Über 150 Städte nahmen weltweit am diesjährigen Global March for Elephants and Rhinos teil. Es waren so viele wie noch nie, kein Wunder, standen bei der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), die vom 24. September bis 5. Oktober im südafrikanischen Johannesburg stattfindet, etliche Antrage für und gegen den Schutz von Elefanten und Nashörnern zur Abstimmung, die über die Zukunft beider Tierarten entscheiden.

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Wir berichten hier aus einigen der zehn deutschen Städte, die sich mit Infoständen, Demonstrationen und Veranstaltungen am GMFER beteiligten. Am Schluss folgt ein Bericht aus Johannesburg, wo sich über 1000 Menschen zur größten Demonstration versammelten.

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München, 15.09.2016

Den Auftakt machte München. Gerade rechtzeitig war der Lichtelefant von Christian Felix fertig-  geworden, um bei dieser Demo in der Fußgängerzone im Mittelpunkt zu stehen. Viele hundert Stunden hatte Christian Felix Schaltpläne erstellt und Tausende Leuchtdioden auf eine Rasterplatte gelötet. Mit großer Präzision wurde er nun aufgebaut und begann – begleitet von Trommelwirbel und Elefantentrompeten – erstmals zu leuchten, um seine Botschaft zu verbreiten: „HELP US!“

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Die Demonstration begann am späten Nachmittag und dauerte bis 20:30 Uhr, und so faszinierte der leuchtende Elefant die Zuschauer bei wechselnden Lichtverhältnissen. Vor Anbruch der Dämmerung erschien der beinahe lebensgroße Elefant durchscheinend, zart, verletzlich, während er bei völliger Dunkelheit dann aus reinem gleißenden Licht zu bestehen schien.

 

Unser Sprecher war Viktor Gebhart von einer befreundeten NRO, Animals United, der die Ohren der Passanten geschickt mit wichtigen Informationsbruchstücken zur Elefantensituation fütterte, und so brachten sowohl der Lichtelefant als auch Viktor Hunderte von Vorbeieilenden dazu, ihre Schritte zu bremsen und sich an unserem Infostand zu informieren, eine Petition gegen den Import von Jagdtrophäen zu unterschreiben und für Elefantenschutzprojekte in Afrika zu spenden.

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Wir denken, wir konnten mit unseren Aussagen viele Menschen erreichen und über die Gefährdung der Elefanten informieren.

 

 

Berlin, 18.09.2016

„(…) und auch wenn die Welt 10.000 Tränen weint, es ist euch egal, ihr wollt nicht sehen und lasst es geschehen(…)“

 

Vor dem Brandenburger Tor in der Hauptstadt Deutschlands erhob sich am Sonntag den 18. September eine Menschenmenge. Der Song „10.000 Tränen“ der Gruppe „Berge“ schallte über den Platz der Republik. Zehn Menschen lagen reglos in Elefantenkostümen vor dem Tor – nach Gewehrfeuer und Elefantengeschrei zu Boden gegangen. Täglich sterben in Afrika weitaus mehr Elefanten, wenn Wilderer den Dickhäutern gewaltvoll ihre Stoßzähne entwenden. 100 am Tag, 30.000 pro Jahr. Inzwischen sind die Elefantenpopulationen auf eine schaurig kleine Anzahl gesunken.

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Die Szenerie vor dem Brandenburger Tor ging unter die Haut. Sehr viele Passanten blieben stehen, informierten sich und unterschrieben eine Petition gegen den Import von Jagdtrophäen. Diese hat inzwischen 96.000 Unterstützer.

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Was aus der Lautsprecherbox von der Band „Berge“ schallte, – „es ist euch egal“, ist leider harte Realität. Elfenbein oder Elefanten? So fragten es die Aktivisten am Sonntag vor dem Brandenburger Tor. Nur eines ist in Zukunft möglich. Lebende Elefanten bedeuten den sofortigen Stopp jeglichen Handels von Elfenbein. Die Aktivisten werden nicht schweigen und bis zu Letzt kämpfen.

 

Hamburg, 24.09.2016

Seit dem 24. September tagen die Umweltverantwortlichen verschiedenster Länder auf der Artenschutzkonferenz in Johannesburg. Zur selben Zeit haben sich in Hamburg die Unterstützer der Vereine Rettet die Elefanten Afrikas, Rettet den Regenwald, Animals United, CACH-Gegen die Gatterjagd und vom Jane Goodall Institut versammelt. Mit Blick aufs Rathaus fand hier der Global March for Elephants and Rhinos statt.

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Untermalt von afrikanischen Rhythmen und hervorragenden Trommlern kämpften die Demonstranten für Gehör bei der Politik. Ihre Forderungen waren eindeutig: ein absolutes und endgültiges Handelsverbot für Elfenbein. Zudem sollen alle von der Ausrottung bedrohten Dickhäuter auf den höchsten Schutzstatus (von Anhang II auf Anhang I) gesetzt werden. Die Demonstranten setzten sich außerdem für einen verbesserten Schutz von organisierten Anti-Wilderer-Einheiten ein und forderten höhere Strafen für Wilderei.

 

Doch die verantwortlichen Politiker in der EU scheinen nichts sehen zu wollen und gehen auf die genannten Forderungen nicht ein. Der Lobbyismus und das Nicht-sehen-wollen der Politiker könnte dazu führen, dass in nur zehn Jahren die Elefanten ausgerottet sein werden.

 

Fast 70 Hamburgerinnen und Hamburger kämpften auf dem Jungfernstieg gegenüber dem Rathaus gegen das industrielle Morden der Dickhäuter. „Make the world a better place“, sang ein kleines Mädchen der Trommelgruppe. Die Tatsache, dass der Global March for Elephants and Rhinos in 150 Städten stattfindet, ermutigte.

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Eine junge Frau ergriff das Mikrofon und sagte mit Nachdruck: „Es ist ein Krieg im Gange. Krieg um Elfenbein, den die Elefanten nur verlieren können, wenn die Welt nicht jetzt aufwacht und die geforderten Maßnahmen ergreift.“ Das ging einigen Passanten sehr unter die Haut und rührte sogar zu Tränen.

 

 

Johannesburg, 24.09.2016

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Die Veranstaltung in Johannesburg war etwas ganz Besonderes, weil sie genau dort stattfand, wo die Artenschutzkonferenz am gleichen Tag beginnen sollte, über das weitere Schicksal von vielen Tierarten zu beraten. Ein Mitglied unseres Vorstands, Birgit Hampl, hat daran teilgenommen und unseren Verein damit repräsentiert.

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Am Sammelpunkt im George Lea Park war eine Bühne aufgebaut, auf der die Veranstalter des Global March for Elephants and Rhinos kurze Reden hielten. Shubert Mwarabu, der bekannte Sänger aus Tansania, war der Special Guest, der zwei seiner Lieder, die den dringend nötigen Schutz der Wildtiere zum Thema haben, vortrug. Nachdem sich der lang anhaltende Applaus gelegt hatte, setzten sich die etwa 1000 anwesenden Menschen in Bewegung, voran eine lebensgroße Nashornfigur auf einem Auto. Hier in Südafrika, wo die Wilderei auf Nashörner das größte Problem ist und wo die Gatterjagd auf Löwen eine abstruse Normalität darstellt, zielten viele der Transparente, Plakate und Banner speziell auf Nashorn- und Löwenschutz ab. Besonders für die Löwen begleitete der bekannte Kevin Richardson, der „Löwenflüsterer“, den Marsch. Auch Wildhüter, die im Busch jeden Tag im Krieg gegen die Wilderer ihr Leben für die Wildtiere aufs Spiel setzen, waren mit von der Partie.

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Der Marsch war sehr bunt, und trotz Hitze und anstrengendem Marschieren waren die Teilnehmer sehr motiviert, sangen Lieder und skandierten „What do we want?“ – „Appendix I“ – „When do we want it?“ – „Now!“ Und so kamen auch die Elefanten nicht zu kurz, denn dies galt den Elefanten, die den höchsten Schutzstatus von CITES Appendix I dringend brauchen.

Der Marsch ging direkt zum Eingang des Sandton Convention Centers, wo sich die CITES-Teilnehmer gerade auf die Eröffnungszeremonie der 17. Konferenz der Parteien („CoP17“) vorbereiteten. Als die skandierende Menge vor dem Eingang erschien, kamen viele Menschen heraus, um zu sehen, was da los war. Die Presse hatte den Marsch von Anfang an begleitet, und vor dem Convention Center gab es dann nochmal eindrucksvolle Foto- und Video-Gelegenheiten. Ausstrahlungen dieser Aufnahmen waren auch im deutschen Fernsehen zu sehen.

Das war genau das, was die Marschierenden weltweit sich erhofft hatten: Gehört und gesehen zu werden von den Teilnehmern der Artenschutzkonferenz und der Presse. Somit war der Marsch in Johannesburg nicht nur ein aufregendes Erlebnis, sondern auch ein eindeutiger Erfolg.

Wir bedanken uns sehr beim Verein Global March for Elephants and Rhinos, die die übergeordnete Organisation aller weltweiten Märsche nun zum dritten Mal übernommen und so erfolgreich durchgeführt hat.

Mit diesen Demonstrationen sind erneut Tausende von Menschen informiert worden über die äußerst kritische Lage von Elefanten und Nashörnern, und der Druck auf die Politiker erhöht worden, die richtigen Entscheidungen auf der Artenschutzkonferenz zu treffen.

 

 

Stuttgart, 24. 9. 2016- 

Solidarität mit Elefanten, Nashörnern und Löwen wurde am 24.9.2016 auch in Stuttgart demonstriert. Am Tag der Eröffnung der Artenschutzkonferenz in Johannesburg kamen rund 35 Menschen auf dem Schlossplatz zusammen, um zeitgleich mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf der ganzen Welt für die ikonischen Wildtiere ein Zeichen zu setzen.

Die großformatigen Elefanten- Nashorn- und Löwen-Bilder sowie eine große Skulptur des südafrikanischen Künstlers Hishaam Petersen lockten Passanten an den Stand und an die „Wall of Wishes“: Dort konnten Interessierte ihre Gedanken und Wünsche zu den Tieren verewigen. Unermüdlich schwärmten Aktivistinnen aus, um Unterschriften gegen Trophäenjagd zu sammeln und Flyer zu verteilen.

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„Die Elefanten zu verlieren wäre eine Tragödie“, sagte eine Vertreterin des Vereins Rettet die Elefanten Afrikas und forderte die höchste Schutzstufe für die akut bedrohten Grauen Riesen, ein absolutes und endgültiges Ende jeglichen Handels mit Elfenbein, sowie einen Stopp der Trophäenjagd. Der Aufforderung, an den Stand zu kommen, sich über die Situation und Aktionsmöglichkeiten zu informieren kamen viele Interessierte nach. Beim Wildtierquiz mit Fragen zu Elefanten, Nashörnern und Löwen ließ sich das Wissen über die Tiere testen. Unter anderem mit veganen Elefanten-Nashorn- und Löwen- Plätzchen wurden die Quizteilnehmer belohnt.-  Vor Ort war auch die Presse: Unter der Überschrift „Die Welt braucht Elefanten“ – dem Zitat einer Rednerin – berichteten die Stuttgarter Nachrichten über den Protest.

 

 

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