Die Rettung von Naboishu

Am 27. März 2020 wurde die vom Sheldrick Wildlife Trust (SWT) und Kenya Wildlife Service (KWS) betriebene mobile Tierarzteinheit in der Maasai Mara gerufen, um eine Obduktion an einer Elefantenkuh durchzuführen, die am Morgen aus unbekannten Gründen tot aufgefunden wurde. Sie war eine bekannte Kuh in der Maasai Mara, die „Namunyak“ genannt wurde und war vom Mara Elephant Project (MEP) mit einem Funkhalsband ausgestattet worden, mit dessen Hilfe verfolgt werden konnte, wo sie und ihre Herde unterwegs war. Als das Ortungssignal sich nicht mehr bewegte, klingelten alle Alarmglocken beim MEP. Sie wurde leblos aufgefunden, und ihr Kalb war mit der Herde inzwischen ein Stück weiter gegangen. Die Obduktion brachte eine große Schwellung in der Darmgegend zum Vorschein, vermutlich von einer älteren Verletzung, die aufgebrochen war, sodass Eiter in die Blutbahn gelangt war. Das hatte wohl eine Embolie der Lunge verursacht, und schließlich hatte das Herz der Kuh aufgehört zu schlagen. Immerhin gab es keine Anzeichen von äußeren Verletzungen.

 


Sie hatte ein noch milchabhängiges Kalb, das etwa 18 Monate alt war – noch zu jung, um ohne die Milch der Mutter überleben zu können. Die Herde wurde beobachtet, aber sie blieb auf einer Anhöhe, und die Regenfälle machten eine sofortige Rettungsaktion unmöglich. Als die Herde am Tag darauf schließlich wieder herunter gekommen war, wurde dem Baby mit einem Pfeil ein Beruhigungsmittel verabreicht, und die Ranger von KWS und lokalen Organisationen konnten es ohne größere Probleme einfangen.

Inzwischen hatte sich auch ein Team von Keepern des SWT-Waisenhauses in Nairobi auf den Weg mit dem Flugzeug in die Maasai Mara gemacht. Nach der Landung fanden sie das Baby bereits am Flugfeld auf der Ladefläche eines Landcruiser vor. Das Kalb wurde auf den Flug vorbereitet und im Flugzeug verstaut, das ohne Verzögerung wieder in Richtung Nairobi starten konnte. Als das Team schließlich im Waisenhaus ankam und das Baby in einem Gehege untergebracht hatte, war es immer noch etwas schläfrig und ruhig genug, um etwas Milch aus der Flasche zu trinken. Am nächsten Morgen allerdings tobte es wild herum und rüttelte am Gehegetor. Das ist im allgemeinen ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass es sich um ein gesundes und kräftiges Elefantenbaby handelt.

 

 

 

 

Es dauerte einige Tage, bis sich der kleine Bulle genug beruhigt und sich an die Keeper gewöhnt hatte. Am Anfang traute er sich nur ab und zu an einen Eimer mit Milch heran, aber nach wenigen Tagen hatte er sich schon mit der Milchflasche abgefunden. Seine Gehege-Nachbarn kollerten ihm in der Nacht beruhigend zu, und so hatte er sich schließlich gut genug eingewöhnt, um mit den anderen hinaus zu gehen. Das Ganze dauerte zehn Tage, denn er ist ein wilder kleiner Elefant, und die Keeper mussten sicher sein, dass er ihnen genug vertraute, um nicht in der Wildnis zu verschwinden, sondern abends wieder zurück in sein sicheres Gehege zu gehen.

Er wurde „Naboishu“ genannt, da er inmitten von schwierigen Zeiten der Coronavirus-Pandemie am 28. März gerettet wurde; in der Sprache der Maa, der Bewohner der Maasai Mara, aus der er kommt, bedeutet dies „Einheit“. Es ist ein bedeutungsvoller Name, und der kleine Elefantenjunge ist auch eine bemerkenswerte Persönlichkeit!

 

 

 

 

 

An seinem ersten Tag draußen im Wald bei den anderen Waisen fing Naboishu auch gleich an, auf allen anderen herumzuklettern. Er ließ sich nicht von der Tatsache beeindrucken, dass er ein Neuling war! Die anderen Waisen reagierten sehr nachsichtig mit dem kleinen Rabauken, der da in ihrer Mitte herumtollte, als ob er schon immer da gewesen wäre. Er blühte in der Gesellschaft der Elefantenwaisen richtig auf und ist energiegeladen. Er trinkt und frisst ordentlich und hat sich auch schon an die Fütterungszeiten gewöhnt; er weiß wenn es zum Schlammbad geht und geht abends brav zurück in sein Gehege, wo er vor Raubtieren sicher ist.

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Im Moment gibt es wegen der Coronavirus-Pandemie keine öffentlichen Besuchsstunden im Waisenhaus, und so verbringen die Waisen den Tag draußen im Nationalpark und spielen und grasen an der Seite ihrer Keeper. Nach den mehr als ausgiebigen Regenfällen sind Bäche und Wasserlöcher voll bis zum Rand, und überall gibt es viel Grün zum Fressen. So ist Naboishu jetzt Teil einer glücklichen Waisenherde und wird von den älteren Mädchen, vor allem von Tamiyoi und Tagwa, ausführlich bemuttert.

 

(übersetzt aus dem englischen Original; alle Bilder © Sheldrick Wildlife Trust)