Am 23. August 2017 kamen Touristen im Tsavo East Nationalpark am Voi-Fluss an einem zusammengebrochenen Elefantenkalb vorbei, das kaum noch atmete. Die Dürre im südlichen Teil des Parks hat die wilden Tiere schwer getroffen, und vor allem die Elefanten, die noch in der Gegend sind, haben darunter zu leiden. Obwohl es noch hier und da Wasser gibt, ist genug Futter nur noch sehr schwer zu finden. Da die Mütter mit ihren kleinen Kälbern nicht besonders weit laufen können, um besseres Futter zu finden, bleiben sie häufig in der Nähe von Wasser und fallen so als erste den harschen Bedingungen zum Opfer, wenn es kein Futter mehr gibt. In diesem Teil von Tsavo spielt sich gerade die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten ab – schon das zweite Jahr in Folge ist nur wenig Regen gefallen – und so starben in den letzten Monaten dort schon über 100 Elefanten, darunter leider auch viele Kälber, die zu spät gefunden werden, um noch gerettet zu werden.

 

 

In diesem Fall wurde sofort das mobile Tierarztteam des DSWT und KWS alarmiert und eilte zu der angegebenen Stelle. Dadurch konnte das Kalb schnell an eine Infusion gelegt werden, während der Helikopter des DSWT angefordert wurde. Er flog vom Hauptquartier in Kaluku nach Voi, um das Kalb direkt zum Waisenhaus in Nairobi transportieren zu können und so wertvolle Zeit zu sparen. Diesem blitzschnellen Einsatz ist es zu verdanken, dass das Leben des kleinen Babys gerettet werden konnte – in solch einem Fall zählt jede Stunde!

Das Kalb ist fast bewusstlos, als es aufgefunden wirdDas zusammengebrochene Kalb wird gerettet
Das Kalb wird am Flugfeld vom Tierarzt versorgtNach der Rettung im Pickup
Das Kalb auf der Ladefläche des Fahrzeugs
Als das Rettungsteam ihn erreichte, lag er als lebloses Bündel dort, kaum merklicher Atem kam aus seinem Rüssel und er hatte nur noch einen schwachen Puls. Sie machten sich sofort daran, seinen Zustand zu stabilisieren, deckten seinen Körper zum Schutz vor der Sonne ab und legten ihn an eine Infusion. Er hatte kaum noch Blutdruck, sodass es nicht leicht war, überhaupt eine Ader für die Infusion zu finden. Währenddessen wurde im Kaluku Feldhauptquartier der Hubschrauber vorbereitet, die Sitze entfernt und das notwendige Material verstaut, bevor er zu dem 35-minütigen Flug zum Flugfeld in Voi aufbrach. Dort angekommen, wurde das kleine Baby vorsichtig in den Helikopter geladen und seine Beine festgebunden, damit er nicht, falls er sich auf dem Flug bewegen würde, den Piloten behindern konnte. Als alle sicher waren, dass er gut verstaut war, machten sich die beiden Retter auf den Weg – eine Reise von etwa einer Stunde mit dem Hubschrauber. Da er so schwach war, regte er sich während des Fluges kaum, und erst nach der Landung in Nairobi, als die Keeper ihn dort herausholten, zeige er eine merkliche Reaktion.

Das Kalb wird am Flugfeld vom Auto abgeladenVorbereitungen für den Flug mit dem Helikopter
Am Flugfeld in VoiBereit für den Flug nach Nairobi
Der Tierarzt kümmert sich im Helikopter um das KalbGut verstaut im Hubschrauber
Ankunft in NairobiDer Helikopter kommt mit seiner wertvollen Fracht im Waisenhaus in Nairobi an
Es war klar, dass es sich hier um einen extrem schwierigen Fall handelte, aber es gab Anzeichen, die hoffen ließen! Er wurde in Malimas Stall gebracht, und Malima bekam einen größeren Stall, neben dem von Ambo. Dort auf dem gemütlichen Heu banden die Keeper ihn los und halfen ihm auf die Beine. Sie schafften es, seinen schlaffen Rüssel soweit zu heben, dass sie ihm etwas Wasser aus einem Eimer einflößen konnten, und er begann sogar, ein wenig auf dem frischen Grün herumzukauen, das in seinen Stall gehängt worden war. Schließlich nuckelte er auch etwas an einer Flasche heißersehnter Milch. Mit Milch muss man bei solch ausgehungerten Babys allerdings vorsichtig sein, da sie häufig nicht genug Reserven haben, um mit möglichen Magenbeschwerden zurecht zu kommen.

Das Kalb wird nach dem Ausladen aus dem Hubschrauber auf einen Pickup gelegtDas gerettet Kalb kommt im Waisenhaus an
Im StallEin sehr abgemagertes Baby
Das Kalb bekommt einen eigenen StallEin Keeper kümmert sich um das Baby
Das Kalb ist wieder auf den BeinenDas Kalb bekommt Rehydrierungsflüssigkeit
Das kleine Kalb wurde Emoli genannt, „Elefant“ in der Sprache des Waliangulu-Stamms, in dessen Geschichte Elefanten eine sehr große Rolle spielten. In den folgenden Tagen wuchs die Hoffnung, dass Emoli überleben könnte, und obwohl er elf Tage lang immer wieder einmal zusammenbrach und von herangeeilten Keepern wiederbelebt werden musste, kam er doch langsam wieder zu Kräften. Er blieb nahe bei den Stallungen, da er nicht die Kraft hatte, mit den anderen Waisen weit hinaus in den Park zu gehen, und vertraute bald vollkommen seinen Keepern, denen er überall hin folgte und an deren Fingern er liebend gern nuckelte. Bald schloss er sich der Baby-Gruppe an und ging mit den ganz Kleinen und Luggard zum Schlammbad bei den privaten Besuchsstunden. Zu Beginn wurde er noch von den Keepern eingestaubt, die ihn auch mit kühlendem Schlamm duschten, da er selbst dafür anfangs zu schwach war. Jedes Mal, wenn er sich hinlegte, brauchte er Hilfe, um wieder hoch zu kommen, da ihm auch dafür die Kraft fehlte. Glücklicherweise hat er einen gesunden Appetit, und so konnten wir stolz mitansehen, wie er sich bald erholte – nun kann er sich auch selbst im Matsch wälzen, wieder allein aufstehen und begleitet die anderen Waisen auf ihrem täglichen Weg in den Busch. Eine Woche nach Emolis Rettung kam ein weiteres fast verhungertes Baby in unsere Obhut – diesmal ein kleines Mädchen – und die beiden sind unzertrennlich geworden und sorgen füreinander.

Emoli nach seiner Ankunft wieder auf den BeinenEmoli bekommt etwas Wasser
Das kleine Kalb heißt EmoliSüßer Emoli
Emoli am Tag nach seiner Rettung
Emolis gelungene Rettung hat alle Beteiligten sehr stolz gemacht, und nun kommt auch sein freundlicher Charakter zum Vorschein, der in diesem kleinen Häufchen Haut und Knochen steckte, das vor zwei Monaten aufgesammelt wurde. Alle sind außerordentlich dankbar, seine Genesung miterleben zu können und die Freude zu erleben, mit der er an sein wiedergefundenes Leben herangeht, nachdem er sprichwörtlich kurz vor seinem letzten Atemzug gerettet wurde.

Emoli etwa einen Monat nach seiner RettungEmoli draußen im Busch
Der süße kleine Emoli
Wir schätzen Emolis Alter auf etwa ein Jahr. Das Schicksal seiner Mutter bleibt im Dunkeln, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr nichts anderes übriggeblieben war, als ihr zusammengebrochenes Kalb zurückzulassen, als sie keine Hoffnung mehr hatte, dass es überleben würde.

 

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Emoli mit MaishaEmoli, Maisha und Godoma
Emoli unter den anderen Babys im Waisenhaus
(übersetzt aus dem englischen Original)

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