alten Waisenhausmitbewohnern Murera & Co werden sie langsam in ihre wilde Zukunft begleitet werden.

Die Sonne geht auf über der Straße nach MombasaDer LKW auf dem Weg nach Umani
Die Fahrt verlief ohne Probleme und es gab nur einen kurzen Halt, um den Passagieren Milch zu geben und etwas frisches Grünzeug für sie zu sammeln. Schon um 9 Uhr kamen sie an den Stallungen in Umani Springs an.

Jasiri grüßt aus dem LKWDie Jungs bekommen frisches Grün
Die aktuellen Bewohner von Umani Springs, Murera, Sonje, Lima Lima, Quanza und Zongoloni, warteten gespannt auf die Neuankömmlinge und die Keeper konnten sie nicht davon abhalten, zur Laderampe zu eilen, um zu sehen, wer denn wohl an Bord war. Faraja, Jasiri und Ngasha, die die ganze Reise über sehr geduldig gewesen waren, waren genauso aufgeregt, und sobald die Tore geöffnet wurden, kamen sie heraus, um ihre alten Freunde zu treffen und ihr neues Zuhause zu sehen.

Der Eingang zu Umani SpringsGleich werden die Tore geöffnet
Faraja wird herausgelocktBegrüßungen
Die drei Nursery-Jungs waren deutlich von den Umani-Mädchen zu unterscheiden, da sie noch die rote Erde aus Nairobi an sich hatten, während die Umani-Waisen in grauen Matsch gehüllt waren. Ngasha, Faraja und Jasiri schienen von Anfang an sehr entspannt zu sein. Jeder begrüßte jeden und sie berührten mit ihren Rüsseln die Münder der Anderen und standen Schulter an Schulter, ehe sie zur Futterstelle gingen, um die Luzernenheureste des Morgens zu verspeisen. Alles lief erstaunlich ruhig und geordnet ab.

Wiedersehen alter FreundeDie Elefanten sind deutlich an der Farbe zu unterscheiden
Bald war es Zeit für das Schlammbad, und die Keeper führten den Weg an, mit den Neulingen direkt dahinter. Der Wald war sehr grün und üppig, mehr als in Nairobi und keiner der Waisen konnte widerstehen, ab und zu anzuhalten, das leckere Grün zu kosten und die ganzen neuen Möglichkeiten und Geschmacksrichtungen zu probieren. Nach der Mittagsmilch nahmen alle Waisen ein gründliches Schlammbad und als sie wieder herauskamen, hatten sie alle die gleiche Farbe. „Nun haben sie ihre neuen Uniformen“, sagte Philip, der Chef-Keeper der Station. Dann folgten die Neulinge den anderen zum Staubbad, wälzten sich auf dem Staub, rollten und spielten so ausgiebig darin, dass ein unbeteiligter Zuschauer meinen würde, sie wären schon immer dagewesen.

Die Waisen genießen den Umani-SchlammEin wunderbares Staubbad
Die Waisen aus Nairobi machen es sich bequem
Den Rest des Tages verbrachte die Achtergruppe damit, den Wald zu erkunden. Lima Lima zeigte begeistert den Weg, obwohl sie nur ungern die Aufmerksamkeit der Keeper mit den Anderen teilte. Sie war sichtlich glücklich, ihre heißgeliebten Waisenhauskeeper Peter und Eugene wiederzusehen und blieb den ganzen Tag dicht an ihrer Seite.

Lima Lima begrüßt die WaisenhauskeeperLima Lima begrüßt die Waisenhauskeeper
Es war eine Freude für die Keeper aus Nairobi, zu sehen, wie gut es Murera, Sonje, Lima Lima, Quanza und Zongoloni hier geht, insbesondere Murera. Ihr Weg war lang und hart und nur wenige Menschen glaubten, dass sie jemals wieder völlig gesund wird. Sie hatte furchtbare Verletzungen von Wilderern davongetragen. Nun, einige Jahre später, lebt sie ein kaum für möglich gehaltenes, glückliches Leben hier in Umani Springs und wird immer kräftiger. Murera war allerdings eher zurückhaltend, was die Neuankömmlinge in ihrer Herde betrifft, denn sie ist immer wenig begeistert von Veränderungen. Quanza dagegen war außer sich vor Begeisterung, denn sie erinnerte sich an ihre Freunde aus Nairobi und sie und Lima Lima geleiteten die Jungs überall hin.

Am Abend, nach einem sehr aufregenden Tag, gingen die Waisen zu den Stallungen zurück. Ngasha kam in das Gehege neben dem von Faraja und Jasiri, die sich eines teilen. Faraja war zuerst etwas verwirrt, wo er hingehen sollte, doch als die Keeper ihm und seinem Halbbruder ihr Gehege zeigten, beruhigte er sich schnell und sie alle, auch Ngasha, schliefen beinahe auf der Stelle ein.

Milch in den neuen GehegenIm neuen Zuhause
Robert Carr-Hartley, DSWT-Unterstützerin und Schauspielerin Kristin Davis und die Geschäftsführerin der „US Friends of the DSWT“, Melissa Sciacca, waren alle dabei, um Zeuge dieses wunderbaren Tages zu werden, der ein wichtiger Schritt im Leben dieser drei Waisen ist. Es ist klar, dass Ngasha, Faraja und Jasiri das Paradies gefunden haben und wenn wir daran denken, wie schwierig ihr Start ins Leben war, macht uns dieser Tag noch glücklicher.

Kristin Davis ist beim Umzug dabei
Die drei Waisen haben sich ohne Probleme in ihre neue Umgebung eingelebt, sie lieben den Wald, das üppige Futter, das Schlammbad und ihre nächtlichen Begegnungen mit wilden Elefanten, die sich um die Auswilderungsstation versammeln, die Waisen besuchen und ihnen Geschichten aus der Wildnis erzählen.

(übersetzt aus dem englischen Original)

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