Wüstenelefanten Mali

SCHLIMMSTE DÜRRE SEIT 26 JAHREN BEDROHT DIE LETZTEN WÜSTENELEFANTEN IN WESTAFRIKA

Nach einem Hilfeaufruf von Dr. Iain Douglas-Hamilton „Save the Elephants“ an unseren Verein spendeten wir 2009 spontan die noch benötigten Gelder für ein einzigartiges Projekt zur Rettung der letzten Wüstenelefanten in Westafrika. Für solche Aktionen hält REA immer einen "Notgroschen" bereit - und wir hoffen nun auf Ihre Hilfe, um unsere Kasse wieder etwas aufzustocken.

Die Zukunft einer Herde seltener Wüstenelefanten in Mali wurde von einer der schlimmsten Dürren seit Menschengedenken bedroht. Der Wasserstand war am Ende dieser Trockenzeit (Ende Mai) auf dem niedrigsten Niveau seit einem Vierteljahrhundert wodurch das sonst so friedliche Zusammenleben von Elefanten und einheimischen Viehhirten bedroht ist. Die 350 bis 450 Elefanten in Gourma gehören zur letzten Herde, die so weit nördlich in Afrika, hier in der Sahelzone am Rande der Sahara, zu Hause ist. Sie haben sich den harten klimatischen Bedingungen angepasst, in dem sie sehr lange Strecken auf der Suche nach Futter und Wasser zurücklegen und trotz des kargen Angebot dieses Ökosystems überleben können.

Die Jungtiere sind von der Dürre am schlimmsten betroffen, denn anders als bei den großen Bullen sind ihre Rüssel nicht lang genug um das noch übrig gebliebene Wasser am Grund der Wasserlöcher zu erreichen. Es wurden bereits sechs tote Elefanten gefunden. Vier weitere, darunter drei Kälbchen, wurden vor Kurzem aus einer flachen Grube befreit, in die sie auf der Suche nach Wasser hineingefallen waren. Nur der Größte überlebte.

Jake Wall, der für „Save the Elephants“ forscht,  berichtet:

Es gibt jetzt nur noch sehr wenige Möglichkeiten für die Elefanten, um an Wasser zu kommen, und wir beobachten immer unregelmäßigere Wanderungen auf ihrer Suche nach Futter und Wasser, immer weiter weg von ihrer üblichen Wanderroute. „Anfang Mai gab es ein paar kleine Schauer etwa 20 km südlich von Banzena, die ein paar Senken wieder ein bisschen füllten. Diese reichten aber nur für ein paar Tage und jetzt müssen die Elefanten wieder in den Norden an den fast ausgetrockneten See ziehen.“ In einem ausgetrockneten See ca. 50 km östlich von Banzena, versuchten sich sechs Bullen zu helfen, indem sie sich auf den Boden knien und mit ihren Rüsseln so tief wie möglich in ein Loch vordringen, das die Touareg gegraben haben, um an das Wasser in drei Meter Tiefe zu gelangen. Die jüngeren Elefanten, die noch nicht so groß und geschickt sind, können das Wasser kaum erreichen. Die langen Wegstrecken, hohe Temperaturen und der geschwächte Gesundheitszustand setzen vor allem ihnen zu. Mittlerweile ist einer der sechs Bullen verdurstet.

“Ich habe selbst erlebt, wie schwierig die Situation für die Jungtiere werden kann. Letztes Jahr, während einer Aktion, in der wir Tiere mit Sendern ausgerüstet haben, sah ich drei Elefantenkälber, die in einem Schlammloch gefangen saßen – zusammen mit einer halbwüchsigen Kuh. Das Altersmuster dieser Gruppe ließ vermuten, dass sie ihre Leitkuh verloren hatten. Die halbwüchsige Kuh hatte die Jüngeren offensichtlich in eine wasserarme Region geführt. Als sie dann auf dieses Loch stießen, das die Hirten zum Tränken für ihre Rinder ausgehoben hatten, sind sie beim Versuch zu saufen, wohl hineingefallen und im Schlamm stecken geblieben – für drei Tage! Unser Team zog sie nacheinander heraus, aber sie waren schon so schwach, dass nur das ältere Weibchen überlebte. Wir haben ihm ein GPS-Halsband angelegt und konnten danach verfolgen, wie rasend schnell es die 80 km zum Banzena-See zurücklegte.“

Jake Wall erklärt, dass es für die Elefanten in Gourma dieses Jahr sehr knapp war. Zum Glück haben Ende Mai endlich leichte Regenfälle eingesetzt und die Elefanten wieder in den Süden gelockt. Ansonsten wären sie gezwungen gewesen, am nunmehr völlig vertrockneten Banzena-See zu bleiben. Die Stimmung zwischen den Hirten und den Elefanten war inzwischen sehr angespannt und wäre wohl bald eskaliert. Die Elefanten suchten verzweifelt etwas Ruhe in Banzena und fanden einen Ort, der mit Menschen und Viehherden völlig übervölkert war. Das ist die eigentliche Tragödie in Gourma. Die Mali-Elefanten sind normalerweise bemerkenswert tolerant gegenüber Menschen. Jake Wall: „Ich habe es selbst schon miterlebt, dass eine Ziege direkt neben dem Fuß eines sechs Tonnen schweren Elefantenbullen graste, der sich davon überhaupt nicht beeindrucken ließ.“ Umgekehrt werden die Elefanten auch von den Nomaden akzeptiert. Sogar das Gegenteil ist manchmal der Fall, denn die Elefanten reißen Zweige von den Bäumen, die die Hirten an ihre Ziegen verfüttern. Außerdem folgen sie den Elefanten manchmal auf der Suche nach Wasser. Sie haben niemals Elfenbein gewildert oder benutzt. Letztes Jahr sah ich einen halbverwesten Elefantenkörper eines großen Bullen. Seine massiven Stoßzähne waren unberührt. Doch das Schicksal der Elefanten ist unwiderruflich vernetzt mit den Menschen in Gourma, und wenn sie keine Elefanten-Schutzgebiete bekommen, in die nur sie allein sich zurückziehen können, werden sie bald ganz aus Mali verschwinden.

Die Elefanten werden dieses Jahr überstehen, da der Regen eingesetzt hat und weil ihnen sofort geholfen werden konnte – durch die Instandsetzung der Wasserpumpen und dem betonierten Wasserspeicher.

Wüstenelefanten Mali

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