Joachim Schmeisser

Joachim Schmeisser

 

„Das Unsichtbare unter der Oberfläche, die eher leisen aber intensiven Begegnungen sind es, die mich interessieren“ – Joachim Schmeisser.

 

Am 23. November 2017 wurde in der Galerie IMMAGIS Fine Art Photography in München die Ausstellung „Elephants in Heaven“ des Fotografen Joachim Schmeisser eröffnet. Zu sehen ist eine Auswahl teils großformatiger Highlights aus seinem aktuell erschienenen Bildband „Elephants in Heaven“.

 

Seit 2009 portraitiert Joachim Schmeisser Elefantenwaisen in Kenia, die durch den David Sheldrick Wildlife Trust eine zweite Chance auf Leben bekommen. Seine Bilder sind größtenteils in schwarz-weiß gehalten und wirken gerade deshalb besonders ausdrucksstark. Die wenigen Farbmomente, die sich in seinen Bildern finden, spiegeln die rote Erde Tsavos wider. Es sind sehr emotionale Portraits, die sowohl das verspielte Wesen der Elefantenbabys aber auch die starken sozialen Bindungen von Elefanten zum Ausdruck bringen.

 

Das Buch gewährt seinem Betrachter jedoch nicht nur einen Einblick in das Leben der Elefantenwaisen, sondern zeigt auch sehr eindrucksvoll die Zusammenarbeit des David Sheldrick Wildlife Trust mit dem Kenya Wildlife Service. Joachim Schmeisser begleitete dafür die Anti-Wilderer-Einheiten auf ihren Patrouillen und dokumentierte fotografisch, wie brutal Wilderer vorgehen und wie Ranger tagtäglich ihr Leben riskieren, um Kenias Elefanten zu schützen. Für seine faszinierenden Elefantenbilder bekam Joachim Schmeisser 2012 den renommierten Hasselblad Master Award.

 

Saskia Heyder, Vorstandsmitglied REAeV, hatte Gelegenheit, Joachim Schmeisser für ein Interview zu treffen.

In Ihrem Buch „Elephants in Heaven“ nehmen Sie uns mit auf eine Bilderreise zu den Elefantenwaisen des David Sheldrick Wildlife Trust. Wie kommt man als Werbefotograf dazu, Elefantenkinder in Kenia zu portraitieren?

Tiere, insbesondere Elefanten, haben mich schon als Kind fasziniert. 2009 bekam unser Sohn eine Patenschaft für Kibo geschenkt. Auf einer Reise nach Tansania zu der Volksgruppe der Hadzabe und zu den Berggorillas in Ruanda hatten wir einen Zwischenstopp in Nairobi. Was lag da näher, als diesen kurzen Aufenthalt zu nutzen, um unser Patenkind zu besuchen, der damals noch nicht einmal ein Jahr alt war. Der David Sheldrick Wildlife Trust gab uns die Möglichkeit, ein wenig Zeit mit den Babys und ihren Keepern im Busch zu verbringen. Diese Momente waren sehr bewegend und aus einem einst kurzen Zwischenstopp ist mittlerweile eine wirkliche Freundschaft geworden, aus der heraus die Idee zum Projekt „Elephants in Heaven“ entstanden ist. Ich möchte die Ausdruckskraft der Fotografie nutzen, um zu zeigen, welchen wichtigen Beitrag der David Sheldrick Wildlife Trust leistet, indem er alles Menschenmögliche unternimmt, traumatisierte Waisenelefanten, die oft miterleben mussten, wie ihre Familien von Wilderern getötet wurden, mit viel Liebe großzuziehen und in einem langen Prozess darauf vorbereiten, wieder in die Wildnis zurückzukehren. Dieser Prozess kann sieben bis zehn Jahre dauern und am Ende entscheidet der Elefant selbst, wann er bereit ist, sich seinen wilden Artgenossen anzuschließen. Mit meinen Elefantenportraits möchte ich dafür sensibilisieren, welche großartigen Geschöpfe das sind und dass es unsere Verantwortung ist, sie zu schützen.

Joachim Schmeisser Kibo Kenya, 2009

Joachim Schmeisser
Kibo
Kenya 2009

Ihre Bilder sind sehr emotional und authentisch. Wie haben Sie es geschafft, für uns diese besonderen Momente festzuhalten?

Jedes meiner Projekte, das ich umsetze, mache ich aus voller Überzeugung und mit Leidenschaft. Die Elefantenwaisen so hautnah zu erleben und portraitieren zu dürfen ist das höchste Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß. Das Fotografieren ist ein sehr intuitiver Prozess. Authentische Elefantenportraits lassen sich nicht inszenieren. Ich beobachte und bereits im Kopf entstehen Szenarien, was als nächstes passieren könnte. Dann gilt es, im richtigen Moment das Foto zu machen. Der richtige Moment dauert nur wenige Sekunden. Schon kurz danach sieht die Szene ganz anders aus und hat – im Bild festgehalten – nicht mehr diese besondere Wirkung auf den Betrachter. Dabei sehe ich die Elefanten nicht nur als „Tiere“. Für mich sind es Lebewesen, die auf gleicher Stufe stehen wie wir. Elefanten sind unglaublich intelligent und sozial und haben Fähigkeiten, von denen wir nur träumen können. Diese majestätischen Lebewesen verdienen unseren Respekt. Wenn ich es mit meinen Bildern schaffe, Menschen emotional zu berühren und zum Nachdenken anzuregen, dann kann ich damit auf meine Art einen Teil dazu beitragen, auf die aktuelle Situation der Elefanten aufmerksam zu machen.

Joachim Schmeisser „Elephant Bull with two birds“ Kenya, 2017

Joachim Schmeisser
„Elephant Bull with two birds“
Kenya 2017

Was fasziniert Sie an Elefanten? Gab es besondere Momente, an die Sie sich erinnern?

Den „einen“ besonderen Moment gibt es für mich nicht. Alle Momente, die ich mit den Waisen verbracht habe, waren besonders. Von Elefanten geht eine starke Magie und Anziehung aus, die sich schwer beschreiben lässt. Man muss es einfach erleben. Sie verständigen sich über kilometerweite Entfernungen hinweg durch Laute im Infraschallbereich. Diese tieffrequenten Töne sind für Menschen kaum hörbar. Elefanten sind unglaublich intelligente Lebewesen mit einem ausgeprägten Familiensinn. Von ihrer sozialen Kompetenz können wir Menschen noch einiges lernen. Das Zusammenleben der Elefanten in Familienverbänden ist geprägt von Empathie und gegenseitiger Hilfe. Stirbt z.B. ein Herdenmitglied, so zeigen Elefanten – genau wie wir Menschen – Mitgefühl und Trauer. Diese Trauer beim Verlust eines Herdenmitglieds ist auch ein kritischer Faktor wenn es um das Überleben von Elefantenwaisen geht. Nicht selten ist ein Baby durch den Verlust der Mutter so traumatisiert, dass es seinen eigenen Überlebenswillen verliert. Ausgewachsene Elefanten haben keine natürlichen Feinde. Ihr größter Feind ist der Mensch. Wir Menschen müssen endlich begreifen, dass wir als dominante Spezies nicht besser als andere Lebewesen sind.

 

In Ihrem Buch haben Sie auch die Arbeit der Ranger des Kenya Wildlife Service dokumentiert. Was haben Sie vor Ort über den Kampf gegen die Wilderei erfahren?

Ich hatte die Chance, die Anti-Wilderer-Einheit auf ihren Patrouillen zu begleiten. Wir sind stundenlang durch den dichten Busch gelaufen und ich habe einen Eindruck gewinnen können, wie beschwerlich und gefährlich ihr täglicher Kampf gegen die Wilderei ist. Die Ranger sind sehr geschult darin, die versteckten Schlingen aufzuspüren, die den Tieren schreckliche Wunden zufügen und sie qualvoll sterben lassen. Auch unter den Waisenelefanten gibt es einige, die in solche Schlingen geraten sind, die sich dann – beim Versuch, sich zu befreien – tief in das Bein oder den Rüssel eingeschnitten und entsetzliche Wunden hinterlassen haben. Sie hatten jedoch das Glück, gefunden und gerettet zu werden. Leider muss man sagen, dass die Wilderei und der illegale Handel mit Elfenbein, längst zu einem professionell organisierten und skrupellosen Milliardengeschäft geworden sind. Die Wilderei hat in den vergangenen Jahren erschreckende Ausmaße erreicht – ca. 35.000 Elefanten werden jährlich wegen ihres Elfenbeins grausam getötet. Und was viele gar nicht wissen: die EU ist der größte Exporteur von angeblich legalem Elfenbein aus Altbeständen nach Asien. Nur durch ein komplettes Verbot des Elfenbeinhandels kann die Wilderei langfristig bekämpft werden. Hier kommt es auf jeden Einzelnen an. Dass Menschen, die sich gemeinsam für eine Sache stark machen, das Handeln von Politikern beeinflussen können, hat das jüngste Beispiel aus den USA gezeigt. Nachdem Trump das Importverbot für Jagdtrophäen von getöteten Elefanten aufgehoben hatte, stoppte er diese Entscheidung vorerst wieder auf Druck von Naturschützern aus der ganzen Welt. Ich bin überzeugt davon: wenn genügend Menschen ähnlich denken und handeln, dann können wir auch etwas bewirken.

 

Der David Sheldrick Wildlife Trust feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Was würden Sie Dr. Dame Daphne Sheldrick, die dieses Projekt ins Leben gerufen hat, gerne sagen und wünschen?

Zuerst einmal wünsche ich Dr. Dame Daphne Sheldrick von ganzem Herzen Gesundheit! Sie ist eine unglaublich charismatische Frau mit einem starken Willen. Ich bewundere ihre Disziplin und Beharrlichkeit. Und ich bewundere sie dafür, dass sie nie aufgegeben hat. Die Handaufzucht von Elefantenwaisen ist auch von Rückschlägen und Verlusten geprägt und trotzdem hat Dr. Dame Daphne Sheldrick immer die Stärke gehabt, weiterzumachen. Sie und der David Sheldrick Wildlife Trust nehmen jede Anstrengung und jeden Aufwand in Kauf, um das Leben der Elefantenwaisen zu retten und ihnen eine zweite Chance auf Leben zu geben. In den 40 Jahren hat der David Sheldrick Wildlife Trust über 200 Waisenelefanten gerettet und über 3.600 verletzte Tiere behandelt. Es ist für mich unverständlich, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass der Aufwand für „nur“ 200 gerettete Waisen viel zu hoch wäre und dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Ob 20, 200 oder 2.000 – jedes Leben zählt und jedes einzelne Leben ist jeden Aufwand wert! Dr. Dame Daphne Sheldrick hat ein unglaubliches Lebenswerk geschaffen und ich wünsche ihr und den Elefanten, dass dieses Lebenswerk von vielen Menschen weiter unterstützt und fortgeführt wird. Der schönste Erfolg dieses Projektes ist, dass es mittlerweile 28 wild geborene Babys von Ex-Waisen gibt.

Joachim Schmeisser Suguta Kenya 2009

Joachim Schmeisser
Suguta
Kenya 2009

Man spürt, dass Ihr Projekt „Elephants in Heaven“ Ihr persönliches Herzensprojekt ist. Gibt es schon weitere Pläne, auf die wir uns freuen dürfen?

Ich werde auf jeden Fall dieses Projekt mit dem David Sheldrick Wildlife Trust fortführen. Was sich konkret Neues ergibt, werden wir sehen. Ich hoffe, dass meine Bilder viele Menschen berühren und ich sie damit überzeugen kann, das Projekt zu unterstützen und vielleicht auch eine Patenschaft für einen Waisenelefanten zu übernehmen. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen weniger mit sich selbst beschäftigen sondern sich Gedanken um unseren Planeten machen und darüber, welche Konsequenzen unser Verhalten für die Natur hat.

 

„All life has just one home, the earth. And we as the dominant species must take care of it“ – Dr. Dame Daphne Sheldrick.

 

Impressionen der Ausstellung „Elephants in Heaven“ von Joachim Schmeisser

Impressionen der Ausstellung „Elephants in Heaven“ von Joachim Schmeisser

 

 

Bis zum 27. Januar 2018 können Sie Joachim Schmeissers „Elephants in Heaven“ Ausstellung in der Münchner Galerie IMMAGIS besuchen!

 

IMMAGIS FINE ART PHOTOGRAPHY · Blütenstr. 1 · München
Öffnungszeiten: Di – Fr: 14:00 – 18:00 Uhr Sa: 11:00 – 14:00 Uhr und nach Vereinbarung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buch "Elephants in Heaven"

Buch „Elephants in Heaven“

 

 

Wenn Sie ein signiertes und gewidmetes Exemplar des Buches „Elephants in Heaven“ von Joachim Schmeisser möchten, dann senden Sie eine E-Mail an: welcome@immagis.de

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