ATE News: April und Mai 2022

Ann von den AAs mit ihren Kälbern.

April und Mai sind normalerweise die niederschlagsreichsten Monate in Amboseli, doch in diesem Jahr waren die Regenfälle fast vollständig ausgeblieben, und anstelle der „Großen Regenzeit“ gab es den Beginn einer neuen schlimmen Dürreperiode. Auf die Elefanten und andere Wildtiere, die Menschen der umliegenden Gebiete und ihr Vieh werden harte Zeiten zukommen, bis es Ende Oktober oder Anfang November hoffentlich wieder regnet. Wasser als solches ist in Amboseli zwar immer in den Sümpfen zu finden, doch die Weideflächen veröden, und die Nahrung wird knapp.

Viele Elefanten – auch solche, die sonst meistens außerhalb des Parks unterwegs sind –  kehrten in das Zentrum des Schutzgebiets zurück. Hier finden sie in den Sumpfgebieten während der Trockenzeiten noch die verlässlichsten und ergiebigsten Nahrungsressourcen.

 

Elefanten am Rand eines Sumpfes.
Elefanten am Rand eines Sumpfes

 

Die Situation war allerdings auch gerade deshalb sehr schwierig, weil es in den Jahren zuvor ungewöhnlich viel geregnet hatte. Dadurch waren die Bestände der Wildtiere und des Viehs stark angewachsen, was nun zu einem besonders starken Druck auf die verbliebene Nahrung führte.

Die Zahl der Gnus und Zebras in Amboseli war so hoch wie nie zuvor, seit der Amboseli Trust for Elephants (ATE) vor 50 Jahren mit seinen Aufzeichnungen begonnen hatte. Und auch bei den Elefanten hatte es im Jahr 2020 einen Baby-Boom gegeben, der ihre Population um fast 240 Tiere anwachsen ließ.

 

Die Zahl der Wildtiere in Amboseli ist sehr groß.
Die Zahl der Wildtiere in Amboseli ist sehr hoch

 

Grundsätzlich kommen Elefanten mit Trockenzeiten relativ gut zurecht, und so war die Situation für sie bis jetzt noch nicht wirklich problematisch. Die kommenden Monate werden allerdings für alle sehr hart werden, denn eine echte Dürre ist mit einer normalen Trockenzeit nicht vergleichbar.

Und wenn auch Dürren in Amboseli keine Seltenheit sind, sondern dort zum Leben der Tiere und Menschen gehören, so bedeutet das nicht, dass es einfach ist, sie zu bewältigen.

Leider nimmt die Häufigkeit extremer Trockenzeiten infolge des Klimawandels deutlich zu, und weitere Faktoren wie menschliches Bevölkerungswachstum und Änderungen in der Landnutzung verschlimmern ihre Auswirkungen noch.

Bei den Elefanten kommt es jetzt wieder besonders auf die Erfahrung der Matriarchinnen an. Diese haben im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit solch harten Bedingungen zurechtzukommen. Das ist sehr vorteilhaft, da so möglichst viele der letzten Nahrungsressourcen genutzt werden können.

 

Die OB-Familie kehrt in den Park zurück.
Die OB-Familie kehrt in den Park zurück

 

Manche Familien wie die EBs und PCs waren noch außerhalb des Parks unterwegs, um dort die letzten Weideflächen zu nutzen. Das ATE-Team bekam sie daher im April und Mai gar nicht zu sehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie aber im Juni zurückkehren, wenn Nahrung fast nur noch in den Sümpfen und einigen benachbarten Wäldern zu finden sein wird.

Viele Elefanten hielten sich aber bereits jetzt innerhalb des Parks auf; darunter relativ standorttreue Familien wie die AAs, GBs, FBs oder OAs, die man das ganze Jahr über fast immer im Park antrifft, aber auch Familien, die gewöhnlich außerhalb der Parkgrenzen umherziehen und deshalb nur selten zu sehen sind wie beispielsweise die QBs und die ZCs, die normalerweise viel Zeit in Tansania verbringen. In beiden Familien gab es neue Kälber, die das ATE-Team noch nie zuvor gesehen hatte. Es war sehr erfreulich festzustellen, dass diese relativ kleinen und nur schwer verfolgbaren Familien Zuwachs erhalten hatten.

 

Die QB-Familie ist in den Park zurück gekehrt.
Auch die QB-Familie ist in den Park zurück gekehrt

 

Die KAs, die sich gerne im nördlichen Teil des Ökosystems aufhalten, kamen ebenfalls in den Park zurück und auch bei ihnen gab es mehrere neue Kälber. Diese Familie wurde von einem Musth-Bullen namens Kijana begleitet. Kijana ist der Sohn Kleos aus der KB2-Familie und wurde 1994 geboren. Er ist ein ruhiger und gutaussehender Bulle. und die KA-Kühe hatten ihn gerne in ihrer Gesellschaft.

Bei vielen Familien, vor allem den größeren, waren nur sehr selten alle Mitglieder zusammen. Meistens teilten sie sich in kleinere Gruppen auf, für die es einfacher war, ausreichend Nahrung zu finden. Dieser Strategie folgten beispielsweise die AAs, die FBs, die GBs und die OAs.

 

Angelina von den AAs mit ihrem überlebendem Zwillingskalb.
Angelina von den AAs mit ihrem überlebendem Zwillingskalb

 

Die AAs hielten sich oft in der Nähe des ATE-Camps auf. Sie waren gleich in mehrere Gruppen aufgeteilt, die aber nah genug beieinander blieben, um miteinander kommunizieren zu können – vor allem über Töne im (für menschliche Ohren unhörbaren) Infraschall-Bereich. Angelina war zusammen mit ihren Kälbern unterwegs. Ihre kleine Tochter hat ihre Größe seit dem Verlust ihres Zwillingsbruders fast verdoppelt. Dass sie nicht mehr um die Milch konkurrieren muss, hat ihr sehr gut getan, was sich an ihrem enormen Wachstum während der letzten Monate deutlich zeigte.

Astrid wurde ungewöhnlicherweise fast nur mit ihren jüngeren Kälbern gesehen, ohne ihre ältere Tochter Annan. Erst später im Mai waren sie wieder zusammen.

Dafür war Anson, der verwaiste Sohn Alexandras, oft bei Annan. Dank der Unterstützung durch die anderen Familienmitglieder geht es ihm sehr gut.  Einmal kam er zusammen mit Annan und ihrem Kalb direkt in das ATE-Camp, um hier den ganzen Vormittag über zu weiden. Die AAs fühlen sich inzwischen sowohl innerhalb wie außerhalb des Camps sehr wohl – bisher ein Privileg der  EB-Familie. Die EBs sind in den letzten Jahren allerdings immer häufiger außerhalb des Parks unterwegs gewesen, und so ist zu hoffen, dass sie nicht zu verärgert sind, wenn sie bei ihrer Rückkehr ihre bevorzugten Weidegründe bereits besetzt vorfinden.

 

Annan, die Tochter Astrids, der Matriarchin der AAs.
Annan, die Tochter Astrids, der Matriarchin der AAs

 

Abra und Acholi bildeten mit ihren Kälbern ebenfalls eine eigene Gruppe und hielten sich etwas entfernter von Astrid und Angelina auf. Sie hatten einen jungen Bullen aus der IAIC-Familie namens Ibrahima in ihrer Mitte. Er wurde 2002 von Isla geboren und lebt bereits unabhängig. Unabhängige Elefantenbullen verbringen oft Zeit mit Familiengruppen, und speziell Ibrahima kannte die AAs schon, als er noch ein kleines Kalb war, da seine Familie dieselben Weidegründe wie die AAs nutzt (Elefantenfamilien sind nicht besonders territorial, und verschiedene Gruppen können dasselbe Gebiet gemeinsam nutzen). Die AAs fühlten sich in seiner Gegenwart sehr wohl, und es wirkte als wäre er ein Teil der Familie. Wer nicht über das Wissen des ATE-Teams verfügt, wäre kaum auf die Idee gekommen, dass Ibrahima nur ein Gast war.

Eine AA-Gruppe wurde von Ann geführt, die erst Ende letzten Jahres ein Kalb geboren hatte. Erfreulicherweise ging es ihm bis jetzt sehr gut.

 

Ann von den AAs mit ihren Kälbern.
Ann von den AAs mit ihren Kälbern

 

Ann's jüngstes Kalb.
Anns jüngstes Kalb

 

Die OAs und die FBs waren ebenfalls oft in den Sümpfen anzutreffen, allerdings ziemlich weit verstreut. Auch sie machten alle noch einen recht stabilen Eindruck.

Fadila und Fizz waren mit ihren Kälbern zusammen, doch ohne Fanny. Fadila, Fizz und Fezara sind die Töchter von Felicity und bleiben immer zusammen. Schwestern sind in Elefantenfamilien sehr eng miteinander verbunden und versuchen auch dann, wenn die Familie sich aufteilen muss, in einer Gruppe zu bleiben.

Möglicherweise war Fanny gar nicht so weit von ihnen entfernt und konnte nur nicht entdeckt werden. Das ist leicht möglich, da man Elefanten nur schwer identifizieren kann, wenn sie sich tiefer im Sumpf befinden.

 

Elefant mit Kuhreiher mitten im Sumpf.
Elefant mit Kuhreiher mitten im Sumpf

 

Gails Gruppe von den GBs wurde oft in der Nähe des ATE-Camps angetroffen. Dies scheint inzwischen ihr bevorzugtes Streifgebiet zu sein. Das ATE-Camp liegt in einem Wald mit vielen Palmen, Akazien und kleineren Sumpfflächen, die den Elefanten vor allem in den trockenen Monaten viel Nahrung bieten. Zahlreiche Elefanten durchqueren diesen Wald, aber nur wenige bleiben länger hier. Gails Gruppe ist immer öfter unter denjenigen zu finden, die sich in der Umgebung des Camps aufhalten. Golda war hingegen meistens in einem anderen, aber nahe gelegenen Gebiet anzutreffen, wo auch viele weitere Elefanten versammelt waren. Bisher sehen alle GB-Familienmitglieder gut aus, und ihre Kälber sind in bester Verfassung.

Einmal wurden Gail und Galileo gesehen, wie sie mit ihren Kälbern im Sumpf nach Nahrung suchten. Die Kälber folgten ihren Müttern allerdings nicht hinein, sondern warteten am Rande des Sumpfes auf sie. Das ist eine gute Strategie. Wenn Kälber ihren Müttern in die Sümpfe folgen müssen, so strengt sie das stundenlange Waten durch den Schlamm sehr an. Außerdem können die Kälber während dieser Zeit kaum gesäugt werden. Es ist für den Nachwuchs viel weniger anstrengend, wenn sie am Rand des Sumpfes zurückbleiben können – idealerweise unter der Aufsicht einiger Kindermädchen. Familien, die ihre Kälber gewöhnlich mit in die Sümpfe nehmen, haben leider oft eine sehr hohe Kälbersterblichkeit.

 

Elefanten teilen die Weideflächen mit anderen Tieren.
Die Elefanten in Amboseli teilen die Weideflächen mit vielen anderen Tieren

 

Noch sind die Elefanten Amboselis mit der sich anbahnenden Dürre zurecht gekommen. Man kann nur hoffen, dass ihnen dies auch während der folgenden Monate gelingt. Noch besser wäre es, wenn es zwischendurch einmal regnen würde, doch diese Chance ist sehr gering. Wahrscheinlich werden die Elefanten bis Ende Oktober oder Anfang November auf den Regen warten müssen.

Iman, das 50. wild geborene Elefantenbaby der Waisen des Sheldrick Wildlife Trust!

(übersetzt aus dem englischen Bericht des Sheldrick Wildlife Trusts; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)

Vor kurzem erblickte wieder ein neues Elefantenkalb das Licht der Welt im Norden des Tsavo-Nationalparks in Kenia. Ex-Waise Ithumbah stellte den Keepern der Auswilderungsstation des Sheldrick Wildlife Trust (SWT) in Ithumba ihr kleines Baby vor, das nur wenige Stunden zuvor geboren wurde! Und es ist ein kleiner Meilenstein, denn es ist das 50. Baby der vom SWT geretteten und aufgezogenen Waisen-Elefanten, die jetzt wieder in der freien Wildbahn leben.

 

 

Auch für Ex-Waise Ithumbah selbst ist es natürlich ein großes Ereignis, genauso wie für die wilde Elefanten-Population in Kenia: 50 kleine Elefanten (manche davon gar nicht mehr so klein!) können heute ein freies Leben in der Wildnis führen — dank vieler geretteter Leben vor etlichen Jahren.

Für das Team  der Auswilderungsstation in Ithumba ist es etwas ganz Besonderes, dass nun Ithumbah Mutter geworden ist, denn hier wurde die heutige Elefantendame von klein auf an aufgezogen. Eines Morgens im September 2010 – die Gegend hier litt gerade unter einer unerbittlichen Trockenzeit – lieferte Chef-Keeper Benjamin Steine für die Staumauer des Ithumba-Sees ab. Als sich Benjamin den See mit seinem gesunkenen Wasserspiegel genauer anschaute, entdeckte er im schwarzen Matsch ein kleines Elefantenkalb. Es war offenbar in der Nacht steckengeblieben, und der Familie war nichts anderes übrig geblieben, als es zurückzulassen. Es grenzte an ein Wunder, dass es nicht in der Nacht Opfer von Raubtieren geworden war!

Anstatt es ins Waisenhaus nach Nairobi zu bringen, wurde beschlossen, das kleine Eli-Mädchen in Ithumba aufzuziehen – in der Hoffnung, dass sie bald mit ihrer Mutter und ihrer Herde wiedervereinigt werden könnte. Angesichts des Ortes, an dem sie aufgefunden worden war, nannten die Helfer des SWT sie Ithumbah.

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie erfüllte sich für Ithumbah nicht, aber dafür fand sie eine neue Familie in der Auswilderungsstation. Sie war zwei Jahre alt, als sie gerettet wurde, und war bald der Liebling von Loijuk, damals Leitkuh der Waisenherde. Loijuk nahm Ithumbah unter ihre Fittiche, und während sie aufwuchs, lernte sie nach und nach ihre Unabhängigkeit  zu schätzen, mit tatkräftiger Unterstützung von Yatta, Kinna und Galana und ihren Freundinnen. Nachdem sie schließlich wieder ausgewildert war, fand sie ihren Platz unter den Ex-Waisen und wurde ein beliebtes Kindermädchen für etliche neugeborene Babys.

In letzter Zeit deutete sich an, dass Ithumbah bald selbst Mutter werden würde. Während der letzten knapp zwei Jahre beobachteten die Keeper, wie ihr Bauch immer runder wurde, wann immer sie zu Besuch kam. Aber niemand hatte damit gerechnet, dass das freudige Ereignis so dicht bevorstand! An einem Montagabend besuchten Ithumbah und ihre Kollegen die Stallungen, genehmigten sich etwas Luzernen-Heu und sagten ihren alten Freunden „hallo“. Ithumbah sah dick und rund aus, aber nichts deutete darauf hin, dass sie schon in ein paar Stunden Mutter werden würde.

Am Tag darauf, am 12. Juli 2022, war der stellvertretende Chef-Keeper Emmanuel gerade auf dem Weg vom Schlammloch zurück zu den Stallungen, als Ithumbah plötzlich im Gebüsch auftauchte. Sie kam auf ihn zu und hatte ein kleines, frisch geborenes weibliches Kalb dabei! Emmanuel begleitete die beiden zur Auswilderungsstation, wo Ithumbah zur Belohnung erst einmal eine Portion Luzerne-Pellets bekam, während Emmanuel sich das neugeborene Elefantenbaby anschaute. Die kleine Iman, wie sie von den Keepern genannt wurde, ist gesund und munter, und Emmanuel kann berichten, dass sie aufgeweckt und kräftig ist und schon mit großen Augen und einer ordentlichen Portion Neugier durch die Welt geht!

Wie es zur Tradition unter den Ex-Waisen geworden ist, hat Ithumbah damit ihr Neugeborenes erst einmal den Menschen vorgestellt, die sie aufgezogen haben. Und die Keeper sind jedes Mal, wenn sich so etwas zuträgt, wieder begeistert – obwohl sie es inzwischen schon häufig erlebt haben! Sobald ein Elefant einen Menschen erst einmal ins Herz geschlossen hat, bleibt es das ganze Leben so!
Es ist rührend zu sehen, dass Ex-Waisen wie Ithumbah, die nun wieder ein eigenständiges Leben in der Wildnis führen, ihre früheren Keeper trotzdem noch als ihre Ersatz-Familie ansehen. Und diese wird nun miterleben können, wie Iman an der Seite ihrer Mutter in der Wildnis aufwächst – genau so, wie es für Elefanten sein sollte.

Die Waisen im Mai

Die Waisen genießen ihre Milch

               

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Die Waisen im April

Mutara und Mambo

               

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ATE News: Februar und März 2022

Keira von der KA-Familie in Begleitung von Kuhreihern

Im Februar und März diesen Jahres war es in Amboseli ungewöhnlich heiß und trocken. Daher kehrte eine große Zahl von Elefanten in den Park zurück, wo ihnen die Sümpfe auch jetzt noch Wasser und Nahrung boten. Unter ihnen befanden sich viele Familien und Bullen, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte, und erfreulicherweise waren alle in guter Verfassung. Für das Team des Amboseli Trust for Elephants (ATE) war es daher eine großartige Zeit, die allerdings auch viel Arbeit mit sich brachte. Denn nun galt es die einzelnen Elefanten zu identifizieren und zu versuchen. von ihnen neue, aktuelle Fotos zu machen, mit deren Hilfe man sie auch künftig wieder leicht erkennen kann. Doch das ist natürlich eine Arbeit, der alle mit großer Freude nachgehen.

 

Cecilia und ihre Kälber von der CB-Familie beim Trinken
Cecilia und ihre Kälber von der CB-Familie beim Trinken

 

Das trockene und heiße Wetter ist für Amboseli zu dieser Jahreszeit typisch. Allerdings gibt es im Februar normalerweise noch einige kühle Brisen, und erst  im März wird es richtig heiß. Das war dieses Jahr etwas anders, und die große Hitze begann bereits einen Monat früher. Tagsüber stiegen die Temperaturen auf 35 bis 38 Grad Celsius.

Für das ATE-Team brachte das einige Erschwernisse mit sich. Das Team wohnt und arbeitet in Zelten, die zwar sehr gemütlich sind, sich aber bei den hohen Temperaturen trotz Schattendächern stark aufheizen. Lässt man sie offen, so dass der Wind für etwas Abkühlung sorgen kann, so muss man tagsüber aufpassen, dass die hier lebenden Meerkatzen nicht eindringen und ein ordentliches Durcheinander anrichten. Nachts muss man die Zelte unbedingt verschließen, um nicht Myriaden von Stechmücken zu einem Besuch einzuladen. Doch das Team ist an diese kleinen Herausforderungen gewöhnt, und alle haben eigene Strategien entwickelt, um damit klarzukommen – genau wie die Elefanten.

 

Grüne Meerkatzen sind ebenfalls in Amboseli zu Hause
Grüne Meerkatzen sind ebenfalls in Amboseli zu Hause

 

Die Elefanten passten ihre täglichen Aktivitäten den Gegebenheiten an. Eine große Zahl von ihnen zog während der heißen Tagesstunden in die Sümpfe, wo sie Wasser und Sumpfvegetation fanden. Nachts wanderten sie dann zum Grasen auf die Weidegründe der lokalen Gemeinden außerhalb des Parks. Diesem Rhythmus folgten beispielsweise Familien wie die CBs, FBs, GBs, IBs, KAs, OAs und PAs.

Bei den FBs machte das ATE-Team die erfreuliche Feststellung, dass Floppys weibliches Kalb, welches im Oktober noch gefährlich dünn ausgesehen hatte, inzwischen deutlich stabiler wirkte. Angesichts der teilweise sehr harten zurückliegenden Monate ist das ein echter Beleg für Floppys großartige mütterliche Fähigkeiten sowie für die Unterstützung, die sie durch ihre Familie erhalten hatte.

Den GBs ging es ebenfalls sehr gut. Sowohl Gails als auch Goldas‘ Gruppen wurden beobachtet, und manchmal waren beide sogar zusammen, was einen sehr schönen Anblick bot.  Zusammen sind sie eine riesige Familie von über 50 Elefanten.

 

Abends ziehen viele Elefantenfamilien in die Weidegründe außerhalb des Parks
Abends ziehen viele Elefantenfamilien in die Weidegründe außerhalb des Parks

 

Gigabytes vier Jahre alte Tochter hatte einen neuen und sehr auffälligen Schnitt an ihrem Ohr. Solche Kerben, Löcher und Risse sind das Hauptmerkmal, das ATE zur Identifizierung von Elefanten verwendet. Bei den meisten Elefanten kommen im Laufe ihres Lebens immer wieder neue Risse und Löcher hinzu. Meistens passiert das auf ihren Wanderungen und beim Fressen. Viele Sträucher und Bäume in Amboseli sind sehr dornig, aber das schreckt die Elefanten nicht ab, sich trotzdem bei ihnen zu bedienen. Man kann oft sehen, wie sie vorsichtig selbst die stacheligsten Akazienzweige fressen.

In einigen Teilen des Parks gibt es sehr dichte Akazienwälder, welche die Elefanten lieben. Gerade hier kommt es aber auch immer wieder zu kleineren Verletzungen an den Ohren. Nur sehr wenige Elefanten erreichen das Erwachsenenalter mit völlig unverletzten Ohren. ATE bezeichnet diese als „saubere“ Ohren, und auch dies hilft bei der Identifizierung, da sie eben nur selten vorkommen.

Die KAs machten ebenfalls einen guten Eindruck und sorgten für eine freudige Überraschung, weil sie ein neues Kalb in ihrer Mitte hatten. Allerdings ist die Geburt eines Kalbs in so harten Zeiten natürlich auch eine große Herausforderung für die Mutter und die gesamte Familie. Doch einige Kühe der KA-Familie, wie zum Beispiel Keira, besitzen bereits viel Erfahrung mit schweren Zeiten, und so hat das Neugeborene trotzdem gute Chancen.

 

Das neugeborene Kalb der KA-Familie
Das neugeborene Kalb der KA-Familie

 

Placida verbrachte mit ihrer Gruppe viel Zeit in der Nähe des Forschungscamps. Die Familienmitglieder schienen in guter Verfassung zu sein, und speziell die Kälber sahen wohlgenährt und kräftig aus. Placida hatte offenbar eine gute Strategie gewählt, um mit den harten Bedingungen der letzten Monate fertig zu werden. Elefantenkühe müssen viele Faktoren berücksichtigen. Einerseits ist es wichtig, dass sie selbst in guter körperlicher Verfassung bleiben, um ausreichend Milch für ihre Kälber  produzieren zu können. Andererseits dürfen die Wege zwischen den Weidegründen nicht zu lang und schwierig sein, um die Kälber nicht zu überfordern. In schweren Zeiten ist vor allem die Erfahrung einer Matriarchin überlebenswichtig für ihre gesamte Familie.

Die AAs hielten sich in ihrem gewohnten Revier bei den Sümpfen auf. Oft teilten sie sich in kleinere Gruppen auf, doch gelegentlich kamen sie alle auch für kurze Zeit wieder zusammen. Dies ist ein häufig zu beobachtendes Verhalten während der Trockenzeit, da die Aufteilung in kleinere Untergruppen die Konkurrenz um die letzten Nahrungsressourcen verringert. Gewöhnlich waren Astrid und Annan mit ihren Kälbern zusammen, während Anghared und Ava sich mit ihren Kälbern in der Nähe aufhielten.  Angelina war bei Abra und ihren Kälbern. Angelinas weibliches Zwillingskalb sah wirklich gut aus. Jetzt, wo es nicht mehr um die Milch konkurrieren musste, war es enorm gewachsen. Der Verlust ihres Bruders hatte alle – die Elefanten wie das ATE-Team – sehr getroffen. Aber zu sehen, wie gut es Angelinas Tochter jetzt ging, wirkte etwas tröstend. Leider ist es Teil des Lebens in der Wildnis, dass nicht alle Elefanten bis zum Erwachsenenalter überleben – vor allem nicht bei Zwillingen.

 

Ilka von der IB-Familie
Ilka mit Kalb von der IB-Familie

 

Während viele Elefanten in den Park kamen, um die Sümpfe als Wasser- und Futterquelle zu nutzen, verschwanden die EBs überraschenderweise für den größten Teil des Februars und den halben März.

Erst in der dritten Märzwoche kehrte Enids Gruppe in den Park zurück, und alle Familienmitgleider  sahen gut aus. Nur Eudora fehlte zunächst, tauchte aber einen Tag später ebenfalls auf.  Als sie sich der Familie näherte, kam ihr Enid entgegen und begrüßte sie sehr herzlich. Während einer Begrüßungszeremonie laufen die Mitglieder einer Familie oder einer Gruppe aufeinander zu und stoßen dabei laute Rufe, Trompeten, Brüllen und Schreie aus. Die Elefanten heben ihre Köpfe und spreizen ihre Ohren, während sie aus ihren Schläfendrüsen ein Sekret absondern. Gleichzeitig schlagen sie dabei sehr schnell mit ihren Ohren. Diese Begrüßungszeremonien sind ein sehr schöner Beleg für die starken emotionalen Bindungen zwischen Elefanten!

Im März gab es für das ATE Team auch einiges an zusätzlicher Arbeit, denn es waren gleich mehrere Filmprojekte zu betreuen. Bei der Zusammenarbeit mit Filmteams gehört es zu den Aufgaben von ATE, dafür zu sorgen, dass sie sich in der richtigen Position für die Aufnahme der Elefanten befinden und dass sie wissen, welche Individuen sie filmen und welches Verhalten sie festhalten. Das ist relativ zeitaufwändig, und dadurch bleibt dem Feldteam nur wenig Zeit für andere Aktivitäten. Die Filmarbeit ist allerdings sehr wichtig, weil sie dazu beiträgt, Sympathie und Verständnis für die Elefanten und ihre Bedürfnisse zu wecken, und so – hoffentlich – die Bereitschaft der Menschen fördert, sich für sie einsetzen.

 

Keira von der KA-Familie in Begleitung von Kuhreihern
Keira von der KA-Familie in Begleitung von Kuhreihern

 

ATE versucht normalerweise, die Arbeit mit den Filmteams so zu regulieren, dass auch noch Zeit für andere wichtige Arbeiten bleibt. Doch da im März gleich mehrere Filmprojekte gleichzeitig fertiggestellt werden mussten, hatte sich das Team darauf zu konzentrieren.

Die Zukunft scheint die Elefanten in Amboseli vor große Herausforderungen zu stellen. Vor allem der Verlust ihres Lebensraums aufgrund des menschlichen Bevölkerungswachstums wird zu einem immer größeren Problem. ATE arbeitet hart daran, dass die Welt dieser Elefanten, ihre natürliche Lebensweise und die für sie wichtigen Gebieten auch in Zukunft geschützt werden.

 

Wer diese wichtige Organisation und ihre beeindruckende Arbeit für die Elefanten in Amboseli unterstützen möchte, kann uns eine Überweisung unter dem Stichwort „ATE“ auf unser Konto mit der

IBAN: DE30 2003 0000 0621 9182 83 und der BIC: HYVEDEMM300 zukommen lassen.

 

Oder ganz einfach per Paypal:

 

 

Wir danken allen Unterstützer*innen im Namen des gesamten ATE-Teams und der Elefanten ganz herzlich für ihre so wichtige Hilfe! Sie leisten damit einen echten Beitrag für das Überleben der Elefanten in Amboseli.