Am 13. September 2017 erhielt Angela Sheldrick einen Anruf von einem Safari-Guide, der ein verwaistes Elefantenkalb in der Maasai Mara gesichtet hatte. Er machte einen kläglichen Eindruck, als kleiner Elefant verlassen in den weiten Ebenen vor dem Oloololo-Steilhang. Wilde Herden kamen und gingen, aber er blieb immer wieder zurück und konnte sich keiner der weiterziehenden Gruppen anschließen.

 

 

Da der Elefant schon über mehrere Tage so beobachtet worden war, wurde klar, dass er ein Waise war. Sein Gesicht war schon eingefallen und sein aufgeblähter Bauch verriet, dass er unterernährt war; es war ein kleines Wunder, dass er überhaupt noch am Leben war, denn in dieser Gegend gibt es viele Raubtiere. Er war emotional aufgewühlt, denn seine Schläfendrüsen sonderten jede Menge Flüssigkeit ab, doch er versuchte, so viel Gras wie möglich zu fressen und schien noch recht kräftig zu sein.

Sapalan einsam und verlassen in den Weiten der Maasai MaraSapalan wird beobachtet
Angela kontaktierte die Mitarbeiter der Tierarzteinheit, die vom DSWT und dem KWS gemeinsam in der Maasai Mara betrieben wird. Sie sollten die Angelegenheit untersuchten und sich mit der Verwaltung des Mara-Schutzgebiets beraten, ob eine Rettung notwendig werden würde. Sie trafen sich mit Wildhütern des nahegelegenen Außenpostens Kilo 2 und dem Tourismus-Beauftragten des Mara-Dreiecks, Alfred Bett, an der Stelle, an der das Kalb zuletzt gesehen worden war. Obwohl sein Alter auf mindestens zweieinhalb Jahre geschätzt wurde, war allen klar, dass er allein nicht mehr lange durchhalten würde. Die Raubtiere der Gegend jagen öfter Babyelefanten, und so müsste er sich ohne den Schutz seiner Familie gegen Löwen und Hyänen verteidigen. Schließlich wurde entschieden, ihn zu retten, bevor es zu spät wäre. Da es allerdings schon auf den Abend zuging, wurde die Rettungsaktion auf den nächsten Tag verschoben. Ein gesundes Baby von fast drei Jahren einzufangen benötigte einige Planung, und genügend Mitarbeiter mussten zusammengerufen werden, um ihn auf den Landcruiser und dann in das Flugzeug zu hieven. So begannen die Vorbereitungen, und Angela wurde informiert, dass die Rettung am darauffolgenden Tag durchgeführt werden sollte.

Es wird über das Schicksal des Kalbs beraten
Am 14. September machte sich die Tierarzteinheit früh am Morgen auf den Weg, um die Gegend abzusuchen, in der der kleine Bulle am Tag zuvor zuletzt gesehen worden war. Es war nicht einfach, ihn wiederzufinden, denn das Gras stand zu dieser Zeit sehr hoch. Alle hofften, dass er noch eine Nacht den Gefahren der Wildnis getrotzt hatte und nicht von Raubtieren angefallen worden war. Zur Erleichterung aller wurde er gegen Mittag schließlich gesichtet. Das Rettungsteam in Nairobi wurde sofort auf den Weg geschickt, bevor die Aktion startete, damit er nicht zu lange im festgebundenen Zustand zubringen musste. Glücklicherweise hielt er sich gerade nicht allzu weit vom Serena-Flugfeld in der Maasai Mara auf. Vor Ort waren außer der DSWT-finanzierten mobilen Tierarzteinheit auch der Chef des Mara-Schutzgebiets, Brian Heath, sowie Alfred Bett, Emanuel Melai, der Verwalter des Schutsgebiets, und David Aruasa, Manager der Tourismus-Abteilung.

Sapalans Rettungsaktion startet
Um 14 Uhr befanden sich die Keeper aus Nairobi schließlich auf dem Flug in Richtung Maasai Mara, und das Tierarztteam konnte mit dem Einfangen des Kalbs beginnen. Es bekam eine Decke über den Kopf geworfen, sodass die Helfer es kontrollieren und schließlich festbinden konnten. Dann legten sie den kleinen Bullen auf eine Matraze, luden ihn auf das Rettungsfahrzeug und fuhren mit ihm zum Flugfeld, wo sie auf die Ankunft des Teams aus Nairobi warteten. 14:45 Uhr kam das Flugzeug an, und die beiden Teams tauschten ihre wertvolle und schwere Fracht aus. Alle verfügbaren Helfer mussten mit anpacken und das Verladen des Kalbs in das Flugzeug war eine schweißtreibende Angelegenheit. Als es schließlich gut im Inneren der Cessna Caravan verstaut war, startete ohne Verzögerung der Rückflug, damit es so schnell wie möglich zu seinen Artgenossen im Waisenhaus in Nairobi gebracht werden konnte.

Das Kalb wird gerettetSapalans Rettung
Sapalans Füße werden festgebundenSapalan wird für die Reise vorbereitet
Sapalan mit einer Decke über dem Kopf, um den Stress der Rettung zu mindernSapalan wird ins Flugzeug verladen
Sapalan im RettungsflugzeugVor dem Abflug
Er kam etwas verwirrt, aber kräftig im Waisenhaus an, und nachdem er sicher in seinem Gehege untergebracht worden war, kamen die anderen Waisenelefanten für die Nacht zurück. Das wirkte sehr beruhigend auf ihn. Eine Decke wurde über sein Gehegetor gehängt, damit er möglichst wenig von außen gestört werden würde und Zeit bekam, sich einzugewöhnen. Sein Nachbar Rapa half ihm dabei. Er fraß fleißig von dem frisch geschnittenen Grün in seinem Gehege, aber Rapa war sehr interessiert an seinem neuen Nachbarn. Zuvor hatte Ndiwa nebenan gewohnt, aber nun war da ein Bulle wie er, und auch noch deutlich größer, sodass er mit der neuen Situation erst einmal zurechtkommen musste. Ndiwa machte dem Neuling Platz, der in dem großen Gehege besser Gelegenheit hatte, sich die ersten paar Tage einzugewöhnen.

Sapalan wird am Wilson-Flughafen abgeladenSapalan wird bis an sein neues Gehege heran gefahren
Sapalan in seinem neuen GehegeSapalan ruht sich nach der Rettung erst einmal aus
Das Team des Mara-Schutzgebiets, das bei der Rettung half, bat darum, das Kalb Sapalan zu nennen, und da wir es ohne sie nicht geschafft hätten, kamen wir dem Wunsch natürlich gerne nach. Sapalan brauchte ein wenig Zeit, um ruhiger zu werden, aber es dauerte nicht lange, bis er seine Milchflasche lieben lernte. Das half ihm sehr bei der Eingewöhnung, und nach einer Weile fühlte er sich auch in der Gegenwart der Keeper wohl. Nach ein paar Wochen konnte er sich dann den anderen Waisen draußen im Nairobi-Nationalpark anschließen.

Sapalan liebt die MilchEnkesha mit Sapalan
Sapalan draußen im Wald
Da Sapalan schon deutlich über zwei Jahre lang in der Wildnis gelebt hat, wird er nicht lange brauchen, um wieder unabhängig zu werden und sich den Ex-Waisen anzuschließen. Daher ist er auch schon in die Auswilderungsstation in Ithumba im Tsavo East Nationalpark umgezogen.

 

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Sapalan
(übersetzt aus dem englischen Original)

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