Phirilongwe Elefanten

Hintergrund

Die Phirilongwe-Herde besteht aus mehreren Familien und einzelnen Bullen und wird auf eine Größe von etwa 50-100 Tieren geschätzt. Die Elefanten im Phirilongwe Waldreservat und dem umliegenden Mponda Hills-Gebiet gehörten einst zu einer großen Herde, die einmal den gesamten Süden Malawis zwischen dem Shire-Fluss und den Golomoti-Bergen durchwanderte. Heute ist das Streifgebiet, das die Tiere früher ganz allein bewohnten, dicht von Menschen besiedelt. Im Bezirk Mangochi (am südlichen Ende des Malawisees) leben etwa 40.000 Menschen, und direkt an das Waldreservat grenzen mehr als 30 Dörfer. Hier wohnen vor allem Bauern mit ihren Familien, die von Landwirtschaft leben. In den letzten 50 Jahren wurde der Lebensraum der Elefanten zunehmend von Kleinbauern genutzt, und die Wanderkorridore werden nach und nach zerschnitten.

Inzwischen ist das Streifgebiet der Phirilonwe-Elefanten auf eine 25 km lange und 10 km breite Fläche zusammengeschrumpft, und auf der Suche nach Futter und Wasser zerstören sie Maisfelder und Bananenstauden der Kleinbauern und fressen deren Vorratsspeicher leer. Weil sie dabei so nah an menschliche Siedlungen gelangen, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zur direkten Konfrontation. Zwischen 2004 und 2008 sollen nach Angaben der Behörde für Nationalparks und Wildlife (DNPW) in Malawi mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen seien. Die Dorfbewohner wiederum beschossen die Elefanten mit Gewehren und Pfeilen oder legten Schlingfallen, Fangeisen und vergiftete Früchte aus. Mit langen Nägeln gespickte Holzbretter wurden auf die Wanderpfade der Dickhäuter gelegt, die sie sich in die Füße eintraten und damit weiter herumlaufen mussten. Die Bauern haben mindestens acht Elefanten getötet und ließen außerdem viele schwer verletzte und somit auch besonders aggressive Tiere zurück.

Der DNPW hat keine Mittel für eine Entschädigung der Bauern und weder genügend Personal noch Ausrüstung, um in der Region zu patrouillieren und bei Auseinandersetzungen schützend einzugreifen. Als Ende 2008 erneut zwei Menschen ums Leben kamen, befasste sich der Staatspräsident mit dem Problem und erteilte der Spezialfirma Conservation Solutions (www.conservationsolutions.info) im Februar 2009 das Mandat, zusammen mit dem DNPW alle Elefanten aus dem Phirilongwe Waldreservat umzusiedeln.

Die Umsiedelung

Die Elefanten werden seit Anfang Juni 2009 ins 250 km entfernte Majete Game Reserve umgesiedelt. Es ist 690 km² groß und eines von zwei Schutzgebieten in Malawi, das über einen elefantensicheren Elektrozaun verfügt. 2008 wurden durch die gleiche Spezialfirma schon 64 Elefanten aus dem Liwonde Nationalpark erfolgreich hierher umgesiedelt. 70 Elefanten lebten bereits vorher in Majete. Im Mai wurde die Bevölkerung um das Phirilongwe Waldreservat über das Vorhaben informiert und einige Zufahrtsstraßen ausgebaut. Am 8. Juni begann die Aktion. Die Tiere müssen im Phirilongwe Waldreservat aus der Luft in für die Trucks zugängliche Gebiete getrieben werden, denn im Reservat selbst gibt es kaum Straßen. Dann werden sie betäubt und in Seitenlage auf die Trucks verladen. Dort werden sie tiermedizinisch überwacht, bis sie wieder zu Bewusstsein kommen. Danach beginnt die sechs- bis siebenstündige Reise nach Majete, die von Beamten der malawischen Verkehrsbehörde begleitet wird. Nach ihrer Ankunft werden die Elefanten in einem provisorischen Auffanglager untergebracht, bis sie wieder völlig zu sich gekommen sind und sich orientiert haben. Danach werden sie in die Freiheit ins Majete Wildreservat entlassen. Da Einzeltiere in den verschiedenen Familiengruppen der Herde mit Peilsendern ausgerüstet sind, werden die Elefanten in den nächsten Monaten weiterhin beobachtet werden können.

Bei einer Zählung aus der Luft im Oktober 2007 wurden 57 Tiere ermittelt. Ende Juni 2009 hatte man nun 37 Elefanten nach Majete umgesiedelt. Bei mehr als 25% der Tiere wurden schwere Verstümmelungen festgestellt: abgestorbene Rüsselspitzen, Einschusslöcher sowie tiefe Narben und verstümmelte Gliedmaßen durch Fangeisen. Eine Kuh trug sogar seit Jahren eine Schlingfalle um ihren Hals.

Die Notfallhilfe durch REA

Unter den Tieren befanden sich einige Familiengruppen, die in den Jahren zuvor keine Halsbänder bekommen hatten und in den Zählungen aus 2007 somit nicht enthalten waren. Am 4. Juli 2009 wurden 83 Tiere gezählt, über weitere drei Bullen gibt es Gerüchte, die derzeit von Wildhütern des DNPW überprüft werden. Das heißt, dass mindestens 20 Tiere mehr als geplant nach Majete verbracht werden müssen. Da sich die Kosten für ein Einzeltier auf etwa 2.000 Euro belaufen, müssen die fehlenden Gelder nun schnellstmöglich aufgebracht werden, denn es wäre unverantwortlich, auch nur ein Tier in Phirilongwe zurückzulassen - sowohl für die Elefanten selbst als auch für die Menschen vor Ort.

Um diese unvorhergesehene Fortführung der Aktion zu gewährleisten, hat sich unser Verein an der Bereitstellung der dafür dringend erforderlichen Mittel beteiligt. Dadurch können jetzt alle Elefanten umgesiedelt werden und ein stressfreies Leben in der neuen Heimat führen.

Wieder einmal konnte unser Verein durch eine spontane Hilfsaktion Elefanten retten, und ich konnte mich bei einem Besuch im Majete Park davon überzeugen, wie gut es den Phirilongwe Elefanten dort geht. Da diese Elefanten im äußeren, für Touristen gesperrten Schutzgebiet angesiedelt worden sind haben sie dort die optimale Möglichkeit, sich ungestört an ihre neue Umgebung zu gewöhnen.

Unser 1. Vorsitzender Thomas Töpferbesuchte mit Jes Gruner, dem technischen Leiter des Majete Parks, die umgesiedelten Elefanten in ihrer neuen Heimat. In dem 70.000 Hektar großen Park bekam er gleicht die Chance, eine Gruppe aus den 83 Elefanten zu finden. Er hatte richtig viel Glück und konnten eine Gruppe von 16 Elefanten über drei Stunden lang beobachten und fotografieren. "Die Tiere waren trotz der kürzlichen Übersiedlung sehr ruhig, und wir konnten uns bis auf 20 Meter nähern, ohne dass sich die Tiere gestört fühlten." berichtet Thomas Töpfer in seinem jährlichen Rundbrief.

Pirilongwe Elefanten

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