Am Freitag, den 31. Mai 2019 war der Tag gekommen, an dem Malima, Mapia und Kuishi dorthin zurückkehrten, wo sie einmal geboren worden waren: sie zogen nach Ithumba in Tsavo um!

Jetzt, wo die mildere Jahreszeit gekommen ist und es nach einigem Regen wieder grüner geworden ist, ist eine günstige Zeit, um wieder einmal Waisen aus Nairobi in die Auswilderungsstationen nach Tsavo zu bringen. Den Anfang sollten die etwas älteren Elefanten machen – und als allererstes die etwas frecheren: Malima, Kuishi und Mapia! Um die Umzugskandidaten rechtzeitig an das Prozedere zu gewöhnen und den Umzugstag nicht allzu stressig werden zu lassen, wurden sie wie immer zuvor an den LKW gewöhnt. Der Umzug selbst begann mit dem Einsteigen um 3 Uhr morgens, bei sanftem Licht aus den Lampen in den Bäumen. Diesmal beschlossen die Keeper, gleich alle drei auf einmal einsteigen zu lassen, denn Kuishi schien am Vortag schon Verdacht zu schöpfen und spürte, dass etwas besonderes passieren würde. Das klappte hervorragend: die drei Rabauken gingen alle zusammen in die Abteile im LKW und waren sicher verstaut, ohne dass ihnen irgendetwas anders vorgekommen wäre als im Training. Zum Glück sind die drei so in ihre Milchflaschen vernarrt, dass sie sich gar keine Gedanken machten, dass etwas seltsames passieren könnte. So war nach zehn Minuten schon alles bereit, und die Fahrt konnte rechtzeitig vor der üblichen Hauptverkehrszeit in Nairobi losgehen.

Der Verkehr auf der Hauptstraße von Nairobi nach Mombasa war allerdings schon in vollem Gange, sogar zu dieser frühen Zeit schon! Vielleicht lag es daran, dass der folgende Tag, der 1. Juni, ein Feiertag in Kenia ist. So kam der kleine Konvoi, bestehend aus dem Umzugs-LKW und dem begleitenden PKW mit Angela Sheldrick und Robert Carr-Hartley, langsamer voran als gedacht. Die drei Babys in ihren maßgeschneiderten Abteilen mit ihren vertrauten Keepern bekamen von all dem Trubel um sie herum wenig mit, und auch die vielen Leute, die schon unterwegs waren, ahnten nicht, was in dem Transporter vor sich ging – drei junge Elefanten, die zufrieden an ihrem frischen Grün knabberten, während sie auf dem Weg zu ihrem nächsten großen Schritt hin zu ihrer Auswilderung waren.

 

 

 

Es waren Mapia und Malima, die während der Fahrt etwas unruhig wurden, während Kuishi, von der alle am ehesten erwartet hätten, dass sie Probleme macht, unerwartet ruhig und genügsam blieb. Zum Glück gab es aber keine größeren Zwischenfälle, und es war noch nicht einmal ein Halt unterwegs nötig. Die neue asphaltierte Straße von Kibwezi nach Ikutha verkürzt den letzten Teil der Reise erheblich; während man für dieses Stück zuvor über eine Stunde brauchte, ist der Transporter jetzt in zwanzig Minuten bis zum Dorf Ikutha gefahren, wo er auf die unbefestigte Straße einbiegt und auf dieser die letzten 20 Kilometer bis zum Nord-Eingang des Tsavo East Nationalparks zurücklegt.

Die Keeper der Auswilderungsstation in Ithumba warteten schon gespannt und hielten frisch zubereitete Milch für die Neulinge bereit. Nachdem der LKW an der Laderampe gehalten hatte, wurden die Tore heruntergeklappt, und die drei Babys bekamen noch in ihren Abteilen eine Milchflasche. Erst dann wurden sie herausgelassen und konnten sich in ihrer neuen Umgebung umsehen, ohne sich gleich noch auf die Milchfütterung konzentrieren zu müssen. Sie kamen alle drei zusammen heraus und hielten sich dicht bei den Keepern aus dem Waisenhaus, die sie begleitet hatten. Mit großen Augen schauten sie sich um! Bald kamen Sana Sana, Malkia und Ndiwa angerannt und begrüßten sie überschwenglich – schließlich kennen sie sich noch aus dem Waisenhaus, aus dem sie selbst erst ein paar Monate zuvor gekommen waren. So bekamen die Neuankömmlinge gleich bekannte Gesicher zu sehen, was ihnen gleich half, sich besser zurecht zu finden. Sogar als die anderen Waisen in kleinen Grüppchen dazukamen, ging alles noch recht zivilisiert ab, denn die Keeper passten gut auf, dass bei der ganzen Aufregung niemand zu sehr überwältigt wurde. Schließlich haben alle diese Elefanten einmal erlebt, wie es ist, nach Ithumba umzuziehen, und da gerade keine unabhängigen Ex-Waisen vor Ort waren, blieb alles relativ ruhig.

 

 

 

 

Nachdem sie ihren Durst an der Tränke gestillt hatten, mischten sich die Neuankömmlinge unter die Waisenherde und kamen mit zum Grasen, während die Keeper in Ithumba sich mit ihren neuen Schützlingen vertraut machten und sich ihre Eigenheiten von ihren Kollegen aus Nairobi erzählen ließen. Kuishi, Malima und Mapia schienen die viele Vegetation um sie herum, die noch grün vom Regen ist, sehr zu mögen. Sie sahen sich neugierig um, und vieles musste ihnen bekannt vorkommen, waren sie doch bei ihrer Rettung schon alt genug gewesen, um sich gut an Tsavo, wo sie geboren wurden, erinnern zu können. Schließlich folgten sie ihren neuen Freunden, die sie beständig berüsselten, langsam zum Mittagsschlammbad.

Zur Milchfütterung am Schlammloch kommen die Waisen immer in Dreiergruppen, damit es nicht zu chaotisch zugeht. Die Keeper bekamen es hin, dass Malima, Kuishi und Mapia als dritte Gruppe ankamen, sodass sie sechs andere vor sich hatten, die ihnen die Gegend am Schlammloch zeigen konnten: wo es Wasser in der Tränke gibt und wie man sich am besten vor den großen Bullen in Acht nimmt, die rund um das Wasserloch herumlungerten. Insgesamt 28 von ihnen waren da; manche entspannten sich einfach und schauten dem Treiben zu, während andere badeten oder auf den Anhöhen rund um das Schlammloch in Ringkämpfe verwickelt waren. Ein paar hatten sich sogar am Ufer hingelegt und ruhten sich im Schatten aus. So bekamen die drei Neulinge gleich mit, wie es in der Wildnis aussieht, aber sie schienen alles ganz normal zu finden und machten keinerlei verängstigten Eindruck. Nur mit dem schlammigen Ufer am Wasserloch hatten sie so ihre Schwierigkeiten. Mapia versank beim Einsteigen an einer ungünstigen Stelle erst einmal in dem dickem Matsch, aber nach einer Weile hatte er sich durch gekämpft. Dann genoss er die Abkühlung im Wasserloch, bevor er mit den anderen zusammen wieder herauskam und an den großen Bullen vorbei zur Tränke ging, die regelmäßig von den Helfern der Auswilderungsstation mit frischem Wasser aufgefüllt wird und an der die Waisen ausführlich saufen konnten.

 

 

 

 

 

Im Laufe des Tages lebten sich Mapia und Malima wunderbar ein, nur Kuishi wurde etwas unleidlich; sie traute sich nicht weit weg von ihren vertrauten Waisenhaus-Keepern in den grünen Jacken. Die anderen beiden verhielten sich, als ob sie schon immer hier gelebt hatten, und man hätte sie bald nicht mehr von den alteingesessenen Elefanten unterscheiden können. So war es auch am Abend, als die Waisen zurück in ihre Gehege kamen. Da ging es ein wenig hektisch zu, denn ein paar der Waisen mussten für die Neulinge Platz machen und in andere Gehege umziehen, was nie beliebt ist bei diesen Gewohnheitstieren! Nur Esampu und Ndiwa blieben bei den Neulingen im Gehege, damit es in der Nacht nicht zu voll wurde – schließlich sind die Waisen in Nairobi ihre Einzelgehege gewohnt. Die Keeper aus dem Waisenhaus blieben in der Nähe, damit sie bei Bedarf beruhigend auf ihre Schützlinge einwirken konnten, und Kuishi nutzte die Gelegenheit auch ab und zu dankbar. Die kleinen Nimmersatte Malima und Mapia dagegen hatten nur das leckere Grünfutter im Kopf, und sie knabberten unaufhörlich die Rinde von ihren Grewia-Zweigen.

Unten an den beiden Tränken und am Wasserloch tauchten immer wieder wilde Bullen auf, und auch Ex-Waise Kilaguni stattete der Station einen Besuch ab. Später kamen auch noch mehr Ex-Waisen an, darunter Sunyei mit ihrem Baby Siku. Es folgten noch eine wilde Kuh mit drei Kälbern und weitere stattliche Bullen, sodass Malima, Kuishi und Mapia staunend zusahen, was sich um sie herum so alles tat. Es war der Abschluss eines ereignisreichen Tages für die drei.

Sie werden noch einige Jahre unter dem Schutz der Keeper hier leben, denn schließlich sind sie noch kleine Kinder und brauchen Milch und müssen viele Dinge über das Leben in der Wildnis und unter ihren Artgenossen lernen. Sie leben aber jetzt in einer Gegend, in der sie viel mit wilden Elefanten zusammentreffen werden, wie auch mit denen, die selbst einmal Waisen waren und jetzt unabhängig sind. Von all denen werden sie lernen können, was es heißt, als Elefant in Freiheit zu leben, damit sie diesen Schritt irgendwann einmal selbst gehen können. Und wer weiß: vielleicht sehen sogar Mapia und Malima irgendwann ihre Familien wieder, denn die beiden Dürre-Opfer kommen aus dieser Gegend, und ihre Verwandten streifen bestimmt noch irgendwo durch die Weiten Tsavos.

(übersetzt aus dem englischen Original)

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