Er war von Nairobi nach Tsavo umgezogen, als die allerersten Abgänger der Anti-Wilderer-Einheit des Trusts von der Manyani Schule für Sicherheitskräfte gerade graduierten, und es ging ihm ausgezeichnet. Dann die düsteren Nachrichten über“s Handy: Kinango, der erst am 12. August gerettet worden war, hatte Blut im Stuhl. Ende September waren wir aber zuversichtlich, dass er das Schlimmste überstanden hatte, auch wenn er noch in schlechter körperlicher Verfassung war.

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Wir nehmen an, dass das winzige Kalb so jung war, als es verwaiste, dass es möglicherweise nie Milch von seiner Mutter bekommen hatte. Er wurde im August unter einem großen Lkw auf einer Zubringerstraße in Schimba Hills Reservat entdeckt worden. Nach seiner Bergung bekam er eine Infusion mit Elefantenblutplasma, um sein Immunsystem anzukurbeln. Damals war er schon totgeglaubt, da wir annahmen, dass er gar keine Muttermilch mit lebenswichtigen Antikörpern bekommen hatte. Diese braucht ein Baby, wenn es aus dem Bauch der Mutter in eine mit Millionen von Keimen bevölkerte Welt geboren wird. Er kämpfte, aber es kam noch erschwerend hinzu, dass er seine ersten Backenzähne bekam. Also wurde ihm ein Antibiotikum verabreicht, und noch mehr Kochsalz/Glukose-Infusionen, um eine Dehydratisierung abzuwenden. Es ging ihm kurzzeitig wieder besser und er war verspielt und glücklich – ein Liebling in der Nursery, der weltweit Paten hatte, die alle dabei halfen, dass er jede mögliche Hilfe bekam.

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Am 14. Oktober starb er und die Autopsie ergab eine Blutvergiftung, die von einer Nabelentzündung herrührte, und dazu noch eine Gastroenteritis. Das alles trotz einer Behandlung mit Antibiotika, inklusive Penicillin! Wir alle und Kinangos Paten sind tieftraurig, dass unsere Anstrengungen nicht gut genug waren, um ihm das Leben zu retten.

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Als ob das nicht alles nicht schlimm genug wäre, wurden bei einem Beobachtungsflug in Zusammenarbeit mit dem KWS sechs tote Elefanten außerhalb des Nationalparks Tsavo-Ost auf der Galana Ranch entdeckt – erschossen und ohne Stoßzähne. Die Wilderei von Kenias Elefanten hat einen seuchenähnlichen Verlauf angenommen und erinnert an das Gemetzel in den 1970er bis 1990er Jahren. Damals konnten Wilderer an Ort und Stelle erschossen warden, wenn sie sich in einem Schutzgebiet aufhielten. Wenn die Elefanten beschützt werden sollen, wird sich dieses Szenario wohl bald wiederholen müssen. Wirksam ist dies allerdings nur in Verbindung mit dem kompletten Verbot des Handels mit Elfenbein – sei es legal oder illegal – und auch nur dann, wenn die Maßnahmen länger als 2 Jahre andauern. Das war 1989 der Fall und hat die Wilderei nur kurzzeitig in den Griff bekommen.

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Die meisten Gebiete Afrikas, in denen heute Elefanten leben, sind Schlachtfelder geworden, um die Nachfrage nach Elfenbein zu befriedigen, und alle, die Produkte aus Elfenbein kaufen, haben Blut an ihren Händen. Nicht nur das der gewilderten Elefanten, sondern auch all deren Jungtiere, die hilflos zurückgelassen werden. Elefanten trauern um den Verlust ihrer Familie genauso schmerzlich wie wir Menschen; vielleicht sogar noch mehr, denn „Elefanten vergessen nie“. Sie sind nicht nur wie wir, sondern viel besser – Gottes Engel mit all den guten Eigenschaften der Menschen und nur wenigen der schlechten. Kein Elefantenbaby unter 3 Jahren kann ohne Milch überleben, und laktierende Elefantenkühe haben gerade in der Trockenzeit nicht ausreichend Milch, um neben ihrem eigenen Baby noch ein verwaistes Jungtier durchzubringen. Solche Waisen werden aus der Gruppe verstoßen und bekommen maximal eine zweite Chance, wenn sie von Menschen gerettet und mit der Flasche aufgezogen warden. Gibt es noch Hoffnung für die Elefanten? Nicht, so lange der Elfenbeinhandel erlaubt ist und die Nachfrage nach Elfenbein im Fernen Osten nicht rapide abnimmt.

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Die Afrikanischen Elefanten sind heute unter enormem Druck, nicht nur durch Wilderer, sondern auch wegen des Klimawandels, explodierenden Bevölkerungszahlen, Korruption und Gier. Wann wird die internationale Gemeinschaft aufwachen und sowohl China also auch andere Länder im Fernen Osten unter Druck setzen?

Sie können Ihre Stimme für die Iworry-Kampagne des DSWT abgeben, die vor einigen Wochen gestartet werden. Die Kampagne will dazu beitragen, dass den Menschen die zwingende Notwendigkeit bewußt wird, den Elfenbeinhandel auf internationaler Ebene zu stoppen, um die noch verbleibenden Elefanten zu retten. Unterzeichnen sie die Petition auf www.iworry.org. Diese wird vor der nächsten CITES Konferenz (Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens) den jeweiligen Landerrepräsentanten präsentiert und soll für alle Elefanten sprechen.

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