Die Auswilderungsstation des Sheldrick Wildlife Trust in Voi wurde seinerzeit noch von David Sheldrick persönlich errichtet, dem Gründer des Tsavo Nationalpark. Mit seiner Frau Daphne zog er dort in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrunderts die ersten verwaisten Elefanten auf, und dazu noch Spitzmaulnashörner, Büffel, Zebras, Warzenschweine, Mangusten, Strauße, Impalas, Kudus und jede Menge anderer Wildtiere in Not. Die Station liegt malerisch an den Hängen des Mazinga-Bergs, oberhalb des Park-Hauptquartiers, und man hat von dort einen herrlichen Ausblick über den südlichen Teil des Nationalparks und die Stadt Voi – damals noch ein kleines Dorf mit nur einer Straße, ein paar Händlern und einer kleinen Bahnstation.

Mweya und EmilyLesanju, Baby Neptune und Ndara

Im Laufe der Jahrzehnte sind hier zahlreiche Elefantenwaisen aufgezogen worden, ein Prozess, der gewöhnlich zehn bis 14 Jahre dauert. Viele große wilde Herden bevölkern die Ebenen des südlichen Tsavo, und manche der ehemaligen Waisen sind über die Jahre berühmt für die Gegend geworden, so wie Eleanor und in letzter Zeit auch Emily. Für die Keeper ist es immer ein ganz besonderer Moment, wenn die majestätischen Ex-Waisen nach langer Zeit wieder einmal ihre menschliche Familie besuchen und dabei die noch milchabhängigen Waisen kennenlernen; ihnen sollen sie in Zukunft ihr jahrelang erworbenes Wissen weitergeben, damit auch sie erfolgreich die Gegend und die klimatischen Bedingungen verstehen lernen.

Emily mit einem StoßzahnLesanju, Baby Neptune, Sweet Sally und Ndara
Die hochschwangere Mweya und ThomaBaby Neptune bei Icholta
Ende 2018 war es wieder einmal soweit, und etliche Ex-Waisen unter der Führung von Emily kamen während der Regenzeit im Dezember zu den Stallungen in Voi. Dabei waren auch die etwas jüngeren Ex-Waisen Lesanju, Lempaute, Wassesa und Rombo, die vollauf damit beschäftigt sind, sich um die vielen Babys der Herde zu kümmern. Dazu gehören nicht nur Emilys Kälber Eve und Emma, sondern auch die Babys von Edie, Ella und Eden. Auch Icholta mit Inca waren mit von der Partie, genauso wie Sweet Sally mit Safi, Thoma mit Thor, Ndara mit Neptune und Seraa mit Solar. Ihre Kollegin Mweya ist zurzeit hochschwanger, und alle waren bei bester Gesundheit. An einigen Tagen tauchten auch die schon ganz stattlichen Bullen Laikipia und Lolokwe auf. Die Ex-Waisen blieben ein paar Wochen in der Gegend, schlossen sich häufig den jüngeren Waisen beim Schlammbad an und kamen auch immer wieder an den Stallungen vorbei. Die einzige, die sich weniger freute, war Kenia, aktuelle Leitkuh der Waisenherde, die sich alle Mühe gab, ihre Schützlinge von ihren älteren Kollegen fernzuhalten, damit sie nicht von ihnen entführt werden konnten!

Wassesa, Baby Thor, Thoma und Emily Emma und Mweya mit einem wilden Bullen
Im Januar wartete dann noch eine Überraschung auf die Keeper, als am 8. des Monats aus heiterem Himmel die jetzt neun Jahre alte Mbirikani an der Auswilderungsstation auftauchte! Im Mai 2018 hatte Mbirikani sich zusammen mit Ajali am Wasserloch einer wilden Herde angeschlossen und war vor den Augen der Keeper mit ihr in den Weiten der Savanne verschwunden. Die Keeper versuchten einige Tage lang, die beiden wiederzufinden und suchten sogar per Flugzeug. Aber ohne Erfolg – offenbar hatte die wilde Herde sie aufgenommen und war mit ihnen weitergezogen.

Mbirikani an der Auswilderungsstation
Das ist jetzt fast ein Jahr her, und staunten alle sehr, als sich Mbirikani nun wieder zeigte. Möglicherweise war ihre neue Herde zur Regenzeit wieder zu den Weidegründen im Park zurückgekehrt, und als Mbirikani die Umgebung wiedererkannte, beschloss sie, ihre ehemaligen Keeper zu besuchen. Und tatsächlich bekamen die Keeper am 10. Januar auch Ajali zu sehen, als er am Nachmittag zum Schlammbad der Waisen kam! Ajali, der schon relativ alt war, als er verwaiste, und nicht allzu lange von den Keepern versorgt wurde, war allerdings deutlich zurückhaltender als Mbirikani und kam den Waisen und ihren Keepern nicht allzu nahe. Er blieb ein paar Stunden bei Mbirikani und schlenderte dann wieder hinaus in den Park.

Mbegu begrüßt MbirikaniMbirikani bei den Waisen
An dem Abend, an dem sie an der Station auftauchte, blieb Mbirikani über Nacht, und am folgenden Morgen begleitete sie die Waisen zum Grasen hinaus in den Busch, und so hat sie es auch in den folgenden Tagen getan. Sie geht am Morgen mit den Waisen hinaus und kommt am Abend mit ihnen zu den Stallungen zurück. Sie schläft allerdings außerhalb der Gehege auf dem Gelände der Stallungen und erwartet dann die Waisen, wenn sie am Morgen wieder herauskommen. Und auch darüber ist Kenia natürlich nicht allzu erfreut, denn wie bei Emily befürchtet sie, dass auch Mbirikani ihr die Rolle als Leitkuh streitig machen könnte.

Ndotto sagt Mbirikani HalloMbirikani
Niemand weiß, wie lange Mbirikani bei den milchabhängigen Waisen bleiben wird, aber alle sind glücklich, dass es ihr so gut geht, und das, obwohl sie, als sie verwaiste, eine so schreckliche Verletzung ertragen musste. Sie wurde im Juli 2013 in den Chyulu-Bergen mit einer Schlingenfalle aufgefunden, die sich schon tief in das Fleisch ihres Beines gefressen hatte. Es dauerte etliche Monate und erforderte dauernde Pflege, um sie wieder gesund zu pflegen. Heute sieht man davon nur noch, dass ihr Fußgelenk etwas dicker ist als die anderen, aber ansonsten ist sie gesund und munter.

Offenbar hat sie diejenigen nicht vergessen, die sie damals gerettet und wieder gesund gepflegt haben, und das gehört zum Schönsten, das die Keeper bei ihrer Arbeit erleben. Ebenso glücklich macht es alle beteiligten zu sehen, wie erfolgreich die Ex-Waisen nun frei in der Wildnis leben und all das meistern, was sich ihnen täglich als Herausforderung stellt. Sie bedanken sich auf ihre Weise bei ihrer menschlichen Familie, indem sie von Zeit zu Zeit vorbeikommen, um Hallo zu sagen und die Freude über ihre immer größer werdende Herde mit den Keepern zu teilen.

(übersetzt aus dem englischen Original: News on Emily’s growing herd und Mbirikani’s return!)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Archiv