Am frühen Morgen des 9. September 2018 wurde dem Kommandeur der KWS-Einheit im Taita-Gebiet, Salim Makomba, von einem Elefantenbaby in Not berichtet. Lokale Bewohner hatten beobachtet, wie es auf privatem Land in einem kleinen See namens Mzee Kirema in der Nähe der Straße nach Mackinnon außerhalb des Tsavo East Nationalparks in einem Wasserloch feststeckte. Die Hirten berichteten, dass sie am Abend zuvor noch an der Stelle ihr Vieh hatten saufen lassen und zu dieser Zeit zwar eine Elefantenherde in der Nähe gewesen war, aber noch nichts von dem Elefantenkalb in Not zu sehen gewesen war.

 

 

Als sie am folgenden Morgen, am Sonntag, den 9. September, wieder zu der Wasserstelle kamen, entdeckten sie den kleinen Elefanten, der mitten darin trieb; er musste in der Nacht im Wasser in Not geraten sein. Niemand wusste, wie lange er dort schon um sein Leben kämpfte, nur den Rüssel über Wasser haltend, um wenigstens atmen zu können. Der Grund des Sees war sehr sumpfig, sodass es dem kleinen Kalb nicht gelungen war, wieder auf die Beine zu kommen, und auch seine Herde ihm offenbar nicht hatte helfen können. Seine Familie erkannte die Gefahr, die in der Gegend lauerte – schließlich waren sie in bewohntem Gebiet unterwegs – und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als ohne das Kalb wieder von dannen zu ziehen. Als das Baby gefunden wurde, war von ihnen nichts mehr zu sehen. Die Ranger des KWS schritten umgehend zur Tat, zogen ihre Uniformen aus und wateten ins Wasser, um das Kalb vorsichtig zum Ufer zu bugsieren, wo sie es schließlich aus dem Wasser holen konnten. Dies gestaltete sich allerdings nicht einfach, denn es war inzwischen so erschöpft, dass es nicht mehr stehen konnte, sondern nur noch liegen blieb. Die Ranger nahmen es auf der Ladefläche ihres Landcruisers mit zum Camp, das nur ein paar Kilometer entfernt war, und verständigten umgehend die vom DSWT finanzierte mobile Tierarzteinheit. Deren Chef Dr. Poghon war bald zur Stelle, zusammen mit einigen Keepern der Auswilderungsstation in Voi.

Das Kalb treibt hilflos im SeeDas Kalb wird aus dem Wasser geholt
Das kleine Kalb ist wieder im Trockenen
Dr. Poghon und die Keeper waren sehr besorgt um das Kalb und hielten es für das beste, es im Waisenhaus in Nairobi weiter zu versorgen, wenn es gerettet werden könnte. Umgehend wurde der Helikopter des DSWT herbei gerufen. In der Zwischenzeit hatte Dr. Poghon das Kalb an eine Infusion gelegt, und es wurde stetig mit Wasser überschüttet, um es vom Matsch zu befreien und es zu kühlen. Inzwischen war es Mittag und sehr heiß geworden, und es wurde vor allem hinter den Ohren gekühlt. Schließlich kam der Hubschrauber mit Pilot Andy Payne vor Ort an, mit allem, was nötig war, um das Baby sicher nach Nairobi zu transportieren. In kürzester Zeit wurde es für den Flug vorbereitet, wobei darauf geachtet werden musste, dass genügend Flüssigkeit für die Infusion für die Reise zur Hand war. Nachdem das Kalb sicher im Hubschrauber verstaut war, traten der Pilot und ein Keeper sofort den eineinhalbstündigen Flug nach Nairobi an. Das Baby war gut festgezurrt und konnte während des Fluges keine unkontrollierten Bewegungen ausführen, aber es schaute neugierig um sich und bewegte den Rüssel. Keeper Kingoo war bei ihm, um es zu beruhigen und rechtzeitig die Infusion erneuern zu können.

Das Kalb kommt im Helikopter in Nairobi anDas Kalb wird ausgeladen
Das Kalb wird im Waisenhaus zu einem Stall transportiert
Das Großartige am Hubschrauber ist, dass es ein gerettetes Kalb direkt zum Zielort transportieren kann, ohne dass es dem zusätzlichen Stress am Flughafen und während einer Fahrt durch Nairobi ausgesetzt ist. So war es auch in diesem Fall, wo es auf jede Minute ankam. Als der Hubschrauber im Nairobi-Nationalpark, nahe des Waisenhauses landete, warteten die Keeper dort schon und konnten es sofort ausladen und in einen frisch vorbereiteten, kuschelig warmen Stall bringen.

Das Kalb im StallIm Stall nach der Rettung
Das Kalb bekommt noch eine Infusion
Nachdem der kleine Bulle im Stall angekommen war, wurde er losgebunden und von den Decken befreit; die Keeper halfen ihm auf die Beine. Erstaunlicherweise stand er sehr sicher, nach allem, was er mitgemacht hatte, und blieb sehr ruhig, obwohl ihm alles sehr seltsam und unbekannt vorkommen musste. Offenbar spürte er, dass ihm geholfen wurde und war dankbar darüber. Er trank sogar eine Flasche warmer Milch und begann, von dem frisch geschnittenen Grün zu fressen, das in seinem Stall aufgehängt worden war. Die ganze Nacht blieb ein Keeper an seiner Seite, und er trank brav alle drei Stunden seine Milch und futterte Grün. Er brach nicht noch einmal zusammen oder legte sich auch nur hin! Seine Augen mussten allerdings behandelt werden, nachdem er stundenlang im schlammigen Wasser gelegen hatte. Zusätzlich bekam er langanhaltende Antibiotika, um die Gefahr einer Lungenentzündung zu bannen – sicherlich war einiges an Wasser in seine Lungen gelangt. Der freundliche kleine Bulle, der etwa 18 Monate alt ist, wurde Dololo genannt, nach der Gegend, in der er gerettet wurde.

Dololo am Tag nach seiner Rettung im StallDer kleine Bulle heißt Dololo
Dololo in seinem StallDololo lugt über die Stalltür
Der süße Dololo
Dololo schwächelte noch eine Weile und hatte auch mit einigen Würmern im Verdauungssystem zu kämpfen. Möglicherweise hatte ihn dies schon befallen, bevor er im Wasserloch in Not geraten war, denn er war in schlechter körperlicher Verfassung und voller Parasiten. Dies kann man leider sehr häufig bei Elefanten beobachten, die in Gegenden unterwegs sind, in denen auch Menschen ihr Vieh halten. Nach einigen Tagen und einer gründlichen Wurmkur kam er aber wieder zu Kräften, und nachdem er eine Woche nur am Stall umher gegangen war, konnte er sich schließlich Luggard und einem weiteren Neuling, Merru, draußen im Park anschließen. Das gemütliche Tempo der beiden war genau das richtige für ihn, und so konnte er langsam wieder Kräfte aufbauen und schließlich auch schon etwas Zeit bei den älteren Waisen verbringen.

Dololo folgt seiner MilchflascheDololo im Wald
Dololo schäkert mit einem KeeperDololo genießt die Sonne
Dololo auf dem Weg in den Busch
Wenn man nun zurückschaut auf alles, was Dololo durchmachen musste, kann man sehr dankbar sein, dass er rechtzeitig gerettet werden konnte, und es ist wunderbar zu sehen, wie er langsam wieder gesund wird und dabei aufblüht.

 

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Dololo und MerruDololo draußen im Wald
Dololo etwa einen Monat nach seiner Rettung
(übersetzt aus dem englischen Original)

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