Am 4. Dezember 2018 kam der große Tag für die Waisenkühe Malkia, Ndiwa und Sana Sana: in den frühen Morgenstunden wurden sie – nach ein paar Wochen Gewöhnungsphase – in den maßgeschneiderten Umzugs-LKW geführt, um ihren nächsten Schritt zurück zu einem freien Leben in der Wildnis zu tun. Die Waisen, die aus Nairobi in die Auswilderungsstationen gebracht werden, bekommen immer einige Wochen Zeit, um sich an das Einsteigen ins Fahrzeug zu gewöhnen, damit die Situation auf der Reise nicht zu ungewohnt für sie ist. Zusätzlich bekommen sie am Umzugstag auch noch ein leichtes Beruhigungsmittel, damit ihnen der Stress nicht zu sehr zusetzt. Beim Umzugstraining war Malkia immer die vorsichtigste; sie ließ sich kaum davon überzeugen, ganz in das Abteil zu gehen, und blieb immer mit einem Fuß draußen, damit sie zur Not schnell wieder zurückweichen konnte. Daher dachten alle, dass sie am Umzugstag die größten Probleme bereiten würde, denn Sana Sana und Ndiwa machten sich nichts daraus und gingen brav in den LKW, um darin ihre Milch zu trinken.

 

 

 

 

Die kleinen Waisen sind aber immer für eine Überraschung gut, und so marschierte Malkia, als es am Dienstag Morgen soweit war, als erste hinein und zögerte dabei kein bisschen! Stattdessen sorgte Ndiwa für ein wenig Durcheinander! Offenbar hatte sie Lunte gerochen, da alles viel ernster aussah als beim Üben und der LKW für die Fahrt vorbereitet worden war. Nach einer Weile bequemte sie sich aber doch in ihr Abteil, gleichzeitig mit Sana Sana, und das Tor wurde eilig hinter ihr verriegelt. So waren die drei gut verstaut, und drei Keeper stiegen mit ein. Mit jeder Menge frisch geschnittenem Grün in jedem Abteil und zahlreichen gefüllten Milchflaschen, um die Babys unterwegs bei Laune zu halten, war alles bereit für die Abfahrt. Meist lassen sich die Elefanten von dem leichten Schaukeln schon auf den ersten paar Metern einlullen, und sie warten geduldig bei ihren vertrauten Keepern ab, was da auf sie zukommt – und so war es auch diesmal.

 

Malkia, Ndiwa und Sana Sana steigen in Nairobi einDer Umzugs-LKW ist unterwegs
Der Konvoi mit der wertvollen Ladung brach gegen 3:30 Uhr am Waisenhaus auf. 250 Kilometer lagen vor ihnen, und im Nu hatten sie auf der Schnellstraße nach Mombasa die Vororte Nairobis hinter sich gelassen. Auf halber Strecke ging die Sonne am wolkenverhangenen Horizont auf, und der LKW hielt kurz an, damit die Keeper sich ein wenig die Beine vertreten und frisches leckeres Grewia für den Rest der Fahrt abschneiden konnten. Der Abschnitt von Kibwezi, wo die Route von der Schnellstraße abzweigt, bis Ithumba war bisher ein staubiger und holpriger Fahrweg, doch in letzter Zeit wurde hier eine asphaltierte Straße gebaut, die nun fast fertig ist. Daher ging dieser etwa 60 Kilometer lange Teil der Fahrt wesentlich reibungsloser und schneller vonstatten als früher. Nur die letzten 25 Kilometer durch den Nationalpark bleiben ein Fahrweg über die rote Erde Ithumbas.

 

 

Die Waisen bekommen unterwegs ihre MilchKurze Pause, bei der frisches Grün eingeladen wird
So war die Fahrt recht schnell vorbei, und bei leichtem Regen fuhr der LKW an der Auswilderungsstation in Ithumba vor und die Tore wurden geöffnet. Als die Waisen herauskamen, stand schon frische Milch bereit. Sana Sana ließ sich nichts anmerken und verhielt sich ganz wie sonst auch, Ndiwa schien auch relativ unbeeindruckt und konzentrierte sich ganz auf ihre Milchflasche, während Malkia ganz offensichtlich reichlich verwirrt von ihrer neuen Umgebung war. Sie ließ sogar ihre Milch links liegen! Doch die mitgereisten Keeper in ihren vertrauten grünen Jacken konnten die Neuankömmlinge bald beruhigen. Die Gruppe ging erst einmal zu den Tränken, wo die Keeper aus Ithumba in beigen Jacken sich mit ihnen bekannt machten.

 

 

Malkia, Ndiwa und Sana Sana kommen in Ithumba anMalkia und Ndiwa bekommen ihre erste Flasche nach der Reise
Die Neuankömmlinge folgen ihren KeepernSana Sana, Ndiwa und Malkia gehen zur Tränke
Inzwischen war es auch Zeit, dass die ersten der bereits in Ithumba lebenden Waisen ihre neuen Freunde kennenlernten. Mundusi, Esampu und Mteto kennen sie noch sehr gut, denn diese drei waren im Juni 2018 erst umgezogen; sie waren im Waisenhaus ein wenig sehr vorlaut geworden und hatten angefangen, die anderen herumzuschubsen, was häufig ein Anzeichen dafür ist, dass sie bereit sind, mit älteren Elefanten zusammen zu sein. Es gab eine überschwengliche Begrüßung, denn alle erinnerten sich natürlich aneinander. Sana Sana und Mundusi umrüsselten sich besonders ausführlich, was sehr rührend anzuschauen war. Dann kamen nach und nach – immer in Dreiergruppen – auch die restlichen der insgesamt 27 Ithumba-Waisen herunter, um die drei neuen Mädchen zu begrüßen.

 

 

Esampu, Malkia und NdiwaDie Waisen aus Ithumba lernen Malkia kennen
Mteto, Ndiwa, Mundusi, Esampu und MalkiaNaseku und Ndiwa
Die Sonne lugte nur vorsichtig hinter den Wolken hervor, sodass es relativ kühl war und Malkia, Ndiwa und Sana Sana sich ganz auf die Begrüßungen konzentrieren konnten, statt gleich mit dem deutlich wärmerem Wetter in Ithumba konfrontiert zu werden. Später beim Grasen draußen im Busch stiegen die Temperaturen allerdings, und die drei versuchten, sich durch wildes Wedeln mit den Ohren abzukühlen. Zum Glück gibt es nach den letzten Regenfällen überall kleine Pfützen und Wasserlöcher, und die Waisen ließen keine Gelegenheit zum Baden aus. Sie verteilten den kühlenden Schlamm großzügig auf ihrer Haut und spritzten ihn sich hinter die Ohren. Um 11 Uhr – Fütterungszeit in Tsavo wie auch in Nairobi – bekamen die Neulinge dann ihre nächste Milch. Bei der Mittagsfütterung konnte man kaum glauben, dass sie erst am selben Morgen angekommen waren, denn sie machten einen vollkommen entspannten Eindruck. Das zeigt wieder einmal, wie gut Elefanten mit ihren Artgenossen kommunizieren und ihnen alles beibringen können.

 

 

Die Waisen spielen ausgelassenNeulinge unter den Waisen
Malkia, Ndiwa und Sana SanaMalkia, Ndiwa und Sana Sana lernen das Schlammloch kennen
Der Rest des Tages verlief ohne besondere Vorkommnisse, und die Waisen grasten fleißig. Gegen 17:30 Uhr kamen sie dann wieder an der Auswilderungsstation an, bei dicken Wolken und einem herrlichen Regenbogen. Die drei Waisenhaus-Babys eilten in ihre Gehege, obwohl sie aus Nairobi einen ganz anderen Ablauf gewöhnt sind. Durch die Absperrung hindurch bekamen sie ihre Milchflaschen, und es war, als ob sie dies schon hundert Mal erlebt hätten!

 

 

Die Auswilderungsstation in Ithumba von obenSana Sana, Ndiwa und Malkia
Da es viel geregnet hat und alles grün ist, ließen sich die Ex-Waisen nicht blicken; zweifellos lassen sie es sich inmitten der üppigen Vegetation gutgehen und versammeln sich mit vielen ihrer Artgenossen draußen im Busch, wie Elefanten es um diese Jahreszeit tun. Malkia, Ndiwa und Sana Sana haben nun auch dieses Leben vor sich, und obwohl sie viel neues erleben werden, werden sie noch einige Jahre auf die Keeper und ihre Milchflaschen angewiesen sein. Es ist ein wichtiger neuer Lebensabschnitt für sie, aber sie haben noch einiges zu lernen. Irgendwann werden sie aber soweit sein, sich den wild lebenden Ex-Waisen in diesem herrlichen Schutzgebiet im Norden Tsavos, diesem Paradies für Elefanten, anschließen zu können.

 

(übersetzt aus dem englischen Original)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archiv