Die Dürre im südlichen Teil des Tsavo-East Nationalparks letztes Jahr war die schlimmste seit 35 Jahren, und mehr als 400 Elefanten sind ihr zum Opfer gefallen. Die meisten von ihnen sind dabei nicht verdurstet, sondern verhungert, da es kaum noch Vegetation zum Fressen gab. Drei Jahre lang waren die Regenfälle mehr schlecht als recht ausgefallen, bis schließlich von Juli bis Oktober 2017 der Höhepunkt erreicht war. Es war herzzerreißend mitansehen zu müssen, wie die schwachen, kleinen und alten Herdenmitglieder unter diesen Umständen auf der Strecke blieben, aber es gab nicht viel, was getan werden konnte – die Dürre hatte das ganze Land im Griff, und die Ressourcen, hunderte von Elefanten in einem Gebiet der Größe des Staats Israel mit genug Futter zu versorgen, waren einfach nicht vorhanden. Viele Dürreopfer kamen während dieser Zeit in die Obhut des David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT), kleine Kälber, die häufig mehr tot als lebendig aufgefunden worden waren, zusammengebrochen und völlig ausgezehrt. Tahri, benannt nach der Gegend an der Biegung des Voi-Flusses in Tsavo East, in der sie gefunden wurde, war so ein Dürreopfer, aber sie wurde glücklicherweise gerade noch rechtzeitig gesichtet.

 


Am 17. September 2017 sahen Besucher des Nationalparks sie allein umher streifen. Sie war vermutlich zurückgelassen worden, weil sie nicht mehr kräftig genug war, der Herde auf ihrer anstrengenden Suche nach Futter zu folgen. Den Leitkühen bleibt in solch einer Situation nichts anderes übrig, als diese schwere Entscheidung zu treffen, damit die Herde überleben kann. In Tahris Fall waren zum Glück alle Beteiligten schnell zur Stelle, denn eine Stunde kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Die Parkbesucher, die das ausgemergelte, etwa zwei Jahre alte Kalb gesichtet hatten, alarmierten den Kenya Wildlife Service (KWS), der wiederum sofort die DSWT-Keeper in Voi und die gemeinsam betriebene mobile Tierarzteinheit informierte. Alle eilten zu der Stelle, um das Kalb zu retten. Sie trafen auf wenig Widerstand, und schnell war es eingefangen und auf das bereitstehende Fahrzeug geladen, damit es zu den Stallungen in Voi zurückgefahren werden konnte. Dort wurde Tahri in ein Eingewöhnungsgehege gebracht. Die Auswilderungsstation in Voi ist die älteste des DSWT – die Anlagen wurden schon von David Sheldrick in den 40er und frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut – und da das Mädchen schon relativ alt war, aber auch sehr schwach, und praktisch in der Nachbarschaft gerettet wurde, entschied Angela Sheldrick, dass sie dort wieder aufgepäppelt werden sollte, statt erst nach Nairobi transportiert zu werden.

Das einsame WaisenkalbDas Kalb versucht verzweifelt, Schatten zu finden
Das Kalb wird eingefangenDas Kalb ist eingefangen
Das Kalb wird festgebundenVorbereitungen zum Einladen
Das eingefangene und festgebundene KalbDas Kalb wird in das Eingewöhnungsgehege gebracht
Tahri im Gehege
Wie immer bei ausgehungerten Waisen waren die ersten Tage besonders kritisch. Der Magen und das ganze Verdauungssystem ist nicht mehr an viel Nahrung gewöhnt, und so braucht es viel Geduld, bis sie wieder festes Futter vertragen. Glücklicherweise legte Tahri einen eisernen Lebenswillen an den Tag und machte es so den Keepern leichter, sie durchzubringen! Sie ließ Behandlungen über sich ergehen und kämpfte um ihr Leben; sie futterte tapfer von dem frischen Grün, das von weit weg, von den Höhen des Sagalla-Bergs außerhalb des Nationalparks, geholt werden musste, und nahm dankbar die gemischte Milch an, die zu Anfang für sie noch verdünnt wurde.

Tahri bei Ndoria und KeniaTahri grast
Tahri (vorne) mit Kenia und den anderen Waisen in VoiTahri kommt zur Milchfütterung
Tahri schnüffelt zur Begrüßung
Die große Herausforderung war die unnachgiebige Hitze, denn die Temperaturen stiegen jeden Tag wieder aufs Neue. Zwar hatte ihr Gehege eine überdachte Seite, wo sie im Schatten liegen konnte, aber ganz der Hitze entfliehen konnte sie dadurch auch nicht. Wenn ein solcher kleiner Elefantenkörper bereits durch die sengende Sonne malträtiert ist und keine Reserven mehr hat, können solche Temperaturen schon das Ende bedeuten. Daher wurde in ihrem Gehege extra ein kleines Schlammloch angelegt und die Tränken waren immer gut gefüllt, sodass sie sich jederzeit mit Wasser bespritzen, ein Schlammbad genießen und so ihre Körpertemperatur regulieren konnte. Ihr Eingewöhnungsgehege war auch umgeben von dem Nachtgehege der anderen Waisen, die, wenn sie abends nach Hause kamen, immer mit ihr kommunizieren und ihr Mut zusprechen konnten. Dieser Kontakt zu Artgenossen ist enorm wichtig, denn nur, wenn ein Kalb einen Sinn im Weiterleben sieht, wird es auch die Kraft finden, solche lebensbedrohlichen Situationen überwinden zu wollen. Tahri kämpfte tapfer, und bald hatten die anderen Kühe der Waisenherde in Voi sie in ihre Herzen geschlossen.

Tahri und einer der älteren WaisenTahri sagt einem Keeper Hallo
Tahri bei der Voi-HerdeDie Waisenherde von Voi
Tahri und die anderen stauben sich einLiebling Tahri
Nachdem sie wieder zu Kräften gekommen war, konnte sie sich schließlich den anderen Waisen draußen im Busch anschließen, und von da an ging es stetig aufwärts. Tahri hat nun etliche geliebte Ersatzmütter, denn vor allem Kenia, Ndii und Ishaq-B lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Die Wärme und Liebe, die ihr die anderen entgegenbringen, ist rührend mitanzusehen, und inzwischen ist sie wieder ein fröhliches und zufriedenes Elefantenkind in einer Adoptivfamilie. Sie ist eines der wenigen Kälber, die das Glück hatten, rechtzeitig gerettet zu werden – etlichen anderen im riesigen Tsavo-East Nationalpark erging es deutlich schlechter. Dies ist nun ein Jahr her, und inzwischen ist sie ein glückliches Mitglied der Waisenherde geworden; obwohl sie fast täglich auf wilde Elefantenherden trift, gefällt es ihr doch bei ihren neuen Adoptivmamas am besten, und bei ihrer menschlichen Familie, die alles getan hat, ihr Leben zu retten.

 

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Tahri wird umsorgtSüße Tahri
(übersetzt aus dem englischen Original)

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