Am 14. Mai absolvierten drei der ältesten Elefantenwaisen aus Nairobi die Reise nach Tsavo, zur Auswilderungsstation in Ithumba. Die Entscheidung, wann die älteren Bewohner des Waisenhauses nach Tsavo gebracht werden, hängt im Wesentlichen an zwei Dingen: einmal, ob sie zu groß geworden sind für das Waisenhaus in Nairobi, zum anderen, ob es in Tsavo ausgiebig geregnet hat oder nicht. Während Voi und der südliche Teil des Tsavo East Nationalparks bisher kaum Regen abbekommen haben, ist glücklicherweise im Norden von Tsavo mehr Regen gefallen als erwartet. Es gibt überall genügend Grünfutter und die Wasserlöcher sind gut gefüllt.

 


Das Einladen der drei Kandidaten, der großen Jungs Kelelari und Karisa, sowie dem Mädchen Dupotto, begann um 3 Uhr morgens und ging relativ glatt – bis Karisa zum Eingang des speziell für den DSWT angefertigten LKW kam. Seine beiden Freunde waren ohne mit der Wimper zu zucken hineingegangen, aber Karisa schien der letzte Schritt in den Wagen hinein sehr unheimlich zu sein. Es brauchte aber dann doch nicht lange Überredungen, bis er schließlich mit einem leichten Schubser hineinging und das Tor schnell hinter ihm geschlossen wurde.

Vorbereitungen zum UmzugKarisa steigt ein
Die drei Waisen sind eingeladenAuf dem Weg nach Ithumba
Die drei Keeper, die sie auf der Reise begleiteten, gingen ebenfalls an Bord und im Nu hatten sie den Nairobi-Nationalpark verlassen und durchquerten auf leeren Straßen Nairobi. So zeitig am Morgen loszufahren hat den Vorteil, dass es kaum Verkehr gibt – was tagsüber in Nairobi undenkbar ist – und die Reise außerdem zur kühlsten Zeit des Tages stattfindet, was den Babys deutlich besser tut. Es ist immer wieder wunderbar zu sehen, wie sie im LKW zufrieden von ihrem geschnittenen Grün futtern und sich ganz darauf verlassen, dass alles seine beste Ordnung hat. Mit auf dem Weg die Schnellstraße in Richtung Mombasa hinunter war ein Begleitfahrzeug – für den Fall, dass sich unterwegs irgendetwas Unerwartetes ereignen sollte – und diesmal auch ein Filmteam, das die Reise der drei Waisen auf dem Weg zu ihrem nächsten Lebensabschnitt in Ithumba dokumentierte.

Bei einer Pause werden die Waisen mit frischem Grün versorgtDupotto während der Reise
Karisa bekommt MilchAuf dem Fahrweg Richtung Ithumba
Der Umzugs-LKW kommt in Ithumba anDupotto bei der Ankunft
Der Umzug nach Tsavo ist ein einschneidender Schritt im Leben der Waisen, da sie ab jetzt wieder mit wilden Elefanten Kontakt haben und so ihre Auswilderung beginnt. Wie mit menschlichen Kindern auch, ist es ein Weg, der für jeden anders ist und nicht immer gleich schnell abläuft. Vieles hängt davon ab, welche Erfahrungen die Elefanten währenddessen machen. Wie alle, die diese Reise vor ihnen angetreten haben, werden auch diese drei von ihren Keepern abhängig sein solange sie es für nötig halten. Aber unsere Ex-Waisen in Ithumba, von denen es inzwischen 60 gibt und die jetzt dort in der Wildnis in Freiheit leben, helfen dabei, diesen Lebensabschnitt der Waisen so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Sie kommen immer wieder zu ihren noch abhängigen Freunden und den Keepern zurück, verstehen sehr gut, was es heißt, wieder ausgewildert zu werden, und wissen, wann die jüngeren Waisen soweit sind.

Karisa, Dupotto und KelelariDie Waisen werden ausgeladen und bekommen gleich Milch
Kelelari trinkt nach der Ankunft seine MilchKelelari mit seiner Milch
Obwohl die Straßen hier und da in schlechtem Zustand waren, kam der LKW gut und ohne im Schlamm steckenzubleiben durch. Schon um 10 Uhr kam er in Ithumba an, früher als erwartet. Sofort wurden die Tore geöffnet, und die Babys kamen heraus – und waren erst einmal verständlicherweise verwirrt. Aber auf die Milchflaschen war wie immer Verlass, und ihre gewohnten Keeper aus Nairobi brachten sie zur Wassertränke, wo sie etwas saufen und sich abkühlen konnten. Die Temperaturen in Ithumba sind auf jeden Fall höher als die, die sie aus Nairobi gewöhnt sind. Dann passierte etwas Überraschendes: die drei Waisen gingen direkt in die Richtung davon, aus der sich Kauro, Tusuja und Naseku näherten! Offenbar hatten sie längst vor den Menschen, die sie begleiteten, mitbekommen, dass diese drei auf dem Weg zu ihnen waren. Bald waren sie von den anderen Waisen umgeben, die nach und nach dazukamen, und Dupotto konnte die Gesellschaft ihrer alten Freunde Kamok, Kauro, Roi, Naseku und Oltaiyoni genießen. Kelelari, der als ältester der drei gerettet wurde, gewöhnte sich entsprechend schnell an das Leben in Ithumba und fühlte sich schnell wie zu Hause. Karisa dagegen blieb noch eine Weile recht nervös, doch gegen Ende des ersten Tages begann auch er sich einzugewöhnen. Die Gegenwart der anderen Waisen, die die ganze Zeit mit den Neulingen kommunizierten, half ihnen, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen, und bald sah es auf den ersten Blick so aus, als ob sie schon ihr ganzes Leben dort gewesen waren.

Mit den anderen Waisen aus Ithumba draußen im BuschMit den anderen beim Grasen
Die drei NeuankömmlingeNaseku nimmt die Neulinge mit nach draußen
Naseku begrüßt KarisaKarisa grast zusammen mit den anderen
Als die Temperaturen stiegen, ging es zum Schlammbad, wo sich die Waisen am Mittag abkühlten. Nach den jüngsten Regenfällen war das Wasserloch gut gefüllt, und Kelelari genoss es, sich den grauen Matsch Ithumbas über dem ganzen Körper zu verteilen. Karisa und Dupotto fühlten sich in seiner Nähe und bei ihren geliebten Keepern aus Nairobi noch am wohlsten.

Beim SchlammbadKelelari, Dupotto und Siangiki
Kelelari mit den anderen beim SchlammlochKarisa, Dupotto und Naseku
Kelelari säuft etwas Wasser am WasserlochKarisa und Naseku
Der Tag verlief wie am Schnürchen, und am Abend gingen sie problemlos den anderen Waisen hinterher in ihr Gehege. In Ithumba sieht alles etwas anders aus als die Gehege, an die sie aus Nairobi gewöhnt sind, aber bald nachdem sie ihre abendliche Milch bekommen hatten, machten sie es sich im Gehege bequem, umgeben von einem Elektrozaun, der sie vor den Raubtieren Tsavos schützt. Nachdem sie von dem frisch geschnittenen Grün gefressen hatten, tummelten sie sich in dem Haufen roter Erde, der täglich neu für die Waisen bereitet wird, damit sie es sich darin gemütlich machen können. Bald schlummerten sie alle tief und fest, erschöpft von den Anstrengungen des langen Tages.

Dupotto und KarisaKarisa
Dupotto (links) und Kelelari (rechts)Karisa, Dupotto und Kelelari bei den Stallungen
Abendliche Milchfütterung an den Stallungen
Der Umzug war einer der reibungslosesten, die wir je erlebt haben, was alle sehr erleichterte. Und Ithumba sieht herrlich grün aus, nachdem dort viel Regen gefallen ist.

(übersetzt aus dem englischen Original)

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